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Die neue Welt · 1928-12-21 · Heft 66 (21.12.1928) · page 10

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 66 (21.12.1928)
Date
1928-12-21
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10_ Hagibor fusioniert. Die nächsten Spiele wird der neue Verein in folgender Aufstellung bestreiten: Zwirn; Kohlmann, Pollitzer; Stern, Thiemann. M. Groß; Grünzweig. Blumetuweis, Schönthal, Lutz II, Torczjfner. Ersate: Garfunkel, Sternklar, Löwy. Hafeoab-LelchtathleHkscktlon. Das WintertrainiiiK hat bereits begonnen und findet im Turnsaal der Bürgerschule II., Holzhauscr- »asse 7. an folgenden Tagen statt:* Montag von 7 bis 9 Uhr abends für Damen, Dienstag und Donnerstag von 7 bis 9 Uhr für Herren. Erste Palästinareise 5689. 13. März bis 9. April 1929. Die Anmeldungen für die vom Verbände radikaler Zionisten, der Vereinigung demokratischer Zionistinnen gemeinsam mit •dem Palesline Touring Club Wien im kommenden Frühjahre unter der Devise „Pur im in Tcl- Awiw" veranstaltete erste Gesellschaftsreise nach Erez Israel laufen bei der Reiseleitung fortgesetzt ein. Die rechtzeitige Vormerkung liegt im Interesse der Reiseteilnehmer, damit auf Grund dieser Vormerkungen die besten Kabinen auf dem Dampier und die schönsten und bequemsten Zimmer in den Hotels reserviert werden können. Prospekte werden über Verlangen gratis vom Sekretariate der Reiseleitung (Frau Berta Taubes), Wien, IL, Böoklinstraße 92, zugesendet. Die Einzahlungen erfolgen auf das Postsparkassenkonto der „Neuen Welt" und ertialten die Reflektanten die nötige Anzahl Posterlagscheine. Auskünfte werden auch aui tclephonischcm Wege durch Frau Paula Stricker, Tel. Nr. R-45-6-89, und Frau Berta Taubes, Tel. Nr. R-43-9-19, gerne erteilt. Predigten. Heute werden bei dem um 4 Uhr 10 Minuten beginnenden Abendgottesdienst in folgenden Gcmeindctcmpeln Predigten abgehalten: I., Seiteristettengasse 4 (Rabbiuer Dr. M. Grunwald); XV.. Turncrsassc 22 (Rabbiner Dr. I. Taglicht); XVI., Hubergassc 8 (Rabbiner Dr. J. M. Bach). Im Gcmeindetempcl XVIII., Schopenhauerstraße 39 (Rabbiner Dr. D. Feuditwang) findet morgen beim Morgengottesdienst (Beginn S Uhr 30 Minuten) ein exegetischer Vortrag statt. Vereinsnachrichten. Jüdisches Zcnirura der Sozialen Hllisgcmeinscliaft. II., Untere Augartenstraße 35. Demnächst Vortragszyklus „Berufsberatung und Berufsschäden" (Dr. Isidor Klabcr). Dienstag und Donnerstag E n gliscu für Anfänger und Fortgeschrittene. Freitag 8 Uhr abends Tanach. Anmeldungen für diese Kurse werden noch entgegengenommen. Samstag 3'Uhr nachmittags J u s e n d g o 11 c s d i e n s t. Gäste willkommen. Zionistische Fraucngruppe X. Donnerstag, den 20. Dezember I. J., R Uhr abends, im Jüdischen Heim, X., Hinnboldtgasse 25, Vortragaus dem Zyklus: ..Silhouetten jüdischer Dichter". Referent Dr. Amalie Kantor. Gäste willkommen. Verein, der Abiturienten des Cliaies-Realgymiiaslums. In der am 16. Dezember abgehaltenen ersten ordentlichen Generalversammlung wurde Direktor Dr. V. Kellner zum Präsidenten gewählt. Die Lcitunjr. dos Vereines besorgt ein dreigliedriger Ausschuß, aus den Abiturienten ü u.t t e r nva n u Jakob, Ebcnstci« Wilhelm und Zeller mayer Jona Bestehend. Der Verein setzt es sich zur Aufgabe, die zionistische Aufbauarbeit der Schule planmäßig fortzusetzen. Allseitige Durchdringung der ■ zionistischen Probleme und Teilnahme an allen zionistischen Aktionen."Mitarbeit ah allen Bestrebungen zur Festigung der zionistischen Organisation und an der Zusammenfassung der jüdischen Jugend Wiens, deren heutige Zersplitterung die Verbreitung des zionistischen Gedankens erschwert. Brüh Hanoar Hatuisräcfii, Wien, II., PratcrstraGe 43. Am 22. d. in unserem Heime Vortrag Josef Babad über „Der Aktivismus im Jungmisrachi" (Fortsetzung). Erscheinen ist Pflicht. Um 7 Uhr abends Melawe Demalke. Jüdischer Hilfsverein Pratcr. Der Verein Pratcr veranstaltet unter* Leitüns des Obmannes Herrn,, Salo N a t o wri c z anläßlich des zehnjährigen Bestandes eine Beklcidungsaktiou für arme jüdische Kipder des Praters. Waisenkinder haben den Vorzug. Diese Aktion wird von den Herren Gesinnungsgenossen Heinrich Edelstein und Gerson Wi ttl i n geführt. Klub Junger Zlonlsten. Ein' Lokal Halbsouterrain, Nähe Löwensass,e, für Klubheim zu kaufen oder mieten gesucht. Zuschriften an David . Weiser, II., Hille'rstraRe 4. ' Zionistische Arbeltsparicl „Hltaclidutii",, II., Ausstellungsstr. 19. Donnerstag, - den 20. d., präzise 8 Uhr abends, "findet in unserem Heim eine C h a j e s - G e d e n k f c^e r statt. Referenten Oberbaurat Ins. Stricke-rund Dr. Chat») lartakowcr. Rezitationen. Samstag, den 22. d., präzise 6 Uhr abends. Heimabend mit Programm. Mittwoch, den 26. d„ 8 Uhr. abends, Meeting: „Die Stellungnahme der Hitachduth zu den stattgefundenen Kultuswahle n". Vorher Vorlesung aus dem;Hapoel Hazair von Chawer Stadtmauer. Cbajes-Realgymnaslnm. Herr Moritz Sprecher hat anläßlich des'ersten Jahrestages des Todes seines Verwandten, des Herrn Oberrabbiners Dr. Chajes, dem Chajes-Realgymnasium einen Betrag von . S -100 gewidmet. Gedenkfeier. Ueber Einladung des Jüdisch-akademischen Philosophenvereines hält Herr Hofrat Prof Dr. S. Frankfurter Donnerstag, den 20. d. M. im Hörsaal 19 der philosophischen Fakultät der Universität eine Gedenkrede für die im Laufe des Jahres 1928 verschiedenen Professoren Leon Kellner, Oppenheim und Kreidl. Beginn halb 7 Uhr abends. Verein für jüdische Geschichte und Literatur. Montag, den 24:- Dezember, halb 8 Uhr abends, im Khibsaal der „Hakoab", Wien, I., Wjpplingerstraße 24—26 (Cafe „Altes Rathaus", Eingang durchs Haustor) Vortrag von Herrn Oberrabbiner Dr. D e n e s Friedmann (Neqpest): „Hauptrichtungen der jüdischen Literatur". Eintritt frei. Gäste-willkommen. Verein, zlon. Hochschülcr „Theodor Herzl". Samstag, den 32. Dezember, 8 Uhr abends, im Heim. IX., Glasergasse 4, Vortrag des \. II. Dr. Leo Goldhammer: „Wirtschaftslendenzen der Gegenwart in'ihrer Wirkung auf die ökonomische Lage der Juden." Jüdische Hochschüler als Gäste willkommen. Lese- und Redehallc jüdischer Hochschüler, IX.. TürkcnstraBe 9. Samstag, den 22. d. M., um 8 Uhr abends, A. H. Dr. Moscheh Landau: ,,D i e , g c g c n w ä r t i g e politische Lag e." Das. Lehrllngshelm „Zukunft" hat gemeinsam mit dem Jugendbund Ii r i t Ii - H a m i s c h m a r eine „Jüdische Theater- % e ni c i n s c h a f t" gegründet die es sich zur Aurgabe macht, Bilder aus dem jüdischen Vplkslcben aufzuführen. Die Theatergemeinschaft setzt sieh durchwegs aus Jugendlichen und Dilettanten zusammen. Ihr Zweck ist eine neuartige Kulturarbeit im Rahmen der jüdischen Jugend und, steht die Gruppe jeder Jugcudveranstaltung zur Verfügung. Eventuelle Wünsche, Anregungen oder Meinungsäußerungen zu diesem Versuch erbitten wirau die Adresse: Jüdisches Lohrlingsheim „Zukunft", 1X„ Grünetör'.'as.se 2&. . VVohltäflgkeitsverciu „Brüderlichkeit", Wien. IL, Untere Aug'artenstraOe 11. Samstag, den 22. Dezember 1928 um 8 Uhr abends im Caf6 Edison, VIII., Alserstraße 9, Festakademie, anschließend Tanz. ^tätliche Verlautbarungen der Israelitischen Kultusgemeinde. Z. 5089 e:< 1«2S. Kund m a c .h « u ig, ' In der Plenarsitzung des Kultusvonstandes vom 13. Dezember 1938 wurden die am 2. Dezember 1928 vorgenptTirtieneu Wahlen in den Kultusvorstand und der Vertrauensmänner aberkannt, wie folgt: Als Mi'tgl i ed e r des Kult-tis vorstand es für ein? . vierjährige Mandatsdauer sind gewählt die Herren: 1. Bernhard Allniaun, Kaufmann, XIII., Kopfgasse 1. 2. Viktor Bauminger, Kaufmann, VII., Kirchengasse 44. 3. Dr. Sanel Beer, Arzt, Abteilungsvorstand, II., Praterstraße 25. _DIE NEUE WELT_ 4. Richard Bettelheim, Prokurist, I., Domi<njkanerbas<tei 17. 5. Kommerziaürat Bernhard Buclrwald, Fabrikant, VI., Maraahilferstraße 95. 6. Dr. Jakob. Deutsch, Medizinalrat, XVII., Ortliebgasse 50. 7. David Dohan, Kaufmann, II., Taborstraße 24 A. 8. Dr. Jakob Ehrlich, Rechtsanwalt, I., HeMerstörferstraße 9. 9. Emil Engel, Handclsesellschafter, T., Scitenstettengasse 4. 10. Dr. Dcsidcr Friedmann. Rechtsanwalt, I., Schottenring 26. 11. Dr. Bernhard Geiger, Uni.versitätS'Proiessar, XIX., Kaassrabengassc 69. 12. Dr. Rudolf Glanz, Rechtsanwalt, XVIH., Weimarergasse 19. 13. Ig.naz Glück, Börscrat, IX., Seegasse 6. 14. Dr. Leo Goldhammer, Rechtsanwalt, IX., Roöaucrläridc 23. 15. WSIheJm Hirsclifold, Oberinspektor der Bundesbahnen i. R., VIII., Blindengasse '3. 16. Siegmund Katidcrs, Weingroßhäudler, XI., Hauptstraße 80. 17. Wilhelm Kempler, Baurat, IX., Liecbteiisteinstraßc 26. 18. Dr. Isidor Klaber, Arzt, II., Lilienbrunngasse 7. 19. Dr. Ignaz Hermann Körner, Reiscbureauinhaber, VIII., Alserstraße 51. 20. Dr. Leo Landau, Bankier, Präsident der Polnischen Schul „Beth Israel", I., Lichtenfelsgasse 7. 2t. Moritz Leitncr, Pappendeckelerzeugcr, II., Untere Donaustraßc 39. 22. Dr. Josef Löwcnhcrz, Rechteanwalt, IX., Nußdorfcrstraße 42. 23. Kommerzialrat Max Markus, Kaufmann, III., Dißiergasse 8. 24. Gustav Moriz, Vcrsioncrnngsibearnter, II., Franz-Hochcdlinger-Gassc 17. 25. Regierungsrat Dr. Hermann Oppenheim, Bankdirektor, III., Dafringcrgasse 4. 26. Dr. Jakob Ornsteiii, Rechtsanwalt, HI., Hintzsfstraße 10. 27. Wolf Pappcniheim, Schriftsteller, W., Kleine . Prarrgasso 1. 28. Professor Dr. Alois Pick, General-Oberstabsarzt d. R., I., RudolfsF'latz 12. 29. Isidor Pol'la'k, Generaldirektor, III., Strohgasse 5. 30. Moses Rath, Verleger, Vizepräsident der Polnischen Schud „Beth Israel", M., Tatborstraße 20 A. 31. Adolf Reich, Direktor, 11.) R&m'brand'tstraße 26. 32. Kommerztalrat Moritz Reiif, Kaufoiann, HI., Veithgasse 11. 33. Mendel Singer, SckrctärrfX.,"Se'Veringas,se 3/6.' . 34. Michael Sternfeld, Kairfnj|nn|i';lL,; Große Sperlgasse 6. 35. Dr. jöisei fichö, Rech'^anwIlV I., Vorlauifstraße 1. 36. Josot H. Waltuch,- Börsefbesticher, I., Maria-Tiheresien- : Straße 24. :. ... v' ^r. V',"'- ' . Die .Liste der als V.c r. t r au eiismä n ner gewäli'lten Personen ist an den Kuindmachungstafeihi der Ktrltusgeineinde veriautbart. . Gegeu diie Agno,sizieruii'g dieser Wa.hJen 'können binnen acht Tagen nach erfolgter Kundmaobuug im Sinne des § 22 der Wahlordnung Beschwerden an das Schiedsgericht der KuiItU'Sgemeinde^(§ 98 des Statuts) eingebracht werden. . Wien, 14. Dezember 1928. Der Präsident Professor Dr. Alois Pick m. p. RegieniTigsrat G u i d o F u c h s g e i b m. p„ Amtsdircktor und .eristcr Scikretär. * Z. S921 ex 1928. Kundmachung betreffend die Errichtung und den Bestand vou Privatbeihausern. Gemäß § 25 des Gesetzes vom 21. März 1890, R.-C.-Bl. Nr. 57, ist die Errichtung und der Bestand von Pri-vatibethäusern sowie die Veranstaltung von Zmsanimentkünften zu gottesdienstlicheu oder rituellen Uebungen von der Zustimmung der Kultusgemeinde abhängig, deren Aufsicht sie auch unterstehen. Der § 81 des Kuitusgemeindcstatutes bestimmt, daß der Kwltusvorstand die Zustimmung zur Errichtung von Vereins- und Privatlbethäusern nur dann erteilen kann, wenn a) ein 'religiöses und lokales Bedürfnis da'für vorhanden, b) die Errichtung und der Bestand des Privatbethauses gesichert ist und c) die für das Bethaus gewählten Lokalitäten weder an sich selbst noch durch ihre Nachbarschaft Aergernis erregen.' In letzter Zeit hat es sich wiederholt ereignet, daß von Vereinen oder Privaten beim Kultusvorstande um die gesetzlich erforderliche Zustimmung zur Errichtung eines Bethatiscs erst in einem Zeitpunkte eingeschritten wurde, in welchem die Miete und Einrichtung des Betlo'ka'les bereits vollzogen war. Der Kultusvorstand sieht sich veranlaßt, vor einem solchen Vorgange zu warnen, weil diesfalls die Gefahr besteht, daß bei Nichtzutreffen der im Kultusgemeindestatute festgelegten Voraussetzungen die Inbetriebsetzung des Bethauses unterbleiben beizw. eingestellt werden müßte. Diese Warnung gilt ebenso hinsichtlich der temporären wie der ständigen Bethäuser, Wien, 17. Dezember 1928, Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien. Bitte um Talleslm und Teffltin! Es ist eine betrübende Tatsache, daß viele Eltern jüdischer Knaben, die vor der Barmizwah stehen, infolge der hohen Anschafifungskosten nicht in der Lage sind, Tallis und Tefiilin, welche zur Ausübung eines religiösen Gebotes benötigt werden, für dieselben anzuschaffen. Jene Glaubensgenossen, die derartige verfügbare Gebetutensilien besitzen, werden gebeten, dieselben behufs Keteilung armer Barmizwah-Knaben dem Schulbüro der israelitischen Kultusgemeindc, I., Seitenstettewgasse 4, III, Stock, zu überlassen. __Nr. 66 DIE MUTTER Roman von Schalom Äscb. Copyright by Dr. Präger-Pressedienst, Wien. (34. Fortsetzung) „Nur ein kleines Stückchen, einen Bisse« nun" Dwojrc hielt das Brot. „Buchholz, es ist doch nicht schön, mit einem angebissenen Brot zu Leuten zu kommen." „Ein kleines Stückchen nur, so wahr ich lebe, nicht viel." „Lassen Sie ihn ein Stückchen Brot nehmen" — verwendet sicli Dwojre für ihn. „Das sieht doch wirklich nicht gut aus, mit einem Brot zu Leuten zu kommen, das angebissen ist." „Nothing. Die Rumänien sind gute Freunde" — lacht Buchholz. Dwojre bricht ein Stück Brot ab und gibt es ihm. # „Ich werde das Brot nicht übergeben, das ■müssen Sie tun. Ich will nichts damit zu tun haben" —- sagt Freier ärgerlich. „Freier, seien Sie nett" — bittet Dwojre. „Hat man das schon gehört? Zu Leuten mit einem angebissenen Brot kommen." Buchholz konnte, sich nicht mehr zurückhalten: „Paßt es überhaupt, after all, zu jemandem mit einem Brot unterm Rock zu kommen" — fährt er mit vollem Mund los, während er dos Brot, zusammen mit einem Apfel kaut, den Dwojre im Geschäft bekommen und ihm heimlich zugesteckt hat. — „Was für ein Aristokrat bist du?" Dwojrc packte das angebrochene Brot wieder ein und sie gingen zu dem Rumänen. Moscovici wohnte in einem alten, mit Schindeln gedeckten' Haus, das abseits am Ende der Straße stand. Es dauerte lange, bis sie das Haus fanden. Als sie die Treppe hinaufgingen, drang ihnen ein so fürchterlicher Kinderlärm entgegen, als würden dort oben förmliche Schlachten geliefert. Sie standen lange bei der Tür, denn infolge des Lärms wurde offenbar ihr Klopfen nicht gehört. Endlich öffnete ihnen eine Frau. „Seht nur, wer hier ist! Treten Sie ein, Freier, ah, Buchholz ist doch auch hier. Sie sind aus Ihrer Dachstube herausgekrochen? Wer ist die ,BaryschnaV (Frau Moscovici war wohl aus Rumänien, kokettierte aber gern mit russischen Worten.) „Eine Bekannte von .uns, Miß Zlotnik, Mistreß Moscovici" — stellte Freier vor. — „Wir sind gekommen... wir haben gemeint... geglaubt" — stammelt Freier und kann nicht das erlösende Wort finden. — „Ist Moscovici zu Ha>use?" „Ja, doch seid still. Sprecht nicht laut. Moscovici arbeitet in seinem Kabinett und das geringste Geräusch stört ihn" — sagt Mistreß Moscovici und dabei sind ihre Worte in dem Lärm der Kinder kaum zu verstehen. „Dann wollen wir lieber gehen." „Nein, nein, treten Sie nur ein, er ist bald fertig." Es war unmöglich, sich in dem Lärm, den die Kinder in der Wohnung vollführten, verständlich zu machen; Mistreß Moscovici rief immer wieder: „Karl Marx, hör' auf! Lassalle, sei ruhig4' — erklärend wendete sie sich an die Besucher: „Den Lärm macht ,Freiheit\ Doch wir haben das Prinzip, die Kinder nicht zu stören, wir erziehen die Kinder frei." Als sie eintraten, sahen sie eine Probe von Mistreß Moscovicis Prinzip der freien Kindererziehung. Eines der Kinder, ein Knabe, — ob er sechs oder neun Jahre alt war, ließ sich nicht erkennen, da sein Gesicht über und über mit Schuhcreme beschmiert war — hatte den Federhut der Mutter auf dem Kopf und eine Weste des Vaters an; in diesem Aufzug saß er auf der Spitze einer Sesselpyramide, die auf dem Tisch stand. Der zweite, der bloß ein Höschen trug, zog an der Stuhlpyramide, auf der sein Bruder saß, so heftig, daß der Bruder jeden Augenblick von oben niederfallen und sich den Hals brechen konnte. Ein Mädchen von etwa sechs oder sieben Jahren, bloß mit einem Hemd bekleidet, riß aus der Kommode reine Wäsche und schmutzige Kleider heraus und wickelte daraus Puppen. Im Zimmer herrschte helle Unordnung, auf dem Boden lagen Bettzeug, ganze und zerbrochene Teller, Leuchter und dergleichen. „Goddam! Der Junge wird doch fallen und sich den Schädel einschlagen!" — schreit Buchholz auf und will den * Knaben von der Sesselpyramide hinunterholen. „Please, stören Sie -die Kinder nicht! Sie haben sich selbst ein Drama aus der Geschichte Amerikas, verfaßt. Das führen sie jetzt auf. Was Sie sehen, Ist kein bloßes Spiel." „Karl Marx, was führt ihr auf?" — fragt die Mutter den indianerbraunen Marx, der auf der Spitze der Sesselpyramide balanciert. Doch die Kinder hörten nicht, denn in dem Höllenlärm, dem Klopfen und Schreien konnte man nicht unterscheiden, wer sprach und was er sprach.

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