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Die neue Welt · 1929-02-08 · Heft 73 (8.2.1929) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 73 (8.2.1929)
Date
1929-02-08
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 ÜIE nrtUE WELT Nr. 73 wegung passe. Gewiß müsse es eine An2ah] solcher festangestellter Beamter geben; aber je weniger, desto besser. Jeder erkenne gewiß die hingebungsvolle Arbeit vieler Beamter in London und Jerusalem an; aber man wäre z. B. in Palästina erfolgreicher gewesen, wenn man die Leitung des Keren Hajessod weniger gewissen führenden Beamten und mehr unabhängigen, in finanziellen und wirtschaftlichen Dingen erfahreneren Personen anvertraut hätte. Auf dem Gebiete der Propaganda solle man wieder zu den alten Vorkriegsmethoden zurückkehren. Während jetzt ihr ganzer Inhalt durch die Sammlung für den Keren Hajessod ausgefüllt sei, habe man früher die reine und unverfälschte nationale Idee propagiert und damit mehr Zionisten neu gewonnen als heutzutage. In den letzten 15 Jahren habe sich die Zahl der Zionisten in Westeuropa nicht vermehrt. Er zweifelt daran, ob man mit den jetzigen Methoden die jüdische Jugend für uns gewinnen könne. Deutsche Rechtsprechung. Der jüdische Che! muß sich beleidigen lassen. Ein Lehrmädchen bei einer jüdischen Firma in Frankfurt a. M. hatte einem Dritten gegenüber die Bemerkung gemacht: „Ach, ich kann die Juden gar nicht leiden!" und auf den Einwand, warum es denn dann in einem jüdischen Geschäft sei, antwortete das Mädchen: „Die Juden haben ja alle Geschäfte in Händen!" Diese antisemitischen Aeußerüngen des Lehrmädchens wurden dem Lehrherrn hinterbracht, der es daraufhin fristlos entließ. Das Mädchen klagte und verlangte eine Entschädigung, weil es die fristlose Entlassung für ungerechtfertigt hielt. Das Gericht verurteilte den beklagten Lehrherrn zur Zahlung von 3 5 0 Ma r k an die Klägerin. In der Begründung des Urteils führte der Richter au«, daß eine fristlose Entlassung wohl als rechtmäßig angesehen werden könne, wenn ein Angestellter die Religion. seines Arbeitgebers Dritten gegenüber verächtlich mache. Aber die Klägerin ist ein noch nicht f ünf zehn jäh riigies Mädchen. Aeußerungen eines so. jugendlichen Menschen, die das religiöse Gebiet berühren, sind deshalb nichts weiter als Gedankenlosigkeiten oder ein Nachplappern mißverstandener Aeußerungien anderer Leute. Außerdem ist es Pflicht des Lehrherrn, seinen erzieherischen Einfluß in einein solchen Falle wirken zu lassen. .Die deutschen Gerichte sind im allgemeinen nicht gerade milde, auch nicht dann, wenn es sich um Jugendliche handelt. Man hat mit Schaudern erlebt, daß deutsche Richter Jugendliche wegen so „horrender" Verbrechen, wie es das Verteilen kommunistischer Flugzettel ist, für mehrere Jahre in den Kerker schickten. -Die auffallende Milde des Frankfurter Richters und sein so weitgehendes Verständnis für die „Jugendlichkeit" scheinen nicht ganz unverdächtig. Für jüdische Chefs in Deutschland eröffnet dieses Urteil eine nette Zukunft. Ihre Angestellten dürfen sie als Juden beschimpfen, als Räuber und Raffer darstellen. Der Chef darf sich nicht wehren Er muß den Feind und die Verleumdung im Hause dulden. Die Antisemiten in seinem Betriebe müssen nur so vorsichtig sein, einen jungen Mann oder ein junges Mädchen mit der Aufgabe," den Chef und sein Volk zu beschimpfen, zu betrauen. Kommt die Sache vor Gericht, bekommt der Jude noch eine Rüge, weil er seinen „erzieherischen Einfloiß" nicht hat genügend wirken lassen. Der jüdische Religionsunterricht in Rumänien. In der letzten Sitzung des rumänischen Senats richtete Landesrabbiner Senator Dr. Niemirower an den Unterrichtsminister die Frage, welche Maßnahmen er in bezug auf den jüdischen Religionsunterricht an den Staatsschulen getroffen habe. Das Kultusgesetz gibt den einzelnen Kulten das Recht, für die Schüler ihres Glaubens den Religionsunterricht an den Öffentlichen Schulen einzuführen. Die Organisierung dieses Unterrichtes erfolgtdurch das Unterrichtsministerium im Einvernehmen mit den religiösen Autoritäten. Ich habe dem Unterrichtsministerium ein Memorandum überreicht und um die Einführung des Religionsunterrichtes an den öffentlichen Schulen für jüdische Schüler und Schülerinnen noch in diesem Schuljahre ersucht. Bis heute ist diese Angelegenheit nicht erledigt worden, und wir befinden uns in einem bedauerlichen Chaos. Es gibt jüdische Schüler, die an dem christlichen Religionsunterricht teilnehmen, andere jüdische Schüler besuchen Privatkurse für Religion, aber die erhaltenen Noten werden nicht in Betracht gezogen. Viele Schüler bleiben überhaupt ohne Religionsunterricht. Unterrichtsminister Costachescu erwiderte, die Zeit sei zu kurz gewesen, um das neue Gesetz ganz durchzuführen: er werde der Frage sein Augen* merk zuwenden und für die Erfüllung der gerechten Forderung sorgen. Jüdische Studenten bei Maniu. Aus Bukarest : meldet die J. T. A.: Ministerpräsident Maniu empfing eine Abordnung der jüdischen Studentenschaft, die ihm ,die Forderung nach Gleichstellung der jüdischen Studenten mit der Übrigen Studentenschaft in allen rechtlichen und materiellen Universitätsangelegenheiten unterbreitete. Maniu versprach eine baldige wohlwollende Erledigung. Ein neues Gesetz über die jüdische Konfession in Jugoslawien. Unter den Gesetzen, welche die neue jugoslawische Regierung demnächst verlautbaren wird, befindet sich auch das Gesetz über die jüdische Konfession. Am 19. Jänner übergaben die Vertreter der Judenheit dem Kultusminister, Dr. T. Alanpovic, einen vom jüdischen Standpunkte bearbeiteten Gesetzentwurf über die jüdische Konfession. Das neue Gesetz soll die jüdischkonfessionellen Angelegenheiten, die jetzt in den einzelnen Landesteilen nach verschiedenartigen Gesetzen behandelt werden, einheitlich regeln Der Kultusminister erklärte, er werde sich bemühen, den von jüdischer Seite vorgeschlagenen Gesetzentwurf mit dem von einer Regierüngskommission ausgearbeiteten in Einklang zu bringen. Aus Palästina. Die neue Chaluz-Ein Wanderung in Palästina. Aus Jerusalem meldet die J. T. A.: Am 21. Jänner landeten in Jaffa mit dem Schiff „Sinaia" 152 jüdische Passagiere; unter ihnen 108 Gbaihitzim. Ein Vertreter der Exekutive, des Einwanderungsbüros in Tel-Awiw und der Arbeiterorganisation begrüßten die Ohaitehn auf dem Deck, während das Schiff eine blau weiße Fahne hißte. Die OhailU'zim wurden zuwächst in die Quarantäne gebracht und übersiedelten am Abend des gleichen Tages in das Einwamdererheim. Am 21. Jänner ist-in Jaffa ferner das russische Schiff „Ilitsch" von Odessa mit einer Anzahl Ghahitzim eingetroffen. — Am 23. Jänner traf ein Dampfer des Lloyd Td-estino von Triest' mit einer' größeren Anzahl neuer Einwanderer ein. Melchetts Nationalfondsbeitrag. Aus Jerusalem meldet die J. T. A.: Lord Melcfaett -hat 9000 Pfund als Rest seines vor längerer Zeit versprochenen Beitrages für den Keren Kajemetu überwiesen. Der neue amerikanische Konsul. Die amerikanische Regierung hat den früheren Generalkonsul in Aegypten und Syrien, Paul Nabenshoe, zum Konsul in Palästina ernannt. In einem Gespräch mit dem J. T. A.-Vertreter in New York erklärte der neue Konsul, er werde vor seiner Abreise mit zionistischen uncl nichtzionistischen jüdischen Führern zusammenkommen, um sich'über ihre Stellungnahme zur jüdischen Arbeit in Palästina zu informieren. Auf die Frage, wie er sich zu dem Problem des Aufbaus eines jüdischen Nationalheims in Palästina stellt, erwiderte der Konsul, er finde es nicht für opportun, sich über die Frage Palästinas zu äußern, bevor er im Lande selbst gewesen ist und Gelegenheit, gehabt hat. die politischen und wirtschaftlichen Fragen dieses Landes zu studieren. Ich glaube aber, schloß er, an das Pa 1 äs t i n a-Mand at ujnd an die in demselben betreffs der Juden, festgesetzten Grundsätze. Die Kommunisten. Der in Tel- A w i w stattgefundene Prozeß •, gegen eine Anzahl wegen kommunistischer Be t ä t i g u hg und Propaganda angeklagte Personen endete mit der Ver- UTteiiu-ng der Angeklagten. Itekowsky, Zandibank und Gutmann wurden zu je zwei Monaten Gefängnis und je zehn Pfund Geldstrafe, sowie zur Landesverweisung nach Verbüßung der Strafe verurteilt. Schwartzmann, - Ben-Jakob und der Araber Achmed Achdä erhielten je 50 Tage Gefängnis; diese Strafe kann in eine Geldbuße von z/dlm Pfund umgewandelt werden. Die Bodenverhältnisse in Palästina. : Der von Sir John Rüssel, dem Direktor der Rothamstead Experimental Station in London, über seinen Palästina-Besuch im April 1928 verfaßte Bericht ist soeben veröffentlicht worden. Rüssel schreibt, daß die Obst- und Gemüsezucht in besonderen Qualitäten, die zu früher Jahreszeit auf den Märkten erscheinen, die besten Aussichten hat. Die jüdischen Organisationen, die die Kolonisation in Palästinjä gefordert haben, können sich zu ihren Erfolgen beglückwünschen; sie haben ihre Volksangehörigen in den Ebenen und Tälern Palästinas fest verwurzelt. IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIH STRENG UM SELCHWAREN-FABRIK Wien* XX., Klostern«uburgert!rafto 60 unter besonderer Aufsicht des Oberhauptes der pojnischen Gemeinde Wiens, Sr. Ehrwürden des Rabbiners M. Moyersohn ^to*»:4^?. ■mwo oiriw pwn nw nrwri'nnn ♦jm no »n»B nun T3N inrovwp tkö Täglicn fiiscne und e. st k lässige bpezial-Erzeugnisse feinster Wuistu. Selchwaren. — Provinzversand . WILHELM PETYAN, SELCHWARBN-FOBRIK Wien, XX., Klosterneuburgerstrafie 60 Telephon A-43-1-59 SIEGM. KORNHEHL GROSSFLEISCHNAUEREI Zentrale IX.. Bcrgga«se 19. Telephon 17-3-99 n. 16-9-34 Lieferant tür Heilanstalten Abteilungen für ^g?;»Fletsch unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Isr. Kultusgemeinde Wien Autozustellung kostenlos IX. Berggasse 15 ✓ XVIII., Währ Ingersir. 97 4inttmmiHitfnnmnmiutNiiHit(MtiHHiii Das Land wurde wieder kulturfähig gemacht, neue Methoden wurden eingeführt und werden dauernd vervollkommnet. Es wächst ein Geschlecht junger Leute heran, begeistert für das hohe Ziel: eine hebräische Nation schaffen, die frei sein soll von den Uebeln derjenigen Länder, aus denen ihre Väter kamen. Der beste Dienst, der der jungen Gemeinschaft in Palästinas erwiesen werden kann, ist der, diesen Geist zu pflegen und dieses Ideal verwirklichen zu helfen, welches auch den Weg weist zum besten materiellen Gedeihen und zur vollsten Entwicklung des Landes Palästina. Konferenz der Bnei Brith. Aois Jerusalem meldet die J. T. A.: Die Bnei Brith- Logen in Palästina haben eine Konlerenz abgehalten und beschlossen, die christliche Missionstätigkeit unter den Juden Palästinas mit allen Mitteln zu bekämpfen sowie Frauengruppen der Bnei Britto-Logen zu begründen. Stürme an der palästinensischen Küste. Aus Beirut wird uns gemeldet: Ein au ßerord entflieh heftiger Sturm wütet im Lande. Die <große Küstenstnaße, die Palästina mi<t Alcppo verbindet, ist am zwei Stellen, nördilioh und südlich von Beirut, fortgeschwemmt woidem. Von Hyamson ausgewiesen. Der palästinensische Einwanderungsdirektor. Ueber die Tätigkeit des Direktors des Einwanderungsamtes der Palästina-Regierung, Hyamson, wurden, wie erinnerlich, in der gesamten jüdischen Presse so schwere Bedenken laut, daß, als er vor etwa sechs Monaten seinen Urlaub antrat, allgemein der Hoffnung Ausdruck gegeben wurde, daß es sich um einen Urlaub auf Nimmerwiedersehen handle. Diese Hoffnung hat sich nicht erfüllt. Hyamson ist zurückgekehrt und schikaniert nach wie vor die jüdischen Einwanderer. Ein krasser Fall von unmenschlicher Rücksichtslosigkeit wird jetzt in Palästina erzählt: Vor zwei Jahren, im Jahre 1927, herrschte in Palästina ein sehr strenger Winter _ und in Jerusalem lag tiefer Schnee. Die Hausbesitzer nahmen Schneeschaufler auf. Auch Einwanderungsdirektor Hyamson dang einen armen, arbeitslosen Chaluz, namens R a f f a e 1 i, für diese Arbeit, die der Chaluz auch getreulich und sauber ausführte. Er hatte zerrissene Schuhe und abgetragene Kleider. Die Gattin des Einwanderungsdirektors sshenkte ihm einige alte Kleidungsstücke und bat ihren Oatten, sich des bedauernswerten Menschen anzunehmen. Mister Hyamson versprach seiner Gattin, ihren Wunsch zu erfüllen und sich für ihren Schützling Raffaeü zu interessieren. Dieses Interesse des Allgewaltigen ist dem armen Raffaeü zum Unheil geworden. Mr. Hyamson „interessierte" sich so lange für den Fall seines Günstling»* bis er herausbrachte, daß das Visum Raffaelts bei seiner Einwanderung in Palästina irgend einen Schönheitsfehler zeigte. Die Folge davon war, daß Raffaeü, der Schützling der Frau Hyamson, anstatt Arbeit und Unterkunft den Ausweisungsbefehl erhielt. Die Entscheidung wurde angefochten, lief im Laufe von zwei Jahren durch alle möglichen Instanzen, und jetzt, da Hyamson nach seinem Urlaub wieder sein Amt bezog, wurde Raffaeli von dem endgültigen Bescheid verständigt, daß er das Land endgültig und schleunigst verlassen müsse. Um den Ausweisungsbefehl auch wirksam zu machen, wurde Raffaeli in Haft genommen. Für die Hungernden in Bessarabien. Hilfsaktion des „Joint". Aus föisohfaew, 28, Jänner, meldet dde J. T. A.: Der Bevollmächtigte-des Joint in Rumänien, Herr MHstein, hat in den letzten Tagen die Hun.gergebiete Bessarabiens besucht und dabei mit einigen lokalen Komitees vom Roten Kreuz eine Verbindung zwecks gemeinsamen Vorgehens zoiir Linderung der Not hergestellt. Das Rote Kreu-z flöernaforn die Versorgung der Kantinen mit Lebensmitteln, der Joint wird jeder Ortskantine monatlich 25.000 Lei zuweisen. Die Zuwendungen vom Joint für die Hunger gebiete betragen monatlich 232.000 Lei. Hert MUstein steMte fest, ■daß 30 bis 40 Prozent der Kinder aus Mangel an Kleid-uwg umd Schuhwerk die Schule nicht besuchen können. Joint hat darum 332.000 Lei für Kinderbekleidung bestimmt. wmmimm*mmm*mmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmßmmmmm f |\DcfHM Af miNCN sowie jüdische u. hebräische Platten drKCinnAiiniuCn billig, auch gegen Teilzahlung. Knoll & Co., Wien. II., I'aborstr. 8b. Passage, Tel. R-4S-5-90. Auf Wunsch unveibindUcbe Vorführung bei dem Kunden

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