Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 70 (18.1.1929)
- Date
- 1929-01-18
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seife S JL DIE NEUE WELT Nr. 70 daß der komplizierte und schmerzliche Prozeß, in den Palästina durch den unbefriedigenden Verlauf der vierten Alijah hineingestellt wurde, heute beendet ist. Wir stehen also am Ende des Zeitraumes, der 1924 begann, als die einsetzende kleinbürgerliche Einwanderung aus Polen die Krise von 1923 beendete. Aber wir stehen noch nicht im Beginn einer neuen Epoche. Das zeigt am klarsten, die monatliche Einwanderungs- und Auswanderungsstatistik. Im Gründe sind beide Bewegungen zum Stillstand gelangt. Nur auf wenige hundert (zwei- bis dreihundert) beläuft sich die monatliche Einwanderung nach Palästina, und die monatliche Auswanderung zeigt ungefähr dieselben Ziffern, so daß von einer vollen Stagnation auf diesem für die Verwirklichung des Zionismus schlechterdings entscheidenden Gebiet gesprochen werden muß. Die wirtschaftliche Lage im Lande ist keineswegs schlecht, sie zeigt aber keine Neigung zu entscheidendem Aufschwung, sondern ist nur durch erträgliches Gedeihen der eben bestehenden Unternehmungen gekennzeichnet. Al'erdings ist eine erfreuliche Expansion auf dem Gebiete der Orangenpflanzungen nicht zu verkennen, die sich in der Hauptsache auf die Ebene Saron, zwischen Jaffa und Haifa«, konzentriert, diejenige Stelle des Landes, wo heute am ehesten von einer Entwicklung in konstruktivem Sinne die Rede sein kann. In dieser Gegend wird der kurz vor dem Abschluß stehende große Kauf des Keren Kajemeth vor sich gehen, der mit der großen kanadischen Spende durchgeführt werden wird, und wo es sich um einen für unsere Verhältnisse seh.r großen Komplex von zirka 45.000 Dunam handeln wird, größer als es der ganze Nuris-Komplex ist. In dieser Gegend sind eine Reihe von größeren jüdischen Privatuntermehmungen im Gange, wie etwa die Anlegung des G a n C h a i m, der privaten Pflanzungen einzelner Juden, wie Sir Alfred Mond und Mauthners, sowie der Gruppe Dr. Brün n. Endlich besitzt in dieser Gegend die P I C A für Pflanzungen geeignetes Land. Das alles bedeutet eine \vichtige Abrundung des jüdischen Besitzes in dieser Gegend, so daß (man vergleiche etwa auf der farbigen Karte des Keren Kajemeth) die beiden großen nichtjüdischen Strecken im Norden und Süden des jüdischen Komplexes um Chederah in jüdischen Besitz übergegangen sind oder es in kurzer Zeit tun werden. Hier besteht ohne Zweifel auch in absehbarer Zeit das Bedürfnis nach jüdischen Arbeitern; denn es ist mit Freuden festzustellen, daß die neuangelegten Pflanzungen fast ausnahmslos das Prinzip derjüdischen Arbeit durchführen. •Weniger befriedigend ist die Lage im Augenblick in den auf gemischter Wirtschaft basierten landwirtschaftlichen Siedlungen, großenteils Arbeitersiedlungen, groCenfeils nicht bewässerten Siedlungen, vor allem also der | Typus der Emekkolonien. Hier hat die vorjährige Dürre verhängnisvolle Verluste zur Folge gehabt, die die Zionistische Organisation in ihrer gegenwärtigen Finanzlage nicht zu mildern vermochte, während die Hilfe der Regierung unzureichend war. Das Dürrejahr hat die absolute Notwendigkeit der beschleunigten Durchführung der Bewässerung gezeigt, die zum mindesten im östlichen Emek und im Jordantale möglich ist, in letzterem übrigens zum Teil bereits verwirklicht wurde. Die Entwicklung dieser eigentlichen zionistischen Siedlungen wird natürlich außerdem durch die Finanzlage der Zionistischen Organisation aufs entschiedenste beeinträch'.igt, da die Konsolidierung dieser Siedlungen von Jahr zu Jahr hinausgezögert wird. Es muß auch erwähnt werden, daß es heute viel Unzufriedenheit und viel Unsicherheit innerhalb der Siedlungen selbst gibt. Das bezieht sich ziemlich gleichmäßig auf Kwüzal und Moschaw Owdim. Dabei ist es interessant, daran zu erinnern, daß es heute große Gruppen jüdischer Arbeiter (sog, Irgunim) gibt, die vorläufig in den Pflanzungskolonien beschäftigt sind und deren Streben dahin geht, in Arbeitersiedlungen in der Pflanzungszone angesiedelt zu werden, was neue interessante Probleme der Ansiedlungsformen hervorruft. In den Städten ist im Augenblick nichts zu erwähnen, was eine wesentliche Umgestaltung und Erweiterung der Wirtschaft erwarten läßt. Die private Bautätigkeithält sich in normalen Grenzen. Etwas größere Aufträge kommen von Regierung und den zionistischen Institutionen. Die von der Regierung haben die Eigentümlichkeit an sich, stets unmittelbar bevorzustehen, aber immer noch nicht zu beginnen. Das gilt vom H a f e n b a u, vom Rockefeller-Museum, von den beiden landwirtschaftlichen Schulen, von den großen Eisenbahn Werkstätten in Haifa, von den Verbesserungen im Jaffaer Hafen, um von ferner liegenden Plänen, wie etwa den Oelleitungen ganz zu schweigen, dagegen hat die Zionistische O r g a n isa tion in der ganzen letzten Zeit relativ viel gebaut und damit nicht nur Arbeitsmöglichkeit geschaffen/, sondern auch manches zur Konsolidierung in der Landwirtschaft getan. Das Bild der zionistischen Siedlungere hat sich wesentlich geändert, seitdem fast überall feste Wohnhäuser und Ställe den bisherigen Baracken gewichen sind. Wesentliche Bedeutung hat es aber auch, daß man langsam unsere Schulen in eigene Gebäiude überführt und auf diese Weise nicht gezwungen ist, weiterhin hohe Mieten in arabische Hände kommen zu lassen. Derartige Bauten gibt es vor allem in Jerusalem: den großen Bau des Lehrerseminars in Beth Hakerem, des Gymnasiums in Rechawiah sowie einer Volksschule im Nordwesten der Stadt. Demnächst wird das zionistische. Bürohaus in Rechawiah begonnen werden, zum mindesten der Flügel, der für die Büros des Keren Kajemeth bestimmt ist. In I diesem Viertel wird auch das Haus der Jerusalemer G e* werkschaften erbaut werden, die in anderen Städten, wie Tel-Awiw und Haifa, ihre Häuser bereits besitzen. Wenn der Vollständigkeit halber von der Industrie ein paar Worte gesagt werden sollen, so kann man nur zu sammenfassend sagen, daß sie ihre Positionen behaupte*, ohne aber neue zu beginnen. Nachdem eine Reihe lebensunfähiger Betriebe ein gegangen sind, haben sich die übriggebliebenen konsoli diert und den palästinensischen Markt mehr oder weniger erobert. Einzelne beginnen zu exportieren, vor allem in die benachbarten Länder. Mehr aber noch als auf anderen Gebieten ist die Entwicklung der Industrie von der Hai tung der Regierung abhängig. Diese treibt eine merkwürdig undurchsichtige Politik. Soeben hat sie eine Zoll novelle herausgegeben, die einen entschiedenen, anerkannten Fortschritt bedeutet, indem sie so wesentliche Produkte Palästinas, wie Zement, Seifenprodukte, Milcherzeugnisse, Schokolade, Spiritus, durch erhöhten Zoll schützt. Aber was sie mit der einen Hand gegeben hat, scheint sie mit der anderen zu nehmen, indem sie den so oft behandelten syrischen Handelsvertrag unterzeichnet zu haben scheint (diese Behauptung der Presse ist nicht dementiert worden), womit die bisherige Zollfreiheit für Export und Spesen durch teilweise sehr hohe Zölle, wie etwa gerade auf Zement, abgelöst werden würde. Von neuen Unternehmungen auf industriellem Gebiete ist nicht die Rede. Man sieht, es handelt sich im Augenblick darum, wie die bestehenden wirtschaftlichen Positionen sich behaupten. Das Urteil muß im ganzen durchaus optimistisch sein. Aber der Wirtschaftsbericht, den wir eben gegeben haben, ist nicht der Bericht eines Koloniallandes mit starker Einwanderung und expansiver Entwicklung, wie es sein müßte, wenn wir bereits wieder im normalen Prozeß des Aufbaues ständen. Stagnation der Aufbauarbeit ist die unerfreuliche, aber richtige Charakterisierung des Augenblicks: Keine Krise mehr, sogar Konsolidierung des Bestehenden, aber keine Weiterentwicklung. Wie sind die zukünftigen Chancen zu beurteilen? Da Palästina .noch kein vom Ausland unabhängiges Wirtschaftsleben, führt, kann eine grundsätzliche Aenderung nicht aus den Anstrengungen des Landes allein geboren werden. Ein wichtiger Faktor freilich wird sich baldigst bemerkbar machen: Das zentrale Ruthenbergwerk am Jarmuk nähert sich seinem Abschluß und die Möglichkeit zur Irrigation großer Teile des Emek und der Uebergang zu einer intensiveren und damit rentablen Wirtschaft bietet sich. Die beiden anderen großen Unternehmungen lassen sich dagegen auch Will«! mniHINHIHMtHilMMMtlHIHtM II HHlbi LERNET FREMDE SPRACHEN in dei Berlitz Schoo), Wien, I. Graben 13 Prospekt 7 auf Wunsch heute in ihren Wirkungen noch schwer beurteilen. Noch immer ist nichts darüber bekannt (über die in der Aktionskomiteesitzung gegebenen Aufklärungen liegen uns bisher nur die wenig besagenden telegraphischen Berichte vor), wie weit jüdische Arbeit beim Haftn^ bau von Haifa zur 'Verwendung kommen wird, und was die wirtschaftliche Bedeutung des Hafens; an sich bedeutet, wird sich doch erst in einer Reihe von jähren ermessen lassen. Um die Tote*Meey- Kon Zession .ist es noch immer.still, wenn man nicht die s'ändigcn Anfragen im Unterhaus als eine Entwicklung dieses wichtigen Projekts betrachten will. Auch das Interesse der Petroleumindustriellen am Hafen von Haifa als Endpunkt der Oelleitungen ist noch nicht als ein mitwirkender Faktor in der Entwicklung des Landes zu beurteilen. Und was nun die mögliche A k t i* vität der Zionistischen Organisation oder der erweiterten Agency anbetrifft, so vermag man von h,ier aus nicht zu ermessen, ob und in welchem Umfange Geldmittel aufgebracht werden können, die eine großzügige Wiederaufnahme des Aufbauwerkes durch Immigration und Kolonisation garantieren werden. Nur der Keren Kajemeth hat es, trotz schwierigster Finanzlage verstanden, auch in dieser Zeit allgemeinen Stillstands fortzuschreiten. Wenn der kanadische Kauf abgeschlossen ist, so wird der Keren Kajemeth in den zwei Jahren vom 15. bis zum 16. Kongreß seinen Bodenbesitz von; 200.000 auf 300.0CO Dunam vermehrt haben, eine großartige Leistung, die nicht nur an sich unser Werk um einen gewaltigen Schritt weiterbringt, .sondern auch als ein Beweis dafür zu werten ist, daß fester Glaube ah das Gelingen unseres Werkes, selbst in rier Zeit allgemeiner Stagnation, große Erfolge zu . u-.en vermag. Cbancellor In Tel-Awiw.; Der Oberkommissär für Palästina, Sir John Robert Chance II or, traf am 9. Jänner» von Jaifa kommend, in T e 1 - A w i w. ein. An der Grenze zwischen beiden Städten wurde der Öberkommissär vom Bürgermeister, Herrn Mayer Dizengoff, an der Spitze einer Abordnung der Stadt empfangen und nach dem Magistratshaüse geleitet. Die Straßen waren mit den britischen und den blauweißen zionistischen Fahnen geschmückt. Die Bevölkerung von Tel-Awiw bildete auf dem ganzen Wege Spaliei und bereitete dem Oberkommissär . stürmische Ovationen. Im Stadthause fand ein Empfang statt. Auf eine Begrüßungsansprache des Bürgermeisters Dizengoff erwiderte SirChancellor Die Juden in Palästina haben es fertiggebracht, die Dinge ihrem Willen zu unterordnen. Sie müßten eingedenk bleiben, daß Palästina niu auf einer gesunden wirtschaftlichen Basis aufgebaut wer- SIEGM. KORNMEHL GftOSSFLEISCHHAUBRIl Zentrale »X.. Bergga-ac 19. Tc!<>phon 17-3-99 n. 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten Abtellunge für «^■Fleisch unter Aufsicht des Ehrwürdigen Kabbinats der Isr. Kul* tusgemeinde Wien Autosusteilung kostenlos IX. Berggasse 15 ✓ XVIII., Währfngeritr. 91 ^tnmntmiiMnmammi h mmmttimtn itniimiiitiirtimmmtNHitniiimimiiitnirmiiDm » «imimHnitinittmnmmi Mmimitit iimHittMHtmnmtmrRimiC imwtmntflmMUMmimiimmmntunniiinimnmnmi den könne. Die palästinensische Industrie müsse darauf bedacht sein, sich die Märkte in den Nachbarländern zu erobern, dies sei aber nur möglich, wenn darauf gesehen wird, daß in den Ausgaben eine Wirtschaftlichkeit Platz greife, damit die Produktion verbilligt werde. Ich glaube, schloß Chancellor, an eine freie Entwicklung des jüdischen Volkes in Palästina und bin überzeugt, daß die Juden von der ihnen durch Britannien gewährten Freiheit den richtigen Gebrauch machen werden. « Auf die Frage eines Stadtverordneten, wie es um die Beschäftigung jüdischer Arbeiter beim Bau des Hafens von Haifa.bestellt ist, erwiderte Chancellor, die Regierung wende dieser Angelegenheit ihre volle Aufmerksamkeit zu. Eine Schlichtungskonimission In Petac.h Tikwah. Der Waad Leumi (Jüdischer Nationalrat Palästinas) setzte eine Kommssion ein, die zwischen den jüdischen Arbeitern in den Kolonien und den Kolonisten in Fällen; von Lohn- und anderen Differenzen vermitteln und Entscheidungen treffen soll. Anlaß hiezu gaben die Differenzen und Streitigkeiten zwischen den jüdischen Arbeitern in Petach Tikwah und den dortigen jüdischen Land- und Plantagenbesitzern, die ihre Ursache in Lohndifferenzen, in der Verwendung auswärtiger Arbeiter^ während es im Orte selbst jüdische Arbeitslose gibt usw., haben. Diese Streitigkeiten führten vor einigen Wochen abermals zu tumultuösen Kundgebungen der Arbeiterschaft gegen die Kolonisten, wobei einige Arbeitslose das Büro des Kolonisationsvereins demolierten. Polizei ^griff ein und verhaftete einige der Demonstranten. Drei der Verhärteten wurden zu längeren Gefängnis?:. *..*?n verurteilt.- Im Zusammenhang mit der Einsetzung de'r Ausgleichskommission erließ der Waad Leumi eine Proklomalicn, in der die Arbeiter wegen Anwendung von Gewalt und die Kolonisten wegen der Weigerung, sich einem- Schiedsspruch zu unterwerfen, getadelt werden. Gleichzeitig wird in der Proklamation auf die Notwendigkeit, jüdische A r b e i t e r k o 1 o n i e n zu errichten,, hingewiesen, Zweihundort Genossenschaften. Im September 1928 waren 199 Gesellschaften auf koopera'iver Grund'asje in Palästina eingetragen, damnler 80 Gesellschaften für Landerwerb, Landanbau und Hauser bau, 42 Spar- und Darlehensgenossenschaflen, 25 Produktionsgenossenschaften, 41 Ackerbaugenossenschaften. An der Bewegung für Kooperation sind Juden und. De u tsc he, aber nicht Araber beteiligt. Seh Eröffnung ihrer Abteilung für Sprechapparate hat die „Olso" Erstaunliches geleistet. Die. besondere Beliebtheit der von der „Olso" gelieferten erstklassigen Sprechapparate sowie die Kulanz und fachmännische Bedienung hat die Sprechmaschinenabteilung der „Olso" zu einem führenden Unternehmen dieser Branche gemacht; Als besonderen Beweis ihrer außerordentlichen Leistungsfähigkeit bringt die Firma ihren vorzüglichen „Olsophon" auf den Markt. Dieser Apparat zeichnet sich durch ersfc klassige Tonwiedergabe aus und ist zufolee seines niedrigen Preises von S 100 auch für den Minderbemittelten erreichbar. Das „Olsophon" wird auch gegen bequeme Teilzahlung abgegeben E -1 ■ "; An unsere Leser! Wir bringen hiemit zur Kenntnis, daß das bekannte Musikhaus Excel-sior, Wien, I., Aclergasse 5 und II.,, Kleine Pfarrgasse 28. sein reichhaltiges Lager in jüdischen und hebräischen Schallplatten durch die neuesten original amerikanischen Aufnahmen kantoraler und jüdischer Gesänge ergänzt hat. Zu Propagandazwecken wird eine große Serie von Schallplätten arr diejenigen Leser unseres Blattes, die sich auf diese Ankündigung berufen, zu bedeutend ermäßigten Preisen abgegeben. E . Konkurs. In der Israelitischen Kullusgemelnde Gras gelangt die Stelle eines Schachlers, Vorbeiers und Tempeldiener$ zur Besetzung, Bewerber, die Mohelim sind, weiden be» voizugt. Die Bewerbungsschreiben müssen die Angabe über Alter, Familienstand und d e bisherige Verwendung enthalten und mit der Abschrift der Zeugnisse, besonders der Kaboleth belegt sein. Israelitische Kultusgemeinde Graz.