Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 71 (25.1.1929)
- Date
- 1929-01-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 71 Dffi NEUE WELT Seite 5 f flDCf HMAf fH INCN sowie jüdische u. hebräische Planen arllCtnnHjlJllllLll billig, auch gegen Teilzahlung. Knell & Co., Wien. II., laoorstr. bb. Passage, Tel. R-4>5-90. Auf Wun«ch rnve-hindlche Vorführung bei dem Kunden Niederlage der Demokraten,*) die sich früher einmal Radikale nannten, eine der auffallendsten Erscheinungen. Ihre Liste, an deren Spitze der allgemein angesehene Berlin und Dr. Mossinsohn standen, vermochte nicht einen einzigen Kandidaten durohzubringen und reichte nicht einmal für einen halben Kandidaten aus. Wir sehen hier dieselbe Erscheinung, wie heute überall auf der Welt, daß nämlich die liberalen Parteien trotz angesehener Persönlichkeiten und trotz ihres Einflusses auf die Presse sich an einem Prozesse des ständigen Abstieges befinden. Dagegen gelang es den miteinander in Listenverbindung stehenden Gruppen der Händler und Hand, w e r k e r, einen Kandidaten durohzubringen, der vermutlich sich dem bürgerlichen Mehrheitsblock nicht anschließen wird. Eine Reihe kleinerer Listen fiel aus, während die folgenden Listen Erfolge zai verzeichnen vermochten: Die Vereinigte Liste A (Dizengoff-Revisionisten and Sfardim) erhielten vier Mandate, wobei der an vierter Stelle stehende Revisionist Dr. Weinschel an Stimmenzahl hinter dem an fünfter Stelle stehenden sefardisohen Kandidaten zuTückblieb, aber durch Verzicht des letzteren doch in die Iriah kommen wird. Die beiden Listen B (Mittelstand, vor allem polnische Emigranten) und die Hausbesitzerliste erhielten Je zwei Delegierte und der Misrachi einen. Daraus ergibt sich, daß die 15 Mitglieder der neuen Iriah sich wie folgt verteilen: Histadruth 5, Händler 1, Gruppe Dizengoff 4, Mittelstand 2, Haiisbesiitzer 2, Misrachi 1; zusammen 15. Es steht also den fünf Histadruth delegierten und dem unabhängig bleibenden Händler ein Block von neun ausgesprochen rechtsbürgerlich eingestellten Delegierten gegenüber, die die Mehrheit der neuen Iriah (Stadtverwaltung) bilden werden, während die Histadruth in die Oposition gehen wird. In Proz-entzaWen ist die Histadruth vpn zirka 40 Prozent aller Stimmen auf 33 Prozent zurückgegangen, was, wie gesagt, nicht Stimmenverlust der Histadruth zuzuschreiben ist, sondern dem neuen Wahlrecht und der starken Wahlbeteiligung auch bei den bürgerlichen Elementen. Auf zwei interessante Erscheinungen sei hier noch hingewiesen. Das Wahlrecht von Tel-Aviv gestattet, aus den Listen der Parteien Kandidaten zu streichen. Die Wähler haben hiervon vielfach Gebrauch gemacht. Herr Gesundheit, ein vor einigen Jahren nach Palästina gekommener südafrikanischer Jude, war Spitzenkandidat des Misrachi, erhielt aber wesentlich weniger Stimmen als der fünfte Kandidat dieser Liste, Herr Asulai. Der Grund dürfte darin bestehen, daß Herr Gesundheit in seiner Oratigenpilanzung mit arabischen Arbeitern arbeitet, was der Wählerschaft natürlich bekannt geworden war. Ungenügend geklärt scheint in der Wahlordnung von Tel-Aviv die Frage der Listenverbindung und der Verwendung der Reststimmen. Der überraschende Erfolg der Hausbesitzer — deren Stimmenzahl an sich nicht einmal für ein Mandat ausreichte — beruht auf einer unklaren Abmachung zwischen ihnen und der Mittelstandsgruppc, deren Ergebnis es war, daß die Mittelstandsgruppe, ©bwohl sie 1000 Stimmen mehr bekam als die Hausbesitzer, nur zwei Mandate bekam, ebenso viel wie die Hausbesitzer. Kurios ist folgende Tatsache: Eine Bestimmung der Wahlordnung lautet, daß Ueberschußstimmen derjenigen Liste zugute kommen sollen, die die meisten Uebersohußstimmen hat. Es ist klar, daß sich das natürlich mir auf Listen bezieht, die miteinander verbunden sind, aber das ist in den Paragraphen, wohl weil es so selbstverständlich ist, nicht besonders gesagt worden. Da nun der Misrachi, dessen Liste mit keiner anderen verbunden war, die größte überschießende Stimmenzahl hat, glaubt er auf Grand dieses Paragraphen ein Anrecht auf die überschießenden Stimmen sämtlicher Parteien (!) zn haben, womit er nach seiner Berechnung auf fünf statt eines Delegierten käme. Man muß sich die groteske Tatsache ausmalen, die eintreten würde, wenn zum Beispiel die 79 ko m m u n i s t i s ch e n Stimmen dem Misrachi zugute kämen oder etwa die Stimmen der misrachistischen Arbeiterschaft, die eine Listenverbindung mit dem Misrachi ausdrücklich abgelehnt hatte. Es klingt wie ein schlechter Scherz, aber der Tel-Aviver Mirachi hat wirklich mit einem Jerusalemer bekannten jüdischen Rechtsanwalt darüber verhandelt, ob er die Vertretung dieses Anspruches für ihn übernehmen wolle. Es ist gut, wenn in diesen ernsten Zeiten auch etwas zur Belustigung des Publikums unternommen wird. *) A n m e r k u n g der Redaktion. Diese Gruppe hat das Recht auf die Bezeichnung radikal oder demokratisch schon längst verwirkt, da sie sich für die Preisgabe des Zionismus an die reichen Nichtzionisten ausgesprochen hat. An die jüdische Studentenschaft Wiens I Der Verband der zionistisch-akademischen Verbindungen und Vereine Oesterreichs hat eine staatswissenschaftliche Arbeitsgemeinschaft ins Leben gerufen. Diese gliedert sich vorläufig in eine politische Arbeitsgemeinschaft unter der Leitung des Herrn Prof. Dr. Wilhelm Stein und in eine soziologische Arbeitsgemeinschaft unter der Leitung des Herrn Dr. Leo Goldhammer. Eine nationalökonomische Arbeitsgemeinschaft unter der Leitung des Herrn Adolf Böhm ist vorgesehen. Der Vortragszyklus der politischen Arbeitsgemeinschaft beinhaltet eine „Einführung in die Theorie des Zionismus": 1. Die soziologischen und geistesgeschichtlichen Voraussetzungen der zionistischen Theorie, von Prof. Dr. Wilhelm Stein. 2. und 3. die Theorie des Zionismus vor Herzl, von Dr. N. M. Gelber. 4. Der Kulturzionismus, von Prof. Dr. Vi/ktor Kellner, 5. Theodor Herzls politische Theorie von Oberbaairat Ing. Robert Stricker. 6. Die Theorie des Poale-Zionismns von Mendel Singer, 7. Der ideologische Sozialismus von Dr. Martha Hoffmann. 8. Der synthetische Zionismus von Adolf Böhm. 9. Der gegenwärtige Stand der zionistischen Theorie von Prof. Doktor Wilhelm Stein. Die soziologische Arbeitsgemeinschaft beschäftigt sich mit der „Krise" der zionistischen Organisation und beinhaltet folgende Einizelthemen: 1. Das Wesen der Organisation, 2. Die Organisationsformen. 3. Soziologie der Organisations'bHdung, 4. Das Problem des Führertums, 5. Die zionistische Organisation, 6. Das Problem des FüHrertums in der Juden-heit, 7. und 8. Die ..Krise" der zionistischen Organisation, 9. Zusammenfassender Ueberblick. Die Vorträge der politischen und soziologischen Arbeitsgemeinschaft finden abwechselnd iede Woche im Vereinsheime. VIII., Bennoplatz 1 a. um 20 Uhr statt. Der erste Vortrag findet am Dienstag, den 29. Jänner statt. Die Vorbesprechung der soziologischen Arbeitsgemeinschaft am Dienstag, den 5. Februar. Nähere Amraben werden von Fall zu'FaJl-in der ..Stimme" und ..Neuen Welt" rechtzeitig kundgemacht. Jüdische Akademiker, Kolleginnen, besuchet zahlreich unsere Arbeitsgemeinschaften und meldet Euch zur aktiven Mitarbeit! Für den Verband d. z. a. V. u. V.: Dr. Leo Koppel. Kulturreferent. «Ma«BMMM"MMMMM0 Herzls Testament aufgefunden. Im Döblinger Bezirksgericht. Das Original des von Theodor H e r z I eigenhändig; niedergeschriebenen Testaments, von dem man argenommen hat, daß es während der Niederbrennung des Wiener Justizpalastes im Jahre 1927 mit anderen Akten der Vernichtung anheimfiel, ist vom Präsidenten der österreichischen Zionistischen Organisation Dr. Goldhammer im Bezirksgericht zu Wien-Döbling wiederaufgefunden worden. Es bestand die Besorgnis, daß durch das Verschwinden der Origihalabschrift des Testaments Schwierigkeiten bei der Ueberführung der Gebeine Herzls nach Palästina e itstehen werden. Nun sind diese Schwierigkeiten behoben. Ein Konsistorium der sephardischen Juden in Argentinien. Wie aus Buenos Aires berichtet wird, wurde dort vor kurzem das Konsistorium für die Gesamtheit der sephardischen Juden iri Argentinien ins Leben gerufen. Das Konsistorium besteht aus elf Delegierten. In der ersten Sitzung wurde der Monastirer Oberrabbiner und Delegierter des Weltverbandes der sephardischen m ll.Taborsftraße 3:: Tel. R- 2-3 41 WQ Täglich: Uru. Alleinaufführung DerJazzsän (Das Lied der Väter) mit May Mc. Avoy, Warner (Hand Toneln'agtn: u.a. Oberkantor Josef Rosenblatt Beginn: An Werklagen um l/»6, '/48 und 9 Uhr An Samstagen Sonn- und Feiertagen ab '/s5 Uhr Juden, Rabbi Sabatai Giain, zum Großrabbiner der sephardischen Gemeinde in Buenos Aires und der „orientalischen Judengemeinden" in. Argentinien bestellt. Die feierliche Installierung des neuen Großrabbiners wurde am 9. Dezember in der großen Synagoge der lateinischen sephardischen Gemeinde in Buenos Aires vollzogen. Sie müssen unbedingt die vergrößerten, vollkommen neu eingerichteten Verkaufsräume der bestbekannten Radiofirma ..Zum Radioamateur" Eugen Goldschmied, Wien, VII., Neubaugasse 19, besichtigen und Sie werden über das überaus reichhaltige Lager und die beispiellosen billigen Preise für Radioapparate und -Bestandteile staunen. (An solvente Kunden 20 Monate Kredit.) Beachten Sie das heutige Inserat obiger Firma. (Entgeltlich.) Berühmteste Künstler Vollendetste Aufnahmen Hervorragende Aufnahmen des beliebten, weltberühmten Kantors Josef ROSENBLATT auf Schallplatten THE GRAPIOPHONE CO. (CzechOSl.) LTD. ö. M, B. H., Wien, i„ Trattnerhof i Vizegouverneur Lehman. Vom Bruder in Eid geommeri. Aus Albany (New York), 16. Jänner, wird ge* meldet: Colonel Herbert Lehmann, der zum , Vizegouverneur des Staates New York gewählt wurde, ist in sein neues Amt feierlich eingeführt worden. In der amerikanisch-jüdischen Oeffentlichkeit wurde diese Tatsache als ein wichtiges Ereignis in der Geschichte def amerikanischen Judenheit vermerkt. Das Amt eines Vizegouverneurs von New York ist der höchste Posten, den bisher ein Jude in Amerika bekleidet hat. Herbert Lehman und die Organisation „Young Judäa". Oberst Herbert Lehman hat der Organisation zur Förderung jüdischer Erziehung „Young Judaea" eine Spende von 2500 Dollar zukommen lassen. Die Konferenz von „Young Judaea" beschloß, eine Kampagne unter den jüdischen Gemeinden Amerikas einzulegen» urri diese von der Notwendigkeit eines großen erzieherischen: Programms für die Jugend zu überzeugen. Das Juden-Ghetto von Lincoln. In der englischen Stadt Lincoln besteht ein „Judenhof", ein historischer Ueberrest des Juden- Ghettos aus dem 12, Jahrhundert. Eine Abordnung der Architektengesellschaft von Lincolnshire erschien beim Stadtrat von Lincoln und drückte den Wunsch aus, daß der „Judenhof' restauriert und als ein historisches Denkmal erhalten bleibe. Das Finanzkomitee des Magistrates schlug vor, den „Judenhof" der Archtitektengesellschaft schenkungsweise zu überlassen. JUdtschcr Hochschulausschuß. Der' Bericht Aber die K o n f o r o n z der Juden und Nichtjuden In Bierville und die Zentralrats« Sitzung des Weltverbandes der jüdischen Studentenschatt in Paris wird am DouiierstaK, den 31. d. M. im Saale, VIII., Bennoplatz 1, um 7 Uhr abends erstattet werden. Die jüdischen Studenten werden zu dieser Versammlung herzlichst eingeladen. Gäste willkommen. dHoRonin^erfertettbidienim Wien, VIII., JosefstSdterstraße Nr. 351 Telephon A-28-1-39 „ Benützet die jetzt dargebotene Gelegenheit, die selten wiederkehrt, zur ßlltltfitlfftlf fällffttff flWftfllltfttl Besichtigung. / Kein Kaufzwang! / Ab 1. Mai bis 1. Oktober CWIWJIJUU9 WUmmCillCUIIÜ taisongeschäf^gaclgasfein Kaiserpromenade iji f= *»— Im mwa 4m \ =z!h <i 1 <s % <— t\ [i <= ,<ü \i <1 K <=§ <ü§ [1 <1 \i <I \ 51 |KM I J f »