Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 72 (1.2.1929)
- Date
- 1929-02-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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ir Nt. n DIE NEUE WELT Seite 3 Rü Der größte aller Filme! in einer Ernst« Lubltscfi- Produktion DER PATRIOT mit Florence Vldor, Lewis Stone« NelB Hamilton | Nach dem gleichnamigen Bühnenstuck von Alfred 1 Neumann, für den Film bearbeitet von Hans Kraely | Regie: Ernst kubitsch | tsgüthim Erst- und Alleinauf HMrung SCHWEDEN-KINO II., Taborstrasse 1-3, Telephon R-49-0-60 1 Vorstellungen: j^BjHijjfc. Sonntag: 5, 7, 9 Uhr gSS^I^ :V44, «/86. 7<8, 9 Uhr 1 m ins Unendliche rerschleppen lassen. Im Besitze des Budgetrechte« kann und wird die „Union" alle WahlrechtsantrSge sabotieren und das der Wählerschaft seitens der zionistischen Kandidaten gegebene Versprechen hinfällig machen. Der Verband fordert daher die zionistischen Mandatare auf, gegen das Budget zu stimmen.' „Union". Die Gemeinde, ihre „liebe" Gemeinde, ist ihr so teuer, daß sie sie zertrümmern will, wenn ein gerechtes Wahlrecht ihr, der „Union", die absolute Herrschaft unmöglich macht. Diese Drohung der „Union" ist die beste Wahlplattform gegen sie. Im Zeichen dieser Drohung wird sie nicht siegen. * Der Verband demokratischer Z i onisten übermittelt folgende Entschließung: „Laut Beschluß der Sitzung der Verbandsleitung am 28. Jänner 1929 werden die zionistischen Mandatare aufgefordert, den Kampf um das allgemeine Wahlrecht für die Judengemeinde unter Anwendung aller p a rlameBtarinchen Mittel zu führen, wie dies der Wählerschaft versprochen wurde. Das wirksamste; parlamentarische Mittel ist die Verweigerung'des' Budgets. Dieses Mittel infolge irgend welcher Drohungen der wählrechtsfeindlichen „Union" preisgeben, hieße, dieser Gruppe die reaktionäre Weiterherrschaft ermöglichen und die Erledigung der ■ Wahlrechtsfrage Wien,. II., Taborstraße 10 Monumentalstes Kaffeehaus Wiens Behaglich durchwärmt! Rauch- und dunstfrei. Ausgezeichnet ventiliert. Am Abend: Tieffpunkt der jüdischen Intelligenz und der Zionisten aller .Richtungen sowie der jüdischakademischen Korporationen und Vereine flfhflMdf Zw8' Prozen* der gesamten Abendlosung werden HUIlUIlsi alimonatlich dem Keren-Kajemeth zugeführt. Wahlen in der Dresdener jüdischen Gemeinde. Die Zionisten erobern ein Mandat. —10 Liberale, 8 Zionisten. In der Jüdischen Gemeinde zu Dresden fanden die Wahlen zum Gemeinderat am 20. Jänner unter außerordentlicher Beteiligung statt. Abgegeben wurden insgesamt 920 Stimmen, wahlberechtigt waren 1160 Gemeindcmitglieder, so daß eine Wahlbeteiligung von 80 Prozent zu verzeichnen ist. Gewählt wurden 10 Liberale, 8 Volksparteiler und 2 Mitglieder der Valiksvcrcimgung. Die Liberalen verHeren einen Vorstandssitz an die Volkspartci. die neben Dr. John Lcvy neu den Kaufmann Samuel Weiglcr in den Vorstand entsendet. Der Liberale Max Levi scheidet ans dem Vorstand aus. Gedenktafel für Dr. Z. P. Chajes. Enthüllungsfeier in Triest. Wie seinerzeit berichtet wurde, hat die jüdische Gemeinde von Triest, deren Oberrabbinc." und geistiger Führer Dr. Chajes in den Jahren 1912 bis 1918 gewesen ist, gleich nach seinem Hinscheiden beschlossen, das Andenken des Verblichenen durch eine im Festsaal anzubringende Gedenktafel zu verewigen. Wie uns nun aus Edelklinge du einzige eehtc «eftw»* dUohm VeUmmrh» matht Rmsieien cum Vergnügest. Triest geschrieben wird, hat am 18. Dezember die Enthüllung dieser Gedenktafel im Rahmen einer würdigen TrauerversammuMig stattgefunden. Die .Trauerrede hielt der Präsident der Gemeinde, Cav. Raffaele Eppinger. Die Gedenktafel ist ein Werk des Bildhauers Ruggero Rovan und weist in der Mitte in Medaillorvform den ausdrucksvollen Kopf des Verstorbenen auf. Rechts und links ist in italienischer und hebräischer Sprache der folgende Text angebracht: „Dem Andenken an Zwi Pcrez Chajes, der sich in seinem ganzen Leben dem Studium und den Hoffnungen seines Volkes geweiht >md durch das Wort und das Beispiel seines selbstlosen, edlen Lebens die Mission Israels, Liebe und geistiges Licht tinter die Völker zu (ragen, in die Tat umgesetzt hat, widmet die Gemeinde von Triest, die ihn in den Jahren 1912 bis 1918 als ihren Meister und Aneiferer besessen hat, diese Gedenktafel in dankbarer Verehrung." Jüdischer Hochscluilaussciuiß. Der Bericht über die Konferenz der jüdischen und nichtjüdisehen Studenten in BicrviUe bc>i Paris und über die Zentralratssitzung des Wcltver'bandcs der jüdischen Studentenschaft wird im 4. d. M. um 7 Uhr abends im Vercinsheim, VIII.. Bennopiate 1, erstattet werden. Die jüdischen Studenten werden ersucht, zu dieser Versammlung zu erscheinen. Gäste willkommen. Warum Tel-Awiw und nicht Tiberias? A ii s e i n.e r Reisestudie von Sch. Tschernowitz. Tiberias ist eine Stadt mit reicher Vergangenheit. Vom Zeitpunkt an, da sie von Merodes zu Ehren des Kaisers Tiberius gegründet wurde, war sie bereits Hauptstadt Galiläas, wo sich in der Epoche des Unterganges Wie in Galiläa überhaupt die revolutionären jüdischen Kräfte konzentrierten, die bis zum letzten Blutstropfen die Stadt Jerusalem und das Heiligtum verteidigten. Nach dem Untergang trat Jerusalem geistig das Erbe ab. In Tiberias wurde die Mischna geschaffen und der größte Teil des TKlmud-Jeruschalmi, dort saß Rabbi Jehuda Hariassi und dorthin wanderte das Synhedrion aus. Jedenfalls war Tiberias für die jüdische Geschichte von Bedeutung. 5 Jene großen Tage sind schon längst dahin und selbst "die Spuren sind verschwunden. Von der Ferne schon sieht man den Platz, wo der schöne Palast der Verenice stand. Die Stadt selbst hat sich ganz verschoben. Das alte Tiberias stand dort, wo sich jetzt die warmen Quellen befinden; dort, wo jetzt die Altstadt steht, lag der jüdische Friedhof, und die jetzige Altstadt stellt eigentlich eine neue, kaum hundert Jahre bestehende Stadt vor. Es ist richtig,, daß der ehemalige Friedhof heute wieder auferstanden ist. An der Stelle, wo man noch heute jüdische Gräber findet, errichtete man eine Siedlung auf den Namen Rambam (Rabbi Moschc ben Maimon- Maimonides), dessen Grab man von ferne sieht. Hier erheben sich neue, schön gebaute Häuser aus dem charakteristischen Eruptivgestein von Tiberias, das sich durch seine schwarze Farbe vom rosafarbenen Jerusalemer Stein unterscheidet. Noch vor zehn Jahren war der ganze, gegenwärtig mit Bauten bedeckte Platz öd und leer, auch von der Siedlung Kriath Schcmuel gab es keine Spur. Und doch, ungeachtet dieser Zeichen neuen Lebens, ist Tiberias hinter allen Städten Palästinas zurückgeblieben. Der neue Strom des Lebens, der Palästina erfaßt, ist noch nicht in diese Stadt gedrungen. Wer ist daran schuld? fragen Freunde des alten Tiberias. Anstatt die alten historischen Städte wieder zu beleben, sagen sie, wie Tiberias und Safed, sind alle geschichtlich lebendigen jüdischen Denkmäler vernachlässigt worden und man ist ans Bauen ganz neuer Städte gegangen. Man versteht es, daß Tel-Awiw gebaut, wurde. Es ist zwangsläufig gebaut worden und hatte einen politisch und ökonomisch begründeten Sinn. Durch Tel- Awiw konnte man Jaffa erobern. Aber wozu ist man hingegangen, Afuleh zu einer neuen Stadt zu machen? Warum hat man dadurch die Position von Tiberias geschwächt, das für alle jüdischen Siedlungen einen Zenträtpunkt hätte abgeben können? Niemand trägt, so lautet die Antwort, die Schuld am Mißlingen Afulehs. Nach Recht und Verstand hätte) im Emek eine zentrale Stadt entstehen können und sollen, und wenn die Aliah sich in den Jahren 1926 bis 1928 auf der gleichen Höhe wie 1924/25 gehalten hätte, dann wäre Afuleh längst gewachsen und eine große, schöne und ökonomisch gefestigte Stadt geworden. Vielleicht, daß Haif a darunter gelitten hätte. Es hätte wirtschaftlich gelitten genau so wie das christlich-arabische Nazareth. Aber* für Haifa eröffnen sich neue Perspektiven, die es vielfach entschädigen werden. (Der projektierte Hafenbau* Anm. d. Red.) Die Ursache des Stillstandes in Afuleh liegt in der plötzlich gestoppten Einwanderung, während Tiberias aus inneren Gründen zurückgeblieben ist, und zwar hauptsächlich wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage seines Hinterlandes, da die jüdischen Siedlungen dieses Teiles von Galiläa einige Jahre hindurch an Mißernten litten. Aber Tiberias braucht nicht bange zu sein. Seins Hoffnung ist die Zukunft. Seme gutgesegneten warmen NEUTROVOX DER BESTE RADIO EMPFÄNGER MaxNordau über die anthropologische Wissenschaft. Aus Anlaß des sechsten Todestages Max Nordaus bringt Lippmann Rosenthal im „Doar Hajom" einige Reminiszenzen an seine Begegnungen mit dem Verstorbenen, von denen die folgende hier wiedergegeben sei. Es war nach Schluß des vierten Kongresses in London. Die Zionisten Englands gaben zu Ehren der am Kongreß versammelten Delegierten ein großes Festbankett, Toastrneistcr bei jenem Festessen war, 'wenn mich mein Gedächtnis nicht trübt, Israel ZangwiM. Von den vielen Trinksprüchen, die während des Banketts gehalten wurden, blieben mir die wunderbaren Worte Max Nordaus im Gedächtnis. Dr. Nordau begann: „Der Vorredner diskutierte darüber, ob die Juden eine Rasse oder eine Nation seien, und bemühte sich, mit Hilfe der Wissenschaft, und zwar der Anthropologie, überzeugend zu winken. Ich habe nicht die Absicht, ihm auf diesem Wege zu folgen. Ich habe mich wohl während meines gariizen Lebens viel mit Anthropologie befaßt, habe jedoch nach all den Forschungen auf diesem Gebiete meinen Glauben an diese Wissenschaft verloren. Hiozu wiiirde ich durch den Versuch der Erforschung eines menschlichen Skeletts durch einen meiner Bekannten gebracht. Dieser studierte und forschte an diesem Skelett zwanzig volle Jahre herum, und entschied schließlich, daß das Skelett das Knochengerüst eines „Wilden" von den Sandwich-Inseln sei. Zum Schlüsse stellte sich heraus, daß es sich um das Skelett eines-- italienischen Tänzers handelte... So sehen im großen und ganzen alle Forschungen und Feststellungen der Anthropologie aus. Diese Sachverständigen, die sofort und auf den ersten Blick, dem Gefühl nach,, erkennen, welcher Rasse jemand angehöre, sind wie die -Gassenibuben. Auch diese erkennen sofort den Juden und rufen ihm mit vollem Maul nach: „Schau', daß du weiterkommst, Jude'." Was mich betrifft, unterscheide ich zwischen den Juden zweierlei Gruppen. Die eine besteht aus solchen, die aui ihre Herkunft und ihren Ahnenadel stoliz sind. Der zweiten Gruppe gehören jene an, die >in die Schimpfrute und Schmähungen der Gassenjungen miteinstimmen. Wir Zionisten fneuen uns. der ersten Gruppe anzugehören. Wir gelben uns mit Stolz überall, vor jedem Volke und jeder Gemeinschaft, als Juden. Verschiedene Völker erzählen wundersame Sagen und Legenden aus den uralten Tagen ihrer Geschichte. So sind zum Beispiel die Angelsachsen, wenn sie die Körper-, kraift ihrer Vorfahren schildern wollen, voll Stolz, indem sie erzählen, daß ihre Riesenhelden imstande waren, einen ganzen' Ochsen zw verzehren, ohne sich dabei den Magen zu verderben. Die Franzosen hingegen prahlen, daß einer ihrer NationaHieklen in ferner Vergangenheit ein ganzes Faß. voll Bordeauxwein ausgetrunken hat. ohne auch nur Kur quellen werden schließlich die Augen der ganzen Welt auf sich ziehen. Es werden Kurgäste kommen, die die lang verlassene Stadt ernähren und ihren Aufstieg; beschleunigen werden. * Es scheint, daß es außer den Romantikern, die an Tiberias glauben, noch andere gibt, die praktisch die Zukunft von Tiberias beweisen. Eine Anhöhe führt hinauf nach Kriath Schemue! zu den breiten, schönen Alleen der neuen Siedlung, zu den in moderner Architektur errichteten Häusern und Häuschen, die zum See Kinereth herabblicken. Für die Altstadt Tiberias, die durch ihre gewundenen schtnaleni Gäßchen bekannt ist, wo an vielen Stellen kaum zwei Menschen nebeneinander stehen können, für dieses Tiberias1 bedeutet die neue Siedlung sehr viel. Ein neues Hotel mit großer Halle und komfortabelsten Zimmern, ja ein neues Theater wurde hier errichtet, das erste vorläufig des ganzen Landes. Und für wen das alles? Wie der Dichter David Frischmann sagt, für den König! Messias, für die Zukunft. Für die Zeit der Saison, wo> hunderte Besucher — Zukunftsmusik? — an die Türen des neuen Kurortes pochen und keinen Platz mehr finden werden. Der heimische Enthusiast schwärmt: „Es werden für Tiberias noch gute Zeiten kommen, rascher als man glaubt. Werft nur einen Blick, jetzt Ende November, wo überall in Europa Schnee und Kälte die Menschen in die Stuben treibt, auf den schönen Himmel und atmet die wunderbare Luft von Tiberias l Betrachtet den See Kinereth! fst hier nicht der beste Kurort der ganzen Welt? Lohnt es sich nicht, aus dem eiserstarrten Amerika und Europa hieherzukommen? Nicht ohne Grund geht jetzt Lord Melchett daran, sich hier am Ufer des Kinereth eine Villa zu bauen." Siegessicher klingen die Worte unseres Enthuiiasten, die imstande sind, jeden Zweifler zu be< kehren und in ihm den Glauben zu erwecken, daß Tiberias! eine nahe Auferstehung feiern wird.