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Die neue Welt · 1929-02-01 · Heft 72 (1.2.1929) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 72 (1.2.1929)
Date
1929-02-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 30 •—««isww/0(helt V. b. b, BEZUGSBEDINGUNGEN : Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—; Poien monatlich Zloty 2.—, vierteljährig Zloty 6.—; Tschechoslowakei monatlich Kc, 6.—, vierteljährig Kc. 15 —; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Ramänien monatlich Lei 40.— vierteljährig Lei 120.—. REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Deutschland monatlich Mark 1.—. vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 20.—, vierteljährig Lewa 60.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Redaktion und Verwaltung: Wien, IX., Universitätsätraße 6—8 Telephon: A25-2-82 — Erscheint jeden Freitag Jahrgang 3 Freitag, den 7. Februar 7929 Nr. 72 WL Jabotinsky: Ueher Militarismus Seite 6 Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet. Aus dem Inhalt: Professor Paul M i 1 j u k o w: Der russische Antisemitismus. —y: Dfe gläserne Mauer. Aus der Wiener Judengemeinde. Seh.. T sc her nowitz: Warum Tel-Awiw und nicht Tiberias? Max Nor da u: Die Anthropologie. Die Magdeburger Richter. Der unpolitische Alpenverein. Aus Palästina. Getreide, Gemüse — und Politik. Aus der jüdischen Turn- und Sportbewegung. Tribüne: Antisemitismus per Radio. Austritte aus dem Judentum.. : Schalwn Asch: J^e.^MutfetVw^ ,m -SoliaToi^ Herzls Testament. Der Wunsch, in der Erde Palästinas zn ruhen. Wie bereits mitgeteilt, Ist das Original des Testaments Theodor Herzls in den Akten des Döblinger Gerichtes aufgefunden wordetu Dadurch ist ein Hindernis für die Ueberführtmg der Gebeine Herzls nach Palästina aus dem Wege geräumt. Der betreffende Passus im Testament lautet: - ' „Es ist meitn Wunsch, daß meine Gebeine nach . Palästina. überführt - werden. Es ist mein besonderer Wunsch, daß dies auch mit den Gebeinen meiner Eltern und ■ meiner verstorbenen Schwester Pauline geschehe. Ich würde dasselbe in bezug auf die Gebeine meiner Frau wünschen, wenn sie ihrerseits durch letzten Wunsch nichts. Gegenteiliges verfügen sollte." Die Stellung der Juden in der englischen Politik, Ein Brief des Lord Balfour. •'""* 'Ms LoIi<don wird gemeldet: Das Preflbüro der L ib'e r al e n' P a r t ea' hat dieser Tage im Hinfoliok auf die kommenden Pai'laime<ntswahlen eine SchrMt ,rDie j iu'd' e ri u n d d e r L ii;b e r a 1 d s m u s" veröPicntilioht, in welcher gesagt wird, die Liberalen hätten für die Juden in England die' GJeich'berech'tig-ung und rel'igjiöse Toleranz erkämpft. 1837 'erhielt- Moses M o'n t e f i o r e unter einer K'böraiien Regii;erwng den.'Titel Sir und wurde als erster Jude m, England Ritter. 1841 hat eine aridere liberale Regierung Herrn Eisig Lion Gbldsmid die Baronie verliehen.Die Iöberaie Regseru-ng von 1871' hatte den ersten jüdischen ■Minister,' Sir George ChesseJ, in ihrer Mitte, der;aubh 'der erste jiMisdic Richter in England war. Später, 'gehörte : Stir' Herbert S a ni u e 1 (1909) einem tilberaleir Kabinett 'an; die Liberalen ernannten auch Sir Rufus 1 sa Eic (jetzt Lord Reading) zum Oberstaatsanwalt und später zum Lord-Qbern'chter. Lord Balfour hat durch seine Nichte, Lady Dugdale, an den jüdischen Politiker Mr. Percy Cohen ein Schreiben gerichtet, in welchem er gegen die liberale Broschüre StcUnng uimmit. Er weist darauf hin, daß der konservative Premier D-Israeli durch seine Reden und Schriften die Ideale des jüdischen Volkes im englischen ■Volke populär gemacht hat. Die Liberalen haben in ihrer Broschüre nicht auf die Deklaration von 1917 und auf das Mandat zur Verwirklichung des jüdischen Natkualhelnm in Palästina hingewiesen, die von den englischen Regierungen seit 1917, die sämtlich konservativ waren, bekräftigt worden sind. (Oer Premier des Koalitions'ka'binetits von 1917, der die Deklaration veraniaßte, war der LÜberaile Lloyd George.) Ein neuer Konflikt in Jerusalem. Den Juden wird der Besitz des Rahel-Grabes bestritten. Nach einer Meldung aus Jerusalem ist dort zwischen der jüdischen Gemeinde und dem Distriktskomtniissär von Jerusalem, Major Ke-ith Roacli, ist im Zusammenhang mit der Reparaturbodürftigkeit des R a h c 1- Grabmals ein Ronflikt entstanden. Die Kapelle .über dem Grabe bedarf dringend; einer Reparatur, die die Jerusalemer jüdische Gemeinde, in ^Angriff nehmen wollte. Reith Roach aber verweigerte die Erlaubnis zur [ Durchführung und begriindete dies damit, daß neben. den Juden auch die MosleniisRechte auf das Grab haben. <i> <•>>■ Die Regüe;ruiig^,erklarte -er^ Reparatur •''äes '^räbmais Sorge tragen. NacJi dies er Ri'cihtIirif wurde -aber von den R e g'i er.« ng sb e;h ö rd e n nichts .unternomni«'.n. Von jüdischer Seite wurde beim Oberkommissär Sir John Robert Chanceilor, interveniert. Der Oberkommissär befaßt sich gegenwärtig mit der Frage des Rechtes der Juden auf das Rahel-Grab. Das Grab Rahcls ist im Jahre 1909 in jüdischen Besitz gelangt. Major Reith Roach ist jener. Offizier, der die Hauptschuld an dem Ronflikt bei der Klagemaüer trägt- Kein Lehrerstreik in Palästina. Alle Forderungen bewilligt. Ans Je rm s a l e m. 27. Jänner, meldet die J. T. A.: Die Zionistische Exekutive in Palästina hat sämtliche Forderungen der Lehrerschaft der hebräischen Schulen erfüllt, wodurch der eben erst begonnene Streik sein schnellstes Ende gefunden hat. Der Unterricht wurde an allen Schulen bereits aufgenommen. Die Jewisli Agency, Die Palästinanegierung ersuchte die Zionistische Exekutive in Palästina um ein detailliertes Memorandum über das Problem der Jewish Agency und den jetzigen Stand der Agency-Frage. Diie Palästinareffieraing wäll dieses Memorandum ihrem Bericht an die Mandatskommission des Völikerbuiiides über die. Verwaltung Palästinas im Jahre 1928 beifügen. Die Immunität der Hakenkreuz- Abgeordneten, Eine Debatte im preußischen Landtag. Aus Berlin meldet die J. T. A.: Der preußische Landtag befaßte sich am 22. Jänner. mit einem Antrag der Deutschnationalen, grundsätzlich, die Immunität immer dann aufzuheben, wenn ein Abgeordneter als1 verantwortlicher Redakteur die Pressefreiheit offenbar schwer mißbraucht. In namentlicher Abstimmung wurde sodann die Immunität des Nationalsozialisten Dr. Ley in drei Fällen und des Nationalsozialisten Ka u f m a n n in einem Fall aufgehoben. Bei Ley handelt es sich jedesmal um die Verbreitung von Ritualmord legenden und die - Beschimpfung der jüdischen Religion. * In der Debatte wandte sich der Demokrat G r z i m e k gegen den schweren Mißbrauch, den besonders die Nationalsozialisten mit der Immunität treiben. Der nationalsozialistische Abgeordnete Strasser zeichnet für nicht weniger als elf Zeitungen verantwortlich. Für eine kaum kleinere Anzahl von Zeitungen zeichnet Dr. Ley. Der „Völk'sche Beobachter" habe gleich nach der Wahl geschrieben: „Die Isidore werden an uns keine Freude, haben, da unjer© betten Kräfte immun j^iHlt'1 Auch Sie müssen unser OLSOPHON haben! P R El S S * Bequeme Yeä8zafaQung! Unsere Spezialabteilung in »u. M Apparaten sowie unsere rei ch e Auswahl in 1 Künstler- und Tanzpiatfen 1 ' . bietet jedermann besondere Vorteile -|v r^ -': - . Bequeme Teilzahlungen! Wien, i. BeSIii^astraße Nr. 12 i Telephon B-39-5-70/71 Der deutschnationale Abgeordnete Kö'n necke sagte, die Deutschnationaien seien zwar, wie ihr Antrag zeigt, grundsätzlich gegen den Mißbrauch der Immunität, in dem besonderen Falle Ley lehnen sie aber die Aufhebung der Immunität ab; die Deutschnationalen wollen nicht dulden, daß die Mehrhe.'tsparte.en den Land ag zum Tempelhüter der Synagogen machen. Sie (zu den Sozialisten) schreien über Kulturschande, wenn ein Künstler, der den Heiland mit Gasmaske am Kreuz: dargestellt hat, mit einem Monat Gefängnis bestraft wird. Wenn aber jüdische Friedhöfe geschändet werden, sind Sie weniger duldsam. Im übrigen erklärte Könnecke, die D e u t s c h n a t i o n a I e n 1 e h n e ri d i e a n tis e mi t i's c h e H et.z e ab. Die Bremer Hitler-Leute abgeurteilt. Das Große Schöffengericht in Bremen verhandelte in der Vorwoche gegen die acht Nationalsozialisten, die bekanntlich im Herbst vorigen Jahres Ue herfalle auf jüdische Bremer Bürger verübten, wobei den Tätern auch der brasilianische. Konsul zum Opfer fiel. Die Angeklagten wurden zu folgenden Gesamtstrafen verurteilt: Thelen ein Jahr Gefängnis, Hesse fünf Monate, Schmädicke vier Monate, Masch sechs Monate, Eberlein vier Monate, Brandt vier Monate, Brüggemann sechs Wochen, Drewnick drei Monate Gefängnis. Thelen, der als Haupttäter bezeichnet wird, wurde wegen vorliegenden Fluchtverdachtes sofort verhaftet. Professor Goldberger in Washington gestorben. Der Entdecker des Erregers der Pellagra. In , Washington starb im Alter von 54 Jahren der berühmte jüdische Arzt und medizinische Forscher Dr. Josef Goldberger. In einem Orte der heutigen Tschechoslowakei' geboren, vollendete er in New York seine medizinische Ausbildung. Er war der Entdecker des Erregers der Pellagra (Maiskrankheit) und fand auch das wirksamste Heilmittel gegen diese in vielen Ländern verheerende Volkskrankheit. Er beteiligte sich auch au der Erforschung des gelben Fiebers, des Dengue-Fieb ers, der Masern, Typhus, Cholera und Diphtheritis. Seit 1922 war Dr. Goldberger im Hygienischen Laboratorium zu Washington in der Abteilung für Ernährungskrankheiten tätig. Er starb als Opfer seines Forscherberufes, indem er sich durch Infektion ewe pellagr^ähnliche Krankheit zuzog.

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