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Die neue Welt · 1928-12-28 · Heft 67 (28.12.1928) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 67 (28.12.1928)
Date
1928-12-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 67 DIE NEUE WELT Seite 3 ' in Innsbruck ein überparteiliches Komitee christlicher Manne r, unter ihnen hervorragende Rechtslehrer der Innsbrucker Universität, gebildet habe, um für die Revision des Urteils zu wirken und so der Gerechtigkeit freie Bahn zu scharfen. Die Mitglieder des Komitees gehören vielfach zu den gleichen politischen Gruppierungen, wie die Geschworenen. Auf die Tätigkeit dieses Komitees gründen nun der Verurteilte und seine v e rzweifelte Mutter ihre Hoffnung. Ein gegen die Geschworenen gerichteter politischer Angriff könnte, so erklärten mir die Herren, von den Männern, die sich jetzt um die Sache Halsmanns bemühen, auch als gegen ihre Person gerichtet empfunden werden und ihnen die Lust an der weiteren Arbeit benehmen. Die Bitte, jeden politischen Angriff in der Sache bis auf weiteres zu unterlassen, sei die Bitte einer tief unglücklichen Mutter und ihrer Freunde. Das erklärten mir die Herren wiederholt und nachdrücklich. Ich entsprach selbstverständlich — mir scheint das zumindest selbstverständlich — ihrem Wunsche. So kam es dazu, daß ich versprochen habe, von einer politischen Erörterung des Falles Halsmann in der ..Neuen Welt" in diesem Zeitpunkte abzusehen. Auf meinen Hinweis, daß es auch notwendig sei, die anderen Zeitungen in diesem Sinne zu beeinflußen, sagten mir die Herren, daß sie dies sofort tun und mich vom Resultate ihrer Bemühung verständigen würden. Sie teilten mir auch später mit, daß sie von einer anderen Wiener jüdischen Zeitung gleichfalls eine ihrer Bitte entsprechende Zusage erhalte hatten. Am Donnerstag erschien also die „Neue Welt" ohne Erörterung des Falles Halsmann. Dafür brachten andere Wiener Zeitungen, darunter auch das vorstehend erwähnte jüdische Blatt, den Fall Halsmann ganz groß und politisch aufgemacht, mit vehementen Angriffen gegen die Geschworenen und die österreichische Justiz. Die von den Innsbrucker Herren besuchten Zeitungen hatten es demnach für gut befunden, der von der Mutler des Verurteilten und ihren Helfer ausgesprochene Bitte nicht zu willfahren oder — aus Gründen, deren Natur ich nicht kenne — die gemachte Zusage nicht einzuhalten. Dann setzte die Kritik an der „Neuen Welt" ein. Aus dem Gesagten geht klar ehrvor, daß ich, als Herausgeber der „Neuen Welt", dieser Kritik standhalten kann. Ich war in die Lage gebracht, auf die Bitte einer armen Mutter und ihrer Freunde, welche das Leben und die Zukunft des Sohnes durch eine politische Behandlung des Urteils arg bedroht glaubten, zu antworten. Ich hatte dabei nicht das Gefühl — und habe es jetzt noch weniger — daß durch Gewährung der Bitte und Aufschiebung der Diskussion über das Urteil nach Erledigung des Revisionsbegehrens ein allgemein-jüdisches Interesse verletzt wird. Ich sagte also Ja. Und ich halte es für notwendig festzustellen, daß ich auch Ja gesagt hatte und bei diesem Ja geblieben wäre, wenn mir die Innsbrucker Herrn mitgeteilt hätten, daß die anderen Zeitungen ihre Bitte abgeschlagen haben und über den Fall Halsmann lang und breit schreiben werden. Ich habe mein Gewissen und handle danach, und die anderen haben ihr Gewissen nnd handeln danach. Ich gestatte es mir nie, rücksichtsvoll zu sein, wenn es gegen Große und Stärke geht. Ich wahre sdir. sehr gerne Rücksichten, wenn es sich um Unglückliche und ihre Wünsche handelt. Opfer Iiab ich keines gebracht, weil ich es nicht hoch einschätze, einer anderen Zeitung mit einem Schlage zu vorzukommen, und nicht traurig werde, wenn ich einmal um eine Sensation zu kurz komme. Aber meinen Lesern, die ja von den Zusammenhängen keine Anhnung hatten, bin ich Aufklärung schuldig. Ich habe ihnen jetzt die Antwort gegeben und glaube, daß sie ausreichend ist. Robert Stricker. Ein Mausoleum Herzls auf dem Carmel. in Haifa hat sich eine Gruppe des Ordens Bnci Brith gebildet, die die Uebcrführnng der Gebeine Herzls auf den Berg Carmel und die Errichtung eines Mausoleums daselbst anstrebt. ^lltlllllllllltltllllltlllfflllilllllllllflllllllllllllllllllllltlllflllfll^ Heu eröffnet! Heu eröffnet! i Englische* IResfenhallell | Wien, I. Franz-Josefs-Kai 49 | E Stoffreste engl* Provenienz in la Quali- 5 5 täten und modernen Dessins für Herren- E 5 Anzüge, Modehosen, Knaben-Anzüge u. E E Mäntel, Kostüme etc. etc. zu sehr billigen S S Preisen. Wer sich gut, gediegen und billig S E kleiden will, kaufe nur in der E EnglischeniRestenhallei .FiiiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiimiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiif; Die Tagung des Zionistischen Aktionskomitees. Die Berliner Beratungen. Aus Berlin meldet die J. T. A.: Am 20. Dezember trat das Aktionskomitee der Zionistischen ■Organisation in Berlin zu einer Tagung zusammen. Der Präsident des A. C. Leo Motzkin, führte ans, die Tagung sei auf Wunsch der. Exekutive einberufen worden und solle .sich hauptsächlich mit der Frage der E r weiter u n g der J c w i s h Agcncy befasse n. Die Anwesenden. Zur Sitzung waren erschienen: Von der Bxekutivc Dr. Chaim Weizmann, Sokolow, Brodctz-ky, Lipsky, Rosenbliith, Sacher, Miß Szold; von den Mitgliedern und Ersatzmitgiiedcrii des A. C. Dr. Feiwel-Londoii, Dr. Bilcski- Berlin, Bhimenrcld-Beriin, Coralnik-Ncw York, Motzkin- Paris, Rabbi Meir Berlin-Jerusalem, Dr. Malpcrn-London, Dr. Wahrliartig-Krakati, Dr. Fedcrbuscli-Lcniberg, Abg. Edelklinge Jlvü($^ macht Rasieren ßum Vergnügen. die einzige Nurock-Riga, Sprinz-ak-Jenisa-le'm, Twerski-Palästina, Rubaschow-Paläslina, Dr. Glickson-Palästina, J. Grünbaum- Warsehau, Dr. Solowcitschik-Berlüi, Sam Cohen-Palästina, Dr. Alexander Goldstcin-Paläsl-ina, Mosehe-h Kahan-Kowno, J. Skwirski-PaJästi-na, Dr. Nahum Goldmann-Berlin, Dr. Alfred Landsberg-Wiesbaden, Dr. Rosenblatt-Lodz, Garftmkcl-Kowno, Lci'b Jaife-Jetusalem, Bar.atz-Palästina, Fisiimanu-New York, Dr. Reich-Lemberg, M. Schapira (Misrachi), M. Großmann-Londou, Remes-Jerusalcm, Licht- ■heim-Berlin, Laz. Barth-Berlin, Dr. Tartakowcr-Lodz, VERBAND DEMOKRATISCHER ZI O NISTEN Sonntag, 30 Dezember, um 7*9 Uhr abends im Saale der „SCHOLLE", II. Liiienfrrunngasse 1 (Dianabad-Hotel) ] IlllllllllllliinillSlllllilllllllllllilllllllllllllHllHliHISiHIIIIIIIIHIIHIIIIHIIIIIIillllll1 GEGENSTAND: Der Kampf um die Judengemeinde Was wollen die demokratischen Zionisten? REDN£H; D. NebenzalU, Dr. L. Piaschkes, Oberbauret Robert Stricker Zutritt frei! ' Zutritt frei I Dr. Hugo .Hcrmiatm-Bri'mu, Dr. A. Hantko-Jerusalem, I. A. Naiditch-Paris, S. Schocken-Berlin (die letzten drei Herren als Vertreter des Kercn Hajessod, beziehungsweise des Kercn Kajemeth und der Anloiheikommission), L. Lewite- Warschau, H. Farbstein-Warschau, Dr. Nathan Melzer- Lcmberg, Dr. M. Mirffocs-Warschau, L. Lcwin-Epsteln- Warschaii. Als Kongreßjuristen: S. Groiicmann-Berlin, Dr. A. Barth-Berlin, Dr. Moses-Zwickau. Weizmamis Bericht. Prof. Weizmann erstattete seinen Bericht über die gemeinsam mit Harry S .ach er in Amerika geführten Verhaudlnnsen mit <len Nichtzionisten. Er schildert ausführlich die Vorgänge auf der Tagung der amerikanischen Nichtzionisten sowie die sich daran knüpienden Verhandlungen mit dem von der Nichtzionistenkonfcrenz gewählten Siebencrkomitec, betreffend die vom A. C. >im Juli 1928 beschlossenen Resolutionen. Als Ergebnis der Verhandlungen ist ein Memorandum des Herrn Louis Marshall zu betrachten, das Dr. Weizmann dem A. C. vorlegt. Dr. Weizmann erörtert die einzelnen Pttriiktc des Memorandums und erklärt, daß nach seiner Meinung das Ergebnis der Verhandlungen befriedigend ist. Er verliest auch einen Brief von U s s i s c h'ki n, der ihn zu dem Resultat beglückwünscht und die Aeußerung M a r s h a 11 s bezüglich des KKL. als befriedigend erklärt. Dr. Weizmann schlägt vor, nunmehr die anderen-Voraussetzungen für die Bildung der Agency zu schaffen, vor allem die Beteiligung von sechs Ländern zu sichern. Er ist der Meinung,; daß der Zionistenkongreß schon im Juli 1929 zusammentreten soll, damit sich an den Kongreß die erste Taguug des Councils der Jewish Agency anschließen kann. Zum Schluß führt Dr. Weizmann aus, welche. Bedeutung die Schaffung der erweiterten Agency haben wird. Außer der zu erwartenden Steigerung des.Keren Hajessod ist die Schaffung einer neuen Kolonisationsbank : geplant, von der in der OcffentHchkeit an der letzten Zeit auch schon die Rede war. Die größte Bedeutung ' der Agency sieht aber Dr. Weizmann in der fortschreitenden Einigung des Judentums für Palästina, der Bildung ■einer Was man vom Toten-Meer« Asphalt im Altertume wußte. Von Ing.-Chcm. Rudolf Seiden. Das älteste und bekannteste Asphaltvorkommcn ist jenes am Toten Meer. Heute liegen bereits zahlreiche Untersuchungen des Wassers des Toten Meeres vor und der auf ihm schwimmende Asphalt ist unter dem Namen „Syrischer Asphalt" als fast reines Bitumen in aller Welt ein hochgeschätzter Rohstoff. Wenn auch die chemische Zusammensetzung des Wassers des Toten Meeres — dieses stellt eine gesättigte Salzlösung dar — und des Asphalts im Altertum nicht bekannt sein konnte, so erkannte man damals doch schon den hohen Wert des letzteren und wußte auch, daß das Wasser des Toten Meeres sich durch seine Zusammensetzung und die dadurch bedingten besonderen Eigenschaften von allen übrigen Gewässern unterschieden. So berichtet V i t r u v u s, der zur Zeit Christi lebte, in seinem Werke „De architectura", Uber VII, daß „bei Babylon ein großer Asphaltsee sei, auf welchem flüssiger Asphalt schwimmt". Als „Asphaltsee", Lacus Asphaltitis, wurde das Tote Meer bezeichnet. Diodorus Sic ulus nannte es als erster so. In seiner „Bibliotheca", Uber 16, cap. 40, erzählt er, daß „20 Tage vor dem Erscheinen des Bitumens auf dem Asphaltsee ein starker Geruch dem See entströmt, durch welchen Gold, Kupfer und Silber ihre Farbe verlieren"; der erwähnte Geruch und die Beeinflussung der Farbe von Metallen wird durch schwefelhaltige Ausdünstungen verursacht. Strabo schrieb in seiner „Geographica", Uber 16: „Die Oberfläche des Toten Meeres krümmt sich wie ein Hügel und es strömt aus diesem eine große Asphaltmasse hervor. ZHigleicH verbreitet sich in der Luft ein ebenfalls' aus dem Meere aufsteigender rußiger Rauch. Der Asphaltklumpen kommt, durch unterirdische Hitze geschmolzen, aus der Tiefe, breitet sich an der Oberfläche des Wassers aus, wird aber dort beim Erkalten fest. Die Leute binden, wenn der Asphalt erschienen ist, viele Rohre zusammen, rudern hinaus, schlagen den Asphalt, der an der Oberfläche schwimmt, in Stücke, und nehmen diese mit an das Ufer." Die Ansicht, daß der Asphalt aus dem Toten Meer selbst ausgeschieden wird, hat sich vereinzelt bis auf unsere Tage erhalten; meist aber nimmt man heute an, daß der Asph'alt geschmolzen mit heißen Quellwassern dem Toten Meere zugeführt wird. Jedenfalls muß man die Beobachtungsgabe Strabos und seine Versuche, eine Erklärung für geheimnisvoll erscheinende Naturvorgänge zu finden, bewundern. Er nahm an, daß dieser Asphalt vulkanischen Ursprunges sei. Auf den Asphalt kommt übrigens auch die. Bibel an drei Stellen zu sprechen: bei den Beschreibungen der Arche Noahs, des Schilfkästchens, in welchem der kleine Moses lag, und des Turmbaues zu Babel. Im Buche Esther hören wir von einem Rätsel, welches die Königin von Saba dem weisen König Salomon zum Lösen gab: auch hier handelte es sich um dieses Bitumen. Ein anderes Bitumen, das Erdöl, wird im 2. Buche Makkabäer — als Mittel zur Speisung der Opferfeuer —- erwähnt. Im T a 1 m u d, Schabbath 26, heißt es: „Weißes Mahta darf wegen seiner Feuergefährlichkeit insbesondere am Sabbat nicht gebrannt werden!" Das Tote Meer selbst wird im 1. Buche M o s i s erwähnt. Wofür Asphalt — der übrigens noch heute „Judenp e c h" heißt — im Altertum gebraucht wurde? J os e p h u s und P 1 i n i u s behaupten, daß er von den Juden als Heilmittel gegen mehrere Krankheiten verwendet worden sei. Der bereits zitierte D i o d o r u s teilt uns mit, daß der Tote-Mecr-Asphalt nach Aegypten . verhandelt. wurde, wo man ihn zum Einbalsamieren von Leichen gebrauchte. Die Masse, die damals von den Acgyptern benützt wurde, ist nicht mehr bekannt. Jedenfalls dürfte Asphalt in ihr enthalten gewesen sein und wohl auch teilhaben an ihrer Jahrtausende überdauernden, kaum zu übertreffenden konservierenden Kraft. Aber auch zum Schutze des Eisens vor dem Rosten — wie noch in unseren Tagen —, als Mittel gegen Fäulnis, als Anstrich für Gefäße, in welche Flüssigkeiten eingefüllt werden sollten, war der Asphalt des Toten Meeres in Verwendung. In Babylonien wurden Lehmziegel mit Asphalt getränkt, ganz besonders dann, wenn sie zu Fundamentalbauten dienten. Auch wir benützen zum Schutz vor Bodenfeuchtigkeit wasserabweisende Isolierschichten im Mauerwerk der Kellergeschoße. Daß die Boote, die am Euphrat fuhren, mit Asphalt verpicht waren, kann uns nicht wundernehmen. Man sieht diese eigenartigen, korbförmigen Boote, „Guffas" genannt, noch heute im Gebrauch. \ Aus diesen kurzen Angaben erkennen wir, daß der Asphalt des Toten Meeres schon im Altertum vielfache Verwendung fand und daß manch eine Erfahrung, auf die unsere Wissenschaft und Technik heute stolz ist, schou vor Jahrtausenden in Palästina und seinen Nachbarländern wohlbekannt war. In alten Schriften und vor allem in der Bibel, die mit Recht das Buch der Bücher genannt wird, kann man manch einen Hinweis finden, der in einem modernen Buche stehen könnte. Unsere Vorfahren waren in vieler Hinsicht weiter, als wir es gegenwärtig sind und auch in Fragen der „Technik" standen sie vielfach höher als die meisten glauben! Es lohnt sich, in dieser Richtttug Forschungen anzustellen. Wenn Historiker und Techniker; auf diesem Gebiete zusammenarbeiten wollten, könnten sie wahre Schätze aus ungezählten Fundgruben heben!

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