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Die neue Welt · 1929-01-11 · Heft 69 (11.1.1929) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 69 (11.1.1929)
Date
1929-01-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. m DIE NEUE WELT hart am 7. Jänner 1928 an „Die Stimme" gesendet und deren Abschrift er mir zur Verfügung gesteilt "hat: 1. Wenn mit dem Gesinnungsgenossen aus Innsbruck Herr Ingenieur B e r g e r gemeint war, der zuerst bei Herrn Dr. Goldhammer in der Sache intervenierte, so hat derselbe ein vollständiges Stillschweigen über* haupt nicht verlangt, sondern um eine gemäßigte Haltung Ihres Blattes gebeten. Es konnte Minen daher eine Efltlfe»ng, wie sie in Ihrem Artikel dargestellt war, gar niefit gegeben werden. 2. Daß ein Fehlurteil, welches einen Juden betrifft, vorlag, war nicht nur der „Stimme" bekannt, •sondern allen gerechten Juden und Niichtjuden dieses Landes. 3. Der wahre Sachverhalt ist. der, daß Herr Dok- tor Goldhammer am Morgen des 18. Dezember, als noch genügend Zeit w^, den Artikel der „Stimme" zurückzuhalten, mir am Telephon ausdrücklich erklärte, daß er die Unterlassung des Artikels sofort veranlassen werde. Hiebei war Herr Dr. Goldhammer von mir dahin unterrichtet worden, daß „D i e Neue Weit" über die Sache vollständiges S MM sch weigen vorläufig bewahren wird. 4. Herr Stricker berichtet also nicht ungenau, sondern der Wahrheit gemäß, denn es war Mim über unsere Intervention, die im Auftrag der Familie des jungen Halsmann geschah, ä u <s s c h H e ß J i c h u m d a s Lebendes letzteren zu tun. ' 5. Es ist unrichtig, daß der Schutz des Schwachen durch Stillschweigen diesmal mehr als fragwürdig war. Richtig ist, daß die Familie dos jungen Halsmann auch mich persönlich beauftragte, die jüdische Presse von der Behandlung des FaJles vorläufig abzuhalten, weil dies aHein im Interesse des Lebens des Verurteilten lag. Ich glaube, daß der Mutter und den Angehörigen des jungen Halsmann die Angelegenheit mindestens so wichtig war wie Ihrem Bjatte. 6. Wahr ist schließlich, daß Herr Dr. Goldhammer im Gegensatz zu der Auffassung, die er in der „Stimme" darlegte, mir in einem Briefe vom 21. Dezember als einzigen Grund, daß der Artikel überhaupt gebracht wurde, die technische Unmöglichkeit darlegte, den bereits gedruckten Artikel nicht mehr eliminieren zu können. Brief des Herrn Ingenieur R. Berger, welcher im Auftrage der Famd-We Hals man« und der limsbrucker Zionisten bei mir 'intervenierte: „Innsbruck, am 30. XII. Aus der letzten Nummer d-er ,yNeuen Welt" ersehe ich, daß Dir aus dem Stillschweigen Deiner Zeitung, den Fall Halsmann betreffend, Vorwürfe gemacht wurden. Ich bin davon überzeugt, daß Deine Aufklärungen genügt haben werden, um Deine Haltung als v o 11 kommen richtig anzuerkennen. Es tut mir leid, daß „Die Stimme" nicht den gleichen Standpunkt eircgehaiten hat. umsomohr, als die Aufmachung sowohl als der Inhalt der Ausführungen der „Stimme" nur angetan sind, der Sache selbst zu schaden. Obgleich ich weiß, daß Du rücksichtslos nur das tust, was Du vor Deinem Gewissen vertreten kannst, daher ijiicht aus persönlicher Freundschaft Deine Zusage gemacht und eingehalten hast* und obgleich .ich, auch weiß, daß Du auf Dank nicht rechnest, wiili ich Dir mit diesen Zeilen dafür danken, daß Du d^s in der Sache'e i n z i g Rieht i g e getan hast, u n bei r r. t v o n d er Haltung anderer 'Zeitungen.' Zur Besprechung des Fa.He» wird sich noch Gelegenheit finden und will ich Dir dann dafür Material liefern." Brief des Herrn Rechtsanwaltes Dr. Taubes an die „Neue Welt" vom 5. Jänner 1929. ..„Herrn Oberbaurat Robert Stricker, Herausgeber der „Neuen Welt", Wien, IX. — Gestatten Sie, . sehr geehrter Herr Gesinnungsgenosse, daß ich Ihnen ■ zur ' Ste«u er der Wahrheit folgendes mit dem Ersuchen, um V e r ö f f e n 11 i c h u n g in der „Neuen Welt"" mitteile:. . Anläßlich einer Diskussion über die Haltung der „Neu e n Wejt" und der vom zion. Landeskomitee herausgegebenen „Stimme" im Falle Halsmann er» klärte .der- Präsident des zion; Landeskomitees und Herausgeber .der „Stimme", Herr Dr. Leo Goidh.a m m e i:n m e in er Gegenwart und in . Gegenwart ' von, z w e i a n d e r e n G e s i n n u n g s g e 11 o ssen, er habe nach seiner Rücksprache mit dem Innsbruck^ Gesinnungsgenossen sich sofort mit dem Redakteur seines Blattes wegen I n h i b i e r u n g v o n V e rö.f f e n,t Ii c h ungen in der Sache Haismann in Ve>« bindung gesetzt und bei diesem Anlasse erfahren, daß das Blatt bereits vollständig gesetzt und umbrochen seil Es sei' daher aus technischen Gründen unmöglich gewesen, die Artikel in der Sache Halsmann nicht er s c h e.i ne n zu lasse n.. Auf meinen Vorhalt, daß. die Zeitung erst etwa lVs Tage später erschienen sei, erklärte Herr Dr. Goldhammer, daß der Druck der Zeitung aus iriterheh Gründen später erfolgen mußte. Der Herausgeber der genannten Zeitung hat 1 somit — vielleicht ungewollt — zugegeben, daß auch er ii:rs0.rünglich.die Absicht hatte, über den Fall H,a 1 s m a n n 1 m d a m a i i g e n S t a d i u m d e r S a c h e a.uf ..Grund der Intervention des Inns» byrupker Gesinnungsgenosse^ nichts zu' br in gen. Es muß daher ganz sonderbar anmuten, wenn seine Redaktion in einer läppischen „Poleml'k" gegen Sie Berücksichtigung des begründeten V c r-. Ira n g.e n s uns/erer Gesinnungsgenossen in Innsbruck und der Bi-tteder u n g 1 üc kli che n M ti 11 e r des Ver* u r t e.i 11 e n. als , ,,p u b 1 i z i s t i s c h e n Fehle r" und .eine vom m e n s o h Heften.und jüdischen Standen n kt e u n v 6 r ü n t w or t i i c h e Handlung h i nzlu 's te 11 e h v e r s u c h t. Die Beantwortung der Frage, auf wessen Seite vom „menschlichen und jüdischer} t^ndpumkte" gefendelt wurde, kann der Oeffentlichkeit g^rost überlassen werden. Mit hochaehtiingsvolleh Zionsgrüßen Dr. David Taubes." Durch . Vorlage dieser Dokumente glaube ich dargetan zu haben, wie es um die Wahrhaftigkeit und den Stolz jener bestellt ist, welche mich in „Die Stimme" angegriffen Jityb^n, welche sich als.die pflichteifrigen Vertreter der ver- *9!&le.n Judenschaft und mich als pflichtvergessenen und naeyh: Ausreden für seine ..Unterlassungen" suchenden Journalisten hinstellen. Sich als die der jüdischen Sache Treuen, ..mich als den „Sensationshascher". Wenn ich der Angelegenheit soviel Raum gewährt habe, geschah es nutv Seite 5 um Unwahrheiten wegzuräumen. Den persönlidhen Angriffen entgegne ich nicht, weil ich die Angreifer kenne und deshalb nicht in Erregung gerate. Nur ein Umstand erweckt in mar Bedauern: Ich gehöre der Zionistischen Organisation Zeit meines Lebens an, und es tut mir leid, daß das offizielle Blatt dieser Organisation, meiner Organisation, in solchem Geiste geleitet wird. Robert Stricker. Der Halsmann-Prozeß. Der Untersuchungsrichter und der Staatsanwalt aus dem Gerichtsdienst ausgetreten. Der Untersuchungsrichter und der Staatsanwalt im Prozeß gegen den jüdischen Studenten Halsmann, der vom Innsbrucker Schwurgericht auf Grund schattenhafter Indizien wegen Vatermordes zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt wurde, sind plötzlich aus dem Gerichtsdienst ausgetreten. Hiefür kommen nur private Motive in Betracht. Eine Entscheidung darüber, ob der Prozeß neu durchgeführt wird, ist bisher nicht gefallen. Wie wir erfahren, ist der Untersuchungsrichter ins Ministerium für soziale Verwaltung nach Wien versetzt worden. Der Staatsanwalt, welcher Dozent für Strafrecht an der Innsbrucker Universität war, soll zum Nachfolger des Professors R i 11 e r ernannt werden und ist nach Wien zum Professor G! e i s p a c h berufen worden, um hier über die Einrichtung eines Seminars in Innsbruck orientiert zu werden. Aus dieser Sachlage ergibt sich, daß die Ernennungen schon vor dem Prozeß verfügt wurden, mit dem Urteil und der Angelegenheit überhaupt in keiner Verbindung stehen. i Auch Sie müssen unser OLSOPHON haben! PREIS S 100.- * Bequeme Teilzahlung! Unsere Spezialabteilung in I GR AMOLA-u COLUMBIA- 1 Apparaten sowie unsere rei ch e Auswahl in > §§ Künstler- und Tanzplatten § bietet jedermann besondere Vorteile §= Bequeme Teilzahlungen! § Wien, I. Bellarlastraße Nr. 12 I - Telephon B-39-5-70/71 f .................................. il Der letzte Schritt. Von Dr. Max Soloweitschik, Berlin. I. Die letzte Sitzung des Aetions-Comite war in gewissem Sinne eine der bedeutsamsten Tagungen seit vielen Jahren. Frei von den die sonstigen Tagungen beherrschenden Budgetdebatten, gab diese Session die Möglichkeit, sich in die im Mittelpunkt des zionistischen Interesses stehenden Fragen viel mehr zu vertiefen, als es gewöhnlich der Fall war. Den Brennpunkt der Tagung bildete auch diesmal selbstredend die Frage der Erweiterung der Jewish Agency. Auch die Juli-Tagung befaßte sich bekanntlich vorV nehm lieh mit diesem Pnibllni; der Unterschied bestand aber vor allem darin, daß; wah rend der Juli-Session die Edelklinge ate einzige tehte «elitw . . dUikn W*Hmmrk+ macht Rttsieten sunt Vergnügen. sozialen Fragen, zum Teil künstlich, in den Mittelpunkt der* Diskussion gestellt wurden, und auf diese Weise konnte der unmittelbare, der direkte zionistische Inhalt der Frage, ihre nationale Bedeutung und ihre organisatorischen Auswirkungen in-den Schatten gestellt werden. Diesmal gelang es, tlas gesamte Problem' auf dem Ürbirden, auf dem es entstanden ist, unter die Lupe zu nehmen, und die Diskussion über die Erweiterung rUr Agency gestaltete sich zu einer Auseijmndersqtzürig übet die Grundproblerae Jci z i o n i s tisch e n Bewegung und der zionistischen Organisation,; Wie bekannt, stand auf der T.jge.-;ordnunyr neben der Ratifizierung des New Yorker Abkommens: zwi* sehen Weizmann und Marshall, die bei dem gegenwärtigen Verhältnis der Kräfte eine jure Fornialität. war, vor allem . «die Frage der Organisation der Agency, di^ 'nach dem Willen der jetzigen Majorität nunmehr, gebildet werden soll. Eine Reihe dieser Orgtinisations" fragen sollen noch Gegenstand von Verhandlungen mit tjen. sogenannten Nichtzionisten bilden, andere beziehen sieb auf Zustände, über die die Zionistische Organisation' selbst zu entscheiden hat, sie -ind aber für die zionistische Oeffentlichkeit noch neu, konnten in den Gremien, aus denen unsere Organisation bestojit, noch nicht besprochen werden, und ans diesem Grunde hat <?s das Aetions-Comite für richtig befunden, die Diskussion all dieser Fragenn hinter geschlossenen Türen zu führen. Dieser Umstand hemmt in gewissem Sinne a'nch die freie Aussprache, auch in der Presse, aber so weit es angeht, sollen die Hauptlinien dieses: Fcagenkprnplexes gekennzeichnet werden Junges hochgebildetes Fräulein der besten Gesellschaft angehörend, langete Zeit im Ausland gelebt, erteilt erstklassigen franz. u. engl» Unterricht an Anfänger. — Günstig« Bedingungen. M.S. IX., Fechtergasse 10/22. Vor allem ist zu verzeichnen, daß au« der Diskussion erst klar wurde, wie wenig die Argumente, liiit denen die Opposition seit Jahr und Tag gegen die Agency zu Felde gezogen ist, beachtet, ja zur Kenntnis genommen wurden. Mit Ausnahme einiger — meistens »waren es Funktionäre der Organisation — stand die überwiegende Majorität vor den Konsequenzen, : die sich für die Organisation nunmehr ergeben müssen, wie vor einem vollständigen Novum, obgleich in unseren Kongreßredcn und Artikeln diese Konsequenzen schon vor vielen Jahren als unabwendbare Notwendigkeiten geschildert wurden. Aus dem Kreise der Anhänger der Weizmänn-Politik, aus dem Munde'erfahrener Kongreßpolitiker konnte man als etwas für sie gänzlich Unerwartetes vernehmen,,. (, ' : . daß nunmehr die Zionistische Organisation als solche vor einem Vakuum stehen wird, ohne Auf-. gaben, ohne Impulse für ihre Propaganda; daß der Kongreß ein Anhängsel der Agency werden und seine Bedeutung vollkommen einbüßen wird; daß der Organisation, nachdem sie keine gemeinsame Aufgabe mehr für sich als geschlossenes Ganzes' haben' wird, der Zerfall in ihre Bestandteile, wen» nicht vollständiger Verfall drohen wird. Es waren mit; kleinen Variationen Wiederholungen unserer Argumente, die damals als oppositionelle Schwarzseheren ' verschrien wurden. Nun stand es wie eine greifbare Realität auch vor den Augen der Ja-Sager. Wir haben seit Anbeginn dieses unheilvollen Kurses immer wiederholt, daß nicht die Kooperation mit den Nichtzionisten dasjenige ist, was uns zuin Kampf immer wieder auffordert, sondern vor allem die widersinnige Konstruktion der erweiterten Agency, das unsinnige fifty-fifty-Prinzip, welches dem lebendigen . Organismus, der Zionistischen Organisation .ein totes Schema zum Partner zu geben beabsichtigt und auf diese Weise durch das ertötende Prinzip auch die Zionistische Organisation zum Tode verurteilen wird. Wir haben immer wieder auf die organisatorischen Konsequenzen», die sich daraus ergeben werden und die alle, Grund-- sätze des Zionismus auf den Kopf stellen müssen, hingewiesen; unsere warnende Stimme wurde';hicht nur nicht beachtet, sie wurde — wie wir jetzt sehen — auch gar njeht vernommen, und jetzt, da diese Konsequenzen zur Notwendigkeit werden, stehen viele Anhänger der offiziellen Politik verwirrt da, als ob das alles für sie ein vollkommenes Novum sei. Man hatte das Gefühl, mehr als des, man hatte bezüglich großer Kreise der zionistischen -Vertreter mit Bestimmtheit behaupten können, daß, wenn sie heute im Lichte der sich ihnen „plötzlich" offenbarten Wirklichkeit den Beschluß^ fassen müßten, den Agency-Weg prst einzuschlagen, ihr Votum anders ausfallen würde als vor vier und vor sechs Jahren; immer wieder hörte man den Refrain: „Was ist jetzt zu tun? Wir sitzen schon zu weit drin.4' Auch jetzt gibt es noch Minimalforderungen, von denen die Majorität Ipder ein Teil derselben) behauptet, , dae deren Erfüllung für sie conditio sine quo uon ist. Dazu gehört zum Beispiel für viele die Frage der verfassungsmäßigen Sicherung de*' Präsidentschaft der Agency für den Präsidenten der Zionistischen Organisation,

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