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Die neue Welt · 1929-02-22 · Heft 75 (22.2.1929) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 75 (22.2.1929)
Date
1929-02-22
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Dm Mm weit Nr. 75 IMMm» e r I. v Adlargasse S Tel. R-93-4-AO II. , Kl Pfarrg.28 T*|. A-41-6-24 § I n h a b . 1 Hlctiord Herzog Sprechapparate l«d«r Art, farnar §§ JQdfsche und hebräische schallplatten I sowie alle modernsten Tanz-und Gesangsschlaser I M in reichster Auswahl auf Lager* § I Auch TeilzahlungenI Provinzversand! I zur vernichtendsten Kritik Schaftssystems führen. des herrschenden Wirt- Es genügt nicht, einzelnen Klassen, Volksschichten, Berufen ihre ökonomische Lage zu verbessern, jedes einzelne Individuum muß versorgt sein. * Was für ein rohes Wort ist das Wort vom „Klassenbewußtsein"! Es ist um nichts besser und zeigt nicht weniger Borniertheit als der seinerzeitige Stolz der Zünftler auf ihre Profession und auf ihre Gilde! * Im Talmud heißt es: „Um jedes einzelnen Menschen willen ist die Welt erschaffen worden", und ferner: „jede Menschenseele ist mehr wert als die ganze Welt." (Wobei offenbar hierunter die nichtmenschliche Welt verstanden wird.) . * Millionen von Menschen und Familien verbringen so ihr Leben in der i.m'm erwährenden Ang st, nichts zu leben zu haben, alle diese sinken ins Grab und haben vielleicht nicht einen einzigen frohen Augenblick genossen, da, selbst die Annehmlichkeiten unserer Kultur sie nicht in,: empfängnisfrohem und -fähigem Zustande finden. Wozu haben also alle diese Individuen gelebt? - *' Alle die feinen Mittel zur moralischen und ideellen Hebung der Menschen, alle die schönen Sittenspruche und moralischen Erzählungen, alle schöne Literatur, Museen, Konzerte, Theater werden die Menschen nicht veredeln, so lange so mächtige Faktoren wie Hunger, ökonomische Angst und Sorge an ihnen fressen. „Gebt den Leuten zu essen, die Würde wird dann schon kommen," sagt Schiller ... * Eine besonders widerwärtige und die Menschen entwürdigende Eigenschaft, die durch die Sorge um den Lebensunterhalt; großgezüchtet wird, ist der Ser- Tilismus oder die Heuchelei jenen gegenüber, die uns nützen oder schaden können. * Gleichheit in der Pflicht, Steuern zu zahlen, in der Armee zu dienen und sich im Kriege tot oder zum Krüppel schießen zu lassen, diese Gleichheit findet man selbstverständlich und sieht sie als ethische Forderung an, auch die „Gleichheit aller vor Gott" wird noch eifrig gelehrt. Aber die Gleichheit im Sattwerden und Hungern? Dagegen empört sich der Dämon der Herzlosigkeit in unseren Zeitgenossen. # Uns fehlt die Ehrfurcht vor menschlichen Existenzen. Ehrfurcht vor anderen Dingen, die sie nicht verdienen, haben wir viel zu viel. * Alle Menschen müssen in gleich leichter Weise Batt werden können und wenn die dazu nötige Quantität an Nahrungsmitteln nicht zu beschaffen ist, so müssen alle Individuen in gleichem Maße hungern. * . Aus: Bismarck und der Antisemitismus. Erschienen 1880. Daß die Juden einmal „ihren" Staat hatten, ist schon zu lange her, heute und seit so vielen Jahrhunderten ist die jüdische Rasse staatlos. Aus diesem Defekt, der selbst manchen sehr Vernünftigen, wie der Mangel eines Sdiattens bei Peter Schlemihl, erscheint» ergibt sich nun die eigentümliche Mißachtung, welche die Juden inmitten der sie umgebenden Völker zu erleiden haben. Man stelle sich aber vor, es existiere oder entstünde heute irgendwo ein jüdischer Staat. Sofort wäre eine Art völkerrechtlichen Respektes vor dieser - „irgendwo" existierenden politischen Macht vorhanden. Ein Staat, nicht größer als irgend ein Schweizer Kanton, würde schon' vollkommen genügen . . . Jede Beleidigung eines Juden wäre dann nicht mehr bloß eine unmoralische Handlung, über die man sich leicht hinwegsetzen würde, sondern ein Fall für eine völkerrechtliche Reklamation. Schützet das Mandat! —y. Am Ii. Februar ist in Rom zwischen dem Vatikan und der it alienischen 'Regierung der Vertrag unterzeichnet worden, der den neuen Kirchenstaat aufrichtet und die rein geistige Macht des Papsttums nach der politischen Seite hin ausbaut. Es ist ein neuer Staat entstanden. Er zählt nur 44 Hektar, aber er ist ein Staat mit der vollen, uneingeschränkten Gebietshoheit des Papstes und das schafft in der internationalen Politik eine Tatsache, die nicht überschätzt, aber noch weniger unterschätzt werden darf. Am wenigsten von dem jüdischen Volk, dessen Erinnerungen an den alten Kirchenstaat, der zu jedem Karneval sein Judenrennen haben mußte,, keine freundlichen sind und das sich jetzt auf seinem Wege nach seiner Unabhängigkeit und freien Staatlichkeit vor einer sehr ernsten Situation sieht. Diejenigen, die" bisher die volle Bedeutung des Judenstaatsg e.d a n k e n s nicht erkannten oder nicht erkennen wollten, werden jetzt wohl ermessen können, was ein Staat ist und welch weites Maß von Rechten internationaler Geltung er gibt. Und wer bisherin einem, sehr weiten und übertragenen Sinn auch das Judentum als. eine gejstise Macht anzusprechen gewohnt war, der mriß heute es einsehen, daß das nationale Judentum zum p o 1 i t i s c h e n Au s b a u dieser , sehr z w e i f e l.h ai t.e n <g. e i s-1 i g. e;n; M a c h,t ,kommen wilj; ,und kommen; muß, heute mehr,-denn, je.. Denn das; Papsttum,/ schon bisher, ein Qegner der,, nationalen Freiheitsbestrebungen der Juden, ist von nun ab eine politische Macht und sie wird nicht zögern, Fi ■ M«ji|^^^W^^^^^^^^r^^^P^^n»^^^^^^^^B **^L/% ^dl^^ ,HMl^«^|^|^|^^^wgf„ptfl (JIÜAU5^^4PöTIIEKE^ES-l5TAraON6 W von ihren neu gewonnenen Rechten auf dem Gebiete der. Palästinafrägen so oft und so viel Gebrauch zu machen, als sich die Gelegenheit dazu bietet. Es wäre unsinniges Versteckenspielen, wollte das nationale Judentum dies nicht bemerken. Es droht ein Stoß in die, Flanke. Von französischer, dem Vatikan nahestehender Seite erfährt der „Excelsior", daß Papst Pius XI. nach wie vor keineswegs wünsche, in den Völkerbund einzutreten, und jede in diesem Sinne gehaltene Anregung ablehnen müßte. Der Papst weigere sich aber, nicht, fallweise mit Genf in Fühlung zu treten, für gewisse Angelegenheiten, die im selben Maße den Heiligen Stuhl und den Völkerbund betreffen. Die französische Seite, die dies mitteilen läßt, mag den Wunsch für des Gedankens Vater gelten lassen. Es ist wahrscheinlich richtig, daß die Kurie im Augenblick die Kräfte des Widerstandes gegen einen Eintritt in den Völkerbund genau ermißt. Aber in Rom kennt man die Kunst des Wartens und auch die des zeitgerechten Eingreifens. Wenn der Vatikan will, so wird er in den Völkerbund eintreten und dies um so leichter, als er ja ein international anerkannter Staat ist, demman die Au f n a h m e gar nicht verweigern kann. Bis dahin — wir wollen einstweilen der französischen' Lesart folgen — will er nur gewisse Angelegenheiten mit dem Völkerbund behandeln, die für beide Teile von Interesse sind. Eine solche Angelegenheit ist die Palästinafrage und das Palästina-Mandat. In dieser Frage ist sogar die Stellung des Vatikans viel CTIIIIIIIIIIWHHIlHUimHIIIIiaW^^ Wer gut und billig speisen will, der macht einen Versuch im RESTAURANT ROTH II., PratartlraB« 94 Menü: Suppe. Fltlseh. Otmüse, Mehlspeise ».38 Vorspeise, Suppe, Braten nieh Wahl, Oetnflse. Mehlspeise 8 ht* stärker, wenn er außerhalb des Völkerbundes als der (offiziell) schweigende Dritte steht. Es ist eine jüdische Angelegenheit und' da ersteht wieder vor uns die Kardinalforderung der jüdischen nationalen Bewegung, daß jüdische Interessen nur durch jüdische Stellen, durch Körperschaften oder Personen, vertreten werden dürr fen. Liegt die Entscheidung über das jüdische Recht in und auf Palästina, über dieses letzte und größte Recht des jüdischen Volkes so, daß das jüdische Volk selbst mitbestimmen kann? Nein. Zwischen dem jüdischen Volk und dem Völkerbund steht die englische Zwischeninstanz und obwohl das Judentum in der Palästinafrage gerade nach dieser Wendung der Dinge alles Vertrauen in England setzen kann, ist doch der beschämende Zustand gegeben, daß eine Art Schutzjudentum sich zu entwickeln scheint mit allen Erscheinungen der Demoralisierung. Das Judentum ist vom Völkerbund mündlich gesprochen worden, aber es ist kein Staat; es wird in absentia von einem Kurator vertreten, der beim besten Willen niemals sein Interesse vergessen kann und der niemals für das jüdische Recht so energisch sich einsetzen kann, wie das Juden selbst tun können. Das Judentum muß die Möglichkeit erkennen, daß sein Recht unter Umständen Objekt eines Kompromisses werden kann. Diesen Umständen kann einzig und allein der Judenstaat, die jüdische StaatspersÖnlickeit .vorbeugen, nur sie verbürgt den Eintritt in den .Völkerbund als Gleicher unter Gleichen. Es gibt keine andere Form als diese Staats rech 11 je he Konstruktion und jede Bindung, wie etwa in der Art des,Aufgehens Palästinas als jüdisches Dominium, im britischen Weltreich, würde das Judentum außerhalb Palästinas in unübersehbare Konflikte, hirieinreißen; zunächst aber würde sie das so schwer errungene Mandat, gefährden. Wieder ist'*\ eine Warnung da, das Mandat keiner internationalen diplomatischen Diskussion auszusetzeUi E i n e s o 1 c h e m u'ß ü h w ed g e irsollte. Wehn er ' die Prärogative, r £ie der Artikel 4 cles Mandates der zionistischen Exekutive und«nur dieser allein zusichert, fallen läßi, dann kommt das politische Gebäude des Mandates in das Sturmzeritrum der internationalen Diplomatie und dann entsteht mit Hilfe des Zionistenkongresses eine jener Angelegenheiten, für--die neben dem Völkerbund auch der Kirchenstaat Interesse hat. Oer neue Kirchenstaat. Die Rechte der Juden Italiens. Aus New York, 14. Februar, meldet die J. T. A.: Rev. Wilfred Parsons, Herausgeber des „American Catholic Weekly"* gab der Jüdischen Telegrapl:en-Agentür eine von autoritativer katholischer Seite gebilligte Erklärung des Inhaltes, daß durch das neue Abkommen zwischen Vatikan und dem Königreich Italien., durch welches die künftigen Beziehungen zwischen der Kirche und dem italienischen Staate geregelt und der römische Kirchenstaat wieder errichtet wird; der Status der jüdischen Bevölkerung Italiens n i c h t b e rührt wird. Auf die Frage, ob, wie aus katholischen Kreisen mitgeteilt wurde, das Konkordat die Wiedereinführung des Canon in Italien vorsieht (das canonische Gesetz enthält Ausnahmeverfügungen gegen die Juden), erklärte Rev. Wilfred Parsons, daß nur wenige Bestimmungen des alten canonischen Gesetzes jetzt wieder in Geltung kommen. Diese Bestimmungen betreffen nur Angelegenheiten des Unterrichtes, der Ehe und der kirchlichen Besitztümer. Laut dem Abkommen ist der katholische Religionsunterricht in den italienischen Staatsschulen obligatorisch, dies war aber In Italien auch vor Abschluß des Konkordates der Fall, Jüdische Eltern haben aber das Recht, die Befreiung ihrer Kindeil vom katholischen Religionsunterricht zu fordern. (Die Juden Italiens hatten nach einer riode der Unterdrückung unter den Päpsten langen Pedurch Na- Hört und 'ffffftll»lfff«tlflftlMlllfftflMJflflf'tlllttlflICftlffffltftlttttttllf«li:tlflltiltttflIIlfIfiIlllilJffllflftliJf Wie schön und Ueberzeugt euch von der besonders günstigen, Gelegenheit die jetzt bei Sommerfrettttb, SBieti, VllL, Josefstädterstraße 35 / Telephon a-22-1-87 In Perser- und chinesischen Teppichen geboten ist Lasset die Gelegenheit nicht ohne Besichtigung vorbeigehen ' Nach Tunlichkejt Zahfwngserlefchterunpen! }[§> S§f

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