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Die neue Welt · 1929-01-18 · Heft 70 (18.1.1929) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 70 (18.1.1929)
Date
1929-01-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 70 ntf IffVTTff xvtnt VIC n&UE WBLl A " Sette T 1 Acht Millionen Dollar Judengeld für Sowjetrußland. Für Sowjetrttßland Millionen — für Palästina gute Worte, Bedingungen und Vorbehalte« — Meresehin und Weidmann* — Petroleum. Die zionistischen und jüdischen Zeitnnsen jubeln in den Tönen höchster Vcrzückünit, daß es dein Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation Weizma n n gelungen ist, nach fünfjährigem Bitten und Drängen, nach fünf Jahren tiefster DeinUtigung der Zionistischen Organisation und Preisgabe ihres politischen Sinnes und ihrer politischen Macht, einige reiche amerikanische nichtzionistische . Juden, M a r s h a 11 und seine Freunde, dazu zu bewegen, eine gewisse Mithilfe beim Palästiuaaufbati i ri Aussicht zn stellen. In diesen Jubel platzt jetzt die Nachricht hinein, daß diese nämlichen amerikanischen Juden, welche im J o i n t - Komitee vereinigt sind und der Sowjetregierung bereits viele, viele Millionen Dollar für das bankrotte kommunistische Sicdhtngswcrk in der Krim und Sibirien zur Verfügung gestellt haben, neuerlich acht Millionen D o 11 a r »zugesagt haben. Die Moskauer Meldung lautet: „In der Plenarsitzung der unabhängigen Gesellschaft für jüdische Kolonisation „Ozet"-teilte Herr Mereschin, der bekanntlich Vizepräsident der Rcgierungskommtssioti für jüdische Laudansiedlung „Komzet" ist, mit, daß ein neues Abkommen zwischen der amerikanisch-jüdischen Gesellschaft Joint und der Sowjetregierimg demnächst unterzeichnet werden wird, dessen Grundlinien die folgenden •sind: Joint gewährt der Sowjetregierung im Wege durch „Komzet" eine Anleihe in der Höhe von acht Millionen Dollar zur Verwendung llir das jüdische Landansledlungswerk In einer Zeitdauer von acht Jahren. Die $owjetregferung garantiert die Rückzahlung des Kapitals nebst 3 Prozent Zinsen jährlich." „Im weiteren Verlauf .seiner Rede übte Mereschin Kritik au dein Joint und sagte, die Sowjetkreise seien ungehalten darüber, daß Joint nur die Hälfte der -infolge der Mißernte notwendig gewordenen Summen zur Verfügung gestellt hat. Ferner besteht in Sowjetkreisen eine M i ß s t i m m u n g darüber, daß die Herren vom American Joint Distribution Committee Verhandlungen mit den Zionisten führen» die auf eine Stärkung der Arbeit In Palästina hinausgehen, wo doch nach der Meinung der Sowjetkreise die in Palästina -bestehenden Perspeiktiven und Möglichkeiten eine solche Unterstützung weit weniger gerechtfertigt erscheinen lassen als die Förderung des aussichtsreichen j ü- G r,u p p e. a m e r i k a ri i s c h e r Kapitalisten, wie Julius, jetunfon." „Mereschin übte auch Kritik au der Art, wie die; amerikanisch-jüdische Kolönisationsgcsellschaft Agro-Joiut bei der Aufbringung der Gelder für das jüdische Kolonisationwerk in Rußland zu Werke geht. Agro-Joint, sagte Mereschfai, konzentriert seiine Arbeit .auf eine kleine Gruppe a m e ri k a n i s eher Kapitalisten wie Julius Rosehwald, Felix M. Warburg usw., und hält auf' diese Weise die j ü d i s c h e n Mass e n In Amerika von eiiuer. Beteiligung au dem jüdischen KolonisationsWeTk in Rußland zurück.** ' ■ „Die'Rede Mereschhts klang im eine Apotheose aul den Plan der Schaffung eines jüdischen Landes im Ferne« Osten aas. „Biro-ßiidsethau d<uß ©in jüdisches Land werden!** rief Mereschin in den Saal. 4J)as Hawptz»iel der jüdischen Sektionen der kommumistlsdben Partei ist es, nicht einen jüdischen Sindliingsrayon, ähnlich dem im Distrikt Cherson bereits bestehenden Ka- Rnän-Dorfrayon zu schaffen, sondern ei«1 großes autonom e s j ü d l s c h e s T e r r i t o r i u m erstehen m lassen. Für die Sowjetbeamten, die jüdischen Siedler und alle in Betracht kommenden Kreise im Fernen Osten versteht sieh die Errichtung etn-es Jüdischen Landes von selbst. Alle glauben am die Verwirklichutiig der Idee von Biro-Bidsehan.w J£s ist aber notwendig", schloß Mereschin, „diese Parole als einen wei-thln hörbaren Schlachtruf: „Auf in das j-flidische Land!*4 ertönen zu lassen. Es ist zu bei Zweifel», ob ohne ei-rte solche Parole, die bisherigen BiTOßädschäai-Siedler in dieses Land gegangen und dort geblieben wären. Mit dem Aufbau von Biro-Bkischan als jüdischem Land bauen wir mit an u n s e r e m großen M&i&M&i&ac'n-e'n Va-te-r land." * "Wie spricht M>ere<schin and wie spricht Welzm*aon? Mereschiti poltert, haut a«f den Tisch, nimmt mit der einen Hand Geld von Marshai und seinen Freunden, viel GeW, und ohrfeig* sie mit der anderen Hand. Weidmann bittet, beschwört, verspricht ergebenes Eingehen auf aöe Bedenken. Dabei spricht Welxmaim zu Juden Im Na- .rfWffflffllHHlM^ ■^^■■^■•^■••MMM^MaM^MMaaaaaiMaanaM^^HMM^^HMnMMMnMMMtaHMiint Cafe Reklame Cafetier j Jakob Goldflicfc Wien, XL, Praterstrage Nr. 34 anschließend die Jüdischen Kunstlerspiele" / Vorzügliche Getränke und kalte Speisen zu billigen Preiseu / Rnmmy- Spieltische; Treffpunkt der jüdischen Gesellschaft . tMiiwiraaiWiiiiM m e n des jüdischen Vaterlandes, Mereschin zu amerikanischen Kapitalisten im ■Namen Rußlands und seiner verkrachten Judensiedlung. Weizmann verbirgt den reichen Herren zuliebe ängstlich das Ziel des Zionismus: den Jude n s t a a t. Mereschin schmettert stolz heraus, daß das Endziel die Stärkung des Kommunismus ist. Wie ist die zwiespältige Haltung der amerikanischem Herren zu erklären? Nach Jerusalem hin blicken sie stolz und zurückhaltend, nach Moskau hin ergeben und willfährig. In der „Neuen Welt" ist wiederholt darauf hingewiesen worden, daß hinter diesem scheinbaren Widerspruche politische Bestrebungen im Gange sind, welche -verborgen bleiben sollen, Bestrebungen, welche mit dem Judcntume nichts zu tun haben. Auf dem Rücken der Juden wird eine Verbindung" zwischen Rußland und A m c r i k a hergestellt, welche ieden Tag b e n ü t z t und jeden Tag verleugnet werden kann. Die offizielle zionistische Presse hat diese Meinung der „Neuen Welt" gewöhnlich totgeschwiegen, manchmal entstellt und bekämpft. Jetzt aber regt es sich von einer Seite her, Welche man nicht leicht ignoriereil kann. Das englisch-jüdische Hauptorgan ..Jewish Chronicle" in London, übrigens das einzige jüdische BUift, welches"die Warnungen der „Netten Welt" immer ernst genommen hat. redet jetzt eine offene Sprache, Rs bespricht das jetzt erschienene Buch von D e u Ii y; „Der K a tu p f u m s 0 e I", welches den Kampf zwischen Engläitd und Amerika ums russische P e t r o. I e u in schildert. „Jewish Chronicle" behauptet nun, daß das Interesse der amerikanischen Juden an der russisch- Jüdischen Kolonisation hauptsächlich darin besteht, gute Beziehungen Amerikas mit der S o w j c t* r e g i e r u n g au zubahne n, um dann einen leichteren Weg zur Eroberung der Oclkönzessionen zu haben. Einen Beweis für diese Auffassung sieht das Blatt in der Tatsache, daß Rockcfcller, der Oelkönig, kürzlich eine halbe Million D o 11 a t*. für die r u s s i s c hjüdische K o lo n'i s a t i o n g e s p e n d c t hat. Aus diesem Grunde, so fährt das Blatt fort, hatte die Marshall- Gruppe ein Interesse daran, die zionistische K'onk iti r r e n z i h A m e r i k a a u s cl c m W e g »u räumen, was ihr durch ihren Eintritt; in die J c w i s h Agcn'cy offenbargelungen ist; : ' /<wfcfe" " * ' Die Berliner.,.Jüdische Rundschau", das Sprachrohr der Agencypoljtik Weidmanns, welches die Warnungen der „Neuen Welt" bl;s . Mm rifhitldr als« ahtiholschewistische „SchäiuefmärWen'^be'iöhilflfete, sclirefb't" * zit ' den Ausführungen des Londpner Bjattc.siij.SO konstruiert uns dieser Gedankengang auch scheint, so.:- verdient er immerhin -— schon der Kuriosität halber — wiedergegeben zu werden." Die ,,Ru'hdscfia:uV ''Bat'" tf-icht" unrecht, wenn s>ie von „kuriosen" Dingen spricht," Aber sie sucht sie auf der urirechten Stelle. Viel kurloser, als das, was „Jewish Chronicle" sagt, ist der Umstand, daß reiche, antisozial eingestellte Juden, welche jeden Dollar für 'Palästina sechsmal 'umdrehen, den Moskauer Kommunisten Millionen und Mallionen zur. Verfügung stellen, sich von Herrn Mereschin beflegeln lassen utid w'citcr Millionen schicken. Das ist gewiß höchst kurios. r. $L $at aitbtwä^ttt Ätäftt0Uttg*mttt«l f«t kuptt mt <nwo6n in ollen ■ülpötheteu unb 5jtoj«tien in ^ädutiöw »an S 3.— nn. Ifco&e unb Bcoftfiilre foftenfd« butft Bäutt & €U., »etHtt SW 4». JlMMllMmMMMMB^ Verband demokratischer Zionisten Oesterreichs. Wir erhielten rom „Verband demokratischer Z»onisten" 'iiadistchertde Erklärung: „Heber das Verhältnis des Verbandes / ii r ei .s t e r r e i e Ii i s c h e n zionistischen L a. n» d e s o r g n n i s a t i o n kursieren in der Oeffentlichkeit unzutreffende Gerüchte. Der Verband legt Wert darauf, in dieser Hinsicht Klärung zu schaffen. Die demokratischen Zionisten betrachten sich als der Landesorganisation zugehörig und streben die Einglieder ii ii g ihres V e r b n n d es in die Lamlesorganisatiöu au. Als vor einem Johi'c die Vertreter des Verbandes ihre Stellen in den leitenden Körperschaften der 2i<V uistisclieii Ofganisatioii (Landeskoinitue. Partei ruf usw.) niederlegten, gesdiali dies mit der Begründung, daß diese. Körperschaften zu Folge der Art ihrer 'Zusammensetzung nicht als Vertretung des Willens der Gesamtheit der österreichischen Zionisten angesehen werden' können. Virilstimmen und willkürliche Zuteilung vdn Mandaten hu bestimmte Gruppen bilden in erster Reihe die Ursache dieses Mißverhältnisses. Die demokratischen Zionisten stellten schon damals die Forderung nach einer "gerechten W a Ii l o t d n u n g Für die leitenden Instanzen, vor allem Für den Parteitag, und Anerkennung ihres Verbandes als gleichberechtigte Gruppe innerhalb der österreichischen Organisation. Diese Forderungen wurden seitens der derzeit maßgebenden Faktoren a b g e l e h n t. Der Verband aber ist bei seinen Forderungen, die er als geredU und llir die Gesundung der Organisation notwendig erachtet, geblieben- Er fordert die Anerkennung der Gruppe, also ein Recht, das jeder Bezirksorgdnisation, den Sportlern, den Frauen, den Akademikern bereits zuerkannt ist. Er fordert für die Wahlen zürn Parteitag die Schaffung des einheitlichen W a Ii 1kreises Wien, also das, was die Zionisten l'üv die Wahl in alle öffentlichen Vertretungskörper verlangen. Er forciert den einheitlichen AVahlkreis — weil nur auf diese Weise jeder Art ungerechter Mandatsvet'teiiung vorgebeugt und jeder Richtung in der Organisation der gebührende Anteil an der Leitung gesidiert. werden kann. Nur dann .kann .eine Leitung gebildet werden, welche das Vertrauen .und die Unterordnung aller. Ziönisten in Anspruch zu nehmen .berechtigt -ist. Diese, rein s a c h J i ch e n Forderungen, keine anderen, erheben die demokratischen Zionisten, in der Ueberzengurtg, daß kein geredit denkender und einsiditiger Zionist, welchem die Gcsxindung der arg zerrütteten Organisation am Herzen liegt, sie abweisen kann," Verband der Zionisten-Revisionisteii Oesterreichs. Montag den 28. Jiiiter 1929, 8 Uhr abetids, im Cafe Atlashof, {., Aspernplate 4, o r d e u 11 i c h e G e u e r a 1 v e r s a m mlUng, Tagesordnung; 1. Rcchenschaftsibericht des PräsidiU'mis, 2. KassabcrJcht. 3. NeU'Wahien. 4. Eventuelles. Die Mitgliedskarte berechtigt zur Stiimmcnabgahe! Auch Sie müssen unser OLSOPHON haben! PREIS S 100.- * Bequeme Teil« Zahlung I Unsere Spezialabteilung in •u. Apparaten sowie unsere reiche Auswahl in Künstler- und Tanzpäaffert ' bietet jedermann besondere Vorteile Bequeme Teilzahlungen! Wien« I. Bellanastraße Nr. 12 Telephon B-39-b-70/tl Die Lage in Palästina. Von Dr. Fritz Löwenstein, Jerusalem. Es ist für den, der sich im gegenwärtigen. Augen blick eine klare Vorstellung von der Lage in PalästirtA machen will, nicht ganz leicht, zu einem klaren Urteil zu gelangen, sogar wenn der Betrachter im Lande selbst lebt und alle AeußerUngen des Lebens üfnd. der Presse aufmerksam verfolgt. Je nachdem, ob man den. Blick nach rückwärts oder , nach vorwärts richtet, wird man zu verschiedenen Beurteilungen der Lage geführt. Kein Zweifel, daß unsere Epochemit Ihrer verschwindend geringen Zahl von Arbeitslosen (Dr. Ruppin bezeichnete sie als abnorm klein) vorteilhaft absticht vön den schweren Zeichen der Arbeitslosigkeit, die wir hinter uns gelassen haben. Wer die übervorsichtige Haltung unserer Exekutive in Einwanderungsfragen kennt, wer aber insbesondere weiß, wie ablehnend die Palästina-Regierung neuen Einwandererzertifikateu gegenübersteht, wird aus der Erteilung von 600 Zertifikaten den Schluß ziehen müssen, daß die Lage auf dem jüdischen Arbeitsmarkt wieder norma I geworden ist. Und wer die Einzelheiten kennt, wer zum Beispiel weiß, daß allein* in Pctach Tikwah fast die gesamten noch vorhandenen Arbeitslosen untergebracht werden könnten, wenn nur der notwendige gute Wille auf der Seite der Arbeitgeber da wäre, der darf erst recht mit Beruhigung sagen, Kolile*Hüttenkoks O0ER8CHLB8ISCH. ANTHRACITSlS^iSS Qualltätssorten - Billigst BÄSCH, IV. T»ift»h U«4ft->403 AraentlnJer»tr. 22 Telepn. y^i.asT RabaHsektlon dt» KEREN-KAJEMETH »

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