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Die neue Welt · 1929-01-25 · Heft 71 (25.1.1929) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 71 (25.1.1929)
Date
1929-01-25
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 DIE NEUE WELT Nr. 71 reu. Praktisch, bequem und bilflg ►310 OHRFAUTEUILS * SCHlAFfAUTEUlLS ALS BETT VERWENDBAR , oww BttM TAPtriifftnntisTt« jfi&l 'k&B^ohn v» Mtmsmm 12 Besuch ungarischer Aerzte in Palästina. Aus Jerusalem wird dem „Pester Lloyd" gemeldet: Eine Gruppe der ungarischen Aerzte, die am internationalen Aerztekongreß in Kairo teilgenommen hatten, besuchte auf der Rückreise Palästina. Bei diesem Anlaß statteten die Aerzte dem Verein Donau-Palästina, der aus Ungarn ausgewanderte moderne Juden vereinigt und die Anknüpfung wirtschaftlichei Beziehungen zwischen Ungarn und Palästina anstrebt, einen f3esucli a.b. Die Gaste wurden vom Ingenieur Armin P a I o t a 1 begrüßt, der in seiner Ansprache die Tätigkeit und die Ziele des Vereins schilderte und mitteilte, daß der Verein bereits ein Informationsbureau ins Leben gerufen habe, um die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Ungarn und Palästina zu fördern. Staatssekretär Dr. Kornel Scholtz, der Fünfer der ungarischen Gruppe, brachte seine Freunde darüber zum Ausdruck, daß er fern von der alten Heimat einen so starken ungarischen Verein antreffe, der das Gefühl der Zusammengehörigkeit mit dem alten Vaterlande auch weiterhin in praktischer Tätigkeit bekunde. Er erklärte ferner, er hoffe, daß es dem Verein gelingen werde, wertvolle wirtschaftliche Beziehungen zwischen Ungarn und Palästina auszubauen. Die antisemitische Internationale. Russische Lügen in einem Genfer katholischen Blatt, Aus Genf, ,15. Jänner, berichtet die J. T. A.: Die den katholischen Kreisen nahestehende Tageszeitung „C o u r r i e r de Geneve" führt seit einiger Zeit eine systematische Hetze gegen Juden Und. Judentum. Die Juden werden als die Väter des Bolschewismus und als zersetzendes Element bezeichnet. Verschiedene, oft widerlegte Legenden werden neu aufgewärmt. Die Juden hätten nicht nur die russische Revolution, sondern auch die Revolution in Ungarn, den Spartakusaufstand in Deutschland usw. angezettelt. Besonders zeichnet sich in dieser Hetze der Mitarbeiter R. L. aus, der die Offenheit besitzt, auf seine Quellen hinzuweisen; es sind dies die Pu« blikationen der berüchtigten New Yorker Gesellschaft „Russische Einheit" (Uniti de la Russie, 121, East 7th Street, New York), die die Hetzschriften des Geistlichen J o u i n herausgibt, der behauptet, die jüdische „Kapitalistische Internationale" unter Beteiligung von Jacob Schiff, Kuhn, Loob & Co., Warburg, Kahn, Guggenheim usw. habe sich zusammengetan mit den jüdischen Kommunis'eti und internationalen Revolutionären» um die Weltrevolution zu inszenieren. Die Hitler-Presse. Das Hauptorgan der Hitler-Partei in Deutschland, der Münchener „Völkische Beobachte r", der ebenso wie die gesamte Hitler-Presse infolge Zuflusses neuer Mittel seit Anfang 1929 eine Ausgestaltung erfuhr und auch die antijüdische Hetze erweitert und verschärft hat, veröffentlicht einen Hetzartikel gegen das Mitglied der deutschen Sachverständigenkommission für die Reparationskonferenz, Herrn Melchior, und greift den neuen Strafgesetzausschuß -des Reichstages' re.'tig an, weil der von ihm hergestellte Entwurf die „völkischen Belange" völlig vernächlässigt. Der , Entwurf, heißt es weiter, will künftig auch den „Glauben" der ReÜgionsgesellschaften schützen, bei den Juden also den Talmud und seine Lehren. Die Zeitung fragt: Wo bleibt da die Freiheit eines Christenmenschen» wo bleibt die Abwehr der jüdischen Gefahr und die Kritik an den verwerflichen Lehren des Talmuds? Die Zeitung befürchtet, daß durch § 128 über Gtheimorden besonders der „jüdische Geheimordei Bnei Brith" vor Strafanzeigen behütet werden soll und schließt: „Deutsche, ihr seid gewarnt! Durchkreuzt die Absichten der jüdischen Hochfinanz und ihrer getreuen Gefolgschaft. Erkämpft euch den Weg zur Befreiung und Erhebung!" Ein Bericht aus Nürnberg über eine dort stattgefundene Massenkundgebung, die das neue Kampf jähr einleitete, und in der Esser, General v. Epp und Hauptmann G ö r \ n g antisemitische Reden gehalten haben, wird überschrieben: „In Nürnberg, der, Hochburg des Antisemitismus." . Diese neue Regsamkeit ist auf die zwischen dem Geheimrat Hugenberg und Hitler erfolgte Einigung zurückzuführen, deren letztes Ziel die gewaltsame Eroberung .der Macht, der Sturz der Republik und der Krieg gegen Frankreich und Polen ist. Hugenberg hat mit Hitler ein neues Verlagsunternehmen gegründet, das die Hetze finanzieren soll. Exzesse in Cleve. Der Berliner „Tempo" meldet aus Cleve: In einer nationalsozialistischen Versammlung, zu der die Clever Stadtverwaltung -ihren Rathaussaal gegeben hatte, unter der Bedingung, daß der Satz der Einladung: „Jude n haben keinen Zutritt", verschwinden müsse, kam es zu Ausschreitungen. Zwei 'Hitlertrupps untersuchten ^ytffiiiiffiiiiiiiiiiiiftjifiiiifiiiii * JiifjjfiiiiiJJiis iifiiiiifiifjiiiififfiiiiffffijiffj«ififfiifiiiif:^ 1 Verband demokratischer Zionisten 1 jg-;—,---;-;-;—--_-_ jg =5 Mittwoch, den 30. Jänner 1929 um </39Uhr 3 3 abends im §= g Cafd Produktenbörse (Klubsaal) I H Ii. lanorstraße lu =5 I VORTRAG! g 33r. SV. Samonsky: 1 IAdiod Hflom. Sein leben und Wirken! H Einttitt frei SlIIIIIIIIIIWlIilllllllllllllllllllllll Gäste wihkommen während des Vortrags alle Anwesenden auf „Juden-Aehn* lichkeit" und setzten eine Reihe Reihe von Teilnehmern vor die Tür, darunter angesehene Bürger der Stadt. Dabei kam es zu Mißhandlungen. Merkwürdigerweise schritt die Polizei nicht ein. Beginn des Barschay-Prozesses. Vor dem Obersten Gericht der weißrassiscfoen Republik dn Minsk begann am. 19. Jänner der Prozeß gegen die Peiniger der jüdischen Arbeiterin Barschay. In einer Minsker Fabrik hatten niohtjödische Arbeiter ihre jüdische ArbeMsgenossin Dfeise Barschay längere Zeit hindurch besdhimpft und mißhandelt, ohne daß die übergeordnete Behörde eingeschritten wa r..Die kommunistische Presse zeigte sieh bestrebt, den FaU zu vertuschen. Die »u fällige Aufdeckung des Falles Barschay gab Anlaß zur Aufdeckung unglaublicher Verfolgs nge n1 j ü d i s c h er Arbeiter in verschiedenen staatlichen Fabriken der Sowjetunion. Der Prozeß ist der Vorläufer einer langen Reühe ähnlicher Prozesse in verschiedenen Städten der Sowjetunion. Dreise Barschay ist ein schüchternes Mädchen. Sie erklärt, sie sei weder der russischen noch der welßrussischen Sprache so weit mächtig, sie möchte gerne jiddisch aussagen. Wegen der . Mißhandlung der Barschay haben sich vier Personen zu verantworten: Tocfoilin, Gruzdljew, Tuliskow und Krassnijansk'l. Gegen weitere Gruppen sind spätere Verhandlungen vorgesehen. Die Angeklagten werden einem scharfen Kreuzverhör unterzogen. Der Werkführer T o c h i 1 i n sa>gt aus, er habe die Barschay einschulen wollen 'und mußte sie oft ausschelten. Im Verlauf des Verhörs gab er aber zu, daß er sie nicht anders ails „Schid" (Schimpfname für .Jude") genannt und auch sonst gemeine Schimpfworte gebraucht habe. Auch habe'er untätig zugesehen, wie die Ni^ziiawskala. und .ander* in der Fabrik Beschäftigte die B'arschay mit Wasser Übergossen haben. Doch, meinte er, habe ,er sich nichts Böses dabei gedacht. Der zweite Angeklagte. Kr a s s n i} a n s k i, der aJs Mi'Hzsölda't in der Fabrik ^angestellt ist. behauptet, er war nacht Zeuge der Mißhandlungen der Barschay gewesen, er wurde wohl von zwei jüdischen Arbeltern herbeigerufen, die ihn aufforderten. Ordnung, zu schaffen, er traf aber die ganze Gruppe lachend mV freilich war die Barschay sehr naß, während die NJtzijewskaja einen; Wasesrkrug in den Händen hielt. Er saih aber keinen Anlaß einzuschreiten. Die Verteidigung versucht nachzuweisen, daß die Beklagten stupide und unwissend sind und sich der Bedeutung ihrer Taten nicht bewußt waren. Der Regierungsanwdt aber führte aus, daß der Antisemitismus eine große Gefahr bedeutet. Er führe den Prozeß gegen verschiedene Aiigek!.a«ten'grtippen getrennt durch, um sie um so wirksamer entlarven zu können. Rykow — der Führer der antijüdischen Richtung? Der Berliner „Vorwärts" erzählt, daß in einer Gesellschaft, in der sich Alexander Granowski, der Leiter des Moskauer Jüdischen Theaters befand, jemand Aufklärungen über den russischen Antisemitismus verlangte. Er fügte hinzu, man habe ihm viel darüber erzählt, er jedoch habe diesen Erzählungen nie glauben wollen, und als er das letztemai in Moskau gewesen, habe er sich nur aus diesem Grund zu Rykow, dem Präsidenten des Rats der Volkskommissäre begeben und ihm die Frage gestellt. Rykow habe mi t Entschiedenheit die Existenz antisemitischer Strömungen in Rußland Verne i n t. In das minutenlange Schweigen, das der Erzählung folgte, schmetterte die helle Stimme Granowskls: „Wissen Sie. wo Sie waren? Sie waren beim Führer der antisemitischen Partei!" Ein Opfer des Nikolai Nikolajewitsch. Das tragische Schicksal einer jüdischen Familie.. Vor dem Krieg war Hermann Rabinowitsch der Besitzer der größten Schuhfabrik in Kurland. Er führte mit seiner Frau und seinen Kindern das glücklichste Familienlebeu. Im Jahre 1915 erließ der Generalissimus Nikolai Nikolajewitsch den Befehl, alle Juden aus Kurland zu vertreibem. Dieser Be'ehl wurde so J>lö';zl.'ch und chaotisch durchgeführt, daß Her mann Rabinowüsch mit einer Gruppe verschickt wurde, seine Frau mit einer anderen, während ihr vierzehn* jühr.'ger Sehn Josef der E appenverschickung dadurch entkam, daß er ziel- und planlos bis nach Wien wanderte, Josef hatte keine Ahnung, wo sich seine Eltern befinden, ob sie überhaupt noch am Leben seien, ebensowenig wie Vater tmd Mutter Kenntnis von den weiteren Schicksalen der anderen zwei Kinder hatten. So wurde Josef ein Gassenjunge in des Wortes grausamster Be- 1 KOSTENLOS erhalten sie unser „MIRAPHON" Das elektrische Rädowunder auf 2 läge zut Probe Allfclff" AKKUMULATOR IIHnl* ANODENBATTERIE VI Bilk ANTENNE MIT EINGEBAUTEM, KLANGRIINEM LAUTSPRECHER Sie brauchen nns mir Ihre Stromart tmd Voltzahl (110 oder 330) bekanntgeben. BGlEDCbTnngshaDS J. Jellinek & Söhne Wien, V«m Mar ah Herstr. t s. Telephon a. »4.204 deufung. Aufsichtslos, ohne jede Unterweisung, jung, ein Kind noch, geriet er in die Oesellschaft von Dieben, Einbrechern und Einschleichern, und so kam es, daß er von den dreizehn Jahren, seitdem er von seinen Eltern getrennt wurde, elf Jahre in den verschiedenen Arresten und Oe'ängnissen Polens verbrachte. Vor e'wa einem halben Jahre — Josef Rabinowitsch > hatte eben wieder nach langer Strafe das Ge'änofnis verlassen — meldete sich dieser junge, bereits seslisch und körperlich gebrochene Mensch beim Warschauer Rabbinat und bat flehentlich, ihm in seiner trostlosen Lage zu helfen. Er sei außerstande, das ihm vom Schicksal aufgezwungene Vagafcttndenleben langer zu ertragen. Wenigstens möge man ihm darin behilflich sein, seine Eltern, wenn sie noch am Leben wären, ausfindig zu machen. Im Warschauer Rarb'nat war die Geschichte der Fa*nilie Hnrann Ra' inewi sch bekannt. Man nahm sich des ju-gen Josef Rabinowitsch mit besonderer Wärme an. Man setzte sich mit den lelt'ändischen und reichsdru'sc' en Zentra'en des „H'as" (Gese'bchaft zur Unters'ü i uig jüd' c'ier Einwanderer in Arne ika) in Verbindung, r'ch ete auch an die Rabbiner und die jüdische Presse dieser Lander d e Biite, an der Eruierung der Eltern des Josef Rab.'nöwi sch mibuarbsüen. Lange Monate vergingen, ohne daß auch die geringste Spur von dem verschollenen Hermann Rabinowitsch und seiner Frau gefunden worden wäre. Josef kam häufig ins Rabbinat, um Eikur.digungen einzuholen, erhielt eine kleine Unter s'ützung, und es konnte festgestellt werden, daß er tatsächlich den ihm vorgeschriebenen Weg der Einkehr gehe. Vor einigen Tagen nun erhielt das Rabbinat von d e r Mutter des Josef Rabinowitsch aus Moskau ein Schreiben, in welchem sie erzählt, wieviel sie während der dreizehn Jahre gelitten habe, weil sie sich nach ihrem einzigen Sohn Josef gesehnt hat und überdies nicht wußte, ob er überhaupt noch unter , den Lebenden wandle. Sie bat, daß man sich ihres Sohnes annehmen möge, sie hoffe, schon in den nächsten Tagen das Einreisevisum für ihn zu erlangen und ihn nach Moskau bringen zu können. Gleichzeitig flehte sie das Rabbinat an, ihr auch e'wage .Witterung von ihrem Mann, den der ruchlose Nikolai Nikolajewi'.sch im Jahre 1915 von ihr gerissen hat, zukommen zu lassen. Vom Rabbinat wurde sofort ein Bote ausgeschickt, um den jungen Rabinowitsch zu suchen und ihm den Brrief seiner Mutter zu übergeben. Wie erschüttert war jedoch der Rabbinalsbote, als er in der Unterkunft des Josef Rabinowitsch erfuhr, daß dieser, verzweifelt, nach mehrmonatigem Hungern und vergeblichem Warten auf ein Lebenszeichen von seinen Eliern, gerade tags vorher einen Selbstmordversuch begangen habe und nunmehr lebensgefährlich verletzt in einem Spital liege. Als man ihm den Brief seiner Mutter überreichte, brachte er nur mühsam die Worte hervor: „Schon zu spät gekommen!"... Mit Anspannung seiner letzten Kräfte ließ er das Rabbinat du^-ch den Boten bitten, sie mögen Gebete für seine Genesung verrichten, damit es ihm vergönnt sei, noch einmal seine Mutter zu sehen. Vor einigen Tagen kam dem Warschauer Rabbinat ein Schreiben eines Berliner Rabbiners zu, der bekanntgab, daß es ihm gelungen sei, in einem Städtchen bei Berlin die Spur des Hermann Rabinowitsch zu finden. Er betreibe auch dort ein Schuhgeschäft und befinde sich in nicht schlechten Verhältnissen. Gegenwärtig ist das Rabbinat bemüht, die jüdische Familie, welche der blutrünstige Nikolai Nikolajewitsch gewaltsam auseinandergerisseu hat, nach dreizehn Jahren wieder zu vereinigen, vorausgesetzt, daß es gelingt, das Leben Josefs zu retten. Zionistische Bezlrkssefctlon LeopoMstadf. Bei der Sitzung am 14. d. wuruen die Herren Siesmund Haber zum Präsidenten, Dr. A. Schmerler und Alfred May zu Vizepräsidenten und OrganisationsreferentJn, A. Schwertfinger zum Schriftfl hrer und Kulturre erenten, Julius Rosenfeld zum Kassier, Herr Josef Singer (Keren Hajessod), Theodor Grubner {Keren Kajetncth und Organisation), Josef Kelller (Schekel),. Lebensohn (Kultur) und Nathan Spindl zum Verwalter gewählt. NEU ERÖFFNE iE REICHHALTIGE MODtRNE LEIHBIBLIOTHEK D IT R BÜCHERSTUBE M, RATH WIIN, II., T'A BORSTRASSE Wr. 30a TEL. R-13-t.58. ALLE NEUERSCHEINUNGENl § REICHE AUSWAHL IN NEBRAINA UNO JUOAIKA In englischer und französischer Literatur MONATSGEBUHR NURS3 - KEINE BANDOEBÜHR! TAOUCHEK UMTAUSCH I

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