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Die neue Welt · 1929-02-01 · Heft 72 (1.2.1929) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 72 (1.2.1929)
Date
1929-02-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite t' Dft mm wet.t Nr. 72 m Inhaber: llliril f., Richard Herzog Wi tri.... Sprechapparate Adlergasse 5 Tal. R-23-4-90 Kl. Pfarrg; 28 Tel. A>41-6-24 Jeder Art, ferner I JOdlsche und hebräische Schallplotten sowie alle modernsten Tanz-und Gesangsschlager In reichster Auswahl auf Lager! Auch Teilzahlungen! Provinzversand! Russischer Antisemitismus. Von P. N. Miljukow. Am 27. Februar wurde der Vorkämpfer und Führer der russischen Demokratie, Paul Miljukow, Präsident der Partei für Einheit und Fortschritt und erster Innenminister nach der russischen Revolution, 70 Jahre alt. Miljukow kämpfte seih Leben lang für die Gleichberechtigung der Juden in Rußland. Oft werde ich um meine Ansicht über die Ursachen des Antisemitismus in Sowjetrußland gefragt, der nicht allein für das russische Judentum, sondern für das gesamte Rußland traurig und schadenbringend ist und der mit dem Sowjetregime organisch zusammengewachsen zu sein scheint. Ich will damit natürlich nicht sagen, daß im vorrevolutionären Rußland der Antisemitismus eine unbekannte Erscheinung war. Damals aber entwickelte sich die Bewegung unter dem" Einfluß von oben; sie war ein künstliches Produkt. Der Antisemitismus war den Massen nicht in Fleisch und Blut übergegangen. Jedenfalls konnte man hoffen, daß nach einer Demokratisierung des Regierungssystems das antisemitische Problem in Rußland seine Schärfe einbüßen wird. Ich bin tief im Herzen davon überzeugt, daß es mit dem Antisemitismus auch so gekommen wäre, hätte die Geschichte Rußlands andere Wege und wäre auf die absolute Monarchie eine immer mehr sich befestigende Demokratie gefolgt. ■ ■ -.rU\ , Unter einem Regierte 'der sozialpolitischen '■ Reak-j * tion , aber ist die Entwicklung, krankhafter Psychosen - so gut wie unvermeidlich. Im rangeineinen kann man.fbe-, obachten daß in den Ländern mit einem diktatorischen Regime die antisemitische Bewegung einen guten Nährboden * findet. ■■<■ Dazu kommt, daß der Sowjetismus - an sich dazu angetan ist, menschenfeindliche Gefühle sich entfalten zu lassen. Er hetzt die Massen gegen Bourgeoisie und Intelligenz, teilt die Bürger in „böse" und „gute" ein, auch dort, wo die Klassengrenzen, allein eine solche Einteilung nicht rechtfertigen. Es ist schwer, in das Hirn des russischen" Volkes eine Klassenideologie einzuhämmern; Umso leichter gelingt es, in die niederen Schichten der Bevölkerung menschenfeindliche Gefühle zu' "salien, die sich umso üppiger entfalten, je mehr zu der politischen Hochspannung eine schwierige ökonomische Lage sich gesellt. Es ist kein Zufall, daß der Antisemitismus'; mit der Verschärfung der ökonomischen Krisis " emporgeschossenist. Die in intellektueller Finsternis gehaltenen Bevölkerungsschichten müssen ihren Sündenbock haben. Diese Art Psychose ist be] ihnen noch in der Zeit des alten Regimes, wo der Jude als die Ursache allen Unheils hingestellt worden war, zur Entwicklung. ' . gebracht, worden. Diese Sündenbockpsychose wird von dem Sowjetismus auf anderem .Boden ..genährt.. So kann ..es; nicht wundernehmen,,daß gerade in den kommunistischen Kreisen der Antisemitismus scharfe Formen, angenommen .hat. Dazu kommt, daß. in Rußland das nationale Gefühl als Antipode der künstlich gezüchteten internationalen Ideologie im Erwachen und Wachsen begriffen ist. Der an und für sich gesunde Pxozcß nimmt aber kranke Formen an, die in den gegenwärtigen Zuständen Sowjetrußlands be-diiiKt. sind. Die herrschenden Kreisein Moskau glauben» daß der Antisemitismus eine Erbschaft des vorrevolutionären Rußlands ist, Die rechten Kreise glauben, daß er aus der aktiven Rolle, die die Juden in der russischen Revolution gespielt haben, zu erklären sei. Beide Auffassungen sind falsch. Der jetzige Antisemitismus in Rußland unterscheidet sich im Grunde von dem vorrevolutionären. Der vorrevolutionäre Antisemitismus trug einen offiziellen Charakter; die Volksmasscu. haben ihn nicht ganz verstanden und wenig von ihm in sich aufgesogen; der sowjetistische Antisemitismus aber erfaßt gerade jene Teile der Bevölkerung, die früher von der Seuche verschont Waten. Die Auffassung der rechten Kreise ist nicht Weniger falsch. Im gegenwärtigen Moment gibt .es sehr wenige Juden an leitenden Stellen in Sowjetrußland. Mehr oder weniger zufällig ist der größte Teil der einflußreichen jüdischen Kommunisten in das Lager der Opposition abmarschiert. Gerade zu einer Zeit, wo die Regierung und die höchsten Parteiorgane fast 'Judenrein" geworden sind, erhob sich die neue Welle , des Antisemitismus. Alle diese Erklärungen haften an der Oberfläche und sind irrig: das Emporkommen des .Antisemitismus ist in der Natur des Sowjetregiines bedingt. Aus dieser Tatsache ergibt sich von selbst die Antwort auf die zweite Frage,, die man immer wieder au nijicli stellt: Ist ein erfolgversprechender Kampf gegen den Antisemitismus unter den jetzigen Bedingungen in Sowjetrußland möglich?. Die Antwort darauf: Nein. Keineswegs will ich alle Sowjetfüh.rcr des.Antisemitismus zeihen; ich gebe gern zu, daß es gewissen Führern <tolw ernst um den Kampf gegen den Antisemitismus ist. Sie sind aber nicht, imstande, diesen Kampf■ erfolgreich zu bestehen. Bei den lokalen Führern aber ist nicht einmal der gute Wille festzustellen. Sie sehen-' gleichgültig der vor ihrer Nase HEI ÄALB1 ____ 2$pmm m-APmm&*'^ rSumo&<A *o EIN FUSiBODENWUNDER sehen Sic bei der praktischen Vorlührung mit der n^iien s i e 19 flüssigen Wachspolitur „ROMALIN" Das Bt'sto, Billigste und Neueste auf diesem Öeblef. Kommen Sie heule, morgen und Samstng nachm. punkt V.4 Uhr. in den Snal „Zur Olocke", Vit.. Neub'AUgasse 5. Eintritt frei. betriebenen antisemitischen Hetztätigkeit zu. Oft sind die Gerichtsurteile gegen Antisemiten sehr milde. Anscheinend sind die lokalen Machthaber selbst mit ihren Sympathien auf der Seite der Antisemiten, oder aber erscheint es ihnen nicht vorteilhaft, gegen die antisemitischen: Elemente eine übermäßige Strenge walten zu lassen. Sehr möglich ist es, daß einmal ein Moment eintritt, wo sogar die Zentralmacht, aus Furcht, ihre Popularität unter den antisemitisch Verseuchten Massen einzubüßen, eine Gleichgültigkeit gegen die Angriffe auf Juden an den Tag legen wird. Als eine antidemokratische reaktionäre Richtung ist der Sowjetismus nicht in der Lage, die Bevölkerung von der antisemitischen Seuche zu heilen. Daraus ergibt sich von selbst mein persönliches Verhalten zur Frage des Antisemitismus. Ich habe immer* die Ansicht vertreten und vertrete sie noch heute, daß das - Schicksal des russischen Judentums eng mit dem* S c h i c k s a I d e r De m o k r a t i e in Rußland verknüpft ist. Nur bei einer demokratischen Ordnung der Dinge wird eine befriedigende Lösung der jüdischen Frage in Rußland möglich sein. Am ^$frWiener Juden gemeinde. Die ,jUnionw droht mit der Auflösung. — Die Furcht vor dem Regierungskommissar. — Eine . v ■> .••.„ Erklärung der demokratischen Zionisten. Das Ergebnis der vor zwei Monaten erfolgten Wahl in den GeineindeVörstand erweist sich als unhaltbar. .18 Stimmen der bisher herrschenden assimilatorischen „Union" gegen 18. Oppositionelle. Wenn nicht einer der Teile seine Grundsätze preisgibt, muß eben die Wählerschaft neuerlich ihr Votum abgeben. Die „Union" ihrerseits'"' scheint nicht gewillt, die Konsequenzen aus ihrer Niederlage 'zii ziehen. Im Gegenteil! Durch den Augenblickserfolg, ''weichten sie bei Besetzung der Präsidenten- und Vertreterstellen dank der -nichtv.'einlrei'tlichen •-Haltung der" Opposition errungen i hat, scheinbar 'Wiedfer zäyerätc'n''tUch'--ge^vordeiii will sie,' diktieren. .<Sie'Vefkli&tJ# Wehn ' 'die^öiJpositiöh nichtdie F o rd e'r u n:g' „äi^c'h d'evin\'a:I 1 ge'm e i tfeh-f W ah 1- r e chi zurückstellt r-; .und sieh verpflichtet, für ' d a s Budget zu-.stim ni e n, werden die Unionisten ihre, Mandate zurücklegen, L was zur Auflösung des Vorstandes, Einsetzung eines Regiei'uhgskömmissäi's iind Ausschreibung von NeuwaliTe'n führen muß. Gemäß den der Wählerschaft gemachten Versprechungen hätte die Opposition diese:iCampfansage selbstverständlich anzunehmen. Haben doch Zionisten und Werktätige der Wählerschaft '•'•zugesagt,' .Unter. "Anwendung aller parlöjiienta^fischeii'. Mittel die Gemeinde, allen Juden zu öffnen,, allen Juden, . Männern und Frauen,, das Wahlrecht zu erkämpfen; und die die Entwicklung des Gemeindelebens hindernde Herrschaft der reaktionären „Union" zu brechen. Jetzt wäre Gelegenheit gegeben. . ' Nun sind aber Anzeichen dafür vorhanden, dal? der Kampfeswille der Opposition an Intensität nachgelassen hat. In einer zionistischen Versammlung wurde, von der Sache so gesprochen, als ob die Resignation! der Unionisten, als ob die Einsetzung eines Regierungskommissärs zwecks Ausschreibung von Neuwahlen ein \ katastrophales Unglück für die Gemeinde wäre, .als ol»| in den drei oder vier Monaten der Leitung der Amts-j geschälte durch den Kommissär und einen Beirat' Beamte und Kranke und Greise Not leiden und, alle i J^stitutipncfi zugfunclßgethen., müßten. Mau?nüsse .Opfer, bringen, um dieses Ungliick zu verhüten.. .W9„.dasi.Unglück steckt, wenn ein-Kommissär einige Zeit hih- ^jLiiiitiiiiiuiiiuffiiituiiiiiiiifiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiifiiniiiiiimiiiiiiiiiiifiiititiiiiiiisttimfii^. 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R-4^-5-90.; Auf Wunsch unyeibindliche Vorführung bei dem Kunden< durch die Taxen und Steuern einheht und im Rahmen des alten Budgets die notwendigen Zahlungen leistet, ist-nicht ersichtlich, um so weniger, als .doch die .Wiener Kultusgemeinde kein bankrottes Institut ist und ein Provisorium gewiß verträgt. Ueberdies ist die Sache mit dem RegieVungskommissär,-der kommen soll, nicht ganz ernst zu nehmen. Nach dem Statut kann die Hälfte des Vorstandes; und die bleibt ja' nach Demission der 18 Unionisten, die Geschäfte einige Monate weiterführen und Neuwahlen ausschreiben. Und dies wäre sehr gesund. Der „Union" durch Konzessionen, insbesondere durch Bewilligung des Budgets, das Regieren ermöglichen, heißt nichts anderes, als den ganzen Wahlkampf und seinen Erfolg ad absurdum führen. Wenn diese Kultusgemeinde ein gar so zartes, schwächliches Gebilde ist, das keinen Kampf, nicht die leiseste Erschütterung verträgt, wozu war dann der ganze, große Wahllärm? Der „Union" zu Willen sein, sie zum Unglücke dieser Gemeinde weiter wirtschaften lassen, das hätte man billiger haben können. Jetzt klein beigeben, heißt die Wähler enttäuschen und entmutigen, bedeutet einen faulen Frieden, der nicht' lange halten kann, heißt die Chancen der nächsten, Wahl geführdem Wer wird der Opposition noch Glauben schenken? Anläßlich der Debatten zwischen den Parteien! hat der Führer der „Union" , Herr Regierungsrat! Oppenheim, eine Erklärung abgegeben, welche festgehalten werden soll. Er sagte, die „Union" würde, . wreun eine Neuwahl sie in die Minorität brächte, die Bildung einer zweiten Gemeinde anstreben. Die Drohung ist leer. Die Bildung einer zweiten Gemeinde widerspricht dem Staatsgesetz. Im übrigen: würden die Herren auf ihrem Weg ganz allein bleiben.1 Aber die Drohung enthüllt das wahre Gesicht der .««>=,![., Ueberzeugt euch von der besonders günstigen, Gelegenheit die jetzt bei ien, VIII., ' Jo$efSt8dter$lraße 35 / T^ephon A-22-1-87 , in Perser-, und chinesischen Teppichen geboten ist Lasset die Gelegenheit nicht eaainJB^ mm _> i|=>i<5 imimm

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