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Die neue Welt · 1929-02-15 · Heft 74 (15.2.1929) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 74 (15.2.1929)
Date
1929-02-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 74 DIE NEUE WELT Seif e 3 ~ ser Umschwung, sagt Palliare, vollzog sich an ihm ohne Kampf mit dem eigenen Gewissen. Er fühlte vielmehr, daß sich sein Glauben läutere und er sich jenem Glauben nähere, welcher 4er von Jesus war. Einmal zeigte ihm der Geistliche Lehmann, der mit Stolz aui seine jüdische Abkunft hinwies, eine Kirche, -die zu Ehren der Mutter Maria festlich^ beleuchtet war, und sagte: „All das zu Ehren einer Jüdin!" Dies war wieder ein Anlaß für Palliere, ^ich über die Entstehung des Christentums aus dem Judentum Gedanken zu machen. Zum drittenmal sing er am Jörn Kippur in die Synagoge, diesmal schon mit einem aus Paris bestellten Gebetbuch. „Wären", bemerkt er hiezu, „meine Beziehungen zum Judentum nur auf den einmaligen Besuch einer Synagoge im Jahr gestützt, so wäre meine Neugierde schließlich gesättigt und ich hätte, zurückgekehrt in den Schoß dei alleinseligmachenden Kirche, als leibhaftiger Christ weitergelebt." Aber die 'hebräische Sprache war es, die ihn am meisten in Bann hielt. Die Klänge des Hebräischen, die Sprache der Propheten, offenbarte ihm die verborgene Quelle Israels. Wenn er Psalmen in hebräischer Sprache sang, hatte er das Bewußtsein, daß niemals die gleichen Gesänge in französischer oder lateinischer Sprache in ihm so starke religiöse Gefühle wecken könnten. Die Teflilln am Herzen. Palliere war, wie er erzählt, noch als strenger Katholik frei von allerlei Aberglauben in Ritus und Hebung. Dennoch f-esselte ihn im Buch des de Modena der Abschnitt über Tetillin (Gebetsriemen), und als er den Text der Inschrift kennen lernte, bekam er das Verlangen, sie bei sich zu tragen. Er nahm ein Stück Pergament, sohrieb in echter Sofrim-Schriit den Tefiliintext darauf, hüllte das Blatt in einen Umschlag und trug es zusammen mit dem Kreuz auf dem Herzen. Auf heftiges Bitten der Mutter übergab er ihr die Tefillin, die sie verbrannte, in der Meinung, daß er jetzt auf den „richtigen Weg" kommen werde; er durite das Buch Modenas behalten und auch die hebräischen Kurse des getauften Geistlichen Lehmann besuchen, erhielt aber einen netten Beichtvater, der ihn zwar zur Beendigung seines geistlichen Studiums antrieb, ihm aber sonst viele Gewissensfreiheiten ließ. ■ Als er zum letztenmal zur Beichte ging, prüfte er sich und fragte: „Glaubst du an die göttliche Verkörperung Jesus?" und antwortete: „Nein!" Damit be>gann für Palliere eine Zeit des inneren Kampfes, des Grübelns und Nachdenkens, wodurch sein starkes religiöse« Gefühl in bange Zweifel geriet. Niemand, weder seiner Mutter noch seinem Lehrer, erzählte er von seiner geistigen und Seelischen Krise, in der Ueberzeugung, daß sie ihn nicht verstehen können. Belm Chasen in Nizza. Er hatte das Gefühl, das Christentum durch alle seine Phasen bis zu seinem Ursprung durchmessen zu haben, bis zum Judentum, aus dem das Christentum herausgestürzt war. Er war nicht mehr Christ im Sinne des Katholizismus, und wenn er auch in dessen Formen und KuJt auferzogen war. so besagten sie ihm nichts mehr und der einzige'Ausweg schien ihm darin, zum Judentum überzutreten. Ursprünglich beabsichtigte er, mit dem Lyoner Rabbiner über seinen faktischen Uebertritt zum Judentum zu sprechen, ließ sich aber aus Rücksicht auf die Mutter vorläufig davon abhalten, obwohl er „eine Religion mit Gesetzen, Normen, Disziplin" brauchte und sich geistig vollkommen als Jude fühlte. Bald darauf begab sich Palliere nach Nizza und suchte dort vor allem Juden und Judentum auf. Damals gab es in Nizza zwei Synagogen, eine orthodoxe und eine reformierte. Da er das orthodoxe Judentum bereits kannte, wollte er nun auch das reformierte Judentum kennen lernen. Voll Entzücken spricht Palliere über den Chasen der Reformgemeindc Simon Levy; das war ein alter Chasen, der länger als ein halbes Jahrhundert sein Amt bekleidete und den Gottesdienst mit solcher Weihe ausübte, das sogar ein Geistlicher des Ortes sich alljährlich an den Hohen Feiertagen einen Sessel hinter den Chasen draußen beim Fenster stellen ließ und stundenlang zuhörte. Simon Levy, obwohl reformierter Chasen, hielt sich in seinem Hause streng orthodox. Jeden Sabbatabend versammelte er um sich seine Familie, Kinder und Enkelkinder und sprach den Segen über sie, später auch über Palliere, der ständiger Gast in seinem Hause geworden war. Hier lernte er den ganzen Reiz der alten, echt jüdischen Art kennen und der Chasen verwandelte sich ihm zum Symbol des alten Judentums. Er empfand es als Glück und Gnade und konnte es nicht begreifen, daß sich moderne Juden so gleichgültig zur herrlichen jüdischen Tradition stellen. Er erfreute sich hier ganz besonderer Sympathien schon wegen seines Interesses für die hebräische Sprache. Judentum und Christentum, in Livorno besuchte er die große Synagoge, die schönste Europas nach der sephardischen Synagoge in Amsterdam, traf aber den berühmten Rabbiner Eli Ben Amozegh nicht an. Immer inniger beschäftigte er sich mit dem Judentum, so daß seine Mutter die Hoffnung aufgegeben hatte, aus ihm einen Geistlichen zu machen. Plötzlich bekam er vom'Livornoer Rabbiner einen Brief folgenden Inhaltes: „Tourer Freund! Ich erfuhr während meiner Krankheit, daß Sie hier waren und mich sprechen wollten. Man erzählte mir von Ihnen. Schreiben Sie mir, worüber Sie mit mir sprechen wollten, und ich werde Ihnen genau und sogleich antworten." Voll Rührung schrieb ihm Pailiere einen Brief, worin er ihm sein Erlebnis mitteilte und seinen Entschluß, das zu werden, was er inner« dauert noch der Winter, daher Abend-, Nachmittagsu. Trott eurkleider «äff;« m m i? n h m n f m j f r? f; r >■ n j n?i! / j n j;?; f n; i j j n; f j? n -._ ^; m m m?; / n f! /;; t' w; n n n > m m m m n f ,T? m m f;? n?? m n n r n Billige Abteiluni Ida Reich & Bruder MARIAHILFERSTRASSE NR. 39 NEUTROVOX DER BESTE RADIO EMPFÄNGER lieh schon sei. Zu seiner Ueberrasclrung erhielt er von de<m großen Rabbiner und Gelehrten einen Brief, worin ihm dieser abrietf zum Judentum überzutreten: „Sie, ein Mensch von so stolzem religiösen Gefühl, können der Sache des Judentums mehr nützen, wenn Sie sich ihm nicht offiziell anschließen. Das soll Sieaber nicht hindern, am jüdischen Glauben festzuhalten. Sie werden auch so ihrer Mutter weniger Sorge bereiten, was sie ja so sehr fürchten." Dann entwickelte -ihm der Rabbi die Theorie, daß die Juden ein auserwäbltes Volk seien; jeder Jude sei ein Priester, der von Geburt dazu bestinwnt sei, Gott zu dienen. Die Gebote der Thora seien auch mir für die Juden geschaffen, während ein Nichtjude, wenn er auch die Gebote Gottes erfüllen will, nicht daran gebunden ist, die zu leistenden Pflichten des Judentums auf sich zu nehmen. Palliere war enttäuscht. Er konnte sich nicht vorstellen, daß ein Geistlicher ihm vom Uebertritt zu seiner Religion abrate. Er fuhr wieder, nach Livorno, und zwar zu Rosch Haschana, wo er mit Ben Amozegh ein langes Gespräch hatte. Rabbi Ben Amozegb trug sich mit der Idee, das Judentum mit dem Christentum zu veri einigen, da ja die moralischen Prinzipien der beiden Religionen dieselben seien und aus derselben Quelle kämen, Er verlangte das Aufgeben der Idee von der Dreieinigkeit, der göttlichen Abstammung Christi und der göttlichen Verehrung der Jungfrau Maria und schlug Palliere vor, dies zu vertreten. Der geborene Christ Palliere ist aber von der jüdischen Religion derart gefesselt und vom Christentum so sehr enttäuscht; daß ihm jedes Komipromiß, das die jüdische Religion mit der christlichen eingeht, als Sünde erscheint und er daher den Vorschlag Ben Amozeghs, def übrigens nach einem Jahre starb, ablehnt. Palliere führte ein Idyllisches Leben, studierte jüi dische Bücher und vertiefte sich in das religiöse Judentum, Edel' klinge einzig* ««M« I macht RmntitsH awt Ver^Jitf^»«», Die Mutter war inzwischen alt geworden und gerade an einem Jörn Kippur schwer krank. Zumerstenmal seit seiner Jugend sollte er einen Kol Nidrej-Abend versäumen. Seine aitersschwache Mutter sagte ihm gegen Abend: „Da mußt irgend wohin gehen. Geh!" Nach langem Sträube» und nachdem ihn endlich die geistliche Pflegeschwester überredet hatte, eilte er In den Tempel. Beim Kol Nidrej betete er für das Leben der Mutter und fühlte an jenem Abend eine innige Verbundenheit mit seiner Mutter, stärker als sonst. In dieser Jorn-Kippatr-Nacht starb seine Mutter. Die liberalen Juden von Paris schlugen Palliere vor, bei ihnen die Funktionen eines Rabbiners zu über-f nehmen. Aber der Ermahnung des von ibm verehrten Ben Amozeghs gedenkend, holte er den Rat zahlreicher Rabbiner ein, die ihm ohne Ausnahme die Ansicht Ben Amozeghs bei stätigten. Dr. Jakob, der Dortmunder Rabbiner, riet ihm, Die Ausgrabungen in Palästina. Ein Könlgsgrab entdeckt. Der Palestine Exploration Fund hat unter Leitung des Direktors der britischen Archäologenschule in Jerusalem, J. W. G r o w f o o t, und des Dozenten an der Hebräischen Universität Jerusalem, Dr. E. L. S u k e n i k, neue Ausgrabungen am Ophel durchgeführt, deren Resultate ein neues Licht auf die Topographie des alten Jerusalem werfen. Die Expeditjon hat den steilen Abhangan der Westseite des Ophel-Kammes zum Teil freigelegt. Die alte Stadtmauer und die Türme, die man schon 1927 aufgefunden hatte, standen auf einem breiten Unterbau unterhalb der jetzt freigelegten Stelle. Ein kleiner Teil der alten Stadtmauer ist weiter südlich gefunden »worden. Bei diesem Teil sind die Steine in einer Art geschichtet, wie man sie als charakteristisch für die Periode der hebräischen Könige ansieht. Es dürfte daher keinem Zweifel unterliegen, daß dieser Stadtwall auf die Zeit eines der in der Bibel genannten Könige zurückgeht. Aufgefundene Scherbenhaufen weisen auf die gleiche Periode hin. Etwas nördlich von dem erwähnten Teil der Stadtmauer sieht man eine schöne, sechs Meter tiefe Z i s t e r n e, die zwischen dem künstlich abgeböschten Vorsprung und der Stadtmauer gebaut worden war. Wahrscheinlich ist diese Zisterne zu Zeiten Nehemias gebaut worden, Unter der Felsoberfläche sind einige unterirdische Zimmer entdeckt worden. Die meisten sind wohl zum Zwecke von Zisternen ausgehauen worden. Besonders interessant ist eine Reihe zusammt nhängender Räume, die zu einem anderen Zweck angelegt worden waren. Fünf Räume dieses Komplexes sind bereits durchgeprüft worden. Man nimmt an, daß diese Räume ursprünglich als eine Flucht von Grabgemächern angelegt wurden. Funde in Ur. Nach einem Bericht des Britischen Museums und der Universität von Pennsylvanien sind bei Ausgrabungen, die von diesen beiden Instituten in Ur in Chaldäa vorgenommen werden, während des letzten Jahres w i ederum eine Reihe von Entdeckungen gemacht worden. Die..Ausgrabungen sind bis in eine Tiefe geführt worden, in der die Königsgräber vermutet wurden, und es hat sich gezeigt, daß diese Annahme richtig war. 33 Fuß unter der Erdoberfläche wurde eine aus Stein gebaute Totenkammer gefunden, deren Tor durch einen Stein verschlossen war. Die Ausgrabungen haben die Annahme bestätigt, daß mit der Königin eine An-, zahl Diener lebend eingeschlossen wurden. In der betreffenden Königskammer wurden neten den Ueberresten der Königin die Ueberreste von fünf Leichen entdeckt und ungefähr ebensoviel in dem Schacht, der zu der Grabkammer führte. In den anderen Gräbern, ungefähr 200 an der Zahl, wurde eine große Zahl von Gebrauchsgegenständen gefunden. Der wertvollste Fund ist das aus Kupfer hergestellte Haupt eines Gottes,. dessen Gesicht menschlich dargestellt ist, jedoch die Ohren und Hörner eines Stieres hat. Das ist der erste Fund dieser Art, der in Ur gemacht wu/de. In einem Privatgrab wurden die Ueberreste e i n e r H a r f e *gefunden, die der vor einigen Jahren entdeckten Harfe der Königin S t u b a d ähnelt, aber nicht so kostbar verziert ist, und eine andere Harfe, die eine andere äußere Form au.'weist. In Kindergräbern wurden Filigranarbeiten aus Q o l d, klene Vasen und Tarsen aus Silber sowie Miniatur kränze und Ornamente aus Gold entdeckt Ausgrabungen in Beth Schaan und in Hazon» Die Ausgrabungen» die eine Expedition der Universität Philadelphia unter Leitung von Prof. Allan Rowe in! Beth Schaan vornimmt, wurden auch in diesem Jahr wie früher fortgesetzt. Die entdeckten Reste stammen aus der Zeit des Tutmes III. und Atnenophis HL, ägyptische! Könige, die in der Zeit von 1500 bis 1400 vot! der gewöhnl'chen Zeitrechnung über Kanaan regierten. Von den Funden in der laufenden Ausgrabungs,1" periode sind bemerkenswert: Ueberreste eines kanaanitr« sehen Turmes, ein rundes Getreidemagazin aus Ziegelsteinen, die südliche Wand des Hügels Tel-el-Chusin und Bauten, die mit dem Baalstempel von Beth Schaan verbunden waren. Prof. Qarstang von der Universität Liverpool setzt seine Arbeiten in H a z o n und A i fort. Hazon am Merofrtsee war die Residenz des Königs Yakin, der von d«.n Israeliten unter der Führung Deborahs besiegt wurde* Mit der AusgraVung von Hazon glaubt Garstang einen-wichtigen Beitrag zur genauen Datierung der Geschichte und Kultur der Richterzeit liefern zu könneq. Auch Prof. William F. Bade von der Berkeley-Universität in Kalifornien setzt seine Ausgrabungen bei Tel El Nasbe, 14 Kilometer nördlich von Jerusalem, fort. Der Ort wird? von Bade mit dem alten Mizpah aus der Geschieht* Samuels idenU.Liert. Jüdische Altertümer in Beth Alpha. Nach einer Mitteilung der hebräischen Universität' hat Professor S u k e n i k mit Genehmigung der Regierung, den Fundort in Beth Alpha einer eingehenden Untersuchung unterzogen. Es stellte sich heraus, daß der entdeckt« Mosaikboden mit hebräischen Inschriften und Bildern einem .Synagogenbau aus den ersten Jahrhundert

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