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Die neue Welt · 1929-01-11 · Heft 69 (11.1.1929) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 69 (11.1.1929)
Date
1929-01-11
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seffe S DIE NEUE WELT tit. 69 ffs m. ' Praktisch, bequem und billig \B323IÖ ' ° , OHRFÄUTEUI« - SCHlAFfAUTEOltt ALS BETT VERWENDBAR , OiMxr MM MPtMfflAMtliTW T<6öMtzsohn w.skbw3töwg 12 nicht nur für den jetzigen, sondern für den jeweiligen. Aber kann man diesen Beteuerungen Vertrauen schenken? Wie viele Etappe» auf dem leidensvollen Wege der Ägehcy liegen schon hinter uns, die von den einen oder von den anderen als unüberbrückbare Hindernisse bezeichnet wurden? Von der Zeit der Verzieh tieist ung atif die Priorität Palästinas an. Allmählich wurde die Widerstandskraft der Zionistischen Organisation ertötet, und so kann man heute kaum von irgendeiner Forderung mit Sicherheit behaupten, daß sie für die Majorität ein „non poMumus" bilden wird. Zu einem non possumus gehört ein Maß von Selbstvertrauen, das durch die Politik der Iefzten Jahre systematisch Untergraben wurde. Die Wahl in Tel-Awiw, Heftiger Wahlkampf bei enormer Beteiligung. — Niederlage der vereinigten Arbeiterpartelen. — Die verhängnisvolle Kiste aus Wien. In der Stadt Tel-Awiw, welch« ais Produkt jüdischer Arbeit, als Schöpfung jüdisch-nationalen Aufbauwillens den Stolz Palästinas und der gesamten volksbewußten Judenschaft bildet, fanden in der Vorwoche Wahlen für den Gemeinderat statt. Der Verlauf des Wahlkampfes und sein Resultat verdienen besondere Aufmerksamkeit,'weil in ihnen Tendenzen zutage treten, welche das politische und ökonomische Leben des ganzen jüdischen Palästina beherrschen. Es war ein Kampf zwischen der sozialdemokratisch organisierten Arbeiterschaft und dem Mittelstande. Die Bezeichnung „Kampf zwischen Arbeit und Kapital" wäre unzutreffend, weil es zur Bildung einer geldstarken und mächtigen Gruppe, welche den Titel „organisiertes Kapital" in Anspruch nehmen könnte, bisnun nicht gekommen ist und in absehbarer Zeit auch nicht kommen dürfte* Den organisierten Arbeitern, standen — nach europäischen Begriffen — kleine Kaufleute, Gewerbetreibende, Hausbesitzer und Angehörige gewisser freier Berufe gegenüber. Die Wahl wurde sehr wichtig genommen. 92 Prozent aller Wahlberechtigten nahmen Anteil. Gewählt wurden: 5 Vertreterder Parteien der A r be it-.es s c h a-f3, . 4, Vertreter des m i 11 e 1s t ä n d i s c h e n Zentrum s, 2 Vertreter der r>aufmannscha f t. (polniscrje, .Landsmannschaft)* 2 Vertreter des Hausbesitzervereines, 1 Vertreter der zionis.tisch-religiö'S'en Gruppe Mis.rachi und ein Vertreter der K1 e. i n k a u f 1 e u t e. Also ein Drittel Arbeiter gegen zwei Drittel Mittelständler. Mehrere Jahre hindurch beherrschte die Arbeiterorganisation die Gemeindeverwaltung von Tel-Awiw. Der Gründer und erste langjährige Bürgermeister Dizengoff und seine Freunde mußten weichen. Noch bei den vorletzten Wahlen zogen die organisierten Arbeiter so stark ein, daß ihnen der Bürgermeisterposten zufiel. Dalier bedeutet diese Wahl für sie eine schwere Niederlage. Sie sind ins Hintertreffen geraten. Sie werden von nun ab die Verwaltung wohl in bestimmten Maße beeinflussen können, aber in den Hauptfragen nicht mehr entscheiden. Zur Niederlage der Arbeiterschaft haben die Maßnahmen der britischen Palästinäregierung, welche das demokratische Wahlrecht der Stadt eigenmächtig einschränkte und von der Leistung einer, wenn auch kleinen Steuer abhängig machte, nicht wehig beigetragen. Wenn aber die Niederlage darüber weit hinausging, so ist das den vehementen Anklagen zuzuschreiben, die diesmal von der Gegenseite gegen die ArbeiterverwaUung erhoben wurden. Trotz rücksichtslosester Besteuerung des Mittelstandes, welche Produktion und Handel gefährdet, sei unter der Arbeiterregierung eine Schuldenlast von zweih ü n d e r'-t sechzig t a u s e n.d P f u h d (8.5 Millionen österr. Schilling) aufgelaufen. Ungeheures Anwachsen des Peamtenapparates durch , sinn- und wahllose Anstellung von P a r t e i ä n g e h ö r 1gen. Systematische Ausschaltung jeder ehrenämtlichen Arbeit für die Gemeinde. Als Beweis: Erst über Drängen des Bürgerblöcks, welchem die Arbeitermajorltät angesichts der desolaten Finanzlage nicht länger?ü widerstehen wagte, sind s e c h z l g ü b e rflüssige städtische Beamte entlassen worden. Durch ihre Bankrottwirtschaft hat die Arbeiterregierung die Gemeinde gezwungen, sich an die Regierung um Hilfe zu wenden. Se'ther hat die Gemeinde Ihre Selbständigkeit eingebüßt und muß sich dem Diktat eines von der Regierung eingesetzten Komriiis$är$ fügen. Die Arbeiterschaft erwiderte, daß sie Schulen, Kindergärten, eine Krankenanstalt eingerichtet' und das Straßentirid Wasserleitungsnetz verbessert; also Aktiven geschaffen habe, welche in Berücksichtigung zu ziehen seien. Auch seien durch Krisen Im Wirtschaftsleben Steuerrückgänge verursä'ht worden, welche nicht vorauszusehen waren. Aber die Argumente der Mittwlständler erwiesen sich als stärker. Wie weit die Gegensätze gediehen sind, geht unter anderem auch daraus hervor, daß die während der Wahlen gebildete mittlere, mehr links gerichtete Partei der Demokraten nicht zur Geltung kommen konnte. Diese unter Führung des Chefredakteurs des Tagblattes „Haarez" stehende Gruppe konnte nicht ein" einziges Mandat erringen. Und doch werden Mittelständler und Arbeiter den Weg zur gemeinsamen Aufbau- und Verwaltungsarbeit finden müssen. Die Wahlen haben den Arbeitern eindringlich gezeigt, daß Ueberhebficbkeit gegenüber anderen schaffenden Gesellschaftsschichten und ein Regieren gegen diese unsinnig und in Palästina unmöglich ist. Die Mittelständler ihrerseits werden erkennen müssen, daß eine Verwaltung nicht gegen und ohne Arbeiterschaft geführt werden kann. Beide werden sich auf den wahren Zionismus besinnen müssen, der a 11 e S c h i c h t e n des jüdischen Volkes zur gemeinsamen Arbeit aufgerufen hat. '* " ■ Vielleicht hat eine große Kiste, welche vor einigen Jahren von Wien nach Palästina gebracht wurde, etwas zu dieser unerfreulichen Entwicklung beigetragen. Damals kam der Ffnanzreferent der städtischen Arbeiterregierung von Tel-Awiw, Herr Twersky — er war also in Tel-Awiw das, was Herr B re i t n e r in Wien ist — nach Wien. Er hatte von der sozialdemokratischen Verwaltung Wiens so viel Gutes und Schönes gehört , und wollte studieren, um einen Teil des Wiener Segens auch nach Tel- Awiw bringen zu können. Im. Wiener Raihaus wurde der Gesinnungsgenosse und Kollege aus Palästina freundlichst empfangen. Man zeigte ihm alles Schöne und Gute und überreichte ihm .als Abschiedsgeschenk NEUERÖFFNE iE KEICHHALHOE MODtRNE LEIHBIBLIOTHEK ORR BÜCHERSTUBE M. RATH WIIN, II., TABORSTRASSE Nr. 20« TEL. R-43-1-58. ALLE NEUERSCHEINUNGEN! j REICHE AUSWAHL IN M8BRAI* A UNO JUOAIKA in englischer und französischer Literatur MONATSGEBUHR NUR53- KEINE BANDÖEBÜHR! TÄGLICHER UMTAUSCH! eine Sammlung aller Steuervorschriften und Gebührenerlässe der Stadt Wien. Eine ganze Kiste voll. Mit dieser Kiste fuhr der Herr Finanzreferent beglückt heim und hat dann, allem Anscheine nach, den Inhalt dieser Segenskiste allzu reichlich über Tel- Awiw gegossen. Er hat unglücklicherweise zwei Dinge nicht gehörig beachtet Erstens den Umstand, daß es neben vielen von der Gemeinde Wien sicher geschaffenen schönen und guten Dingen auch eine unter schier unerträglichen Lasten seufzende, verarmende Bevölkerung gibt. Zweitens die Tatsache, daß das heute geschwächte Wien doch eine Stadt ist, welche noch ungeheures, in der Vorzeit aufgestapeltes großes Kapital in sich birgt. Da kann man noch manches heraussteinern. Was aber Wien gerade noch verträgt, kann das junge, kleine Tel-Awiw gewiß nicht ertragen. Auf Bahnen und Schiffen gehen so viele Kisten verloren. Ausgerechnet die K'ste des Herrn Twersky ist nicht verlorengegangen. Jüdisches Pechl AUS PALÄSTINA. Das Defizit der Regierung. Das Defizit im palästinensischen Staatshaushalt in den ersten zehn Monaten' des Jahres 1928 (l. Jänner bis 31. Oktober) betrug 711.265 Pfund. Das Defizit ist erklärbar durch die Tilgung der Anleiheschulden, wozu in der Berichtsperiöde 820.164 Pfund -verwendet worden sind. - Laut einer im September In der „Officiäl Gazette" erschienenen Mitteilung der Palästina-Regierung betrug das Defizit Im Staatshaushalt im ersten Halbjahr (Jänner- Juni) 1928 146.619 Pfund (Einnahmen: 167.070 Pfund, Ausgaben: 1,313.609 Pfund). Chancellors Unterredung» mii den Jaffaer Rabbinern. ': y'.\ '*v *i ' -f . ' vvt-' ^i**^-'^'?}^1 ' v- ."' "C Oberkommissar C h"änce 11 o r." empfing den asch- -.* ■•• * '.' r .' »' .■'.'< f >'"■ t t . kenasischen und! den sephardischen Rabbiner von Jaffa, Ä a fonsoh n und ITzi e t. Der Oberkommissär schloß die Ansprache mit der Bemerkung,- der Bau des jüdischen Natjonalheims erfordere drei Dinge: Idealistische Hingabe, nationale Einheit, imdeine gesunde wirtschaftliche Basis. , Beduinenangriff auf die Felder von Chedera. Am 2. Jänner erschien ein Trupp Beduinen auf den Feldern der jüdischen Bauern der Kolonie Chedera, vertrieb die Kolonisten und zerstörte die Zäune. Sie erklärten den Kolonisten, der Boden gehöre ihnen. Die herbei-, gerufene Polizei verhaftete .die angreifenden Beduinen, Heß sie aber gegen Kaution wieder frei* Es handelt »Seh um einen Beduinenstamm, der. seit vjelen Jahren auf den Feldern der Kolonie Chedera sein I Vieh weidete, ohne hierfür; ein Entgelt zu leisten oder sonst irgendwie Rechte auf den Poden zu haben. Die Kolonien haben iifonen auch weiter frön das Weiden des Viehs freiwitH'g geslattet. Als. dann diese Felder in Anbau ge-! nommen wurden, fanden sich die Beduinen, denen andere Weideflächen zur Verfügung stehen, mit dieser Tatsache ab. |n der vorigen Woche, aber besuchte sie der berüchtigte arabische Hetzer W ad i e B.u s t a n 1, der schon öfter arabische Beduinen gegen jüdische Kolonien gehetzt hat, und forderte sie auf, Ihr vermeintliches Recht an dem Boden der Kolonie Chedera durch gewaltsame Besjtz» ergreifung geltend, zu machen. Bettelverbot In Jerusalem. >; Der Magistrat . von Jerusalem hat eine Verfügung erlassen, wonach in ganz Jerusalem das Beiteln verböten ■»n_i_L_i_j._V l '■'■ii' in il'-i i> ' ' '' ------- i i ' ~"-ir*'-r- -• ---- '* Seit Eröffnun* ihrer Abteilung für Spreohapparate hat di-e ..Olso" Ei staunliches geleistet. Die besondere Beliebtheit der von der „Olso" gelieferten erstklassigen Sprechapparate sowie die Kulanz und fachmännische Bedienung hat die Sprechrmschinenabteilung der ,Olso" zu einem führenden Unternehmen dieser Branche gemacht. Als besonderen Teweis Ihrer außerordentlichen I eisrungsfähig'keit bringt die Firma ihren vorzüglichen .Olso'phön" auf den Markt. Dieser Apparat zeichnet sich durch erstklassige Ton" iederKabe aus und ist zufolge seines, niedrigen Preises von S 100 auch für den Minderbemittelten erreichbar. Das,.,Olsophon" wird auch gegen bequeme Teilzahlung abgegeben _ ■ E _ An unsere teser!' Wir bringen hfemlt zur Kenntnis, daß das bekannte tousikhaus Bxceisior. Wien, L Adlergasse 5 und 11., Kleine Flarrgasse 28. sein reichhaltiges Lager in Jüdischen und hebräischen Schallplatten durch die neuesten original amerikanischen Aufnahmen kantöraler und jüdischer Ges.fnge ergänzt hat. Zu Propagandazwecken wird eine große Serie von Sohallplatten an dle'enlgen Leser unseres Blattes, die sich auf diese Ankündigung berufen, zu bedeutend ermäßigten Preisen abgegeben, E sei. Die jüdische Gemeinde von Jerusalem bes+eht darauf, daß die unmittelbare Umgebung der Klagemauer» wo zahlreiche jüdische Familien von den milden Gaben der Klagemauerbesucher leben, von dieser Verfügung nicht betroffen werde. Die jüdische Flagge. Aus Tel-Awiw wird berichtet: So o't es sich in früheren Jahren bei Landesfeiern oder jüdischen Festlichkeiten darum gehandelt hatte, durch die Hissumg der jüdischen Fa^ne als naMonales Symbol zu demonstrieren, entstand in der Regel ein peinlicher Wirrwar in der Zusammensetzung der Farben der jüdischen Naionalflagge- Man sah Fahnen, die blau-weiß-blaue Streifen hatten- Andere wieder benützien e'ne Fahne, die eigentlich, weißblau-weiß war. Minedritte Gruppe wieder hängte eine einfache blau-weiße, Fahne heraus. Dieser Mangel einer Einheitlichkeit veranfaßte die Araber und auch die Fremden zu ironischen Glossen. Um hier Ordnung zu schaffen» wurd2 ein Komitee einrrer.etzt, dem eine Anzahl führender Persönl'chkeiten ange" örie, und welches nach mehrfachen Beratungen die Form und die Farbenzusammensetzung der jüdischen Nationalflagge wie folgt festgesetzt hat: Die Gesamtfläche einer normalen Fahne be'rägt 160 zu 170 Zentimeter. Sie hat auf beiden Rändern zwei blaue Streifen in der Länge, je 15 Zentimeter breit. In der Mitte ist ein weißes Feld, auf welchem ein in blauer Farbe gehaltener Magen David sichtbar ist. Die textilfabrik Barkay in Bene-Berak hat über Auftrag des Komitees bereits eine große Anzahl solcher Fahnen her gestellt, Welche an die verschiedenen Hauseigentümer und Parteien abgegeben werden. Sowohl der Fa^nenstoff als auch der Blaudruck ist palästinensisches Produkt. Es soll darauf geachtet werden, daß fortab nur die als Nationalflagge akzeptierte Fahne bei offiziellen Anlässen verwendst we de. Es wird der Hoffnung Au: druck gegeben, daß d:ese Form der jüdischen Nationalflagge in der ganzen Welt von den Juden anerkannt und verwendet werden wird. So soll die Einheitlichkeit in der Fahnenfrage hergestellt werden. Zwanzig Jahre Tel-Awiw. Große Vorbereitungen für die Jubiläumsfeier. Aus Palästina wird uns geschrieben: In den Halb» feiertagen des kommenden Pe.sachfesea werden es zwanzig Jah e, daß der Grundstein zu der ers'.en großen jüdischen Stadt Tel-Awiw gelegt wurde. Das Jubiläum soll in besonderer Welse gefeiert werden. Die Vorbereitungen h'.ezu werden bereüs getroffen. In einer im großen Stad'garten, zu veranstaltenden Ausstellung wird der Werdegang und die Entwicklung der Stadt dargestellt werden. Zu den JuHläumsfelerlichkeiten wer den viele angesehene Persönlichkeilen des paläs'inensisthen und ausländischen, juden'ums erwartet. An d'.e führenden Organisationen sowie die jüdischen Vertreter der Wissenschaft, Kunst und Industrie der ganzen Welt wer den eigene Einladungen ergehen. Die amerikanische Palästina- Wirtschafts-Korporation. 2,300.000 Dollar für Palästina bestimmt. Aus New York wird, uns gemeldet: Bernard FI ex n er, der Präsident der 1925 durch die von Louis Marshall einberufene Unparteiische Palästina-Konferenz gebildeten Palestine Economic Corporation, veröffentlicht eine Erklärung, in welcher er von dem Beschluß der Exe-

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