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Die neue Welt · 1929-01-11 · Heft 69 (11.1.1929) · page 10

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 69 (11.1.1929)
Date
1929-01-11
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 DIE NEUE WELT Nr. Barmaper, geb. 14. IX. 1895 Wien, ledig, III., Erdbergerlämie 52. — Maria Reiß geb. Koch, geb. 27. VII. 1903 Wien, verheiratet, Kaufmannsgatlin, III., Seidigasse 17. — Katlnka Kubelka geb. Weiß Antal, geb. 2. IX. 1890 Veszprim, verheiratet, III., Fasangasse 42. — Gertrude Berler geb. Werner, geb. 6. XI. 1885 Graudenz, verheiratet, III., Erdbergerlände 6. — Dr. Fritz Neumann, geb. 14 VII. J898 Graz, ledig, XII., Wertheiinsteingasse A4. — Oskar Spitzer, geb. 3. I. 1883 Wien, verheiratet, VII., Kirchengassc 15. — Adolf Lemberger, geb. 23. VIII. 1874 Wien, verheiratet, VII., Kaiserstraße 77. — Hubert Dubs, geb 15. IV. 1894 Wien, ledig, VIII., Auerspergstraße 21. — Franziska Müller geb. Weiß, geb. 17. IX. 1865 Wien, verwitwet, II., Obere Donaustraße 45. — Eugen Markus Hofmann, geb. 9. IV. 1905 Wien, ledig, II.. Franz2nsbr!'ickenstraße 8. Ernst Kraus, Kaufmann in Hardegg, geb. Wien, 21. Oktober 1894. * Herr Redakteur Isidor Ob s t g a r t e n ersucht uns mitzuteilen, daß die in der letzten AustrittsHste genannte Julie Obstgarten aus Czernowitz weder zu seiner Familie, noch zu seiner Verwandtschaft gehört. Predigten. Heute werden bei dem um 4 Uhr 15 Minuten beginnenden Abendgottesdienst in folgenden Gemein'etempeln Predigten abgehalten: II.. Tempelpasse 5 (Rabbiner Dr. M. Grunwald); XV., Turnerpasse 22 (Rabbiner Dr. I. Taglicht): XVIII., Schonctii'.tuerst-a'<e 39 (Rabbiner Dr. D. Fcuchtwanjr). — Morsen. 3 Uhr nachmittags, Jugcndgottesdlenst in den Gemeinde- und Bezirkssynagogen.; ,♦♦♦♦«♦♦»««»»*»♦♦♦♦♦»+»♦♦♦♦♦♦»»♦+♦♦♦♦»♦♦♦♦♦< Die Tribüne. Ein Sprechsaal für unsere Leser Ein antisemitischer Hetzfilm in Wien. .Verehrliche Redaktion! In den großen Wiener Kinos gelangte diese Woche ein Film zur Aufführung, benannt: Silvester in Paris. Insoweit die Handlung durch das Bild wiedergegeben wird, ist nichts einzuwenden. Anders aber der textliche. Teil, der wahrscheinlich Wiener Ursprunges ist. Dieser gestaltet den Film zu einer antisemitischen Hetze sondergleichen. Er überschreitet den sonst üblichen Rahmen der schriftlichen Einbekleklung und wird zu einem Programm wüster Hakenkreuzlerei Den Film leitet die Ueberschrift ein: „New York wird durch das auserwählte Volk beherrscht", eine Bemerkung, die mit dem Film in gar keinem Zusammenhang steht. - Wenn aber weder New York noch Wien von Juden regiert werden, bilden diese doch einen Konsumfaktor, den kein Unternehmer mißachten darf. Sagt uns nicht unser Ehrgefühl, daß wir diese Kinos meiden sollen, welche sich zu einer solchen antisemitischen Hetze hergeben? Muß man nicht aus der Aufführung eines solchen Films schließen, daß die betreffenden Kinobesitzer unseren Besuch nicht gerne sehen? Die „Fr. Pr." berichtet am Neujahrstage über die Demonstration im Konzerthaussaale gegen Frau Kaniewska. (Siehe an anderer Stelle. — Red.) In der folgenden Nummer wird dieser Vorfall zu einer schöngeistigen Betrachtung in der Kleinen Chronik benützt. Aber nirgends wird das Wort „jüdisch", oder — in verschämter Weise — „israelitisch" erwähnt. Wer nicht mit den Wiener Verhältnissen und der Schreibweise der „Freien Presse" vertraut ist, wird aus all diesem nicht erfahren, wodurch Frau Kaniewska eine solche Erregung der Wiener hervorgerufen hat. Die Charakterlosigkeit des „Judenblattes" ist die Ergänzung der Hakenkreuzlerei. Hochachtungsvoll Dr. E. K. Ein Neujahrsgeschenk an die Wiener Ist die Seid enwochc im populären Leonoldstädter Warenbaus Bruder Schulmann, II., Tabors'raße 48. Es ist dies die eiste Verkauissensation im neuen Jahr und gleichzeitig ein neuer Beweis tür die außerordentliche Leistungstätigkeit dieses, als beste und billigste Beztigsquele be-ibekannten Kaufhauses. Nachstehend einige Pretabeispiele Klaider-K.-Seide, 80 breit. . . .98 Groschen Faiile de Ciaire und Brokate, 80 breit. . . S 1.98 Moirö-Seide, per Meter....... . . S 2.50 Diagonal-Seide, 75 breit.........S 1.90 Satin de Chine, 90 bre.t, S 4.50 und . . . S 2.50 Liberty-Seide, 90 breit....... . S 2.90 Shantung-Seide, 90 breit...... . . S 2.90 Pongis, we ß, 95 breit . . .......S 2 90 Crepe-de-Chine, alle Farben .......S 3 90 Kleider-Seide, Faconnti, 80 breit, alle Farben S 1.98 Ottoman Seide tür Mäntel, 90 breit. . . . S 3 90 Lamö-Seide, alle Farben........S 3.90 Tafte, großes Farbensortiment, 70 breit. . S 3.90 Foularde. moderne Dessins 100 breit . . S 4.90 Crepe-Satin, 100 breit, per Meter.....S 5.90 Armur-Seide, 90 breit, alle Farben . . . . S 3.90 Crepe-Georgette, 100 breit, alle Farben . . S 5.90 Ripse tür Mäntel, 90 breit.......S 7.90 Mengen ab gäbe voi behalten! Provlnzvereand per Nachnahme. Jeder Kunde eihält ein wertvolles Geschenk! Kohie*HOttenkoks OBERS HLE8I8CH. ANTH R ACIT ^sVäSuscS Qualitätssorten — Billigst BÄSCH, IV. Taienh M«'««MOS Arg«ntin «rstr. 22 Teiepn. Um4uw Raba«U«Hflon de« KEQEN-KAJJEMET« „Alpha", nur Wien, I«. Adlergasse Nr. 8 »♦♦♦♦♦♦»♦♦»»♦»■»♦♦»»»♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦< Vereinigung der zionistisch-demokratischen Jugendi. Mit 1. Jänner 1929 ist ein Englisch- und Französisch-Kurs eröffnet worden. Die Sprachkurse werden auf moderner Grundlage geführt und sind auf das rascheste Erlernen der Sprachfähigkeit bei geringem Zeitaufwand eingerichtet. Die Englischkurse finden jeden Donnerstag von 7 bis halb 9 Uhr, die Französischkurse jeden Samstag von 7 bis halb 9 Uhr statt. (Anmeldungen, auch für Nichtmitglieder, werden täglich von 7 bis 9 Uhr, II., Zirkusgasse 33, entgegengenommen. Vor vierzehn Tagen wurde eine Kindergruppe gegründet, deren erste Zusammenkunft bereits am 5. d. M. stattgefunden hat. Bis auf weiteres finden die Kinderkurse jeden Samstag von 5 bis 7 Uhr statt. Die jüdischen Eltern, insbesondere die Eltern unseres Verbandes, welchö Interesse an der jüdischen Erziehung ihrer Kinder haben, mögen diese im Alter von 8 bis 12 Jahren zu uns schicken. (Anmeldungen werden täglich von 7 bis 9 Uhr abends, IL, Zirkusgasse 33, entgegengenommen. lochen programm: Samstag, 3 Uhr: Zionistieakurs; 5 Uhr neuerliche Zusammenkunft der neugegründeten Kindergruppe; halb 7 Uhr Französisch für Anfänger. Sonntag: halb 9 Uhr Wanderung (Treffpunkt vor dem Helm, II., Zirkusgasse 33); halb 8 Uhr ater.ds gesellige Zusammenkunft. Montag: 7 Uhr Hebräisch für Anfänger, halb 9 Uhr Hebräisch für Fortgeschrittene. Dienstag: halb S Uhr Plenarversammlung mit anschließendem Referat eines außens!ehenden Referenten; Mittwoch: 7 Uhr Hebräisch für Anfänger; halb 9 Uhr Vortrag im Cafe" Produktenbörse. Donnerstag: 7 Uhr Englisch für Anfänger; halb 9 Uhr Hebräisch für Fortgeschrittene. Jüdisches Zentrum der Sozialen Hilisgenielnschalt, II., Untere AügartenstraOe 35. Am 1. Jünner hat ein neuer Hebrüischkurs für Anfänger besonnen und findet Montag und Mittwoch von 7 bis 8 Uhr abends statt. Anmeldungen werden täglich von 6 bis 8 Uhr abends im Sekretariat entgegengenommen. E n g I i s c h für Anfänger Dienstag und Donnerstag von 9 bis 10 Uhr abends, fOr Vorgeschrittene Dienstag und Donnerstag von 8 bis 9 Uhr abends. ~ Samstag. 3 Uhr nachmittags, Jugendgottesdienst, anschließend Vortrag Dr. Birnbaum. Gäste willkommen. Kohut-Stlftung In Wien. Das fn Wien seinerzeit durch Oberrabbinef Dr. H. P. Chajes für die in Wien bestehende Kohut Memorial Foundation gegründete literarische Komitee hat sich am 2. Jünner 1929 unter dem Namen „Beirat der Kohut-Stiftung" neuerdings wie folgt konstituiert: Obmann: Hof rat Rektor Prof Dr. A. Schwarz; geschäftsführender Obmann: Prof. Dr S. Krauli; Sekretär: Rechtsanwalt Doktor E. Damask; Mitglieder: Prof. Dr. Ä; Äptowitzer, Rabbiner Dr. D. Feuchtwang. Hof rat Prof Dr. S Frankfurter, Rabbiner Dr. M. Rosenmann, Rabbiner Dr. A. Z. Schwarz, Rabbiner Dr. A. Taglicht, Regierungsrat Dr. B. Wachstein. ' LERNET FREMDE SPRACHEN 'i 'P-^eij ::. . . 'i ■ ■ . Berlitz Schoo!, Wien, B. Graben 13 Prospekt 7 auf Wunsch Zionistische Bczlrkssektlort Wieden-Margareten. Donnerstag', den 17. Jänner um 8 Uhr abends spricht Herr Ludwig Bato im Klubsaal des Terrassen-Caf6, V., Margaretenplatz 4, über „Israel und sein Land im a 1 t j 0 d i s c h c h Sc h>r 1 f 11 u m". Am 27. Jänner veranstaltet die Frauengruppe eine C ha wisch.'assar-Feier;. für Kinder im großen Saale des Volks'bildungshauses, V., Stöbergasse. Programme und Karten bei den Ausschußmitgliedern. Unsere H e b r ä- Isch-Kurse finden nunmehr statt für Erwachsene Montag und Mittwoch von 8 bis 10 Uhr abends, für Kinder Dienstag und Donnerstag von halb 4 bis halb 5 Uhr nachmittags im Unterrichtssaal, V„ Siebenbrunnengasse 1 a. Zionistische Frauengruppe IX. Am 13. Jänner um halb 11 Uhr vormittags findet in der Urania eine Kindervorstellung statt. Zur Aufführung gelangen Vorträge und Märchenfilme. Karten im Vorverkauf bei Frau,Gisela Bauer, IX., Pfluggasse?, und' Frau Klara Müller IX.. Wasagasse 21, Telephon U-24-705. Die' Frauengruppe eröffnet demnächst einen unentgeltlichen hebräischen Sprachkurs für Anfänger und Vorgeschrittene unter persönlicher Leitung der Frau Rabinowitsch. Tochter des Oberräbbiners Kuk in Jerusalem. Schriftliche und mündliche Anmeldungen nehmen entgegen Frau Gisela Blauer und Frau Klara Müller. — Am 26. Jänner (Chamiscbab assar) findet in den .Prunksälen des Handelsmuseums. IX., Berggasse 16, ein gemütlicher Gesellschaftsabend mit Tanz statt. Karten im Vorverkauf bei Frau Blauer und Frau Klara Müller. Lese- und Redehnlle jüdischer Hochschtile«-. Samstag, den 12. d. Vortrag Dr. Leo Goldhammmcr über „Judenstaat und D o m i n i o n". Jüd. Akad. Verb. „Unltas". Am 12. d. Bericht über die 3. Weltkonferenz der Ziinisten-Revisäonisten. Referent: F. M. Geller. Ort: VIII., Auerspergstraße 21. 8 Uhr abends. Zionistische Hochschüler willkommen. MaJmonides-Ins'itut,' W en. U n i v e r s i t ä t s v o rträge: im Hörsaal 34 der phil. Fakultät vom Dozenten am Institut Herrn D r. A. K.a minka: Mittwoch, 16. Jänner 1929, um halb 7 Uhr abends, über „Saadja Gaons Leben und Wirken". Jugeudkongreftrelse. Bei der am Samstag stattgefundenen Besprechung wurde ein Sparverein für die JugendkongreHreise gegründet. Die Mindesteinzahlung pro Monat beträgt ,S 10. Anmeldungen sind -an den Jugendverein „E r e z Israel", IL, Zirkusgasse 33, zu richten. Zionistische Bezirkssektion Lcopoldstadt. Montag, 7 Uhr abends, Hebräisch für Anfänger; halb 9 Uhr Hebräisch tür Fortgeschrittene. Mittwoch, 7 Uhr abends. Hebräisch für Anfänger. Donnerstag, halb 9 Uhr abends, Hebräisch für Fortgeschrittene. Die wlssenschaltllche Arbeitsgemeinschaft des Jüdisch-akademischen Juristenvereines veranstaltet eine Reihe von Vortragsabenden Der nächste Vortrag findet Donnerstag, den 17. Jänner, 8 Uhr abends, im heuen Lokale, II., Taborstra^e 1, Eingang beim Wettbüro, statt Sprechen wird Dr. Richard Ball über „Willensfreiheit und Strafrecht". Gäste willkommen. Zionistische Organisation, Bezirkssektion BrlglUeuau, XX-, Jägerstraße 30, Tür 8. Heute, halb 8 Uhr abends, Talmudvortrag des Herrn I. Schönfeld. Sonntag, halb 8 Uhr abends, Vo/trag Uber „Die Entwicklung der hebräischen Sprache tu Eres Israel und in der Galuth". Referenten: Prof Jonas Gelernter, Dr. Auerbach und N Kienbein, anschliefend Diskussion. Am 15. d., halb 8 Uhr abends, Vortrag über „Die Aussichten der jüdischen MinoritStsrechte". Referent: Dr. Oskar K a r b a c h, Generalsekret'ir der Jüdischen Völkerbundliga für Oesterreich. Am 20. d., halb 8 Uhr abends, erster literarisch-musikalischer Abend mit ausgewähltem Programm. Deborah. Mädchengruppe der „WIzo", IL. Kleine Mphrcngasse 3. (Volksbibliothfk Zion). Montag, den 14. Jänner, halb 9 Uhr abends Vortrag Dr. N. M. Gelber zu seinem Geschichtskurs: Uebcr Christentum. Donnerstag, den 17. Jänner, halb 9 Uhr Frau Cylla Waldmann zu ihrem Vortragszyklus: Führende talmudische Gestalten: Schimon Ben-Schitacli. Montag und Donnerstag von halb 8 bis 9 Uhr: Hebralschkursc. Jugendvercln „Erez Israel". Montag, 8 bis 9 Uhr: Hebräisch für Fortgeschrittene, von 9 bis 10 Uhr: Hebräisch Mittelkurs. — Mittwoch von 9 bis 10 Uhr- Hpbräisch Mittelkurs. — Donnerstag von 9 bis 10 Uhr: Hebräisch für Fortgeschrittene. — Samstag, den 12. Jänner Literarischer Abend. Gäste willkommen. Halb 8 Uhr abends im Heime. — D i e n s t a g, den IS. Jänner, 8 Uhr abends im Heime. Vortrag. Anschließend Diskussion. Brlth Hanoar Hamlsrachl, IL, Praterstra"e 43. Morgen um 6 Uhr abends Sicha Kl.allith. Sonntag, halb 6 Uhr abends. Gemarah für Fortgeschrittene. Zionistische. Frauengruppe Leopoldstadt (IL, Zirkusgasse 33). Donnerstag, den 17. Jänner. 8 Uhr abends Voit'ag der Frau Dr, Amalie Kantor: „Zur Geschichte der messiariischen Bewegung im 17« Jahrhundert." - DIE MUTTER Roman von Schalom Asch. Copyright by Dr. Präger-Pressedienst. Wien. (3/. Foitsetzung) „Wer wird das Geschirr waschen? Es steht doch noch von gestern ungewaschen." Im Keller bei Sure Rifke war es stets ein Problem, wer das Geschirr waschen sollte. Denn in der letzten Zeit war Sure Rifke so müde, daß sie das Geschirr nicht waschen konnte und es daher für den nächsten Morgen ließ. Haben die jüngsten Kinder Schule, dann ist's vorbei, dann muß Sure Rifke selbst das Geschirr waschen; haben sie aber keine Schule, so ist vom Aeltesten Salomon verordnet, daß sie das Geschirr waschen: „So ist es in allen amerikanischen Häusern üblich" — begründete Salomon diese Verordnung. Doch die Knaben fanden eine vorzügliche Methode, um sich vom Geschirrwaschen zu drücken. So oft es hieß, das Geschirr zu waschen, wurden sie plötzlich fromm und begannen eifrig zu beten; sie wußten, daß die Mutter sie vom Beten nicht abhalten und daher selbst das Geschirr waschen werde. So war's auch diesmal; wie die Buben vom Geschirrwaschen hörten, nahmen sie sofort die Gebetbücher in die Hand. Doch diesmal gelang das nicht. Anschel wurde zornig und versetzte dem einen eine Ohrfeige, dem anderen einen Rippenstoß. „Da schau4 her, meine Heiligen! Plötzlich sind sie fromm geworden. Wenn die Mutter krank ist, werden sie fromm." „Anschel, ich werde schon das Geschirr waschen," — rief Sure Rifke vom Bett her — „ich stehe bald auf." Jetzt tat den Knaben die Mutter leid und sie ließen sie nicht aufstehen. „Wir werden schon das Geschirr waschen, ,Ma" — sie beendeten das Beten und machten sich an die Arbeit. Der eine wusch, der andere trocknete ab und wortlos stießen sie einander mit den Beinen. Als es spät wurde und die Zeit kam, da für das Abendessen eingekauft werden muß, sagte sich Sure Rifke: „Was liege ich hier?! Was für einen Feiertag mache ich mir?" — und wollte aufstehen. Doch ein Schwindelanfall ließ sie wieder zurücksinken. Niemand war in der Wohnung. Die älteren Kinder waren bei der Arbeit, die jüngeren auf der Gasse. Sure Rifke wartete, bis Mascha zurückkam und sagte zu ihr: „Geh*, hol' mir eine Nachbarin." Mistreß Barkin war eine wohlbeleibte gutmütige Galizianerin; sie trat mit aufgeschürzten Aermeln und flammendem Gesicht ein (als Masoha sie rief, buk sie gerade). „Was haben Sie, Mistreß Zlotnik?" „Ich weiß nicht, es schwindelt mich und ich habe noch gar nichts fürs Abendessen eingekauft. Es wird spät." „Das kommt alles von der Leber. Meine Mutter, sie ruhe in Frieden, hat das auch gehabt. Einige Salzbäder und alles ist wie fortgeblasen. Liegen Sie nur, liegen Sie, rühren Sie sich nicht." ' „Und wer wird kochen? Sie werden doch hungrig heimkommen." „Liegen Sie nur, liegen Sie, man wird schon kochen. Ich gehe bald auf die Straße — ißt ihr Mann gern Leber?'Ich habe beim Fleischer eine Kalbsleber gesehen, so frisch — ein Vergnügen! Schade, daß ich heute Pökelfleisch zum Nachtmahl habe. Soll ich Ihnen ein Pfund Leber bringen? Ich habe noch Borscht von gestern, den werde ich Ihnen mitbringen. Mit Kartoffeln wird der ein Genuß sein." „Sie werden das alles zubereiten"? „Man wird schon zubereiten, man wird schon zubereiten, bleiben Sie nur liegen, gleich bringe ich Ihnen den Borscht." ' Frau Barkin lief hinaus und brachte einen Topf Borscht; sie lief wieder hinaus und brachte eine Schale frische Bouillon, die sie aus dem rumänischen Restaurant für die „kranke Nachbarin" geholt hatte; dann lief sie wieder hinaus und brachte eine zweite Frau mit, Mistreß Rabinowitsch aus dem letzten Stockwerk. Mistreß Rabinowitsch war auf Rheumatismus eingeschworen. Sie empfahl Sure Rifke den Krankenkassenarzt ihres Mannes; nach einer Weile brachte sie einen Tiegel Salbe, die ihr der Krankenkassenarzt verschrieben hatte, und erklärte, diese Salbe bringe alle Krankheiten in einem Augenblick fort. Doch Mistreß Barkin ließ die Nachbarin' nicht lange säumen. „Mistreß Rabinowitsch, Sie machen sich ans Aufräumen, ich gehe etwas holen, um es für die ,Männer4 anzurichten, wenn sie von der Arbeit kommen." „Mascha! Wo ist Mascha?" .— rief Sure Rifke vom Bett aus. „Ich werde Mascha schon rufen, rühren Sie sich nicht und regen Sie sich nicht auf, denn durch die Aufregung vergrößert sich die Leber. Das kommt alles von den »Nerven4" — sagte Mistreß Barkin, nahm ihr Tuch um und ging einkaufen. Mistreß Rabinowitsch vom letzten Stockwerk machte sich ans Aufräumen der Wohnung.

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