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Die neue Welt · 1929-01-04 · Heft 68 (4.1.1929) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 68 (4.1.1929)
Date
1929-01-04
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Saite* m mm mir Nf. W Ufei?ÄÄWEIHNACHt«WH!NKE >*mmamr*A i«MMMlM TACIIIIlTIHMllST» |3SöUlTMHN| 1vi SliR1fiTnM.lt 0 Ein Gemütsmensch. Itir amerikanischen Elawaaderungiiperre. Dm Recht dös Menaohen auf Frelittgtg'kelt, das beißt das Recht Jedes Menschen, dort tu leben, wo es ihm paßt, wenn er nur die Gesetz* des Landes befolgt und ein am ähnlichen Bernte nachgeht, dieses Recht gall vor dem Kriege als h e i 1 i g e a Menichenrecht. Wer sich dagegen aussprach, galt als Mann von rückständiger und barbarischer Denkart. Zu den größten moralischen Schäden, welche der Krieg verursacht hat, gehört es, daß er das Gefühl fttr das Recht auf Freizügigkeit in der Kulturmenschhett ertötet. Die Vertreter der sd«enattnten demokratischen Partei««, vor allem aber die Vertreter der sozialistischen Parteien, schrecken nicht davor Zurück, für die Sperrung der Grenzen Wires Landes einzutreten. Sic tun bedenkenlos das, wogegen $ie vor dein, Kriege oegeistert gekämpft hatten, besonders krause Formen hat der Katnpf gegen die Freizügigkeit In dem angeblich frelesten Lande, in den Vereinigten Staaten von Nord» amenlika, angenommen,,- Hier werden rücksichtslos Gesetze geschaffen, welche die Famlliehbande zerreißen, FäiWMftflmitgliedöf, Söhne und Töchter (fremder Staatsangehöriger werden, nicht au> gelassen oder gar deportiert. Wes Gei$tesart diese Gesetzgeber sfitd, zeigt nachstehender Vorfall. Im amerikanischen Senate trat der Jüdische Senator. R ob I n söhn aus Arkansas für die Milderung der rohen Verordnungen ein, welche d|e Einreise von Frauen und Kindern Eingewanderter verbieten. Ör fragte den Reiferenten Senator D. A. Reed, ob er nicht geriolgt sei, fr6wi$se Milderungen vor« zuschlagen. Senator rUed antwortete ironisch: „Ich denke, daß wir an der Grenze der Hochherzigkeit bereits angelangt sind. Der Einwanderer, weichet den Senat tadölt, wel'l er ihn von seiner Familie ■ trennt, hat Ja, Wie wir wissen, vordem seine Farftille ,,f r <* i vsH 11 i Verla^eh. Er hat also kein Recht zur Klage." ■. . Von Pogrom ünd Not getrieben, sind diese jüdischen Einwanderer nach Amerika gegangen, um durch harte Arbelt Ihren Familien eine Existenz' vorzubereiten. Sic gingen allein, wel'l sie mir Reisegeld füi sich hatten, und haben jeden erdarbten Groschen nach Hause geschickt. Aber Herr Reed verhöhnt sie und jagt, Sie hatten ihre' Familie' „freiwHOte" im Stiche gelassen. Herr fteed ist übrigens als öetnütsmensch bereits bekannt. Ith Jahre 1926 ölieben Miber tklOQ Judisobe fehwanderer an. detv Grenzen der Unton und in den Häfen im elendester! Zustande liegen, well ihnen durch eine plötzlich erlassene, von Herrn Reed beantragte Verordnung der Örentfübertritt verböten wurde, obzwar sie Im Besitze ordentlicher, von amerikanischen Behörden ausgesteuert EinreisebewilMguhgen', waren. Ajs sich eine Deputation unter Führung des bekannten (Philanthropen Louis Marsh ai an Senator. Reed mit' der Bitte wandte, diese UnKlückihlitin passieren ßm lassen, da lehnte dieser gute Senator Kocd die Bitte ab- und bemerkte lachend, daß er bereit sei, dem Senat eine .Verordnung vorzuschlagen, hiari n.öge diesen 8ÖÖö;Erhigrahteh eine Summe voriy 10.000 Dolhr als B rsa t z Iii r d i.e. Kosten der Pässe bewilligen. Dann mögen sie nur Wieder abziehen, Wie ra^h sieht, ist die GcsetaeiÄewaJt.der Celesten aller ftörubliken Hv guten- Händen, Der Henker besorgt sein Handwerk mit Humor. Wie es einem kranken Judenkiad erging, , ' VoVtoIl «u! «inelf; Klinik, Es wird Uns berichtet: Auf der Wiener Klinik für Halskrsnkhaitcn führte der Leiter Universi^tsprotessor Dr. Markus HayeH den Hörern zu Demcnstra'iöflszwecken ein jüdisches Kind vor. Ei trug-eine Kanüle im Halse, Oer Herr.Professor erklärte den Hörern, daß die Behandlung durch Anbringung von Kanülen bei Kindern aui Schwierigkeiten stoße, weil die Kinder eich nicht ruhig halten, Insbesondere schlecht erzogene Kinder. Br fügte hinzu, daß daf vorgeführte Kind au» Oalizien stamme, wo die Kinder im allgemeinen schlecht e r zogen werden. Die Bemerkung löste bei den Hörern, unter dsnen Me'e Oeu schnationale aus dem Reiche waren, verständnisinnige Hei erkeit und Zustimmung aus. Im Verlaufe der Demonstration wurde das Weine kranke Kind ungetärdig. es wurde unruhig und weinte. Der Herr Professor rügte das Kind und aposiropbierte esi „Kannst du denn nicht für einige Augenblicke deine Abstammung» vergessen?!" Welche Wirkung diese Ansprache beim Kinde erzielte, war nicht ersichtlich. Die Wirkung auf die Hörer war zu erkennen. ~ Eine weitere Besprechung des Falles erübrigt sich. Suche Verbindung r.ii*«. Klafera alier bebfft sA« Bacher I BUe Bar« «et, Csiablinca (Maioc) R C Ca«ablanca 99 Der russische Antisemitismus. Nene Ausschreitungen. Die russische Presse bringt täglich neue Mittfeilungen Über antisemitische Ausschreitungen in Weißrußland und in anderen Oegenden der Sowjetunion. In der Transpörtbrigade der Ürjzky-Pabrik zu B r I a n s k wird ein förmliches System der Verfolgung gegen die jüdischen Arbeitegenossen durchgeführt. In der Fabrik Uladowa in Kiew ist der antisemitische Terror so Stark, daß einige jüdische Arbeiter sich geiwungert gesehen haben, ihre Abstammung iu verleugnen. Das Zentralkomitee der Komsomol Oungkommu nistische Partei) veröffentlicht eine vom Generalsekretär Scharowltw unterzeichnete und an alle Lokalorganisationen ergangene Instruktion, In der diese aufgefordert werden, gegen die antisemitischen Erscheinungen wachsam zu sein und nichts zu verschweigen. Die letzten Ereignisse, heißt es in dieser Instruktion, haben bewiesen, das der Antisemitismus nicht allein in die Rethen der Mügl eder dngedrurtg'n Ist, sondern vielfach auch d.e Aktionskomitees ergriffen hat, so daß verschiedentlich M*eui!Usche Ausschreitungen vertuscht werden. Gleichzeitig wird die Mitgliedschaft aufgefordert, de« Kampf gegen „chauventotlache Elemente" in der jüdischen Jugend, die ehe religiöse oder zionistische Propaganda betreiben, fortzuführen, „Rabotachaja öazetta" teilt mit, daö in der MetallfobHk „Iudustrija" die jüdischen Arbeiter unter antisemitischem Terror stehen und daß dagegen bisher keinerlei Maßnahmen ergriffen worden wären. „Komso* molskaja Prawda" und die anderen kommunistischen Zeitungen zählen eine ganze Reihe von Fabriken auf, in denen der jüdische Teil der Arbeiterschaft ein schweres Martyrium durchzumachen hat, Hunger und Pogromgefahr. Der New Yorker „Vorwärts" veröffentlicht einen charakteristischen Teil aus dem PriyatbHefe eines Ukrainischen Juden an einen Freund in New York. Es heißt dort: Die Lage in der Ukraine ist schwer und Wenn nicht die aus Amerika kommende Hilfe wiire, wüßte LERNET FREMDE SPRACHEN In 4* Berlitz School, Wien, I, Graben 13 ___Prospekt 7 auf Wunsch ich nicht, Wie man sich am Leben erhalten könnte. Ganz Rußland macht jetzt eine ökonomische Krise durch, ab$r am meisten leiden die Juden, die zii einer Arbeit nicht fähig sind oder keine Arbeit erlangen % können, sei es wögen Arbeitsmangel oder Wegen des herrschenden Antisem itisrans. jSs i${ schon das Problem des Stückchen trockenen Btotes, das sehr oft fehlt, Aber gleichzeitig müssen wir dör Hegierun| dankbar sein, denn wäre nicht die Regierung; so wlird^ man uns ausrotten« Der . Aniisomitismus wachst von Tag zu Tag. Oft erscheinen Drohungen von Judenro>tzeleien. Man muß zugoben, daß die Sowjetbeamten den Antisemitismus unterdrücken, tch hebe meinen Nachbar angeklagt, der gedroht hat, daß er einen Judenpogrom veranstalten wird.; fer wurde verhaftet und gehörig bestraft. Davor erschrak das gamse Städtchen. Auch in den Kolonien ist die Situation schwer, fes war eine Hoffnung der Kolonisation in Sibirien und in Bir-Bidschan, e$ seheint aber, daß diese FjHne nicht gangbar sind. Des Leben in Rußland ist sehr schwer. Vielleicht könnte man diese schwerei Periode durchhalten, wenn nicht die Pogromgefahr wiire. 'Man erkennt aus diesem Schreiben, daß der Verfasser der bolachewikisehen Richtung angehört, Wie traurig muß es in Rußland um die Juden bestellt sein, wenn selbst ein so pnrteifrojnmer Mann solche Klagen erhebt. Aus Palästina.'' Die Unruhen in PetacU Tikw«h. \Vie gemeldet, haben vo*; einigen Tagen in P etaeh Tikweh Kundgebungen judischer Arbeitsloser stattgefunden. Ginige Demonstranten drangen in .das Büro des Agrikultur-Komitees ein, zerschlugen Fenster und Türen und zerrissen mehrere Akten, Die britische Pplizei ging sehr scharf gegen die Demonstranten vor und verhaftete eine Anzahl derselben. Drei der Verhafteten hatten sich nun vor Gericht zu verantworten. Zwei der^Demonstranten wurden, zu je sechs Monaten, einer zu fünf Tagen Gefängnis verurteilt. Die Union der jüdischen Kolonisten Palästinas hat in einer Resolution das Vorgehen der Arbeitslosen in Petach Tikwah scharf getadelt und die palästinensische Arbeiterfdderation (Histadruth Haowdim) für die Unruhen verantwortlich gemacht. Die Zionistische Exekutive wird aufgefordert, Maßnahmen zu treffen, die solche Ausschreitungen in Zukunft verhindern sollen. Die erste jüdische Architektin. Am Haifaer hebräischen Technikum wurden, wie bereits gemeldet, die ersten Diplomprüfungen abge* NEUERÖFFNETE REICHHALTIGE MODERNE LEIHBIBLIOTHEK DER BÜCHERSTUBE M. RATH WIIN, II., TABORSTRASSG Nr. 90a TEL.: R-43-1.58. ALLE NEUERSCHEINUNGEN 1 REICHE AUSWAHL IN MBBRAI HA UNO JUDAIKA in englischer und französischer Literatur MONATSGEBUHR NUR S3- KElNfc BANDOEßÜHRl TÄGLICHER UMTAUSCH I schlössen. Die Prüfungskommission bestand aus Vertretern der zionistischen Leitung, dem Direktor des Technikums, dem Vertreter des Rates der Lehrer, zwei Vertretern der Palästina-Regierung und des Verbandes der Ingenieure. Die Prüfungen währten vom 22. November bis zum 5. Dezember. Der Prüfung für das allgemeine Ingenieurfach hatten sich 10 Kandidaten, für Architektur $ Kandidaten unterzogen, unter ihnen auch die absolvierte Technikerin Fräulein Zipora Neufeld, welche als erste Frau das palästinensische Diplom für Architektur erwarb. Der Bürgermeister von New York ehrt den Bürger» melster von Tel-Awiw. Der Bürgermeister von New York, W a 1 'k e r, gab in der StadtihaHe zu Ehren des hier wellehden Bürgermeisters von Tel-Awlw, David Bloch, einen Empfang, dem verschiedene ' prominente Persönlichkeit New Yorks beiwohnten. Herr Bloch richtete am Tage seiner Ankunft durch das New Yorker Radio in jiddischer Sprache einen Appell ah die amerikanische Judenheit, das Aufbauwerk in Palästina zu fördern. Der Herausgeber der Jiddischen Tageszeitung „Der Tog", Herr Daivdd S c h a p i r o, spendete für das Palästlna-Anbeiierwer-k 1000 Dollar. Erste Pälästinareise 5689. 13. März bis 9. April 1929. Vor etwa acht Monaten haben die Veranstalter die-* ser Reise Wiren Prospekt mit dem vollständigen Reiseprogramm und genauen Angaben über die Bedingungen der. Teilnahme an der Reise, wie Anmeldung, Zajhlungsmodalk täten usw. versendet. Die Relseleitung, welche vom Verbände demokratischer Zlon>isten, der Vereinigung demo-. •kratischer Zionistinnen und dem Palestine Touring Club mit der Durchführung der Reise betraut wurde, hat wäh" rend dieser Zeit alle Vorkehrungen getroffen, um sowohl die Hin- und Rückfahrt auf das genaueste vorzubereiten, als aue'h den Aufenthalt in Erez Israel und Aegypten den Relseteilneihmern bequem und angenehm zu gestalten. Für die Seereise wurde der mit dem modernsten Komfort ausgestattete Luxus-Eildampfer der „Sitmar"- Liuic, die „Au s o nl a", gewählt. Dieses Schif zeichnet sich neben prachtvoller Einrichtung, modernstem Komfort •und allen erdenklichen Bequemlichkeiten auch dadurch aus, daß es schon in der l|l. Klasse 4- und öbettlge Kabinen h-»t, während In der II. Klasse eine große Anzahl 2betfciger Kabinen zur Verfügung stehen. Ferner verdient besonders hervorgehoben zu werden, daß die „A u s o n i a" über eine III. Klasse „special" verfügt, welche, was Komfort und Bequemlichkeit betrifft, sich nur wenig von der IL Klasse unterscheidet, obzwar nur ein geringer Preisunterschied zwischen dieser Klasse und der normalen III. Klasse be* steht. Im Lande selbst hat die Reiseleitung mit den Hotels und Pensionen fixe Abmachungen getroffen und die bezüglichen Verträge wurden bei dortigen Anwälten hinterlegt. Für die Ausflüge und Undtouren wurden erstklassige Gesellschaftsautos gesichert, wobei darauf Gewicht gelegt worden ist, daß ausschließlich gut ausgebildete, jüdische Chauffeure verwendet werden. Die Reiseleitung bat schließlich in Jedem größeren Orte ihre Vertrauensmänner, welche Ihr zur Verfügung stehen, und entsendet überdies ihren Obmann einige Wochen vor Antritt der Reise nach Erez Israel und Aegypten, damit dieser an Ort und Stelle die getroffenen Vorbereitungen überprüfen und die genaueste Einhaltung der Vereinbarungen überwachen soll. Die Veranstalter haben sich besonders darum bemüht, daß die Teilnahme an dieser Reise mit wicht allzu großer, materiellen Opfern verbunden sein soll, was umso eher möglich war, als sie keinerlei Gewinn aus dieser Reise ziehen wollen. Der Preis, welcher auch ip Teilbeträgen entrichtet werden kann, beträgt für die ganze Reise von Wien bis Wien: bei Benützung der II. ScWffsklaase engl. Pf. 58 S 2000 „ HI. „ spezial „ „ 41 =s „ 1400 ,. III. „-einlach ., „ 35^,, 1200 Prospekte werden vom Sekretariate der Reiseleitung (Frau Berta Taubes, Wien, IL, Böcklinstraße 92) gratis zugesendet. — Die Einzahlungen erfolgen auf das Postsparkassenkonto der ..Neuen Welt" und erhalten die Reflektanten di« nötige Anzahl Posterlagscheine. — Auskünfte werden auch auf telephonischem Wege durch Frau Paula Stricker, Tel. Nr. R-45-6-89, und Frau Berta Taubes, Tel. Nr. R-43-9-19, erteilt.

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