Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 70 (18.1.1929)
- Date
- 1929-01-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 m NEUE WELT Nr.' 7« Praktisch, bequem und billig OHftFAUttUltt - WHUFfAUTlÜlLS AIS am VERWEN08AR. OlfttHT BIIM TAPtZIHtlRMElSTfR 7o<&n$m vtMtmuhm. 12 f» 6 I i ti s C h e n Kampf, wo er notwendig ist, will ich schön gar nicht reden. ./Juni ersten Male tagen iibör der Aktionskomitee silzung die Schatten dieser Perspektiven. Diese düste ien Vorahnungen klangen diesmal nicht nur aus den Reden der Opposition, sondern auch ans denen mancher braver Jasager. Aber: „Was ist jetzt zu machen? wir sitzen schon zu weit drin." IV. Und was ist der Preis? Eine drückende Sorge lastete auf dieser Session bezüglich dieser Frage, Denn in vollständiger Verkentiüng . des Wesens einer nationalen Bewegung meinen viele, daß die Geldmittel ausschlaggebend seien. Aber erwartet die Zionistische Organisation, am Ende dieses schweren Weges der erhoffte Preis? In dieser Hinsicht wurden die Zweifel, die wir, die Opposition, seit Jahren bögen, diesmal auch von mehreren anderen Mitgliedern des Aktionskomitees geäußert. Und die kürzlich erschienenen Nachrichten über die neue, außerhalb der Agency stehende Korporation Maren dazu abgetan, diese Zweifel 211 verstärken. Auf eine diesbezügliche klare Frage bekamen wir ausweichende Antworten. Schließlich steht es einem jeden frei, aüelt private Gesellschaften für die Erschließung Palästinas zu gründen', die Zionistische Organisation hat und wüiischt in dieser Hinsieht kein Monopol: im Gegenteil, wir alle würden Neügründungfcn begrüßen. Aber eine würdige Krönung des ganzen fifty-fifly-Werkes wäre es, wenn wir, die wir dazu ausgingen, n e tt e G 6 I-d in i 11 e 1 f ü r den national kontrollierten Äul'baii zu bckommen, damit enden würden, nur neue Partner für die Kontrolle der auch weiterhin mit unzulänglichen Geldmitteln zu führenden Aufbauarbeit gewinnen würden, und die Mittel der neucri' Partner sich außerhalb unserer gemeinsamen Kontrolle in änderen Händen befinden und von anderen Prinzipien geleitet, in Palästina ihren Zwecken entgegengeführt würden. Entspricht es dem Wjlion; der Zionistischen Organisation, diesen gefahrvollen Weg ohne' jegliche vorherige Garantie zu beschreiten? Dr. Weizmaun behauptet» es sei unwürdig, im voraus über die Verteilung der finanziellen Lasten zu sprechen. Man solle vielmehr vertrauensvoll die Partnerschaft'eibgehen, das weitere wird sich von selbst ergeben. . Ist das der Wille der- Zionistischen Organisation? ist die Ziönistische-'örganisatton bereit, ohne jegliche Zusicherungen betreffs 'Erschließung ganz großer, Geldmittel den Weg zü gehen, än dessen Endo ihr vielleicht^ wie viele juristische Fachmänner denken, die" Gefahr droht, im Falle der- Auflösung der erweiterten Jewish Agency ihre Ansprüche auf . diese Funktion gegenüber der Mändätarfiiacht zu verlieren? ■■ ' > t ' Dr. Weizmaftn meinte, daß,' wenn man heute eine Abstimmung der gesamten Öf-ganisatiön'. vornehmen würde, eine Art Plebiszit, die Majorität sich für seine Politik aussprechen würde. ' " Aber ans der Nachkriegszeit haben wir über Plebiszite etwas gelernt. In okkupierten Gebieten gibt es keine Möglichkeit eines richtigen Plebiszites. Und seit Jahren sind alle Stützpunkte innerhalb der Zionistischen Organisation vön ' Anhängerndieser Politik, die meistensals. Funktionäre der- Organisation tätig sind, okkupiert,, und die Möglichkeit der freien Meinungsäußerung ist somit unterbunden. Gebt der zionistischen - Opposition die Chance, auf der ganzen Linie eine Zeitlang ihre aufklärende Arbeit zu führen und dann Wollen wir es mit dem Plebiszit aufnehmen. Wir haben, hei dieser letzten Sitzung des Aktionskomitees gesehen, was diese kleine, - diese verschwindende oppositionelle Minderheit bedeutet, wo sio nicht für sich, sondern für 30 Jahre zionistischer Erfahrung und erkämpfter zionistischer Prinzipien spricht. So wi^ die pinge heute liegen, sind unsere Möglichkeiten in dem noch zu führenden Kampf klein, aber noch ist der letzte Schritt nicht getan, noch hat der XVI. Kongreß das Wort. Stephan Wise über die Jewish Agency. Eine Erklärung an die presse. Stdphan. Wi.se erklärt in einer Mitteilung an die Pre*se, er bekämpfe nicht das Prinzip; der Erweiterten Jewish Agency, sondern nur . die Bestimmungen des Abkämmen« mit den Nichtziqnisten,, die einer Aufgabe der souveränen Funktion, der Zionistischen Organisation gleichkommen. Dje in dem Abkommen enthaltene Bestimmung, daß im Falle der Auflösung der Erweiterten Agency ihre Funktionen auf die-Zionistische Organisation zurückfallen, sei eine u n g -e n ü g e n d e G a,r a n t;i e und ihre Legalität wird bestrittet*», Löuii Lipsky, der Präsident der Zionistischen Organisation Amerikas,: Mitglied der Weltexckutive, veröffent* li&it eine Erwiderung, in der er erklärt, die Opposition sei in der letzten A. C.-Sitzung entscheidend ge* schlagen worden, sie werde auch auf dem Obstrufctionswege nichts mehr erreichen. Jeder Versuch, inner halb des Zionismus die Arbeit am Palästina-Aufbau zu verzögern, sei gegen den Willen des jüdischen Volkes. In einer in der Carnegie Hall gehaltenen Predigt erklärte Wise, infolge der Erweiterung der Jewish Agency durch Auslieferung des zionistischen Werkes an die Nicht* zionisten drohe dem Zionismus in Europa wie in Amerika der Untergang. Stephan Wise fordert, daß die gesamte zionistische Führerschaft zurücktreten und anderen Männern die Führung Überlassen möge. Er werde, schloß er, bis zum 16. Zionistcnkongreß den Kampf gegen die Erweiterung der Jewish Agency und für seine sonstigen zionistischen Ueberzeugungen fortführen. Das E x e k u t i v - K 0 in i t e e der Zionistischen Organisation Amerikas hat einstimmig eine Resolution gefaßt, in der die volle Uebereinstimmung mit den v ö m Aktionskomitee gefaßten, die Erweiterung der Jewish Agency betreffenden Beschlüssen zum Ausdruck gebracht wird. Die Agency«Mitglieder aus Polen. Aus Warschau, 3. d. M., meldet die J. T.-Ä.if Die Sitzung des zionistischen Parteirates, in der über die Form der Wahl der zwölf polnischen Agency-Mitglicder beraten wurde, gestaltete, sich sehr lebhaft. Die Redner der Gruppe „Eth Livnoth" Levite, Dr. Gottlieb, Dr. Schipper, Zeitlin, Dr. Rosenblatt, Dr. H in des appellierten an die von Grünbaum geführte radikale Gruppe „AI Ha'mischmar", die Arbeit für die Agency in Polen nicht zu stören. Abgeordneter J. Grünbaüm sagte, man müsse sich davor hüten, die Geldgeber zu Herren über die Bewegung zu mache n; die ganze jüdische Volksmasse soll in die Agency mit einbezogen werden: Die Kommiision zur Einberufung der Pro-Palästina-Kon* Bj-g; ,„,, , ,. -......., , , Sl )) SITMAR <{ Soclfttä Itallana dl Servlzl Marlttlmf :: K9m*mB***99t*&m wöchentlich mit den Luxusdämpfern 4« EfnEDIII" und ))iivvvMiii tfi Regelmäßige Eillinien näch Palästina, Griechenland, Konstantlnopel Rundfahrten Im Mlttelmeer Billige S 0 m m e r fahrten "• Auskünfte: „Sitmar*, I. Kärntnerring 18 (Ecke Schwäraenbergplatz) Telephon 550Ö9 NEU ERÖFFNETE REICHHALTIGE MODERNE LEIHBIBLIOTHEK DER BÜCHERSTUBE M. RATH Wliff, II., TA6Ö »STRASSE Nr. 20« TEL.: R-43-1-58. ALLE NEUERSCHEINUNGEN! REICHE AUSWAHL IN HEB RAI KA UND JUOAIKA in englischer und französischer Literatur MONATSGEBUHR NUR S 3*~ KEINE BANDGEBÜHR! TÄGLICHER UMTAUSCH 1 im ferenz solle an bestimmte Direktiven gebunden werden,* die Konferenzdelegierten sollen vom Vertrauen der breiten Masse getragen werden. . Es.wurden dann die von der Gruppe AI Hamlschmar gebrachten Resolutionen verlesen, darunter eine, daß die einzuberufende Pro-Palästina-Konferenz die gesamte, auf dem Boden der jüdischen Renaissance in Palästina stehende Judenschaft Polens vertreten solle. Dje AI Hamischmar-Resölutiönen wurden mit 13 gegen l-Ö Stimmen abgelehnt. Mit 13 gegen 10 Stimmen wurde die folgende, vön „Eth Livnoth" eingebrachte Resolution angenommen: Der Parteirat b egrüß.t die von der letzten. Sitzung des Aktious-Komitees bezüglich der Frage der jewish Agency getroffene Entscheidung und erblickt in diesem Beschlüsse' den Anfang einer neuen Aufbau-Epoche für Palästina. Der Parteirat beg.LückWünscht.-^u,^Präsidenten der. Zionistischen Weltorganisation 'zu 'seinen erfolgreichen Verhandlungen über die Erweiterung ^der Jewish Agency. Der Parteirat beschloß, eine taus fünf Personen bestehende Kommission zur, Ausarbeitung eines Planes der Äuswahl d e r mi c h t z i o n i s jj.s c h e n . V e r f r e t e r Polens in der Agency einzusetzen; die: Kommission erhält die Direktive, bis Mai d. J.,jl$p Wahl dqr tiiehtzionisteri durchzuführen. V; '.. Es entstand eine' lebhaftes. Diskussion über die Vor pere'itüng der Wahlen zur neunten zionistischen Landeskonferenz. Als die diese Wahlen betreffenden Anträge der. Radikalen, abgelehnt wurden,, .verließen Grünbaum seine. Anhänger demonstrativ'die Sitzung. Geburtenrückgang bei ^en Juden Ungarns. Dje soeben veröffentlichte amtiiehe Statistik über dje Bevölkerungsbc weg ung in U n g a r n in den letzten zwei Jahren konstatiert im allgemeinen einen starken1 Geburtenrückgang, von dem verhältnismäßig die Juden am schwersten betroffen sind. Während zum Beispiel im : Jahre 1926 noch 2287 Lebendgeburten bei den Juden zu verzeichnen waren, gab es im Jahre 1927 bloß 1870, das heißt, daß in dem einen Jahre ein Rückfall u m 13 Prozent eingetreten ist. Schlimmer noch ist das Verhältnis bei Mischehen, hier zeigt sich ein geradezu auffallender Rückgang der Geburten, Ein neues Werk Albert Einsteins. Erweiterung der Relativitätstheorie. Aus B<erJiin wird berichtet: Das neue Wier.k Professor Albert Einsteins, das m den nächsten Tagen in den Beric'liten der preußischen. Akademie für Wissenschaften erscheinen wird', eine rn a tib e m a t i s ch - ph y s ikali seihe E'r wc iitcr'U u« der R el a ti vi-i ä t stheori.c, wird vermutlich dazu auserseilien sein, noch größeres A ti f s-e ih e 11 in 4er internationalen wissenscihaffcliohicn Welt iliervör.zwnufan ah -di-e Relativitätsfiheot-te selbst. Die Arbeit trägt den Titel »,Ztir oi tnli e i fclicihe n W c 111 h c 0 r i e" und behandelt Probleme der Verschmelzung der Mechanik mit der Elektrodynamik. Professor Einstein hält diese neue Arbeit für seine bedeutendste und wissensalnaftMch moch'fü'r weit wrfc'h'tiiger als die Reilaitivii'tät'S'tfheorie. Diie Scihrift, an der der Gelelhrte zeihn Jaflnre .gearbeitet ifoat, umfaßt ganze — fünf Seö^en, das ist pro Jaifor nur eine ihalbe Selbe. Aber natürlicih entihalten die fünf inhaltsschweren Seiten nm die Quintessenz der neuen Tlheorie. Uebnigcns 'hatte dPe Relativitätstiheorie bei ilbrer ersten Vcröffewt'l'icbttng sogar nur einen Urrrfasn von dtwi Selten. * Der Gnumdgcdairoke der aHgenieinen Re-latiivitäfcs- 'fcheorie ist, daß 'Sddh diie Wirkung jeder Art von Bewegung, auclh ninglelcWörmiiger 'mnd igreradüiiniger, dnrüh Schwerefelder ersetzen läßt, so daß es in jedem einzelnen Falle zwar zweckmäßig und einfach sein mag, von einer iBewegumg zu reden, aber irn pliysiikaliscihem Sinn nicht «iiiotwend"ng. Aus der G le i c ih s © t z u n g der B ie w e g u it g s-. ■wärkungem mit-den Scih.wefreWirkungen ergab sicti eine vollständige Tiheorle der Schwenkrait. Nun bildet aber für di'e neuere PhyisÜk 'niclh't die Scihwcrkraft, sondern der EI e ik f r o m a g n e t I s <m u s die Grundikraft, auf die man a/udh affle anderen Kräfte 'zurückfülhrt. Die neue Lohre Eiinsiteins bildet den Versuch,' auch den Elektromagnetismus in.Beziehung zur Schwerkfaft z<u setzen und ddimit 'das Gebäude der allgemeinen Refla- •tivii'tätstiheorie noch mdhr z<u ©rweiitern. Die Gedankengänge ihiefür sind älhulich wie bei der allgemeinen Reiativiitärtstiheoriie geometrisüh'&r Natur. Der im siclli gekrümmte Raum, welcher die Lösung bringt nmtersciheidet sich nämlidi voai der gewöhnlichen Ebenie wie eine ganz wenig geikrümmte FUädhe, etwa die Erdoberfläche, von e'uner Ebene. So wenig wir ohne Tthieorle merken würden, daß wir nielbt auf einer Ebene leben, so wenig ikann .man den Umstand, daß wir von der Krümmung des iRanmes nieibts merken, ©og^en diese, geltend machen. Den Wert seiiner nenen Raiumanscibauung sielht Bnsteiiu dairin, daß es mvr durdh sie geling t, die Brücke z-wischen Schwere und Elektromagnetismus zu schlagen. Prof. Einstein wird am 14. März fünfzig Jahre alt. Seit zehn-Jahren etwa, seit dem Erscheinen seiner Relativitätstheorie, ist er einer, der berühmtesten und populärsten Physiker der Welt. 1922 wurde ihm die höchste Ehrung zuteil, die ein Wissenschaftler erhalten kann: der Nobelpreis. Im März vorigen Jahres erkrankte er im Engadin an einem Herzleide/ni, aber als Rekonvaleszent — er weilte von Juni bis Oktober in einem kleinen 'Bad in der Lübeckschen Bucht — arbeitete er fleißig an seiner neuen großen Theorie. Zehnjähriges Jubiläum der „Chwila". Die in Lemberght polnischer Sprache täglich erscheinende „Chwila" feierte in diesen Tagen das zehnjährig-e Jubiläum ihres Bestandes. Zum ersten Male erschien die „Chwila" am 10. Jänner 1919, nach dem schrecklichen Lemberger Pogrom. Das Blatt wurde von dem verstorbenen Dr. Gerszon Zipp er mit ungeheueren Mühen und großen Opfern gegründet und aufrechterhalten, um dem damals so arg bedrängten Judentum Ostgaii'/iens ein Sprachrohr zu schaffen. Die Pioniere des zionistischen Gedankens in Galizien Dr.: Dawid1 Malz, die inzwischen verstorbenen Brüder Dr. Abraham und Dr. Jakob Korkis standen damals Zipper zur Seite. Die „Chwila" gewann nach und nach an Boden und Anhang und wurde im Laufe der Jahre mit eine* eigenen Druckerei und einem eigenen Hause' zu emem mächtigen Unternehmen. Mit unserem Glückwunsch zum Jubiläum' verbinden wir den Wunsch, daß das Blatt auch weiterhin im Geiste Stands und Zippens und all jener Persönlichkeiten, die den Zionismus in Galizien ausgesät haben, geführt wird. Verein der Abiturienten des Chales-Realgymnaslotus. Donnerstag, de» 24. (1. M., findet in unserem Heime, II., Zirkusgasse 33, ein Vortrat de* Herrn Oberbaurat Robert Stricker statt: Thema: Die soziale Frage uud der Zionismus. — In den Ausschuß wurden die Herren Josef Kesselbrenner nnd Kaiman Retter kooptiert: r