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Die neue Welt · 1929-02-01 · Heft 72 (1.2.1929) · page 9

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 72 (1.2.1929)
Date
1929-02-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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- Nr. 72 "___i__DU NEUE WELT______Seite 9 1000 Dollar II RATHAUSKELLER HHHMBnnHnMnBHHHIBHHIMHn ist die beste Empfehlung! uasrnmammmmammmmmmm otro kaserec Ruthenberg-Anlagen. Die Kolonie D e g a n i a und andere jüdische Siedlungen im Jordahfal erhalten bereits elektrisches Licht, Kraft und Bewässerung durch die Ruthenberg-Station am Jordanfluß. Ein Plumer-Stipendium. Als Ergebnis einer Korrespondenz zwischen dem Kanzler der hebräischen Universität zu Jerusalem Doktor .1, L. Magnes.und dem Präsidenten der britischen Gesellschaft der Freunde der. 'hebräischen Universität, Sir Matthew Nathan wurde an der hebräischen Universität zu Jerusalem ein Stipendium für Studierende arabischer Fächer errichtet, das den Namen Lord Plumers trägt und .Jährlich in Höhe von 100 Pfund zur Verteilung gelangt. Der erste Stipendiat ist. Dr.- Walter .F Ischl, Doktor der Philosophie der Universität Frankfurt a. Main, der seit dem Sommersemester 1926 au einer Konkordanz früh-arabischer Poesie und an einer kritischen Ausgabe des Werkes von Balad'huri, eines arabischen Historikers der Hejira-Epochc, arbeitet. Ein Jerusalemer Bettler. fm Jerusalemer Hadassah-Hospital starb dieser Tage ein Bettler, in dessen Hinterlassenschaft man Geld und Wertsachen in der Höhe von 6000 Pfund vorfand, Jüdische Studenten als Fremdenführer in Palästina. Aus Jerusalem wird uns geschrieben: Aus Anlaß der bevorstehenden Totiristensaison haben die jüdischen Organisationen sich auch mit der Frage beschäftigt, auf welche Weise dem alljährlich wiederkehrenden Unfug der Fremdenführer, die Touristen abseits der jüdischen Kolonisationspunkte und sonstigen jüdischen Sehenswürdigkeiten zu führen, gesteuert werden könnte. Schon seit längerrer Zeit würde die Ausbildung jüdischer Fremdenführer betrieben, und nun hat das Kuratorium der hebräischen Universität in Jerusalem an den Verband der Universitätshörer die Anregung gerichtet, aus seiner Mitte einen Stab freiwilliger Fremdenführer für die Touristensaison zu stellen, die gegen Erlag der tatsächlichen Auslagen im Interesse der gemeinsamen guten Sache die Führung, besonders der intelligenten Touristen . übernehmen würden. In der letzten Vorstandssitzung des Studentenverbandes, wurde beschlossen, dem Wunsche zu entsprechend Es hat sich bereits eine entsprechende Zahl geeigneter Hörer für den freiwilligen Führerdienst gemeldet. Der „unpolitische4* Alpenverein. * Wie berichtet, hat der Wiener Obmann des LScutsch- Üesterreichischen Alpen Vereins, Professor. K 1 e b e 1 s b,e r g, erklärt, der Alpenverein sei eine u n p a r tci isc h e Ö rgänisation; einige österreichische Sektionen sowie ganz wenige reichsdeutsche Sektionen haben den Arierparagraphen beschlossen, ohne daß der Vorstand darauf hätte Einfluß nehmen können. Demgegenüber wurde darauf hingewiesen, daß der Verein neutrale Sektionen wie „Donauland" ausschließt, um hakenkreuzlerische Sektionen wie „Austria" behalten zu können. Das „Berliner Tageblatt" bemerkt: „Tatsache ist, daß so gut wie alle österreichischen und sehr viele reichsdeutsche Sektionen jüdische Mitglieder praktisch nicht aufnehmen. In Berlin zum Beispiel gibt es keine Sektion, die Juden aufnimmt; die Sektion Berlin, die früher wirklich „neutral" war und geeignete Persönlichkeiten jeder Konfession aufnahm, hat bekanntlich neuerdings einen Numerus clausus für Juden eingeführt, der praktisch dem Ausschluß so gut wie gleichkommt. Infolgedessen wurde der neutrale „Deutsche Alpenverein Berlin" begründet, der jetzt in Breslau und anderen Orten schon Nachfolger gefunden hat. Die Ausschließung der Sektton „Donauland" (Wien) auf der Tagung in Rosenheim, den sich der Vorstand des „Deutsch-Oesterreichischen Alpenvereins" widerstandslos gefallen ließ, ist der handgreifliche Beweis dafür, daß die „Unpolitik" des Vereines tatsächlich nur noch auf dem Papier steht und die antisemitische Praxis die Organisation völlig beherrscht. Die Friedhofsehändungeii in Deutschland. Grabdenkmäler in Gladbeck zerstört. Aus Gladbeck (Westfalen) wird unter dem 21.. Jänner berichtet: In der Nacht auf Sonntag wurden die fünf Grabdenkmäler, die bisher auf dem Friedhof der jungen Gladbecker Synagogengemeinde errichtet waren, sämtlich umgestürzt. Außerdem waren die Grabeinfassungen und die Umfriedungen aus der Erde gerissen. Bei dieser Tat haben offensichtlich mehrere Täter zusammengewirkt. Die Aufklärungsarbeit wird dadurch erschwert, daß in der Nacht Regen niedergegangen ist. Die Synagogeiigemeindc hat für die Eruiermig der Täter eine Belohnung von 300 Mark ausgesetzt. Goldene Hochzeit. Herr Moses S t a r e r und Frau t^k 4 feiern dieser Tage das goldene Hoc h zeit s- Sit'bäläum. Herr Starer, einer der ältesten Wiener Zionisten, ist Gründer und erster Präsident des Aus- »peisungsvered'nes „SeudatUi SaibM h". Erste Palästinareise 5689. 13. ytiti bis % April 192$. Nur noch einige Wochen trennen uns von der Abfahrt der Teilnehmer dieser Reise nach Erez Israel. Die Reiseleitung hat ihre Vorbereitungen beendet und den Teilnehmern die Kabinen auf dem Dampfer „Ausonia" in der Reihenfolge der Arimoldungen bereits zugewiesen. Außer diesen Kabinen hat die Reiseleitung noch eine Anzahl" guter Kabinen reserviert. Es ist deshalb empfehlenswert, daß die weiteren Anmeldungen ehestens erfolgen, damit die reservierten Kabinen an die Reiseteilnebmer vergeben werden können. Die Anzahlung (10 Prozent des Pauschalpreises) ist möglichst gleichzeitig mit der Anmeldung zu entrichten, der Rest bis zum 26. Februar zu bezahlen. Der Preis, welcher auch in Teilbeträgen entrichtet werden kann, beträgt für die1.' ganze Reise von Wien bis Wien: bei Benützung der II. Sehiffsklasse engl. Pf. 58 (S -2000), bei Bertäteii/isr der III. Schiffsklas-se spezial engl. Pf. 41 ( 14U0), bei Benützung der Hl. Schiffsklasse einfach engl. Pf. 35 ( 1200)... .. Prospekte werden vom Sekretariat -der Reiseleitung (Frau Berta Taubes. Wien, ,11., Böcklinstraße 92) gratis zugesendet. ~ Die Einzahlungen erfolgen auf das Postsparkassenkonto der „Neuen Welt", und erhalten die Reflektanten die nötige Anzahl Posterlagscheine. — Auskünfte werden auch auf telephonischem Weg durch Frau Paula Stricker. Tel. Nr. R-45-6-89, und Frau Berta Taubes, Tel. Nr. R-43-9-19. erteilt. Ein Erlaß der Horthy-Polizei. Die Staatspolizei von Steinamanger hat durch eine vor kurzem herausgegebene Entscheidung festgelegt, daß Ausländer in die Jeschiwah' von Papa nicht zugelassen werden dürfen. Den Anlaß zu dieser Entscheidung bot das Gesuch des achtzehnjährigen Talmudschülers Emil Reic h e n b e r g aus Wie ii e r:- Neustadt, der Schüler der Papäer Jeschiwah war. Dasv Gesuch wurde abgewiesen und Reichenberg die Einreise verweigert. In der Begründung heißt es: „Reichenberg ist nach Ungarn gekommen, nicht um an einer Anstalt mit Oeffentiichkeitsreeht die ungarische Sprache zu erlernen, sondern um sich hier die hebräische Sprache anzueignen. Diesen Zweck jedoch könnte Reichenberg viel leichter in Polen oder Palästina erreichen." LERN ET F H E M JÖÄ $ P R ACHEN ....... In der Berlitz School, Wieft, I. Graben 13 Der Hilfsverein der deutschen Juden bat einen größeren Betrag zur Linderung der dringenden Not bewilligt. Er wendet sich mit einem Appell an seine Mitglieder und an weiteste Kreise der deutschen Judenheit, die Aktion zugunsten der hungernden Juden Bessarabiens zu unterstützen. Dr. Enimo Löbl gestorben. In Leipzig ist am 1. d. der Vorsitzende der dortigen zionistischen Ortsgruppe, Herr Dr. phil. Emmo Löbl gestorben. Er arbeitete sein ganzes Leben mit größter Hingabe und strengster Konsequent an der Verwirklichung des großen Ideals, der kulturellen Erneuerung des Jüdischen Volkes und des Aufbaues in Erez-Israel. In Ei wart o w i t z in Mähreh gebürtig, studierte er in Wien, wo er Präses der jüdischen schlagenden Verbindung „Unitas" war. In Leipzig', wo er seit mehr als 20 Jahren wirkte, war er langjähriger Vorsitzender der zionistischen Ortsgruppe. In den letzten Jahren widmete sich Dr. Löbl vornehmlich der kulturellen und hebräischen Arbeit. Dr. Adolf Brodsky gestorben. Dr. Adolf Brodsky, der Direktor der Königlichen Musikhochschule in Manchester, ist im Alter von 77 Jahren gestorben. Er bekleidete seit 34 Jahren ununterbrochen das Amt eines Konservatoriums-Direktors. 1851 in Taganrog in Rußland geboren, wurde er im Alter von neun Jahren nach Wien in das Konservatorium geschickt, wo er unter .J. Hcllmesberger studierte. Er war später Dirigent des Kiewer Symphonieorchesters, dann eine Zeit lang Professor am Leipziger Konservatorium',' wo er eine Anzahl der berühmten Gewandhaus- Konzerte dirigierte. Mit Hans Becker, Julius Klengel und Hans Sitt bildete ei" ein Quartett, das jn Deutschland und im Ausland einen großen Ruf genoß. 1895 übernahm er die Leitung des Sir Charles Halle-Orchesters in Manchester •und wurde zum Direktor der Königlichen Musikschule er- •nanut. Jacob Goldblatt gestorben. Der bekannte Maler Jacob Goldblatt, einstmals Professor an der Petersburger Kunstschule, ist in Wilna plötzlich verstorben. Eine ganze Reihe heute berühmter Künstler zählte zu seinen Schülern. In den letzten Jahren war er Leiter der. Wilnner jüdischen Zeichenschule „Hilfe durch Arbeit". Prospekt t aur wiesen C^Q.OOflJudejnl^n ^Gelahn;'.-' Die - Jud^tiiHeYr1' : der;; rteVleri -- riiinäniSolien Pröyiiiz lless-arabien, die zu eineni sehr' 'großen Teil entweder -selbst dem- Landbau obliegt oder vom Gelreidehandel beziehungsweise;-expört 'lebt, ist durch:; die schweren Mißernten'der letzten'zwei' Jahre, hart betroffeft\worden. Die, Jüdische l>logräplien-Agentu;r hat bereits, wiederholt Schilderungen aus den Hungersebieteii ^Bessarabiens gebracht. Vor kurzem beigab sich <ief Berliner' Schriftsteller Dr. Jakob L e s t s c h i n s.ki nach BessaraKen. -Die Eindrücike, die er dort empfitig, sind erschütternd. Von dem In Kischinew, der Hauptstadt Bessarabiens, bestehenden Ret* tungskomitee, an dessen Spitzender Vorsitzende des VerV bandes der jüdischen Kreditgenossenschaft R o j t m a n, Dr.-. M 'U ts c.h u i ik, Dr.- J.aki r, der Vorsitzende des, Kischinewer Stadtrates Dr. Sil her mann und andere angesehene jüdische Persönlichkeiten stehen, wurde Herr Dr,, Lesischiuski gebeten, die Oeffentlichkcit über den ungeheuren Notstand -zu informieren, der in Bessarabien herrscht und der einen sehr großen Teil der bessaraibischen Judensohaft rnit dem Untergang bedroht. Am meistert von der Hungersnot betroffen sind die Distrikte Akerman, Orgejew, Telertesobte, Bender, Ismail, Romanowka, Arzif u. v. a. Die Bevölkerung von 27 von Juden bewohnten' Städten und' von zahlreichen jüdischen Kolonien nagt 6uehstäbiich: am Hungertuch. 40.000 jüdische Sevelen sind ohne jede Existenzgrundlage und müssen aus öffentlichen. Mitteln gespeist werden. Dazu kommt, daß infolge des allgemeinen . wirtschaftlichen Druckes im Zusammenhang mit den., aufeinanderfolgenden Mißernten der jüdische Mittelstand Bessarabiens in seiner Gesamtheit verarmt ist. Dr. Lestschinski hat' auf der Strecke Kischinew— Akerman zwölf Stationen passiert, die als bedeutende Ge. treidcumschlagplät.ze gelten und Zentren des jüdischen Getrejdehaudels waren.. Jetzt herrscht Überall Totenstille. Die großen Getreideinagaziue. sind leer und geschlossen. Dr. Lestschinski fand in vielen Häusern, die er besucht hat, ein Elend, wie es In Worten kaum zu schildern Ist. In manchen Familien t.rat er sieben bis acht Kinder an, die alle unbekleidet waren und.— es war. fünf Uhr nachmittags — noch keinen Bissen Brot im Munde gehabt haben. Das Joint Distribution Gommittee sorgt für die Speisung der Schulkinder und rettet auf diese Weise einen großen Teil der. . Jugend der jüdischen Bevölkerung Bessarablenis vor dem Verhungern. Tausende Kinder können-aber die' Schule nicht besuchen, weil sie keine K d e ii d e r u ii d S c to u h e haben. Neues von Tillinger. Wtr erhalten folgende preßg'esetzliche Berichtigung: ,;Sehr' geehrter Herr Redakteur.' Auf Grund des §23 des Preßgesoteesowerden'Siietersucht,- dic.4n Ihrem geschätzten 'WochcribJatte veröffentlichte Notiz „Neues von Tiilinger" zu berichtigen: Es ist unwahr, daß ich 1927 oder 1928 überhaupt in Nordamerika war, wahr ist vielmehr, daß ich die Jahre 1927/28 in Panama die „BibMoteca del Instituto Nacional" reguliert und >mir in der dortigen Judengemeinsohäjft durch die literarischen Arbeiten „Die synagogale Philosophie" und „Die Geschichte des Purimfestes" (spanisch ■und englisch verfaßt) unauslöschliche' Denkblätter geschaffen habe. „ Es ist unwahr, daß .ich jemals etwas gegen das Judentum im Schilde führte; wahr ist vielmehr, daß ich ihm während meiner pädagogischen Amtstätigkeit durch zwanzig Jahre die besten und tüchtigsten Mitglieder erzogen habe; es ist unwahr, daß ich mit dem Hilsner-Prozeß etwas zu tun hatte; wahr ist vielmehr, daß das Piseker Kreisgericht, die Kuitusgemieinden und Hilsner selbst diese Anschuldigung zurückgewiesen und als Unrecht bezeichnet haben; es ist unwahr, daß ich je Herrn Schwer auch nur gesehen habe, wahr ist vielmehr, daß ich diesen Namen zum erstenmal im Leben höre.- Es ist unwahr, daß ich Renegat bin; wabr ist vielmehr, was schön die orthodoxe und zionistische Erziehung meiner Kinder-und Kindeskindier beweist, daß mein Wunsch stets war, als. Jude geboren, auch als Jude und Zionist zu sterben.' HochachtungsVoH Prof, T i 1 Ii n g c r. . * Wir bringen diese uns unter Berufung auf das Preßgesetz zuigekomme^ic 'Berichtteutng unserer Notiiz, deren Material dem Siebenbürger' jüdischen Tagblatt „Uj Kelet" in OIuj entnommen wurde. Die anierikaniscli-jüdische Arbeiterorganisation. Die amerikanisch-jüdische Arbeiter-Alliance hat den einstimmigen Beschluß gefaßt, im Jahre 1929 300.000 Dollar für das Palästina-Werk der Arbeiterschaft aufzubringen und diese Leistung als Mindestleistung alljährlich zu wiederholen. Die Vereinigung brachte in den letzten sieben Jahren ^S.OOO Dollar für das Palästina-Arbeiterwerk auf. Vereinigung jüdischer Angestellter „Emunah** in Wien. Unter diesem Namen ist eine jüdischnationalc Vereinigung von Angestellten aller Kategorien in Gründung begriffen, in der Art der seinerzeit bestandenen zionistischen Organisationen- „Achwah". „Emunah", „Herzl-Klub" usw. Alle jüdisch bewußten Angestellten und Arbeiter werden ersucht, ihre Adressen zwecks Eta«» laciung zur nächsten Versammlung bekanntzugeben. Am 28. d., halb 8 Uhr abends, findet im Lokale der Zionistischen .Bezirkssektion, I„ Zirkusgasse 33, eine Versammlung statt, bei der u, a. die Statuten beraten werden sollen. Gäste willkommen, Zuschriften für die Vereinigung sind zu richten an Frl. Helene Spiro. II, Vorgartenstraße 199-2.

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