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Die neue Welt · 1929-01-18 · Heft 70 (18.1.1929) · page 9

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 70 (18.1.1929)
Date
1929-01-18
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 70 DIE NEUE WELT Seite 9 Erste Palästinareise 5689» .13. März bis 9. April 1929. Nur noch zwei Monate trennen Uns von der Abfahrt der Teilnehmer dieser'Reise nach Erez Israel. Die Reisen leirung hat ihre Vn-rberei tunigen für diese Reise beendet und den Teilnehmern die. Kabinen auf dein Dampfer „Ausonia"" in der, Reiheivfolge der Anmeldungen bereits .zugewiesen. Außer diesen Kabinen hat die Reiseleitting noch eine An zahl guter Kabinen reserviert, und es ist deshalb empfehlenswert, daß die weiteren Anmeldungen ehestens erfolgen, damit die reservierten Kabinen an die Reiseteilnehmer vergeben werden können. .Der Preis, welcher auch in Teilbeträgen entrichtet werden kann, beträgt für die ganze Reise von Wien bis Wien: bei Benützung der II. Schiffsklasse engl. Pf. 58 (S 2000), bei Benützung der III. \Schiffsklasse spezial engl. Pf. 41 (S 1400). bei F.enützung der III. Schiffsklasse einfach engl. Pf. 35 (S 1200).. Prospekte werden vom Sekretariate der Reiseleitung (Frau Berta Taubes, Wien, II., Böcklinstraße 92) gratis zugesendet. — Die Einzahlungen erfolgen auf das Postsparkassenikonto der „Neuen Welt", und erhalten die Reflektanten die nötige Anzahl Posterlagscheine. —. Auskünfte werden auch auf telephonischem Wege durch Frau Paula Stricker, Tel.-Nr. R-45-6-89, und' Frau Berta Taubes, Tcl.- Nr. R-43-9-19, erteilt. Zusammenschluß der jüdischen Kaufleute, Gewerbetreibenden und Industriellen. Eine Betrachtung von Otto Lang. II.*) Fragt man aber allenthalben nach dem Urteil der NichtiUden über die jüdischen Kaufleute, besonders dort, wo eine geschäftliche Verbindung besteht, wird man weitaus überwiegend hören: als Kaufleute sind sie tüchtig — das muß man ihnen.' 1-assen. 'Nun bildet — bekanntlich — der Handel den Hauptberuf der Juden und somit wäre die Tüchtigkeit des Gr'oßtcHes d er b e r u f s t ä t i g e n Juden anerkannt. Das Wesen dieser Tüchtigkeit besteht in einem überaus aufmerksamen Erfassen der rri e n s c h liehen Bedürfnisse aller Art, in einem überaus regen Sinn-für die wirtschaftliche Wertung "von"' Leistunigen in dieser Richtung und endlich in einem unermüdlich findigen, zähen und eindringlichen Bestreben, zwischen diesen beiden Häup'tgebieten des' menschlichen' Löbens die Verbindung tofcfMeÄ" Es^sTriü dies" übrigens *dte" AVf g äf b' e nM;e s Handel s i m . a 1 lg e m e i n e n,; und vwenn man deren Bedeutung und dann auch die der Tüchtigjkeit.der.'jüd'ischen Kaufleute anerkennt, so ergibt sich dadurch — im .bereits angedeuteten Sinne — die in Oesterreich leider noch so sehr fehlende^ Anerkennung des Handeisv im allgemeinen, innerhalb dessendie Tüchtigkeit sich seibstverständlich nicht auf die Juden beschränkt. Wie kommt es aber, daß diese Tüchtigkeit gerade bei-den Juden anerkanntermaßen so verbreitet ist? Die Erklärung hiefür ist ebenso einfach als tragisch und geraduzu erschütternd. Man muß sich eben erinnern, daß die Juden Jahrhunderte hindurch fast immer in Furcht lebten, was der nächste Tag bringen werde. Wie ängstlich mußten sie aufmerken und hinhorchen, ob nicht Gefahr drohe, oder um irgend einen kleinen Vorteil, irgend weiche Gunst zu erhaschen, und zwar nicht, nur um des Erwerbes willen, sondern unter stetiger Furcht und Sorge um ihr Leiben und das ihrer Angehörigen. Das schärft eben den Blick, die Anpassungsfähigkeit, die Regsamkeit und die Zähigkeit in dieser Richtung. Wahrlich keine Tüchtigkeit eines Volkes der ganzen Erde ist I eidu n d s o r g e nvol'ler er r' .u n g e ri' als d i e s e Tüchtigkeit, unter den Juden. Und nun will man diese ihnen so märtervoll aufgezwungene Eigenschaft ihnen noch zum Vorwurfe machen, selbst auf die Gefahr hin,' einen der wichtigsten wirtschaftlichen Berufszweige im allgemeinen schädigenderweise geringzuschätzen? Ist es da nicht hoch an der Zeit, daß die gesamten jüdischen Kaufleute sich zusammenschließen, um dieser Sinnlosigkeit zu ihrem .eigenen und zum allgemeinen Wohle einfür 'aM'emal ein Ende* zu' machen? Im Grunde genommen anerkennt der größte Teil der liichljüdischen Kaufleute, die .Rührigkeit, die Findigkeit, die belebende Tätigkeit der jüdischen Kaufleute, ahmen ihnen vieles nach,, würdigen . ihre Anregungen, , ja;nicht wenige sind ihnen aufrichtig dankbar und stehen mit ihnen auf bestem geschäfts-, nicht selten auch auf persönlich freundschaftlichem Fuße. / •' \ Seitens der Behörden in Oesterreich wird den jüdischen K-aufleute-n mit seltenen Ausnahmen-—auch diese-sind zumeist nur vereinzelte untergeordnete Organe — niit aller wünschenswerten Höflichkeit begegnet, die allerdings weniger allgemein sich auf die sachliche Behandlung erstreckt. Gewiß beschäftigen die jüdv-xhen Kaufleute durch ihre Regsamkeit und ihre eindringliche Verwertung der durch die Gesetze gegebenen Möglichkeiten und durch ihr sind oft nicht so viel wert, ais das Urteil zufriedener Gäste. Ein zufriedener Gast ist die beste Empfehlung! , *) Siejie. „Neye Welt" Nr. 68., oft vielleicht unangebrachtes Widerstreben gegen zwar nur formale, aber doch unvermeidliche Erschwerungen — durch all dies beschäftigen die jüdischen Kaufleute die Behörden vielleicht verhält n.i s m ä ß i g m eh r als andere Kreise. Aber abgesehen von etwaigen erbgesessenen Vorurteilen, genießen sie wohl schon deshalb im allgemeinen weniger Sympathie und .werden häufig mit weniger Wohlwollen, und Vertrauen behandelt, was aber nicht selten nur auf einer bei uns begreifliche.r\y.c(ise in dieser Hinsicht leicht erregbaren Einbildung beruht. Nichtsdestoweniger . verkennen die österreichischen Behörden,, besonders in.ihren oberen S.tellen, durchaus nicht, welche Bedeutung den .jüdischen Kaufleuten in der österreichischen Wirtschaft zukonimt, denn sie haben hi-efür jenen Ein- und Ueberbliek, dar den jüdischen K au f- 1 e u t e n . s el b s t bisher n.och fehlt. Wie eingangs erwähnt, wird die Sachlage betreffend Gewerbe und Industrie, hier nicht behandelt werden, aber schon jetzt kann bemerkt werden, daß die-Verhältnisse auf diesen beiden Gebieten sich.noch weit-günstiger gestalten als sie hier betreffsder. Kaufleute gekennzeiahnat wurden. Man kann und mußsich daher eigentlich-' mit größtem Erstatirien fragen: wie kommt es eigentlich», daß trotzdem im öffentlichen Leben 'der offene oder der schleichende A n t isemitismus noch immer So wirksam ist und von da aus alle" wirtschaftlichen, gescMschaftlichen und sonstigen Beziehungen durchsetzt? Die Erklärung hiefür ist nach dem Vorhergegangenen höchst einfach. Wir leben ja in einer Zelt des schärfsten K r i t i z i s m u s, an dem — das muß zugestanden werden — wir Juden selbst uns lebhaft beteiligen. Das ganze öffentliche Leben ist von dem Streben erfüllt, den urteilenden, zumeist vorurteilenden Richter zu spielen, und kaum jemals kam das christliche Wort: ' „Richtet nicht, auf daß ihr nicht gerichtet werdet"weniger zur Geltung als in der Gegenwart. Wo gibt es aiber irgend eine Einrichtung, die mit der gebotenen, Sachlichkeit, aber auch Stetigkeit zeigen könnte, w e I c h e w i r t s c h a f 11 i c h e n Leistungen die Jude n seit ihrer. Befreiung zu vollbringen vermochten, obwohl die .. Hemmungen der. .jahrhundertelangen Bedrückung und Ausscheidung auf'ihnen lastete. Anstatt daß ihnen dies als besonderes i Verdienst angerechnet wird, schafft man vielseitig darau^e;j;Ue,,Belastung, ja sogar eine Schuld! Fast niemals hört -man von irgend welcher An-, erkennung. „dafürj'ii datKein.. 0 fethebl.icher Teil der .Juden innerhalb weniger Jahrzehnte so vieles nachzuholen vermochte. Gi/b-t.ieäm der*1 liches? . , -XZ Der Kaufmann1' ist;den -berufene Vermittler zwischen tehfes übör'haiipi etwas Aehnr ifu-ufj- •-• OTTO KASEREB_ Erzeugung und Verbrauch. Als solcher hat er den größten Einblick in die ganz besonderen Schwierigkeiten der gegenwärtigen Verhältnisse in Oesterreich. Er sieht infolgedessen am unmittelbarsten, wie wichtig es wäre, daß überall und besonders in öffentlichen Angelegenheiten die eindringlichste und gründlichste Sachlichkeit walte und daß deshalb überall diejenigen zur Geltung kommen, die hieiiir die nötigen Kenninisse, Erfahrungen und die nötige Hingebung besitzen, daß aber auch in der Bevölkerung sich Sinn, Verständnis und die gebührende Wertung für solche Tätigkeit verbreite. Au geeigneten Persönlichkeiten fehlt es in Oesterreich wahrlich nicht, und zwar auf allen Gebieten, nicht zuletzt auch bei den Aemtern und Behörden, allein solche Männer geben sich zu einer öffentlichen Tätigkeit nur dann her, wenn sie auf williges Verständnis und angemessene Würdigung für ihr Wirken rechnen können. Solange aber immer wieder die abgebrauchtesten Schlagworte über das Judentum sich mit . den rohesten Mitteln in den Vordergrund drängen und drängen können, muß es solchen Persönlichkeiten widerstreben, mit ihrer ernsten geistigen Arbeit in einen Wettbewerb mit derlei Flachheiten zu treten. Sie. sehen aber auch, daß auch'die Bevölkerung davon entwöhnt. wird, ernsteren Betrachtungen mit Verständnis zu folgen. Der Schaden, der hieraus erwächst, trifft die Juden als solche am. wenigsten, denn sie sind ja leider in dieser Hinsicht abgehärtet, aber die Allgemeinheit und "auch die Juden als österreichische Staatsbürger leiden darunter überaus schwer, und zwar der nicht jüdische Teil schon deshalb in Weit größerem Maße, weil doch die Zähl eine vielfach größere ist. Die Judön aber könnten in mancher Hinsicht sogar eine Befriedigung' ihrer Eitelkeit darin erblicken, daß ihnen eine so große Macht und Bedeutung beigemessen wird, wie sie selbst weit entfernt sind, sich beizumessen, geschweige anzustreben. Man könnte sich allerdings vorstellen, daß aus diesen Gründen die ernsten hichtjüdischen Kreise dahin gelangen, in diesem Sinne — i n ihrem ei g en en Int eresse'— energisch zu erklären: Laßt uns doch endlich mit den ewigen Juden geschienten' in Ruh'! Haben wir denn wirklich nichts Besseres und 'Wichtigeres zu tun, als .fortwährend an die Juden zu denken? Allein das liegt den herrschenden Gewohnheiten doch allzuferne. Dazu besteht eben bei den Juden ein' viel stärkerer Antrieb, und bei den jüdischen, zugleich als österreichischen .Kaufleuten ganz besonders. 'vVenn nun durch,, einen Zusamme n s e M u.ß unter Zuhilfenahme pu b Ii* z i s t i s c h e r Mittel nachdrücklich und stetig vor der'ge-" samten Oeffentlichkeit gezeigt underklärt würde, w.as auch für "UPD-Würfel! VOiv beginnen ,mit J. ^ebmar J929 sur weiteten (Einführung ühferer anerFannt guteu SU<*s®uppenroütfel mit. einer arofjügigen tDerbeaftton. 3eöer 3l.fa5^ü$|el ift mit einer Schleife t>erfefyen, fammeln Sie öiefe, Sie erhalten Ijiefür toertüolle. Prämien. 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