Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 69 (11.1.1929)
- Date
- 1929-01-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. m DIE NEUE WfiLT Seiter kutive der Corporation Mitteilung macht, ein weiteres Budget von 1,010.000 Dollar für die PälSstinaarbeit der Corporation zu bewilligen, wodurch die Gesamtsumme der Investierungen der Corporation in Palästina auf 2,300.000 Dollar gebracht wird. An diese Mitteilung knüpft Flexner die folgende Betrachtung: Die Erfahrungen, die die Corporation auf dem Gebiete der landwirtschaftlichen and industriellen Kreditgewährung gemacht hat, hat die Leitung der Corporatfon davon überzeugt* daß weitere Investierungen in Palästina durchaus gerechtfertigt sind. M. Flexner gibt eine Darstellung der Transaktionen mit der Haifa Bay Development Company bezüglich Erwerbung des Bodens in der Haifa-Bucht and sagt, diese Transaktion war geschehen, um ein so wichtiges Gebiet im jüdischen GesamHnteresse zu erwerben. Anfang 1929 soll mit dem Bau des Hafens von Haifa begonnen werden. Die Eisenbahnverwaltung Palästinas errichtet hier Maschinenwerkstätten und Remisen, auch ein Aerodrom soll hier Platz finden. Die Corporation verhandelte mit dem Jüdischen Nationalfonds wegen gemeinschaftlichen Vorgehens bei dem Erwerb des Bodens. Mr. Flexner gibt eine Uebersicht über die von der Corporation gewährten landwirtschaftlichen und industriellen Kredite und teilt mit, daß diese Tätigkeit weiter ausgebaut werden wird. Die Corporation bewilligt Fonds für Errichtung von Kleinhäusern in den Kolonien und beteiligt sich auch an der Errichtung eines erstklassigen Hotels in Jerusalem. Die jüdische Erziehung in Amerika« Eine Klage Marshalls. Aus New York meldet die J. T. A.: In der mit einer Chanukahfeier verbunden gewesenen Jahresversammlung der Oesellschaft für jüdische Erziehung führte Louis Mars hall, der Präsident des American Jewish Com* mittee, in einer Ansprache aus, die jüdische Erziehung in den vereinigten Staaten leide unter dem Mangel an Zusammenarbeit und werde auch nicht genügend gefördert. Von den etwa 350.000 im Schuialter stehenden jüdischen Kindern New Yorks, einer S'adt, die 1,800X00 Juden beherbergt, ist nicht einmal die Hälfte irgendeines jüdischen Unterrichtes teilhaftig. D*ie amerikanischen Juden geben 4 bis 5 Millionen Dollar jährlich für jüdischen Unterricht aus, davon entfallen auf die New Yorker Gesellschaft für jüdische Erziehung im ganzen 250.0:0 Dollar. Man müsse die Mutter für das Erziehungswerk interessieren, da der Vater in der Regel geschäftlich überbürdet ist. Marshall forderte die Jiiden New Yorks auf, das Erziehungswerk zu fördern und die beschämende Tatsache aus der Weit zu schaffen, daß eine so große Gemeinschaft so wenig für die Erhaltung des Judentums unter ihren Kindern tut. Die Juden in Rumänien. Das Staatsbürgerrectit. Der jüdische Deputierte Michael Landau hatte eine Unterredung mit dem Justizminister J u nlam über die Lage der jüdischen Familien, d:e gegen ihren Willen staatenlos geworden und der Willkür untergeordneter Behörden ganz und gar preisgegeben sind, o'bwo'ftl sie auf Grund des Friedensvertrages rumänische Bürger sind. Der Justizminister versprach, dem Parlament eine neue Gesefrzesvorlage vorzulegen, laut welcher allen jenen Personen, die durch die UnvoHkommenheiten des früheren Gesetzes staatenlos geworden sind, die Möglichkeit geboten wird, die Staatsbürgerschaft zu erlangen. Das Gesetz wird in Edrakäang mit den Bestifonrnungen des Friedensvertrages stehen. — Hoffietwlich wird die Regierung M a n i u, welche in der kurzen Zeit ihres Bestandes ehrlichen Wüllen zur Demokratie und zur Gerechtigkeit gegenüber den Minoritäten bewiesen bat, in der Lage sein, den bösen Willen der Bnreauikratie zu fcrechen. Leicht wird ihr das gewöß näohi faOflen. Eine Sabbath-Yerordnung. Der Unterrichtsminister Costachescu erließ eine Verordnung an die ScbnMeiter, wonach in Schulen mit einer größeren Zahl 3 üdi sch er Schul e r das Unterrichtsprogramm so eingerichtet werden solle, daß an Sab-barh-Tagen mir Gegenstände vorgenommen werden, bei denen schriftliche Arbeiten nicht in Frage kommen. Tn aJHen änderen Schulen soH darauf geachtet werden, daß jüdische SchüJer an Sabbath-Tagen soweit als möglich vom Schreiben befreit werden. Worte und Taten der litauischen Regierung. Der litauische Ministerpräsident Woldema ras und andere litauische negierungsmänner in Litauen wie im Auslände, besonders in Amerika haben in der letzten Zeit viele schmeichelhafte Worte an die Adresse der litauischen Juden gerichtet; die Juden wurden als Uber alle Mafien staatstreu lungestelltt ihre Verdienste um die Wiedererrichtung Litauens und die Entwicklung des Landes wurden gerühmt. Der Bcdakieur der Kownoer Taffeszeitung „Yddische Stinie*\ R. R u b i n s t e i n, befaßt sich in einem Leitartikel mit der Frage, was die litauischen Regierungsmänner veranlaßt hat, ihre Freundschaft zu deu Juden so plötzlich uud in so ostentativer Weise darzotun. Er begrüßt die Aenderong deT Atmosphäre in dem Verhältnis des offiziellen Litauen zu den jüdischen Bürgern, bedauert es aber, daß den schönen Worten in gar keiner Weise die Taten entsprächen. Noch ist das den jüdischen Handel und das jüdische Handwerk ruinierende Zwangssonntagsruhegesetz, eine Erbschaft der christlich-demokratischen Aera. in voller Wirkung; die Verdrängung der Juden aus amtlichen Stellen dauert an; in den letzten Tagen wurden wieder zwei jüdische Kreisärzte ihrer Aemter enthoben; die winzige Zahl Juden, die heute noch Staatsämter bekleiden, wird bald null sein. An der tierärztlichen Hochschule erhielten alle Studenten Stipendien, damit sie im Ausland ihre Studien vervollkommnen können, nur die wenigen jüdischen Studenten gingen leer aus. Die Reihe dieser Tatsachen könnte nach Belieben verlängert werden. Die Zahl der Juden in Deutschland« Aus der vom Statistischen,Reichsamt in Berlin veröffentlichten „Statistik des Deutschen Reiches" ist zu ersehen, daß zür Zeit der Volkszählung 1925 in Dcu!schland insgesamt 5 6 4.379 Juden lebten, davon 289.929 weibliche. In Preußen wohnen zirka 72 Prozent aller Juden. Zirka 70 Prozent aller Juden leben in Städten, welche mehr als 1Ü0.CO0 Einwohner zählen. Als Kurjosum wird in der „S'atistik" verzeichnet, daß die Juden nicht weniger als 22 verschiedene Bezeichnungen bei Angabe ihres Religionsbekenntnisses geb-auchten. Sie füllten die entsprechende Rubrik des Zählungsbogens wie folgt aus: 1. Chassidim, 2. Essäisch, 3. Griechisch-mosaische, 4. Hebräer, 5. Israeliten, 6. Israelitische Religionsgesellschaft, 7. Juden, 8. Judische Reformgemeinde, 9. Jüdische Synagogengemeinde, 10. Karaim, 11. Liberales Judentum, 12. Liberal-israelitisch, 13. Liberal-jüdisch, 14' Mosaische, 15. Portugiesische Israeliten, 16. Portugiesische Juden, 17. Portugiesisch-mosaisch, 18. Reformiertjüdische, 19. Sefardische, 20- Semiten, 21. Semitische, 22. Zionistisch-mosaisch. Die Zahl der Juden in den großen Städten beträgt: Berlin 172.672, Breslau 23.240, Frankfurt am Main 29.385, Köln 16.093, Düsseldorf 5130, München 10.068. Nürnberg 8':03, Dresden 5120,,, Leipzig 12.594, Chemnitz 2795, Kassel 2 5Ö3 Wiesbaden ,3088,. Essen 4209, Duisburg j s so Qroscnen | Wlener FasenIn%t-Magazin 1 ^^^^^^,^^>^^^^^^^^^<^^^^i^^>^^^^M)i> Ü {HerMiSfcebt^ Eriianu; fFl cus) erscheint ab 12.Jänrur!929 §1 während des Fascbirigs zwelma in natiich. Fasching«- ekatender. h tri che Bilder und Zeichnungen, Tanz, Müde. Ü Sprechmagchlneti, Kosoiei>1cV Fl.m, Humor, fcrnfiltlicn ü In a.len Trafiken und I", derKo1portaj?e § 2080, Barmen 721, Elberfeld 2335, Kiel 605, Altona 2909, Hannover 5521, Königsberg i. Pr. 4049, Stettin 2615, Stuttgart 4548, Karlsruhe 3385, Mannheim. 6972, Mainz 2738, Hamburg (Stadt) 19.944, Bremen (Stadt) 1328. In den wichtigsten Bundesstaaten betragen die Zahlen: Preußen: 403:9£9, Bayern: 49.145, Sachsen- 23.252, Württemberg: 10 827, Baden: 24.054, Thüringen: 3603, Hessen: 20.401, Hamburg: In keinem der übrigen Buhdesstaaten erreicht die Zahl der Juden 2C00. Die Not der Juden in Rußland« Ohne Aussicht auf Hilfe. Herr Joseph C. Hyman, der Sekretär, des Join>t Distribution Coinimitee, der vor kurzem in Rußland geweilt hat, teiflte der Jüdaschen Telegraphen-Agentur nach seiner Rückkehr nach New York mit, daß die von ihm und dem Direktor des Agro-Joirit 4^ Kü&län'd, Dr. Joseph Kosen, mit den. maßgebenden russischen Steil-len geführten' Verhandlungen über ein Abkommen betreffend das neue jüdische Siedlungswerk der American ■ Society for jewish Farm Settlements in Russia (amerikanischer Agro-JoinO sehr befriedigende FortschniWe, gemaohl;- haben, so daß in kurzer Zeit der Agro-Joint eine definitive Erklärung über d'ie Einzelheiten des Abkommens und der Richtlinien der neuen jüdischen Kolonisation wird geben können. EekannWich scW das Abtemmen o., a. darauf basieren, daß der Agro- Joint 10 MifFMonen DcKar (darunter die 5 Millionen von Julius RosenwaÜd) zur Verfügung. stelien, wobei sich die russische Regierung ihreTseifts zur Leistung der gleichen Summe verpflichten sojö. In den Städten and Städtchen leben die Juden in unglaublich Jämmerlichen Verhältnissen; im kommenden Cafe Reklame Cafeiler: lakob Qoldflieij Wien, II.. Praterstrafce Nr. 34 anschließend die „judischen Künstlerspiele" / Vorzügliche Getränke und kalte. Speisen zu billigen Preisen / Rummy- Spieltische Treffpunkt der jüdischen Gesellschaft *)<19 alst>en>ai)tte ftttttttgungemtUel ffiz &5tpet unö Stauen Sanata&n * ^^^^^^^^^^^^^^^r^^^B'^^^ in Olfen Sfpotheten unö 3>tofler«en in %»&mwttbon S 3.— on. ^Stohe inb ^tof<f|Uie louentos butdj Satter St <Et*„ <Bec tn SW 48, Frühling wird die Not am höchsten gestiegen sein, ohne daß Aussicht au! Hilfe vorhanden ist. Die lokalen jüdischen Htöfsgenossettschaften haben Öfifenitfliche Speiseilokale eröffnet, es fehlt ihnen aber an den notwendigen Mittein. Die Gesellschaften, die früher 80 Prozent der lokalen Fürsorge aus eigenen Mitteln bestritten hatten, haben ihre Tätigkeit einschränken müssen, weil zahlreiche ihrer Mitglieder selbst unter dem herrschenden wdrtscbaftjichen Druck zusammengebrochen sind. So haben auch die Darlehenskassen, die medizinischen Institute und die Kliniken (die letzteren hatten 1928 1,250.000 Krankenbesuche aufzuweisen) zu einer Zeit, wo Hl'lfe am meisten nottut, ihre Tätigkeit stark einschränken müssen. Die amerikam/sehe Judenhett muß sich mit der Hilfeleistung beeilen, bevor das Unhetö noch größer wird. Die jüdischen Produktiionsgenossenschaiften, schloß Hymau, leisten Hervorragendes, doch ist auch ihre Arbeit wegen Mangel an Maschinen und an Rohmaterial sehr gehemmt. Proletarisierte Kolonisation. Dieser Tage fand in Moskau eine Sitzung, des vereinigten Plenums der ZentralveKwaltung und des Zentralrates der unabhängigen GeseMschaift für jüdische KöJonisatuan „Ozet" statt. Bunin gab Bericht über das Ozet- Werk in Weißrußland, wo 250 KaMektivsiedlungen be* stefoen und das Genossenschaftswesen immer weiter ausgebaut wird. Man geht jetzt daran, die Kolönisierung der jüdischen Arbeitslosen ,v einer Reihe jüdischer Städtcihen durchzuführen Es stehen hierza große Flächen Bodens zur Verfügung, die aber erst einet Melioration bedürfen, Zuflebzt hat der Staat weitere 30.000 Hekitar abgeholzten, aber noch n*cht gerodeten Wafldes zur Verfügung gesteint. Die „Ozet** zSUK 145.000 Mitglieder. Es wurde sodann edn Beschluß wegen Prole* tarisierung der „Ozet" angenommen. Danach kOnnen nur Personen, die das Sowjetwahlrecht haben, MitgSieder von „Ozet" werden. Eine Ausnahme besteh* iftt Personen; die zu produktiver' Arbeit übergehen; solohe können die-Mu-tgiliedsohäJt erwerben, auch wenn sie riöch nicht das Sowjetwahlrecht genießen. Auf der Tagung refe^ rierte Mereschin über die ProMeme der jüdischen Kolonisation in Ruöl-and und betonte, daß trote der In Bfr-Bfdschan in Erscheinung getretenen zeitbedingten Schwierigkeiten kein Grund besteht, die Losung von einer jüdaschen nationa-l-territornalen Einheit zurückzuziehen. Raschkes, der speziell ü/ber Bn'r-Bidschan berichtete, erklärte, die Lage werde sich bald zum Besseren wenden. Der Somimer war sehr regenreich und die Arbeit begann* zu spät. (Siehe auch erste Seite.) Steeg tritt als Generalresident von Marokko zurück. Der Generalresident von Marokko Steeg, Mitglied der französischen Regierung im Kabinett Painleve" (dieses Kabinett zählte bekanntlich drei Juden als Mitglieder: Schrammek, Hesse und Steeg), ist von seinem Posten als Generalresident von Marokko zurückgetretea- Der jetzt 60jährige Steeg, der an verschiedenen französischen Universitäten Jurisprudenz dozierte, betrat 1904 die politische Laufbahn: Er hat Frankreich in wichtigeil auswärtigen Missionen vertreten. Er war UnterrichtSr minister in den Kabinetten Monis, Caillaux, Bwand und Innenminister in einem der Kabinette Poincar6. 1920 wurde er zum Ceueralgouverneur von Algier ernannt, verließ aber im gleichen Jahre dieses Amt, um als Innenminister in das Kabinett Painleve" einzutreten. Später folgte er Marschall Lyautey im Amt eines Generalresidentea von Marokko. Der Weltverband jüdischer Studenten, Im Internationalen Institut für intellektueffle Zusammenarbeit im Palais Royal in Paris begann am 3. Jänner eine Tagung des Zentralrates des Weltverbandcs! der jüdischen Studentenschaft. Der Präsident des Weltverbandes, Dr. Lauterpacht (London), hielt ein Referat? über die Zukunftsarbeit des Verbandes, der Generalsekretär L. Steinig (Wien) berichtete über die bisherige Tätigkeit des Verbandes, M. Ston$ referierte über den gegenwärtigen Stand des Numerus clausus. Es folgten Referate von Dr. Pachtmann über die wirtschaftliche Tätigkeit des Verbandes, von M. Stanhilf Über „Das Studentenhaus", von Dr. Ch. Hoff mann über die Kulturarbeit des Weltverbandes, (Zu federn Abendkleid) fertigt die Schuhfabrik Us» siansky. Vil, K?:seiStraße 46, aus mitgebrachten Mate«« rialiea den derzeit passenden Abeudscuua au, ß