Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 73 (8.2.1929)
- Date
- 1929-02-08
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 JWte DIE NEUE WELT Nr. 73 fi I I n h a b e r : Richard Herzog I. , Adlergasse S . Tal. R-a3<4-90 II. , Kl. P/arrg.28 Tel. A>41>6~24 Sprechapparate Jedar Art, ferner Jüdische und hebräische Schailplntten sowie alle modernsten Tanz- und Gesangsschlager In reichster Auswahl auf Lager! Auch Teilzahlungen! Provinzversand! Ein Vorschlag. *—y. Die Mrnoritätenfrage ist auf die Tagesordnung der Märzsession des Völkerbundrates gesetzt worden. Es liegen zwei Anträge vor: Der des Kanadiers D a n d u r a n d, der das Verfahr6n über die Beschwerden der Minderheiten geregelt wissen will, und der Antrag Stresemanns über „die Bürgschaft des Völkerbundes für die Verpflichtungen über den Schutz der Minderheiten.*' Der deutsche Antrag geht also viel weiter als der kanadische und er ist in Wirklichkeit geeignet; das ganze Problem in seinem politischen und ethischen Umfang aufzurollen. Viel wird dabei nicht zu erreichen sein,,da nach einigen schönen, vielleicht sogar tiefangefaßten Reden die. ganze Materie an einen Ausschuß gehen wird, der — falls er sich nicht wegen der Kürze der. Zeit vertagt — Resolutionen vorschlagen wird, die eine statistische Aufnahme der Minoritäten verlangen und in Empfehlungen münden, die niemanden verpflichten. Dieser Ausweg wird sich am so eher empfehlen, als ja die Erörterung der Frage aus einem scharfen Konflikt kommt, der Mitte Dezember zwischen Stresemann und dem polnischen Minister Zaleski ausgebrochen ist. Die Behandlung der Minoritäten . ist . nun einmal eine , Frage cler" Machtpolitik, und es ist also selbstverständlich, daß sich aus ihr Konflikte ergeben müssen. 'r [' Es ist schon wiederholt/ lor'VölKer-buhd selbst der Ver.such gemacht worden, , eine A s s i m i 1 ationstheorie zu entwickeln!.. Es wurde gesagt, daß die Bestimmungen zum Schutze der Minderheiten den Zweck haben sollten/das Aufgehen i n der S t a a t s n a t i o n zu erleichtern. Abgesehen davon, daß diese Anschauung dem Text der bezüglichen Bestimmungen im Völkerbundpakt, widerspricht, ist sie auch der Logik und dem wiederholt ausgesprochenen Willen der Minderheiten direkt entgegengesetzt, und schließlich kann 'man den Minoritäten nicht ganz das Recht absprechen, über sich selbst wenigstens in Empfinden und Üeberzeugung zu bestimmen. In Völkerbundligen und auf Kongressen geschieht dies, bisher freilich mit bloß akademischem Erfolg. Das Problem hat heute eineandere Seite, seitdem in den Reihen der Minderheiten der Gedanke der ü b e .r nationale n V e r e i n i g u n g ventiliert worden ist, die zunächst zu einem Ausbau des Minoritätenrechtes schreiten muß. Der völkerrechtliche Minderheitschutz besagt nichts über die Stellung der einzelnen Minderheiten, gibt iihnen nicht das Recht der juristischen Person .und stellt sich überhaupt nur als eine Gnade, bestenfalls als .eine Konzession dar, die die kollektivrechte der Minderheiten nicht. umschreibt. Aus Erwägungen solcher .Art .muß die Frage der jüdischen Minderheit herausgehoben, werden. Sie ist ganz anders geartet; die Frage der jüdischen Nation ist. zwiespältig.. Einerseits ist sie in den W o h n I ä n 4 e r n . M i n o r i t ä t, andererseits ist ihr ein Recht auf ein e i g e n e s L a n d zuerkannt worden. Für die Vertretung der Forderungen, die sich aus diesen Komplexen ergben. besteht1 unglücklicherweise keine gemeinsame. Stelle. Der Z i o n is t e n k o n g r e ß, der einmal als eine solche Tribüne gedacht war, ist ganz einseitig auf Palästina eingestellt und: hat die Stellung, der jüdischen Minoritäten bis heute noch niemals erwähnt, ßr wird das wohl auch in Zukunft nicht tun, da er vermöge der bedauerlichen Entwicklung in der Jewish-Agency-Ange- Jegenheit Konflikte wird vermeiden müssen, in denen er unbedingt der Schwächere ist. Man Wird vielleicht auf den Ausweg verfallen, in den einzelnen Ländern nationale S o n d e r o r g a n i s a t i o n e n zu errichten. Das wäre freilich eine mißliche Sache, da dann die Zerschlagung des einheitlichen jüdischen Volkes in Atome droht, wobei jeder einzelne Teil an Schlagkraft einbüßt und sich in eine öde Vereinsmeierei, in Formalismüs und totes Gerede verliert. Daß dann auch die Pälästinaarbeit durch den Mangel des belebenden und bestimmenden nationalen Impulses leidenfwürde, wäre selbstverständlich. Aber das ist auch heute schon der Fäll. Es wäre aber doch denkbar, daß sich die jüdischen Minderheiten in einer anderen Weise zur Ver» fechtung ihrer nationalen ürtd auch wirtschaftlichen Interessen zusammenschließen. Die jüdischnationalen Vertreter in den Judengemeinden, die Hier und dort, insbesondere in der Tschechoslowakei und in Polen, gewählten jüdischnatlönaleh Parlamentarier und Ge* meinderäte, die sich alle auf den Willen ihrer Wähler stützen, könnten in bestimmten Zeitabständen zu einer V e r s a m m 1 u ri g zusammentreten, die öffentlich ihre Beschwerden und Forderungen ausspricht. Es wäre sogar möglich, ein Rahmenprogramm für eine jüdischnationale Politik aufzustellen, ein jüdisches Branchen- und Kreditwesen zu organisieren und gemeinsame Richtlinien für soziale Wohlfahrt auszuarbeiten. Es ist unnötig, den Einwand zu erheben, daß dies dem antijüdischen Pöbel neuen Stoff liefert. Unsere Feinde sind um Phantasien nicht verlegen und wir wollen auch sagen, daß die Geheimnisse der Weisen von Zion, so sehr erlogen sie sind, doch auch für uns einen guten Kern haben. Schaffet wir nur den Kern einer nur der jüdischen Allgemeinheit verantwortlichen Organisation, die durch Wahl legitimiert ist und die durch ihre bloße Existenz Autorität und Werbekraft erhält. Die Versammlung mag zu Beginn klein sein — ihr Wort und Votum wird niemand überhören können. Sie würde auch automatisch die.Verbindung zwischen Galuth und Palästina herstellen und der Zionistischen Organisation einen kräftigen Rückhalt sichern, dessen sie. wie die Dinge laufen, sehr bedürfen wird. Und diese Versammlung wird auch dem Völkerbund gegenüber die Kraft aufbringen, sich Gehör zu schaffen. In der Häifa-Biicht und bei Ruthenberg. Brief aus Palästina. Von Dr. Fri z Löwensie n, Jerusalem. Haifa-Bay und .Ruthenberg:. Das sind die beiden Punkte im Lande, die man im Augenblick am höffnungsfreudigsten nennt, die ersten Zeichen einer beginnenden neuen Entwicklung im Aufbauwerk. Von einem Besuch dieser beiden Zentren unseres Interesses sei hier berichtet. . \r .Die.45.000 Dunam^: die seit einer Reihe von Jahren zwischen Haifa und Akko in jüdischem Besitz sind und die, nachdem ein Teil schon seit langer Zeit dem Keren Kajemeth (Jüdischer Natlonalfonds) gehörte, nunmehr zürn weitaus größten Teil in seinen Besitz übergegangen sind, stellin ein ztemTch kompliziertes Terrain dar, dessen Verwendungsmöglichkeiten -nicht soj ohne weiteres auf der Hand Hegen,' wie dies etwa bei den Böden im Einek der Fall war. Die ursprünglichen Bodenkäufer (Haifa-Bay Company, an der zu je einem ._;—■•;' ■■■;■ r\?,, r ■■——_—■•■ MBH? -SALB] "ZäPFCHES OfflfeU$^^ MAIMALÄht Drittel die Ämencan iZ:ön Commonwealth, die Gesellschaft Meschek und. eineprivate jüdische Gruppe beteiligt' waren), hatten;^ ein kompliziertes Verwendüngsr system ausgearbeitet, das einen Teilfür die Zwecke der bevorstehenden Entwicklung Haifas in Aussicht nahm, weitere Gebiete für inteasive Landwirtschaft bestimmte und etwa in der Mitte zwischen Haifa, und Akko eine neue Stadt' vorsah. Die Gesellschaft begann mit dem Bau einer Straße, die von der Chaussee Haifa- Nazareth etwa in der Gegend der Fabrik Neschef abzweigt und sich in nprdwestHcher Richtung erstreckt Geplant ist, daß diese Straße sich nachher verzweigt, indem ein Teil nach Akko geht, wahrend dar andere nach Beirut laufen soll. , Die Straße ist zu etwa der Hälfte des Weges nach Akko gebaut. 11 II III IIIIII f IIIII III llllllllllllllllf llllllllll Illltf f f *f 1 lllflllltlll 111^ Die Wiener weltbekannten 1 Talare u. Barette! Inden mann gfalli^toformenerballen § Sie fertig und nach Maß .§£ In. bester Qualität I zu den billigsten Preisen! | ■■ ■■ oor in der altbekannten ff üaiformieiuags- Iß Wien.ll.Ta1ionrraDeHt.RJ 1 (Ärtiiung auf Hausnumnarll Wt Tel R 45-6-29 Gegr 1866 | 'Za"lre che be!oL'nie j§ Aherkennu.ng6Sctu e oen g ,V»rtond nach allan Wctenen §§ Raich il(u«iiertt Kataloga giatli« £ | Feinste Herremrarderoben nach Mass | pReichhaltigts Siofilager Zivile Preise. Zahlur gserleichterungenl ^iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiH Das ganze Terrain wird von zwei Flüssen durch-1 flössen, nämlich dem Kischon mit seinem Nebenfluß« dem Kurdarti, im Süden, und dem Neman im Nor (den. Der letztere entspringt im östlichen Teile dieses Terrains und fließt in einem nach Süden offenen Bogen zum Meer, in das er unweit südlich Akkos mündet. Beide Flüsse sind stärk y.e rs u m p f t, da ihre Mündungen verstopft sind. Auch hier hat die Regulierungsarbeit bereits begonnen» Vor allem im Kischon- und Kurdangebiet. In diesem Gebiet insbesondere hat die Haifa-Bay Company etwa 7000 Dunam an private jüd'sche Interessenten verkauft, von denen zwei bereits zu arbeiten begönnere haben, der eine, indem er als Versuch eine Baumschule v o n O r a n g e n- und anderen Citrus" bäumen gepflanzt hat, der andere, indam er eine volle Wirtschaft mit P f I a n z u n g e n, - G ern ü-s es u n d■v.-mQ e f^hü g e l z u c h t gegründet hat. Vor läufig läßt sich natürlich über die Aussichten dieser Wirtschaften nichts sagen, der Heroismus ist jedenfalls bewundernswert, mit dem heute schon in dem noch nicht sanierten Gebiet gearbeitet wird. '' " " Das Djidro^Oebret,'; Iwj.e man .'■ es . vorläufig . nennt, verfeilt sich also, jetzt folgendermaßen: 33.000 Dunam Keren Kajemeth,, 5000 Dunam Flexner-Gruppe und 7000 Dunam in jüdischem Privatbesitz. Dabei ist bisher nicht bestimmt, wo die 5000 Dunam der Flexner-Gruppe sein werden, voraussichtlich im sogenannten Industriegebiet, also nahe bei Haifa. Der Kauf erfolgte, wie bekannt, um einen Rückfall des Bodens an die Araber zu verhindern, ohne daß der Keren Kajemeth Zeit hatte, vorher einen genauen Plan für die Venyendung* der Böden auszuarbeiten. Das geschieht erst jetzt, und es wird für: den Keren Kajemeth eine große neue Aufgabe sein, die Probleme städtischer Bodenpolitik zu lösen, die ihm. hier zum erstenmal obliegen. Oft genug ist bedauert worden, daß es dem Keren Kajemeth seine Mittel nicht gestatten, in der städtischen Bodenpolitik die ihm zukommende Rolle zu spielen. Kein Zweifel, daß viele Schäden in der Entwicklung von Tel- Awiw verhindert worden wären, wenn der Keren Kajemeth dort rechtzeitig hätte eingreifen können. Wir sehen vielleicht die größte Bedeutung, dieses neuen Bodenkaufes darin, daß er es dem Keren Kajemeth ermöglichen wird, bei der Entwicklung Haifas die Rolle zu spielen, die er in Tel-Awiw nicht spielen konnte. In Haifa werden, auch wenn die nach Beginn der Hafenarbeiten zu erwartende Hausse eintritt, die Bodenpreise und Mieten nicht die schwindelnde Höhe erreichen, die zur Zeit der Boom's-Hausse in Tel- Awiw erreicht wurden. Die Errichtung eines Arbeiterviertels ist schon jetzt gesichert. Es verdient auch hervorgehoben, zu werden, daß hier zum erstenmal Böden erworben wurden, die voraussichtlich für den Keren Kajemeth eine n'icht zu unterschätzende Einnahmequelle aus den Pachtsummen erwarten lassen. Der Besuch des Terrains hinterläßt den Eindruck, daß, wie immer auch die strittigen Fragen der Bodenverteilung im einzelnen gelöst werden mögen, jedenfalls dieser Kauf, der übrigens einer der größten in der Geschichtet des Keren Kajemeth ist, von hoher Bedeutung für unser Kolonisationswerk und für die Rolle des Keren Kajemeth sein wird. Das Verständnis für diese Bedeutung des' Kaufs wird sicher dabei mithelfen, dem Keren Kajemeth die Erfüllung der Verpflichtungen zu sichern, die er durch Kauf eingegangen ist. * Von dort nach Naharajim, wie die Rut heil- ^S /■ N =3 >i> =>I<i , Hört und Wie schön und Ueberzeugt euch von der besonders günstigen, Gelegenheit die jetzt bei Sowmerjretitii), SBiett, VIII., Josefstädterstraße 35 ' Telephon A-22-1-87 in Perser- und chinesischen Teppichen geboten ist Lasset die Gelegenheit nicht ohne Besichtigung vorbeigehen ' Nach Tuniichkeit Zahlungserleichterungen! «■* i<l5i