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Die neue Welt · 1929-02-15 · Heft 74 (15.2.1929) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 74 (15.2.1929)
Date
1929-02-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 3 DIE NEUE WELT Nr. 74 «wischen Christentum und Judentum als Führer, Prediger und Schriftsteller zu wirken. Diesen Rat befolgte Palliere. Ueberau, wo es um jüdische Dinge in Frankreich geht, ist Alme Palliere m finden. Er hat sich an die Spitze der jüdischen Jugend Frankreichs gestellt, die er mit Enthusiasmus daran erinnert, daß sie die Enkel der Erzväter, der Propheten und der Makka-bäer sei und die Jüdische Fahne stolz, mutig und frei tragen müsse. Palliere ist Zionist. Sein Bekenntnis lautet: „Jude sein — heißt Zionist sein!" Opfer des Ghetto. —y. Die Meldungen, die von T r o t z k i s Ausweis u n.g aus Rußland zu berichten wußten, haben sich bisher n i c h t b e s t ä t i g t und es bleibt einstweilen ungewiß, ob der schwerkranke Mann den Rest seines Lebens in Rußland oder in Mitteleuropa wird verbringen können. Sicher ist hur, daß für; ihn auch Rußland die Verbannung bedeutet. Er ist aus 'dem öffentlichen Leben ausgeschieden Voi'deri. Der geschmeidige Politiker, der immerhin zu den Menschen von großem Format zahlt, hat die russische Revolution zum Siege geführt, er hat ihre Verkehrsorganisation geschaffen, die Armee aus dem Chaos gehoben und neugeordnet. Das sind Taten, die bei einem anderen ausreichend wären, ihm ein Anrecht auf Denkmäler zu sichern. Trotzki ist in Bann getau. Er tragt das Verbrechen seines Judentums mit sich und der offizielle Kurs in Rußland geht nach der antisemitischen Seite. In den Schwierigkeiten mit den Kulaki, den bäuerlichen Grundbesitzern, erscheint es den Machthabern opportun, sich als echt russisch im zaristischen Sinne aufzuspielen und dies fällt ihnen um so. leichter, als sie ja den Juden und seine organisatorische Begabung schon seit langem als lästigen Ballast empfanden. Auch der Propaganda der russischen Emigranten, die den Bolschewismus als jüdische Erfindung bezeichnen (weil sie so ihn als Kenner der Volksp'syche zu diffamieren vermeinen), will die Moskauer Herrschaft entgegentreten und sie weist zum sinnfälligen Ausdruck ihrer Tendenz den Juden Trotzki in die Feme. Mit ihm zugleich alle Juden, und um dies auch wirklich zu erreichen, sind die Handlanger von der J e w s e k z i a, dem Departement für jüdische Angelegenheiten, mit Feuereifer bereit. Trotzkismus ist heute in Rußland eine nur mit Gefängnis zu ahndende Schuld. Also erklärt die „E m e s", das Bla^t der jüdischen Stiefelputzer, die Juden für Trotzkisten und schafft damit für die Erscheinungen des Pogromahtisemitismus, die zurzeit in ganz Rußland sich zeigen, die moralische Sanktion. - ' Das hat auch der-Zarismus getan, der für seine Scheußlichkeiten immer den Vorwand in der revolutionären Gesinnung der Juden gefunden hat. Und die JewseVz^a von heute hat ihr Widerspiel in den reichen Juden von damals, die ä la T a u ssig dem russischen Staat seine Anleihen im Ausländ lancierten. Max N o r d a u hat das Treiben an den Pranger lies Zionistenkongresses' gestellt und die Antithese gebraucht: „Wir wollen sehen, wer es länger aushält: Ihr mit den Pogromen oder wir mit dem Geld!" Nordaui der gute Kenner der Assimilantenpsychologie, hat es wohl geahnt, daß sich das Spiel wiederholen wird. Dieses heutige Rußland der Stalin und Rykow, das sich seiner Juden auf diese oder jene Weise zu entledigen trachtet und ihnen in der Krim und in B i r B i d s c h a n große Interniertenlager baut, holt sich das Geld von den amerikanischen Juden. Und diese amerikanischen Juden, die — lang ist's her — einmal den blutigen Zaren öffentlich zur Verantwortung gezogen haben, geben den Stalin und Rykow und ihren Mereschin das Geld für die Kerker. Und diesen selben amerikanischen Juden wird der SamttepWch vor die Füße gelegt, auf dem sie in die jüdische Regierun?, in die Jewish Agencv, den höchsten Ausdruck jüdischen nationalen Willens, schreiten sollen ♦ ► . Leon Dawidowitsch Trotzki hat an das Judentum, dem er entstammt, vergessen wollen. Nicht er allein. Er ist in gar großer Gesellschaft. Er hat sich, seine Abkunft» seine Seele, sein Können hingegeben für das ertrpumtft Tdeal der Freiheit, für eine söriale Lehre, die keinen Unterschied zwischen Menschen gelten lassen will, es sei denn den des ehrlichen Willens zur Arbeit. Viele, viele Juden haben dasselbe getan, in einem überschäumenden Trotz gegen alle Lehren der Geschichte. Das Judentum hat immer geglaubt, es könne die Stimme des Hasses durch Opfer an Menschen, an Vermögen oder an Intellekt übertönen, die es im Zustande des Exils bringt. Es sind bisher nur vergebliche Opfe? .gewesen, die in den Curtius-Abgrund gesprungen sind. Doch sie selbst, die idealistischen Träger eines idealistischen Traumes, haben sich aus dem Zusammenhang mit dem Muttervolk gelöst, so sehr, daß sie für die Warnung vor Undank und vor den Folgen, die ein' treten müssen, wenn sie nicht mehr sind, nur Spott und Hohn übrig hatten. Ein Zeitgenosse des mächtigen Trotzki ist Kurt Eisner gewesen, der von München aus das Glück der Welt begründen wollte. Er ist ermordet worden und wenige Wochen nach seinem schrecklichen Ende begann die Herrschaft des Staatskomm issärs K a h r mit Judeninternierungen und Judenausweisungen. Eisner hatte einige Tage vor seinem Ableben den Brief eines Juden erhalten, der ihn beschwor, zurückzutreten, damit sein persönliches Unglück nicht zum Unglück für alle Juden werde. Die Antwort Eisners, die jetzt vor zehn Jahren geschrieben wurde, sei hier wiedergegeben: „Die Auffassungen, die Sie haben, sind aus der bewußten oder unbewußten Angst der Juden , ■ entstanden, die zwar nicht bereit sind, ihr Leben für eine revolutionäre Sache einzusetzen, die aber besorgen, daß ihr eigenes ,'kostba res Leben darunter leiden könnte, wenn beim Scheitern revolutionärer Erhebungen der Unmut des Volkes gegen sie selbst abgelenkt Werden könnte. Ich bin nicht der Ministerpräsident von Bayern, weil mir das Vergnügen macht; ich werde den Tat? segnen, wo ich es nicht mehr bin, aber ich bin der Schöpfer und Repräsentant dieser wunderbarsten aller ~ IOTEL COHTBNENTHl WIEN, IB., PRATER&TR4USS 7 fneben Schwedenbrücke 200 Zimmer modernst eingerichtet yg^gjfifflB^taimfgHWii^^l.TT^ Erstklassige Küche Mäßige Preise ten' nach der Zerstörung des Tempels angehörte. Wie alle bisher entdeckten Synagogen nördlich Jerusalems ist auch diese dem Süden zugewendet. Der Grundriß zeigt1 eine dreiteilige Basi'ika, von der das Mittelschiff besonders gut erhaltene Sternbilder aufweist. Sternbilder und Sonnenräder hat man früher schon -in den Synagogenüberresten von Ludd, Jericho, Kfar, Beram und .Naaren aufgefunden. .; * Die Feste Ziön ausgegraben. . Auf dem Ber&e 0 p h e I, wo die Archäologen schon sedt sechzig Jaliren die Spur der Feste Zion suchen, ist durch neue Grabungen die F e 1 s e n.b u> r g König Davids bloßgelegt und damiteine der Hauptfragen der biblischen Topographie gelöst worden. . i Die meisten modernen Kenner .der Frage, namentlich Sir George Adam Smith, verfechten dte These, Qpbel sei Zjö#.'Ophel ist ein Felsen zwischen den Kidron- und Tyropa«on-Tälern. Hier ans Tageslicht geförderte Steine scheinen nun tatsächlich zu beweisen, daß man es mit der uralten „Stadt Davids" zu tun hat. Allerdings ist die alte Streitfrage, wo die Stadt Davids :einst gelegen hat, noch nicht endgültig entschieden. „Du wirst nicht herein-kommen, sondern Blinde und Lahme werden dich zurücktreiben", sagten die Jebusiter, die alten Einwohner von Jerusalem, zu David, so sehr bauten sie auf die Uneinnehmbarkeit, ihrer Festung, die seihst von Lahmen und Blinden mit Erfolg verteidigt werden könnte. „Wer die jebusiter schlägt und erlangt die Dach* rinnen und dte Lahmen und Blinden, denen die Seele Davids feind Ist, der soll ein Haupt und Oberster sein." „Da erstieg sk am ersten-Joab, der Zeruja Sohn, und ward Hauptmann. David aber wohnte auf der Furg; daher heißt man sie Davidstadt. Und er baute d<ie Stadt umher, von Millo an bis ganz umher." (2. Samuel 5. und 1. Chronik 11.) ' Di'es sind die Hauptsteljen, über die sich all die Jahrhunderte viele Menschen,den Kopf zerbrochen haben. Man •nahm nach der Fibel auch an, daß die Umwallung der Bergfeste durch die Könige Salome, Jecheskia und vielleicht auch durch Nehemiah ausgebessert worden ist. Josepiius Flavias berichtet, Simon, der Makkabäer, habe die Außenseite d<>r Zitadelle" schleifen lassen, da sie über den Bergahhang hinausgereicht und den Tempel bedroht habe. Was Jetzt entdeckt wurde, ist eine Mauer der Festung, die David ungefähr im Jahre 1000 vor der gewöhnlichen Zeitrechnung erobert hat. Diese Ausgrabung setzt die Gelehrten in die Lage, die Einzelheiten von Nehenuahs Beschreibung (im Buche Nehemia) zu kontrollieren und die Hauptpunkte der Topographie derf Davidstadt festzulegen. Zwischen zwei Basteien ist ein uralter Turm entdeät worden, nach der Mauerarbeit muß er entweder aus Davids oder aus Salomos Zeit stammen. Diese serpentinenartig ansteigenden Easteien, von denen ein neun Meter hohes Stück bloßgelegt wurde, führten vielleicht von der Mauer, am Hause Davids vorbei, zu de?m „Wassertor gegen Morgen", von dem bei Nehemiah (3, Vers 26) gesprochen wird. Der frühere Leiter der Ausgrabungen, J. Garrow. Düncan,'über die heuen Funde befragt, sagte: »Vpr uqserm innern Auge entsteht der großartige Anblick, den der felnprpfilierte Turm Davids, hoch über die Hjty&er der 9tadt hinausragend, mit seinen weißen Kalk- . steinflächen in den Strahlen der aufgehenden Morgensonne bieten fiiußtej" Nun ist er. wieder ans Tageslicht gebracht und vom Porte Siloa bis gurn Oelber« zu sehen. Die 'Regierung hat nämlich diesen Teil d-er alten Stadtmauer von w'rd man le'cht von Erkaltung befallen. Man m iß einher techtzeiiig ioige dat. r tiagen. daß im Hause nie fehle der in seiner schmeiz- Utidetnden Wirkung einzige Franzbranntwein mit Menthol weVhor f«r Massage, Einreibung Umsch'Jfge und als üurgelwasser gle ch unentbehrlich ist. Nehmtn Sic nur Diana! Wertlose Nachahmungen Welsen Sie entschieden zurück I Ueberau erhältlich. ' ■■»■^■■^■■^^■■^ Freiheitsbewegungen, nnd damit ist es meine Pflicht, als lebendiges Symbol auszuharren. Das hätte sich wahrhaftig gelohnt, diese gewaltige Umwälzung zu erkämpfen, wenn der neue Geist darin bestehen wollte, darauf Rücksicht zu nehmen, welcher Herkunft dieser oder jener leitende Mann ist. Ich habe größere Sorgen, als auf solche ,Ta,-kt fragen' einer überwundenen Zeit nur einen Augenblick Rücksicht zu nehmen. Nichts für ungut." Man könnte von Weltfremdheit sprechen, wenn man diesen Brief liest, wenn man nicht wüßte, daß es Kurt lüisner war, der geschulte Politiker und Historiker. Aber Eisner so wie Trotzki und die vielen anderen Menschen des gleichen Schlages zeigen eine unbekümmerte Verantwortungslosigkeit gegenüber: ihrem Stamm, wie sie sie dem Proletariat gegenüber niemals aufbringen. Sie tragen zeitlebens den Minderwertigkeitskomplex cies: G h e 11 o s* in sich, die Furcht vor dem Hep, Hep, die Angst vor dem Pöbel, der ja — das wissen sie — einmal den Respekt vor der Leistung, die Distanz zur Macht des Geistes überwinden und sie steinigen wird. Und das ist Eisner geschehen, geschieht jetzt Trotzki. und wird allen, geschehen, die >sich lossagen, den Wert ihres Lebens opfern und-nichts dafür erzielen. Eisner ist dem politischen bankerott durch die Kiigel des Meuchelmörders entgangen, Rathenau sah sein Werk noch stehen,, bevor es vernichtet wurde, aber Trotzki erlebt -rwie bitter muß es in seiner Seele wohl aussehen —- den Zusammenbruch am stärksten. Seine Genossen schreien Jud! und jagen ihn in Rußland von Ort zu Ort.? Die Einnahmen des jüdischen Nationalfonds. Nach einer Aufstellung des Hauptbüros des Keren Kajemeth betrügen-'die 'Einriahnien des Keren Kajemeth: im ersten Viertel des Jahres 5689 31.287 Pfund. m^-^t^nmaiHn«^^ Jerusalem zum Nationaldenkmal erklärt und wird ihn mit aller Beschleunigung restaurieren lassen." ,; Es ist schon sechzig Jahre her. daß. 210 Meter der alten Stadtmauer, die Jerusalem von Osten her schützte, festgestellt wurden. Als der damalige Leiter, Sir Charles Warren, zu grabe« begann, stieß man, einen Meter unter der Oberfläche, auf eine byzantinische Schicht. Wie ein Mosaikboden beweist, ist diese Seite der Stadt zur Zeit der Kaiserjn Eudoxia erobert worden. Man grub tiefer und. stieß airf Trümmer eines Hauses aus dem Jahre 400 nach der geltenden Zeitrechnung, deren bunte Mosaikböden römische .Einflüsse annehmen ließen. Der Stempelaufdruck der zehnten römischen Legion legte die Annahme nahe, daß hier, wo damals die kurzlebige Stadt Aelia Capitolina stand, ein Großer Kaiser'Hadrians'residiert hatte. In der Dayidsmauer wechseln je eine Lage große und kleine Steine ab. Die großen Steine, etwa 45 Zentimeter hoch, entstammen der massiven Jebusitenmauer. Ringsherum lagen auch Steina, die jene Maurerzeichen trugen, die Sir Charles Warren schon vor sechzig Jahren gefunden hatte. Die E'ibel erzählt, daß König Salomo Steuer ausge* worfen habe, „zu bauen ein Haus dem Namen des Herrn und ein Haus seines Königreiches", ferner um Millo und die Stadtmauer von Jerusalem aufzubauen. Er soll auch die thesche aufgefüllt, haben, die David bei der Belagerung in die alte Jebusitenmauer geschlagen hatte. Die Ausgrabungen brachten nun nicht nur diese Bresche an den Tag, sondern auch die starke Füllung aus Salomos Zeiten, da die Steine aus der alten Jebusitenmauer wieder eingefügt worden waren; Ferner wurden Spuren der Arbeit König Jecheskiahs gefunden, der Millo und die Davidstadt auf die Schreckenskunde» daß der Assyrer-König Sancherib (701 v Chr:) gegen Jerusalem aufbrechen wolle, -in großer Hast hatte aufbessern lassen.

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