Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1929-01-25 · Heft 71 (25.1.1929) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 71 (25.1.1929)
Date
1929-01-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2711613-2711683-2711688--0944-2714120
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 71 DIE NEUE WELT Seite* t des na cih tizi onis ti-s cli c n Lasers bereits seit I a 11 sem i m Schwinde u b e g r i t if o u i s t. Wir Nichfczionisten 'können aber am Palästina-Kolonisationswerk nur mitarbeiten, wenn es sich, wie in den Artikeln der ,,Jüdischiiberaien Zeitung" dargelegt, in das G e s a m t ik o 1 o n i s a t i o n s w c r k der Juden in alier Welt eingliedert, und wenn alle z i o n i s t i s c Ii e n Voraussetzungen fallen. Wir haben das Empfinden, in der Lager jener potenten Geldgeber zu sein, die zur Sanierung eines Unternehmens berufen werden, das ohne unsere U n t e r s t <ü t x u n g nicht ztt halten ist. Uns ist es 'keinen Augenblick zweifelhaft, daß nicht wir diejenigen sind, die sich Bedingungen für ihre Hilfeleistung auferlegen fassen müssen, daß es vielmehr an uns liegt, mit aller Deutlichikcrt festzustellen, unter welchen Umständen wir uns zur Rettung erbieten. Es ikann doch niemand bestreiten, und es hieße auch, die Situation völlig verkennen, wenn man übersehen wollte, daß es die Zionisten sind, die um die Hilfe der Nichtzionisten werben. Die Zionisten wollen die Jcwish Ageney erweitern, sie bitten uns um den Eintritt, und an uns ist es, die Bedingungen 'klarzulegen, unter denen wir dazu bereit sind. So liegen die Dinge nüchtern betrachtet. Wir proklamieren unsere Hilfsbereitschaft nur für den Fall, daß die B a 1 f o u r - D c ik 1 a r a t i o u und was s i c-h daran a u s c h l i e ß t, V ö hk e r fb u n ds m a n d a t usw. in unserem Sinne umgeändert werden; um es ganz präizisc auszusprechen: daß das Paläs t i n a w e >r k seines zionistischen Charakters entkleidet wird. Andernfalls müssen wir es zu unserem Bedauern den Zionisten überlassen, ihre gefährlichen Experimente fortzuführen, bis der von uns mit absoluter Gewißheit vorausgesehene und auch von den Zionisten wähl auch bereits g e f ü r c h t e t c Zu s a mincnbruch sie zwingt, die unvermeidliche Rettungsaktion für die uiiglülichen Opfer ihres verhängnisvollen Wirkens unseren Händen anzuvertrauen. Wenn die Zionisten nicht einsehen, daß nicht sie, sondern wir diejenigen sind, die unabänderliche Voraussetzungen für das Hilfswerk in Palästina nach unserem Willen zu schaffen haben, ist es zwecklos, sich an den Verhandlungstisch zu setzen. Diese Klarheit geschaffen zu haben, ist das Verdienst der bisherigen Diskussion.'* In derselben Nummer der „Jiidischliberalen Zeitung" fordert auch ein anderer Führer, Herr Moritz Simon, die Acnderung der M a n d a t s b e s t i m m u u g e u und der B all our-Deklaration als Voraussetzung der Beteiligung der Nichtzionisten. Das sind die Menschen, mit denen jetzt die zionistische Organisation ihre Macht teilen soll. Man kann mit ihnen unzufrieden sein, aber als Nichtzionisten halben sie ein Recht, izu sein, wie sie sind. Und will man mit ihnen arbeiten, muß man sie nehmen, wie sio sind. Was dann aiber vom Zionismus und vom jüdischen Palästina übrig bleibt, ist eine andere Frage. Bin-Nun in Wien. Der bekannte Führer des Hapoal Hami.sna!ühi> Binllnfl, aus Erez-Israel, weilt gegenwärtig in Wie». Et ward sich hier mit der Organisation der misradhistiscihen Jugend und gleäcih'zeitjg mit 'der Propaganda für den Hapoei Ha- ■irasradhi befassen. Der Umschwung in Jugoslawien, Auflösung jüdischer Organisationen? Nach Privatnieldungen Berliner Blätter aus Belgrad sind auch die Juden von den Maßregeln der neuen diktatorischen Regierung Jugoslawiens betroffen worden. In Agr am soll die zionistische Organisation, in Sarajevo der Verein Ponlc Zinn aufgelöst worden sein als Folge des Dckreles, welches;illc ..Stammes- und konfessionelle Vereine" insgesamt anilösr. Alle Vereinigungen haben sofort die Genehmigung der Regierung zu ihrer Nettkou stituierung ei nzaiholen. Der Seelenfang. Die amerikanischen Missionäre. Aus New York meldet die J. T. A.: Der gegenwärtig in Atlantic City tagende Rat des Missionsvcrbau des hat eine Erklärung erlassen, in der zum Ausdruck gebracht wird, daß die Missionäre auf ihrem Rechte bestehen müssen, das Evangelium Christi unter allen Völkern zu verbreiten. Diese Erklärung ist eine Antwort auf einen von Rabbi Israel Goldstein, Mitglied des Exekutivkomitees der Vereinigten Synagogen Amerikas, dem Missionsratc unterbreiteten Appell, die Bekehrungstätigkeit unter den Juden, die zerstörend auf das Familienleben wirkt, einzustellen. + Die Judcnbekehrungspropaganda der Missionäre wird sehr intensiv und mit großem' Aufwand unter der jüdischen Masse Ost-Ncw Yorks betrieben, wobei es auf die neuen Einwanderer, die wirtschaftlich noch keinen Boden unter den Füßen haben, abgesehen wird. Diese Propaganda artet nicht selten zu einem öffentlichen Aergernis aus. Am 13. Dezember haben Rabbi Nathan. Kraß und Rabbi David de S o 1 a Pool in einer in New York abgehaltenen Versammlung gegen diese Missionstätigkeit protestiert. — Rabbi Kraß führte in seiner Ansprache aus, die christliche Kirche habe eine Mission, christlichen Geist vor allem unter den Christen selbst zu befestigen. Die Zentralkonferenz der amerikanischen Rabbiner und die Union amerikanisch-jüdischer Kongregationen sind wiederholt mit Protesten gegen die christliche Bekehrungstätigkeit hervorgetreten. Ein solcher Protest wurde 1927 zur Zeit der Tagungen des Internationalen Missionsverbandes in Budapest und Warschau dem Komitee für Erhaltung der Freundschaft zwischen Christen und Juden übermittelt Dieses Komitee sandte darauf eine von Dr. Anthony, Dr. Sidney, L. Gulick und Dr. John W. Herring unterzeichnete telegraphische Kundgebung' an Dr. John R. Motr, den Präsidenten des Internationalen Missionsrates, in welcher die Forderung ausgesprochen wurde, nichts zu unternehmen, was die Mißachtung vor dem Glauben eines Bruders in sich schließt, und jedem religiösen Proteküonis- ^cfnzi%e n&m— <&*** j W»Wm*HK | ms^LMms^iLjmL^vm^iis^ 4 i NEUTROVOX DER BESTE RADIO EMPFÄNGER mus aus dem Wege zu gehen. Andererseits möge der Kongreß die Christen in der ganzen Welt auffordern» s i c h von der Seuche des Antisemitismus zu reinigen und den Juden diejenige Stellung in der Bruderschaft der Völker zu gewähren, die ihnen auf Grund ihrer hohen Literatur und Geschichte in reichem Maße zukommt. Der britische Luftminister. Philipp Sassoon. Unter den Juden Englands, die bedeutende Stellungen im öffentlichen und wirtschaftlichen Leben des Insclreiches. erlangten, wie Lord R c a d i n g, der frühere Sir Rttfus Isaak, der als Schiffsjunge begonnen und oft gehungert hat, um nachher Vizekönig von Indien zu werden; Lord M eichet, früher Sir Alfred Mond, gewesener Minister, heute der Führer der englischen Industrie; Sir Herbert S a m u c 1, jetzt der Erneuerer der liberalen. Partei — ist der frühere Oberkonimissär Paliistinas, Sir Philipp Sass o o n, der jetzige Minister der Luftkräfte des britischen Imperiums, der letzte, den die Oeffentlichkeit am wenigsten kennt. Seine Karriere, die noch lange nicht zum Abschluß gelaugt ist und in der ihm noch große Möglichkeiten offen stehen, beweist, daß auch im heutigen, England jüdischen- Persönlichkeiten der Weg zu den höchsten Aemtern offen steht. Philipp Sassoon stammt aus 1< a r k u r, einem kleinen. Städtchen im Irak (Mesopotamien), dessen Petroleumcjuellen weltbekannt sind. Irn Orient ist der Name' Sassoon sehr verbreitet. Fast in jedem Orte gibt es Sasscons, Handwerker» Advokaten, Bankiers; sie alle sind jetzt bemüht, ihre Verwandtschaft mit dem jetzigen Minister nachzuweisen.. Als Sir Philipp Sassoon kürzlich;in Kairo weilte, versuchte ein Namensvetter ihn zu veranlassen, daß er den angeblich genieinsamen Stammbauin durchstudiere. Der Minister antwortete: „Wir sind näher miteinander verwandt, als Sie glauben; da die Thora sagt, daß alle Juden B r ü d e r s i n.d". In seinem Heimatsorte Karkur bewies Sir Philipp während seines letzten Aufenthaltes, daß er seinem Stamme treu geblieben ist. Vor den Einwohnern der Stadt hielt er eine Rede, in. der er seine Treue zum Judentum bekannte und seinem Stolz über seine Abkunft Ausdruck gab. In seiner Jugend war Sassoon genötigt, sich seinem Vater in gewissem Sinne zu widersetzen, was mit sich brachte, daß ihm der große Reichtum seines Vaters für seine ersten Lebensschritte nicht zur Verfügung stand. , Der alte Sassoon wünschte, daß sein Sohn Notar werder. Er sah die Wertschätzung, welcher sich in, Mesopotamien,^- die Notare seitens einer Bevölkerung, die bis zu 96 Proze|?t£ * Lati fah. Von Moses Smiliansky (Jerusalem). (Uebersetzt von Neimah Schiff mann.) Entnommen dem im Verlag Achiewcr, Jcrusalem-Tel-tAwiw, ex 1927 erschienenen Werke des Dichters: „B'ucd'-Arow" (Araber). .,Wer Lati fahs Augen nicht sah, hat schöne Augen nie gesehen." So sagte ach, als ich ein junger Mann und Lati fah, die Araberin, ein junges Mädchen war. Viele jSh're sind vorbeigegangen und ich sage es rcoeb immer. * Im Monat Tebet . . . Ich stand au der Spitze einer Araber&ruppe. Wir bereiteten den Boden zur Pflanzung meines ersten Weinberges. Mein Herz war in Fcier.tagsstimmung und feierlich war Mies ringsumi. Es war ein schöner, heiterer Tag, die reine, klare Luft warm und milde. Die Sonne stand im Osten und goß ihr strahlendes, rötliches Licht auf die Erde. Meine Lunge weitete sich, als ob sie alle Luft auf einmal einatmen wollte. Alles war grün. Auf den unbebauten Hügeln wuchsen schön«, liebliche Feldblumen. Unter den Araberiuuen, welche Steine suchten und Unkraut jäteten, sah ich eine neue Araberiii, ein junges, schlankes und gewandtes Mädchen von etwa vierzehn Jal%m. Säe trug ein blaues Gewand. Ein weißes Tuch bedeckte ihr Haupt, seine Enden fielen auf ihre Schultern. „Wie heißt du?" fragte ich sie, um ihren Namen einzutragen. Ein kleines, dunkles, KebHches Gcskhtohen wandte sich mir zw und zwei schwarze Augen blitzten mir entgegen. „Lati fah!'* Ihre Augen wäre« schön. Sie waren groß, schwarz und leuchtend und sprühten von Lebenslust und Leidenschaft, „Sie ist die Tochter «des Scheichs Surwagi", sagte Attala, ein junger Araber, der sich eben mühte, einen großen Stehi aus dem Boden 2?u heben. Seine Rede klang leicht hingeworfen durch die Luft wW4e »wai Stefföein einer schönen SoitHneroacirt..." sang Attala mit seiner schönen, starken Stimme und warf mir bcdewttHfligsvoHe Blicke zu, * Ich fand in meiner Arbeit neuen Inhalt: wenn es mir schwer ums Herz, traurig zu Mute war, bückte ich Lati iah au und Schmerz und Trauer wichen von mir wie durch Zauber. Und manchmal .spürte. Ich die Blicke Lati fahs. 'Manchmal fühlte ich das warme Leuchten ihrer Augen. Und manchmal war ihr BMok traurig. * Ich ritt auf meinem kleinen grauen Esel ins FeM. Beim Brunnen traf Ich Lati fah, einen Krug auf dem Kopfe. Sie brachte den Arbeitern Wasser. „Wie geht es dir, Lati fah?" „Vater läßt mich nicht mehr zur Arbeit . , .H Die wenigen Worte sprängen so schnell von ihren' Lippen, als hätten sie sie schon lange im Innersten bewegt. Und ihre Stimme zitterte, als sei ihr etwas Böses widerfahren. „Wi#st du nicht lieber zu Hause sitzen, als hier arbeiten?" Lati fah sah mich au. ihre Augen verdunkelten sich, ate sei ein Schatten über sie geglitten. „Mein Vater will mich dem Sohno des Scheichs von Agar geben." „Und du?" „Lieber will ich sterben ► . .!" Wieder Stille. Dann fragte sie; „Ist es'Wahr, Chawag'ah,*) tfctß mau bei euch nur eine Frau nimmt?' „Nur eine, Luti nah.'* „Und bei euch schlägt man weht?" „Nein,'wie kann man schlagen, den nmi Kobt?" „Bei oiich heiraten <Hc Mädchen den, den sfe liebe»?'4 „Gewiß.* „Und ams verkauft man wie Esel . . .Irin diesem Augenblick waren Lati fahs Augen noch schöner, noch tiefer und dunkler. W *) Herr. wMe-in Yftwr .sagt", fuhr. sie. uaeh .mwi; iW$ite fort, _ „er würde mich dir geben, wenn du ein GläuWger wärst. %t*i£ „Mir . . .?" Wider meinen Wliren brach ich' in Lachen aus. Lati Mi sah mich an. Ihre Atrgen schienen tiefe« Schmerz auszudrucken, „Lati fah," sagte ich, „werde Jüdin iukI iich heirate dich!" „Mein Vater wuede uns beide erschlagen, dich und rrwcli!" Am nächsteu Tage kam der Scheich Surwagi in •meitnen Weinberg. Ein alter Mann mit schönem weißen Barte, einen hohen Turban auf dem Haupte, Er ritt eine weiße, feurige Stute, die feurig tänzelnd den Reiter trug. Er begrüßte die Arbeiter. Sie verneigten sich in unterwürfiger Demut und schwiegen. Mich sah er ein wenig böse und zornig an und begrüßte mich mit »ineni Zähneknirschen. Ich begegnete Htm sehr kalt. Die Ricfonie und der Scheich lebten nicht in Frieden miteinander. Er haßte die Juden fanatisch. Afe der Scheich seine Tochter s-ah, ward er noch böser und zorniger, „Ich habe dir doch verboten, zu dem Juden zu gehen!" schrie der Scheich seine Tochter an. Und 7M den Arabern gewandt: „Schämen soiten sich die Gläubigen, die ihre Arbeit den Ungläubigen verkaufen!" Und der Stock, den er in der Hand hielt, frei einige Male auf den Kopf und die Schulter Lati fahs. Ich ward zornig und machte eine Bewegung gegen ihn. Aber die schwarzen Augen Lati fahs sahen mich voll Schmerz und Tränen an, „Schweig!" schienen .sie zu flehen. Der Scheich und seine Tochter gingen. Die Arbeiter atmeten erleichtert auf. „Der Scheich Swrwagtf tet schlecht und grausam!" «agte der eine. „Er Ist böse, well man ihm die Möglichkeit genommen hat, Arbeiter um halben Lohn zu dingen, für schwere Arbeit von Abend zu Abend. Die Jude« . überbieten ahn", sagte der zweite, „Und ich weiß, warum er gerade heute so erzürnt war", sagte Attala und em Mstifces Läcfwtn gtttt über seine; Uppen. Lattfau kam nicht rnvfrr. 14 «

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.