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Die neue Welt · 1929-01-04 · Heft 68 (4.1.1929) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 68 (4.1.1929)
Date
1929-01-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 68 DfE NEUE WELT im A. K. abgegebenen Erklärungen. Die Konferenz bezeichnet die Haltung des A. K. und der Exekutive als mit den Beschlüssen des Kongresses unvereinbarlich. Dr. Norbert H o f m a n n (Wien) spricht über Organisationsfragen, Schaffung von Organisationszentren in den verschiedenen Ländern und die eventuelle Verlegung des Präsidiums der Zion, Revis* von Paris nach Jerusalem. Dr. A k zi n (England) spricht über taktische Kragen. Er erklärt, daß die Kongreßwahlen unbedingt organisatorisch und finanziell vorbereitet werden müssen. Vertrauliche Besprechungen. Die Sitzung vom 29. Dezember war vertraulich. Es wurden hauptsächlich Fragen der Organisation und Taktik erörtert. Letzte Sitzung und Resolutionen. Am Vormittag des 30. Dezember fand zwecks Beratung über die politischen Resolutionen eine vertrauliche Sitzung statt, die nachmittags vor der Oeffentlichkeit fortgesetzt wurde. Am Nachmittag wurde eine Reihe von Resolutionen gefaßt, deren wichtigste die Stellungnahme zur Jewish Agency betrifft, Sie lautet: „Die dritte Weltkonferenz der zionistisch-revisionistischen Union stellt fest, daß schwerwiegende Gründe, die seit Jahren gegen die Erweiterung der Jewish Agency angeführt werden, unvermindert weiterbestehen. Die Konferenz billigt die Erklärungen, die die Vertreter der Revisionisten in dieser Hinsicht in der letzten Sitzung des A. C abgegeben haben. Die Konterenz stellt fest, daß die vom A. C. angenommenen Vorschläge für die Erweiterung der Jewish Agency in unvereinbarem Widerspruch zu den Bedingungen stehen, die der Vierzehnte Zionistenkongreß für diese Erweiterung vorgeschrieben hat, und daß daher alle von der Exekutive beabsichtigten praktischen Schritte, die zur Verwirklichung des Planes auf dieser ungesetzlichen Grundlage führen mögen, selbst ungesetzlich und für die zionistische Organisation nicht bindend sein. Im bevorstehenden Wahlkampf und auf dem Sechzehnten Kongreß wird die Revisionistische Union alles aufbieten, um die Bildung der erweiterten Jewish Agency in der vom A. C. genehmigten Form zu verhindern. Für den Fall, daß dennoch die Erweiterung der Jewisht Agency in dieser Form vom nächsten Kongreß beschlossen werden sollte, wird die Union ihren Kampf weiter verfolgen, um die Souveränität des Zionistischen Kongresses als den einzigen Träger der J. A.-Funktion wieder herzustellen." Die 3. Weltkonferenz der Z. R. U. erklärt ihre unabänderliche Loyalität gegenüber den Bestimmungen des Mandates', welche dem jüdischen Volke sein nationales Heim in Palästina garantieren. Wir erklären somit, daß wir unverrückbar daran festhalten, daß das endgültige Ziel des Zionismus die Errichtung des Judenstaates ist. Dieses Ziel ist nicht im Widerspruch mit der. Idee eines jüdischen Palästina, das sich eventuell einer Britischen Commissionsverwaltung of Nations als ein „Siebentes Dominium" an* schließen kann. : Es steht jedem Revisionisten frei, individuell der m London in Gründung befindlichen „Liga für das britische Palästina-Dominion" beizutreten. Weitere Resolutionen betreffen die sozialen Momente des Aufbaus, ferner wurden Beschlüsse der Organisationskommission (Presse) und taktische Fragen festgelegt. Einen breiteren Raum nehmen die Fragen des Jischuw ein. Von speziellem Interesse ist die Erklärung der Palästina- Delegtiaon und der Ausdruck der Sympathie für Col. J. C. Wedgwood, dessen Tätigkeit das Vertrauen des jüdischen Volkes in die britische Nation befestige. Den Abschluß der an Arbeit und Anregungen reichen Tagung bildete die großangelegte Rede Wladimir Jabotinskys, der Wege und Ziele der Zionisten-Rev/r siönisten darlegte und die Hoffnung aussprach, daß alle Energien für das große Ideal Erez Israel aufgewendet werden. Nach Annahme der Resolutionen und des Referates Klinow (Berlin) über Brith Trumpeldor dankte Doktor Wolfgang W e i s 1 den österreichischen Behörden (Polizei, Bahnverwaltung) und Bundeskanzler S e i p e 1 für ihre Unterstützung und ihr Entgegenkommen, den Wiener Revisionisten für die aufopfernde Arbeit an der Vorbereitung der Konferenz. Gleichzeitig sprach Dr. Weisl Worte der Anerkennung für Oberbaurat Robent S.tricker, den er als einen der wertvollsten und besten Freunde des Revisionismus bezeichnete, was von Delegierten und Gästen mit langandauerndem Beifall quittiert wurde. Hierauf hielten die Herren Dr. Brutzkus und Meir Großman Schlußreden. Die Konferenz schloß mit begeisterten Ovationen für Jabotinsky und mit der Absingung der Tikwah. Empfang bei Seipel und Presseempfang. Am 28. Dezember, vormittags, wurden die Herren Jabotinski als Präsident der Zionisten-Revisionisten, Dr. Wolfgang Weisl als Vertreter des Tagespräsidenten der Konferenz und Dr. P. Diamant als Vertreter des österreichischen Landesverbandes vom Bundeskanzler Dr. Seipel empfangen. Dr. Seipel zeigte sich über alle Fragen der zionistischen Bewegung genauest informiert und brachte den Ausführungen der erschienenen Herren regstes Interesse entgegen. Am Nachmittag empfing die Konferenzleitung (Jabotinski, Soskin, Lichtheim, Weisl) die Vertreter der in- und ausländischen Presse, welche über alle ihre Fragen seitens der Konferenzleitung detaillierte Informationen erhielten. Bei dieser Gelegenheit gab Jabotinski seiner Genugtuung darüber Ausdruck, daß der Bundeskanzler den Bestrebungen des Palästina-Aufbaus Sympathien entgegenbringe. Meeting. Am 29, Dezember fand im Sofiensaal das große Meeting statt. Es sprachen vor einem überfüllten Hause Dr. Ben ja mini (hebräisch), Rabinowics (deutsch), Klinow (jiddisch) und Jabotinsky (deutsch). Sämtliche Redner wurden stürmisch akklamiert. Jabotinsky beschäftigte; sich mit der Frage Jewish Agency- Kongreß und mit der Schaffung eines Tel Chaj- Fonds zur körperlichen Ausbildung der jüdischen Jugend in der ganzen Welt. 60 Jahre jüdische Trennungspolitik in Ungarn. Dieser Tage werden es 60 Jahre, seit in Ungarn das größte Verbrechen an der Einheitlichkeit der jüdischen Religion durch gewählte und von einer ehrlich liberalen Regierung anerkannten Führern begangen wurde. Am 14. Dezember 1868 fand jener zu trauriger Bedeutung gelangte Kongreß der ungarischen Juden im Komitatshaus von Budapest statt, der, vom liberalen Kultusminister Baron Josef E ö t v ö s einberufen, Anstoß zur Schaffung einer die Gesamtheit des ungarischen Judentums umfassenden, in allen inneren Angelegenheiten autonomen Organisation gewesen ist, in Wirklichkeit aber dank der Agitation und Unduldsamkeit der extremen Richtungen im orthodoxen wie auch im fortschrittlichen Lande zu einer katastrophalen Blamage wurde, zum Ausgangspunkt der Zerklüftung, der Trennung des ungarischen Judentums in zwei verschiedene israelitische Konfessionen. Dos Verbrechen, das damals begangen wurde, liegt nicht nur darin, daß in Ungarn seither die jeweiligen Regierungen die zweierlei Landesrepräsentanzen für ihre politischen Geheimpläne mißbrauchten, sondern daß das Beispiel des ungarischen Judentums auch auf das Ausland abschreckend wirkte, indem man darauf hinwies, daß die Juden für eine einheitliche Führung und Verwaltung ihrer eigenen inneren Angelegenheiten unfähig und für eine demokratische Autonomie unreif wären. Die Sache ist himmelschreiend, wenn man bedenkt, daß Baron Josef E ö t v ö s tatsächlich bereit war, den Juden Ungarns, als Folge der im Jahre 186? durchgeführten Emanzipation und bürgerliche Gleichstellung der Juden, die weitestgehende freie Autonomie zu gewähren, aber der unheilvolle Kampf zwischen Preßburg und Budapest, der schon damals hell aufgelodert war, machte diese Gelegenheit zu nichte. Eine von Haß und gegenseitiger Verachtung beseelte Feindseligkeit, die bis zum heutigen Tage unvermindert anhält, brachte es dahin, daß die damals den ungarischen Seite 5 CENTRAL-KINO II.Taborstraße 8 Tel. 42-3-41 Der sensationelle Schlagerfilm Werner Krau«« Jenny AugOf Warwltk Ward rsi Beginn An Werktagen um 6, 7a8 und 9 Uhr An Samstagen, Sonn- und Feiertagen ab V25 Uhr \Q} Juden angebotene Autonomie bis zum heutigen Tage nicht durchgeführt ist Als nach stürmischen Kämpfen am 18. November 1868 220 Delegierte zum jüdischen Kongresse, welcher vom 14. Dezember 1868 bis 23. Februar 1869 dauerte, zusammentraten, faßte der Kultusminister Baron Josef E ö t v ö s die Absichten seiner Regierung in einer großangelegten Rede zusammen, in welcher er nach einigen Begrüßungsworten die historisch bedeutsamen Worte sprach: „Sie, meine Herren, sind jetzt zum erstenmal als gewählte Vertreter der jüdischen Bürger von Ungarn zusammengetreten, um als selbständige und freie religiöse Gesellschaft Ihre kirchlichen und Schulangelegenheiten selbständig zu organisieren und zu regeln. Ihnen fiel die schöne Aufgabe zu, schon bei dieser ersten Gelegenheit zu beweisen, daß die israelitischen Bürger des Landes ihre eigenen Angelegenheiten richtig und gleichzeitig entsprechend den staatlichen und gesellschaftlichen Verhältnissen des Landes zu regeln fähig sind, wie irgend eine andere im Lande bestehende Kirche und religiöse Gemeinschaft. Der 17. Gesetzartikel vom Jahre 1867 hat die jüdischen Bewohner des Landes den christlichen Bewohnern gleichgestellt und sie zu gleichberechtigten Bürgern in der Ausübung ihrer bürgerlichen und polnischen Rechte gemacht. Die Aufgabe dieses Kongresses ist es nun, zu bewerkstelligen, daß die im Vaterlande bestehende israelitische Konfession als religiöse Gemeinschaft gleichfalls eine ebensolche freie selbständige und autonome Körperschaft bilde wie die autonomen christlichen Kirchen." Als Hauptpunkte der Kongreßberatungen bezeichnete der Kultusminister unter Ausschluß aller Differenzpunkte der religiösen Anschauungen die Feststellung der Organisation der einzelnen jüdischen Ge^ meinden, und ihrer Aemter, die Regelung der Schulfragen, die freie unbeeinflußte Verfügung über jene großen Beträge, welche seinerzeit Hayna u nach Niederschlagung der 1848er Revolution den Juden als Strafkontribution abgenommen und welche später vom Kaiser im Gnadenwege den Juden zur Errichtung einer Kulturanstalt zurückerstattet wurden. Zum Schlüsse gab Baron Eötvös seiner Ueberzeugung Auch Sie müssen unser OLSOPHON habenI PREIS S 100.- * Bequeme Teilzahlung! Unsere Spezialabteilung in GR AMOL A-u COLUMBIA- 1 Apparaten sowie unsere reiche Auswahl in 1 Künstler- und Tanzplatten §j bietet jedermann besondere Vorteile | Bequeme Teilzahlungen 1 1 Wien, i. Bellariastraße Nr. 12 | Telephon B-39-5-70/71 Ausdruck, daß der erste jüdische Kongreß sich der F r e i h c i t, die ihm gewährt wird, im Interesse der eigenen Gemeinschaft, aber auch im Interesse des Staates würdig und gewachsen zeigen werde. Diese Erwartung des aufrichtig judenfreundlichen Kultusministers wurde arg getäuscht. Die im Kongreß versammelten Delegierten erlwiesen sich als zu kleinliche Menschen und der hohen Aufgabe nicht gewachsen. Die Verhandlungen arteten in wüste Szenen gegenseitiger Verdächtigungen und Verleumdungen aus. Die orthodoxen Delegierten kamen mit dem Entschlüsse, die gesetzliche Festlegung eines einheitlichen Judentums mit allen Mitteln zu verhindern, zum Kongresse und sabotierten die Arbeit und ließen es zu keiner Abstimmung kommen. Als sie schließlich sahen, daß sie in der Minorität waren und die Gegenpartei ebenso fest entschlossen war, das Organisationsstatut durchzupeitschen, verließen sie den Kongreß und das Organisationsstatut wurde mit den Stimmen der im Kongreß zurückgebliebenen fortschrittlichen Mehrheit angenommen. Was sich seither in-den Sechziger jähren in Ungarn zwischen diesen beiden Gruppen abgespielt hat, ist häßlich und widerwärtig.. Die Orthodoxen führten einen heftigen Kampf sowohl in den Gemeinden als auch mit Hilfe christlicher Politiker, der sö abstoßende Formen annahm, daß Baron Josef Eötvös, der am 14. Juni 1869 die kaiserliche Sanktion des Kongreßgesetzes und Statuts erwirkt hatte, sich gezwungen sah* an die Behörden einen Erlaß ergehen zu lassen, durch welchen diese verpflichtet wurden, die Hetze ^egen die Kongreßorganisation genau* so zu ahnden wie Aufreizungen gegen irgendein anderes sanktioniertes Staatsgesetz. Zur Ausführung dieses Erlasses kam es jedoch nicht, weil die Orthodoxen es verstanden, im Budapester Parlamente die Desavouierung des Kultusministers herbeizuführen, und denV Kultus-? minister zu zwingen, seine scharfe Verordnung gegen die Einheitshetzer zurückzuziehen. Als dann im Jahre 1871 dem liberalen Baron Josef Eötvös der klerikale Theodor Pauler als Kultusminister folgte, zerstörtei dieser die letzten Hoffnungen auf Schaffung eines ein-? heitlichen Judentums, indem er die von den Trennungsorthodoxen inzwischen ins Leben gerufene eigene Gemeindeorganisation mit eigener Repräsentanz genehmigte. Das waren die Anfänge und auch die Ursachen des Niederganges und des inneren Zerfalles des ungarischen Judentums. Diese Uneinigkeit ist ohne Zweifel mit schuld daran, daß nach dem Zusammenbruch des Kommunismus in Ungarn jene traurige, das Judentum ins Mark treffende Pogrom welle einsetzen konnte. Ein innerlich festgefügtes einheitliches Judentum wäre sicherlich stark genug gewesen, diesem Anstürme standzuhalten oder seine Verheerungen zu mildern. Die arabische Exekutive an Chancellor. Die arabische Exekutive überreichte dem Oberkommissar Sir John Robert Chancellor ein Memorandum, in welchem die Regierung Palästinas scharf kritisiert und die Errichtung eines die palästinensische Bevölkerung repräsentierenden Parlaments gefordert wird}' Ein unliebsames Versehen* In der' vorletzten Nummer der „Neuen Welt" ist eine Notiz „Lizzis Träum" erschienen, welche mit Recht bei den Lesern Mißfallen hervorrief. Es handelt sich um eine Anpreisung des W e i hnachtsfestes. Wir haben festgestellt, daß diese geschäftliche Notiz durch ein Versehen des Inseratenbureaus und der Druckerei ohne Wissen der Redaktion in den Satz gelangt ist. Die Verwaltung bittet die Leser, dieses unliebsame Versehen entschuldigen zu wollen.

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