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Die neue Welt · 1929-01-11 · Heft 69 (11.1.1929) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 69 (11.1.1929)
Date
1929-01-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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/ Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 69 Der Btthnen-(9el!erfolsr "g&WSiT^X SCHWEDEN-KINO II. TABORSTRASSE 1-3 einer großangelegten Rede aufdie 'No t w e n d i gkeit der Fortsetzung' derUelbständigen innerjüdischen politischen Arbeit hin. Der Beschluß betreffs der Jewish Agency lautet: „Der 8. tschechoslowakische Ziohistenfag begrüßt die Beschlüsse der letzten r Aktionskom|teea!itzüng ' bezüglich der Jewish Agency, einschließlich der Annahme der Anträge der ArbeitervertreteT hdztiglich der' Freiheit der Siedlungsform, der Selbstarbeit und der Aufnahme von Verhandlungen mit de;n jüdischen nichtzionistischen Arbeiterparteien Amerikas über deren Eintritt in die Jewish Agency." Andere Beschlüsse betreffen die Gründung einer Tarbuth-Övganisation, wie sie durch das Zentralkomitee beschlossen - wurde, die Aufbringung von I0.0Ö0 Pfund für den Keren Kajeineth, im Jahre 1920, die Forderung nach mehr Zertifikaten für tschechoslowakische Chaluzim,. die Errichtung zweier politischer Sekretariate in Prag und Karpathtf* rußland u. a. m. Die Wahlen ergaben das folgende Resultat: Präsident der Landesörganisation ist Dr. Joseph Rufeisen (A.-C.-Mitglied), Mitglieder der Exekutive sind: Direktor L. Eisner, F. Frankel, Dr. F. Kahn,' J. Krieger, Dr. E. M ü 11 e r, Mila M u s i 1 (Wizo), Kurt Thieberger. Sitz der Exekutive ist Mäh r.- Ostrau. Der Exekutive zur Seite steht ein Zentralkomitee aus 40 Mitgliedern (21 allgem. Zionisten, 8 zion. Sozialisten, 6 Radikale, 4 Revisionisten, 1 Wizo). Aus der Wiener Auf den Bergen wohnt das Hakenkreuz. Die Sitten des Alpen Vereins. Irn Budgebausschuß des österreichischen Natiionairates kamen am A. Jänner, die Manieren des Deutschen und. öesterreichisoh;en Alpenvereines zur Sprache, der den; ArieTpartagraphen in sedtien Hütten handhabt. Der. söziiaifdemö'kra%c!}ie/,AbrgeoT^ De u tseh. .wandte' sich, dagegen, daß Wliiäf dazu ve-fwenÜet "wird, für den Alpenverein Wege"herzustellen. 'Bs istunzulässig»" sagte der'' Redner, daß dem Deutschen und Oesterredchischen Alpenverelh, den man gewiß nicht als einen unpolitischen Verein bezeichnen kann, solche einseitige Begiinstgungen auteil werderi. ' ' Abg. Geislcr: loh bin 30 Jähre Mitglied, des Deutschen und Oesterreidhischen Alpenvereines und habe nochnie etwas gelhört, daß dieser Verein ein poetischer Verein sein sOH. Der Verein ist d-er .edelste und selbstloseste, den es gibt! Abg. Dr. Deutsch: Ein Verein, der, w*e der Deutsche und Oest&rreichische Alpenveredn. den Arierparagraphen aufgenommen hat, der. ain s-ednen Hütten das Hakenkreuz trägt, ist gewiß ein politischer Verein. Abg. Dr. Geisler: Ich bin 28 Jahre im Gebirge und es hat sich in dieser Zeit nie ein Fall ereignet, daß von der Wamsdorfer- oder Kürsinger-Hütte irgend jemand weggewiesen worden wäre! Agb. Dr. Deutsch: Es ist einwandfrei festgestellt, daß Bürger unseres Staates in Hütten des Deutschen und Oester reichischen Alpenve-reines 4 er Zutritt v e rwefo-rt wu-rde und" daß Hütten die Inschrift tragen: „Juden i&t der Eintritt verboten!" Der Deutsche und Oesterreichische Alpenverein ist eine Avantgarde der Hakenkreuzler, das H ake nk r eu zier tu m herrscht dort an deT extremsten Richtung und hat die Führung in diesem Verein, der vom Heeresministerium dadurch unterstützt wird, daß die Wehrmacht dazu verwendet wird, um Wege. für den Deutschen und Oesterrefohischen Alpenverein zu bauen. Dagegen verwahre ich mich. ' Der Verband ungarischer Juden; Unier dem Vorsitz des Generals Zöld. Aus Budapest meldet die J. T. A,: General Martin Zöld v. Siogard ist an die Spitze des vom verstorbenen Oberrabbiner Dr. IUes Adler begründeten „Verbandes ungarischer Juden" getreten.. Der Verband zählt gegenwärtig in Budapest 1200 Mitglieder und :hat die Aufgabe, die ungarische Judenheit wirtschaftlich und in der sozialen Fürsorge zu organisieren. , / . . General Z'ö\d v. Siogard hat den Weltkrieg, an der russisehen und italienischen Frönt als Abteilungsch.ef mitgemacht und wurde mit dem Eisernen Kreuz, dem sächsischen Adlerorden und zahlreichen österreichisch-ungarischen Auszeichnungen bedacht. Er befand sich unter den Offizieren, die mit der Nationalen Armee, in Budapest einzogeu, kurz darauf wurde er vom Reichsverweser Horthy zum General befördert. J^diettgemeiiide* Die teituns; Am .3. Jänner trat der neuge wählte Vorstand zusammen, um seine ygesphaftsführende Verwaltung (Prä- ' sidinnii /Vertreterkollegihmt^.!.. einzusetzem. Der bisherige Präsident;LJniv.-Pr.Q{. Dr*:. Pic k wujdo mit 24 Stimmen . wiedergewählt. Für. ihn stimmten, seine 18 Parteigenossen von der „Union" und von dor Opposition 5, „Werktätig©" und der unpolitische" Dr4: Landau. Der zionistische Gegenkandidat Dr. D. Friedman n erhielt 12 zionistische Stimmen. Zu Vizepräsidenten wurden die Herren Dr. Ornstein und Dr. Tichp,-beide Unibnisten, mit 48 Stimmen ihrer Parteigenossen gewählt. Der Kandidat der Zionisten und bisherige Vizepräsident. Dr. ,I. Lö wenh er z blieb bei beiden Wahlgängen mit 13 Stimmen in der Minorität, da die 5 ,,Werktätigen" ihm ihre Stimmen versagten und leere Zettel abgaben. Bei der Wahl ins acbtgliedrige Vertreterkollegium gab es-zwei Listen. Eine Liste der Union ü'tid eine der bei diesen* Wahlgange geeinten Opposition (4 Zionisten, 2 Werktätige und der „Unpolitische" Doktor Landau). Das Resultat. war 18 zu 18. Es wurde sodann gelost. 4" Ühioroisten und 4 Zionisten kämen aus der Ürne hervor. Nachdem aber die „Werktätigen" bei diesem Wablgänge nur unter der Bedingung mit den Zionisten kooperiert hätten, daß ihnen Mandate gesichert würden, mußten die vier ausgelösten' £fOnisten ablehnen und' vier Unibnisten traten ah ihre' Stelle, f ' ' 41 •■' ' Bei -der ersten Sitzung. Jb^t: sich also, bereits erwiesen, daß. der Kultusyp|stä^d,V '%<; dieier . Zusammensetzung, 18 zu 18, wenig, die Partei der, AssimilätibnÄjuden, deren Herrschaft von I0TEL CO^IgNEf^TÄL WIEN, FRftTER&T«ÄS$E 7 (neben Schwedenbrücke' *!t;> 'v..v , . ^l0^ir^y»lns&Tj^it^ WMp^^^» \V" Erstklassige Ähe; Maßige Weise .....11 '""W.'..^ij'.'V^-fVJ"-' '^^'.^"M'-Vl'V-l'- ^'■ " der •Bevölkerung abgelehntwurde, in den Besitz aller Präsidialünd; VertretermäMate^ ist, -i^t ein bereites Anzeichen.Anderefseits'^st leider zu' konstatieren^ daß die Opposition' sieh'nicht? bewußt' zu sein scheint; welche Aufgabe; ihr:" seitens; der Wählerschaft übertragen wurde. Die-Wähl e n f a-nde mau f Grund de r Ford e'fu n g d e s a 1-1 g ern e ln.'e n - ■■- gle I c.-.h e n W a h 1-. rechtes s t a 11 Einzige uftd ..allein diese Paröle ha,t die Wählerschaftbewogen, gegen/die. Herrschaft der as^niilatorischen, reaktionären Union $u stimmen, trotz dös Privilegienwahlrechtes konnte die Union die Mehrfieit nicht mehr erlangen. Das heißt,•daß/.rn,indesten§.vier.Fünftel aller Wiener Juden das allge.me,i n e WaIiire.c.h t; und mit ihm die V o 1 k s k e m e.i.n(d e wollen. Die Opposition hat dabei die Pflicht,, ihr.e ■ga.nz.e,. ve.reinigte,„K'raft v o r a 11 e m a u.f d;ie - D u j: c,h s. e, .t z u,n g 4,ie s. P.r f* o r- •dernn'g zu konzentrieren.'", Wenn. sie' sich,. statt dessen, wie dies bei. der ersten Sitzung der Fall war, Zersplitterung der' Stimmen in Personen-' ujü«lr Maridätsfragen erlaubt, dänn handelt sie> gegen: .das< Versprechen, das sie der Wählerschaft während. Lder.Wshl : hundertfach ge» leistet hati :■:<■, ..: :•. Der Lehrstuhl für Hebräisch w 6& Universität Saloniki* Aus S a'l Oh' i k i -''meldet--tlie Jv T. k,: Professo« Lazare Belleli hat'der Berufung auf den Lehrstuhl für Hebräisch an der Universität Saloniki Fölge geleistet W4«nf XX., KSosiernttuburgerstraßa 60 -un|er;beionderej Atifßi^t^des Ob«rh$uptes der (polnischen Gemeinde Wients, U.MWm'ipti^ Kabplners % Mäy9rt«hn : " " p " S-fr^t?^«'^ **>v ^' '. "• r »..ifrTiö/öbT^n.iii|^w^v nw nmvnnnn^ •lV^ nD i^b!mv^ »wVr-iiiH?T«D wm> ■ :Täglich frische und e/stklassige ^pe2ial-Eueugnisse feinster Wuistu.-Selchwaren. Provin'<versand . Wlk^BLM PBTV^N, SlL«HWftR?N-f»ÄBRJK Wien, XX., Klosterneuburger*tra6* 6ü ' Telephon A-43-t>59 y, f Zum Fall Halsmaiin. Zur Steiiör der Wahrheit; Die Leser wifrden bereits informiert, wanum die | ,vWeue Wdt" den Fall des russisch-jüdischen Studenten H a l s m a n n,-welcher von den Innsbracker Gesohworenen wegen Vatermordes verurteilt wurde, nicht behandelt hat. Nach UTteilsfäll'ung erschienen die Herren Ing. R. Berger aus Innsbruck und Herr Siegfried G r a u b a r t bei mir j tind 'baten mich im Namen der unglücklichen Mutter des Verurteilten und meiner zioiiistiischen Freunde in Innsbruck, von einer politischen Behandlung des Falles als Akt an t i- . semitischer Justiz abzusehen. Sie teilten mk mit, : es habe sich in Innsbruck ein Komitee christlicher { Männer, darunter Professoren der Universität Innsbruck,; gebildet, um für die Rehabilitierung Haismanns zu wirken.; Durch Tendenzartikel von Jüdischer Seite konnten diese Männer, auf deren Arbeit die Mutter undihre Freunde alle Hoffnung gründen, abgeschreckt werden. Ich sagte zu. Dann Heß mich Herr Graubart; wissen, daß ihm auch der Herausgeber des offiziellen Or- . ganes der österreicliisßben zionistischen Organisation „Di e; S t i m m e", Herr Dr. Leo G o 1 d h a m m e r, zugesagt habe, in seinem Blatte keine Artikel erscheinen zu lassen. ' Daraufhin erschien die „Neue Welt" ohne einen Artikel über Hälsmann, das Blatt „Die Stimme" hingegen brachte den Fall , in vielen Spalten und politisch groß aufgemacht und rühmte sich dann, die einzige jüdische Zeitungzu sein, weiche zur R e 11« ng Ha 1 s m a uns e t w a s unternomm eh h ab c. Trotzdem der Herausgeber über die Gr tind © meines Schweigens informiert war. Ich habe dann die Leser der „Neuen Welt" aufgeklärt Nun bringt ,yDie Stimme" .in ihrer letzten. Nummer amen Artikel, der lauter Unwahrheiten enthält. So Wird behauptet, daß Herr Dr. Goldhammer „dem Freunde ausdrücklich erklärt habe, daß über die Sache mit Stillschweigen nicht hinweggegangen werden kann". Die „Neue Welt" hätte lediglich ' für die Vernachlässigung Ihrer jüdiisch-publiaistischen Pflicht nachträglich' eine Ausrede gesucht, während „Die Stimme" stolz darauf sei, den Fall so aufsehenerregend gebracht z u'' h ab e n. Wie es um den Stolz und die Wahrheitsliebe: bestellt' ist mögen folgende Auszüge aus den' in meinem Besitze befindlichen Briefen erweisen. Aus einem Schreiben des Herrn Siegfried Graitbarff ari den Herausgeber der Zeitung „Die Stimme", Herrn Öi\ Leo Goldhammer, vom 20. Dezember l028':f: „Zu meiner großen Überraschung lese ich heute in dem von Ihnen geleiteten Organe „Die.Stimme" einen Leitartikel Über die Affäre Hai s m a n n;. Ich. gestatte mir nun, Ihrten folgende Tatsachen nochmals zur v'Keiiiiftrts--.; zU 'ibringen^ Anji. ie1:.;^ M^ ist :in^ Innsbruck - das , Urteil gegeh Halsmann, gefällt WQt;den< Am- 17.? öV.fM« . hat Herr Ingenieur Richard'B e rg e r au$ Innsbruck, Sie ,; interpelliert ' in der „Stimme" die Angelegenheit vorläufig ohne jede Scharf macherei und ohne große- Auf- machung zu erörtern. Am selben Tage hatten Herr Ing. Berger und ich eine Unterredung rrrit Herrn Oberbaurat Stricker, um auch in der „Neuen Welt" dieselbe Richtung einzuschlagen; Herr' Oberbaurät Stricker erklärte, daß er in der „Neu eh We 11" eine jüdische Angelegenheit nur allgemein nicht behandeln könne, weil steh dieses jüdische örgän au6h sonst mit allgemeinen juridischen Dingen;nicht befasse. Da es sich aber um das Leben des jungen Martnes handle und er einsehe, 'daß vor Einbringung 'der Nichtigkeitsbeschwerde jede' Scharfmacherei dem jungen Halsmann schädlich wäre, so wird er in der „Neuen Welt" über die Sache kein. Wort verlieren/ Dienstag den 18. d. M. vormittags habe ich Sie, sehr geehrter Herr Doktor, in .Ihrer Kanzlei aufgeruien und Ihnen den Sachverhalt mitgeteilt und auch die.Tatsache, daß'die ,;Neue Welt" über den Fall sch weigen wird; Ich habe auch Sie ersucht, dasselbe in der stimme" zu tun. Sie haben mir darauf geantwortet, daß SI e d a s u n v>e r z ü gl i c h veranlassen werden. Trotzdem wurde in 4er „Stimme" ein-Artikel losgelassen, der dazu'angetan; ist, die Erledigung der Nichtigkeitsbeschwerde über, alle Maßen zu gefährden. , „ Die'Zionisten von Innsbruck, die an ,Sie und an Herrn Oberbaurat Stricker .den Appell richteten, sind mindestens ebenso überzeugt von der;ün- ' schuld dps jungen Halsmann wie der Herr Leitartikler von der;,Stmime", aber uns war von allem: Anfang an das Leben des Angeklagten wichtiger als die journalistische öder politische Ausschrotung dieses -Falles..Es tut mir persönlich sehr leid, daß ich Ihnen, sehr geehrter-Herr Doktor, den Vorwurf nicht ersparen kann, eine das Leben eines armen .jüdischen M e n« c h e n tangierende Vereinbarung nicht eingehalten zu haben." . . , Ans dem an Herrn Siegfried Grauibart gerichtetea Antwortschreiben, des Herrn Dr, Leo Goldhammeir vom .21. Dezember 1928: „Iii . Beantwortung. Ihres Geschätzten vom pestrJ- «en beehre ich mich- Ihnen mitzuteilen, daß Ihre vorwürfe nicht ganz gerechtfertigt erscheinen. Ich habe Herrn Ing. Berger bereits am Montag mitgeteilt, daß der Artikel Halsmann betreffend bereits fertiggestellt sea, daß ich mich-'aber bemühen werde durchzusetzen, daß. ihm irgendwelche Schärfen, genommen werden Als Sie mich am Plenstag vormittag von Ihrer Unterredung rmit Herrn Oberbaurät Stricker benachrichtigten, habe ich unverzüglich die Redaktion angerufen, um die Weglassung des ganzen Artikels bei Herr« Dr. Schmitz (Redakteur) zu erwirken. Herr DK- Schmitz teilte mir mit, daß es einfach ausger schlössen sei, djes zu machen, weil alles bereits gesetzt und umbrochen war und der Neusatz von ungefähr drei Seiten eine Verzögerung In der Erscheinung des Blattes von mindestens zwei Tagen hervorgeni'fen hätte, abgesehen davon, daß der Buchdrucker sich wah.ir schejulich gewehrt hätte." (Aus einer Berichtigung, welche Herr Siegfried Graumhmtmm

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