Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 66 (21.12.1928)
- Date
- 1928-12-21
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. m WC NEUE WÜßT ScHb f Eine Senenswfifdigk*it Wiens RADIO HAUS HORNY Wien I. Kathaueplatz 9 t>ie Sephardim betätigen sich im intellektuellen Leben des Landes wenig, sie scheinen auf den Lorbeeren ihrer Vorfahren auszuruhen, -denn die Vorstellung, die Aristokratie des Judentums zu sein, haben sie nicht verloren. Sie haben auch den Kontakt mit der Elite unseres Volkes nicht gefunden, der allein imstande wäre, sie zu einem neuen kulturellen Leben aufzurütteln. Mittlerweile führen sie ihr monotones Leben fort, und während das Land Spanier, Deutsche. Italicner, Neger, Indianer etc. in ein oder zwei Generationen zu Amerikanern verarbeitet, bleiben die Juden ihrer Rasse tren, durch geheimnisvolle Fäden mit ihren Brüdern auf der ganzen Welt verbunden. Die jüdischen Nobelpreisträger. Bisher elf Ausgezeichnete. Mit der Verleihung des Nobelpreises an Professor Henri Bergson ist die Zahl der jüdischen Nobelpreisträger auf 11 gestiegen. Der erste Jude, der (1907) den Nobelpreis erhielt, war Professor Abraham M i c h e 1 s o n von der Universität Chikago, der berühmteste amerikanische Physiker; seine Experimente werden als der Ausgangspunkt von Einsteins Relativitätstheorie angesehen. 190S erhielt der Physiker der Sorbonne, Professor Gabriel Lippmann (1918), den Nobelpreis. Den Nobelpreis für Chemie im Jahre 1910 erhielt Professor Otto Wallach von der Universität Göttingen (gestorben 1920). Professor Richard Willstäter, heute die erste Autorität auf deta Gebiete der organischen Chemie, wurde 1915 mit dem Nobelpreis gekrönt. Er war Professor an der Universität München, die er vor einigen Jahren wegen des in Bayern herrschenden reaktionären Geistes verließ. 1918 erhielt den Nobelpreis für Chemie der Professor an der Universität Berlin Fritz Haber, einer der größten Chemiker der Gegenwart, für seine Arbeiten über die Synthese von Ammoniak. In dem gleichen Jahre wurde Professor Paul Ehrlich (gest. 1915). einer der größten medizinischen Entdecker, mit dem Nobelpreis gekrönt. 1921 endlich erhielt Professor Albert Einstein, der Schöpfer der Relativitätstheorie, den Nobelpreis für Physik. 1911 wurde das Mitglied des holländischen Staatsrats Tobias Michael Carel Asser (gest. 1913) mit dem Nobel-Friedenspreis gekrönt, den auch ein anderer Jude, Alfred H. Fried (gest. 1921) im Jahre 1911 erhielt. 1926 erhielt den Nobelpreis für Physik der Professor der Universität Göttingen James F r a n c k für seine Forschertätigkeit auf dem Gebiete der Atomtheorie. — Jüdischen Ursprungs waren die Nobelpreisträger Elie M e t s c h n ikoff, Henri Moissan und der berühmte deutsche Elektrophysiker Gustav Herz. Eine neue sephardische Synagoge in London. Am 9. Dezember wurde im Holland-Park zu London die neue Synagoge der spaniolisch-portugiesischen Gemeinde eröffnet. Die erste spaniolisch-portugiesischc Synagoge Londons wurde im Jahre 1657 in Creechurch Lane in der Londoner City erbaut und war die erste Synagoge in England nach der Wiedergewährung des Wohurechtes. Im Jahre 1701 wurde die Synagoge im Stadtteil Becis Marks erbaut, die noch bis heute die führende spanisch-portugiesische Synagoge Großbritanniens ist. offiziellen Gottesdienstes an der Klagemauer erhalten ge- Wiebefl. Sie wird jetzt von dem bekannten JerusaUmer Geschichtsforscher Örajewski im „Doar Hajom" wiedergegeben: „Wie herrlich war dieser Anblick! 400 jüdische Kinder, Sephardlm und Aschkenasim, zogen mit ihren Lehrern, Eltern, Aufsehern und Führern, mit dem Psalmbuch in der Hand, in Reih' und Glied, flankiert von einer militärischen Ehrenwache, aus den Schulen zur Klagemauer aus. Der Pascha und sämtliche hohe Beamten, wie auch die Führer des Rabbinates waren bereits an der Westmauer versammelt. Dieser Sondergottesdienst wurde mit solcher Rührung und Innigkeit verrichtet, daß selbst die ältesten der Türken, die gleichfalls erschienen waren, sich der Tränen nicht erwehren konnten. Ein kleiner Knabe, Bechor Nissim Beho, stieg auf einen ai der Seite des Rabbiners stehenden Stuhl und trug mit seiner angenehmen einschmeichelnden Stimme von einem Manuskript das für diesen Anlaß speziell verfaßte Gebet in hebräischer und türkischer Sprache vor. Vor innerer Erregung und sichtbarer Teilnahme betonte der Junge jedes Wort des Gebetes, das auf die Anwesenden tiefen Eindruck machte, so daß der Pascha auf den Jungen zutrat und ihn unter Ausdrücken des Dankes im Namen des gesamten Reiches die Hand drückte. Der Kantor sang das übliche Gebet für das Herrscherhaus, der Oberrabbiner sprach das Mi Scheberach, in welchem er den Segen Gottes „für den Sultan, seine Fürsten, Beamten und Ratgeber, dem Pascha vön Jerusalem und das Oberhaupt der muselmaiiischcn Religion" herabflehte. Damit Wurde dieser eindrucksvolle Sondergottesdienst als Festandacht an der Ktagemaucr geschlossen. Die Ehrenwache geleitete diese „jüdische Jugendlegion" bis zur Judengasse, womit die Aufgabe dieses Ehrenschutzes erfüllt war. So geschehen am Freitag, den 14. Ihar 5630." Wie erwähnt, ist das Jerusalemcr Archiv reich an Urkunden darüber, daß die offiziellen Kreise wiederholt um die Veranstaltung solcher offiziellen Festgottesdienste nicht in der Synagoge, sondern an der Klagemauer ansuchten und nach erfolgter Veranstaltung den Dank hiefür an die Repräsentanz der Juden von Jerusalem aussprachen. Unsere EBERGASSINGER Axminster-Teppiche schlagen alle ausländischen und sind!!! mottensicher!!! bei allerbilligsten Preisen GESCHENKE iii reichster ftoswahl, wie: Handknüpftepplche, echte Orientteppiche, Vorleger, Laufteppiche, Vorhänge, Halbstores, Tischu. Bettdecken, Steppdecken... Flanell-, Reise-, Auto- und Wagendecken.... 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Es wird also nicht mehr genügen, einen Brief oder ein Telegramm einfach an „Gymnasium in Tel-Awiw" zü adressieren, weil es sonst wahrscheinlich Monate und vielleicht Jahre lang im Lande herumirren würde, bis es vielleicht doch an die richtige Adresse käme. Wurde doch vor Monaten sogar ein an „Ch. N. Bialik, Tel-Awiw" in Palästina selbst aufgegebenes Telegramm an den Ab* WIMPASING Sdineesckuh bietet StUte Vor Regen, Sdinee und Stra^ensckmutz! Aus der Geschichte der Klagemauer. Gottesdienst auf Befehl des Sultans. Die Vorfälle an der Klagemauer in Jerusalem und das Verhalten der Regierungsorgane hierbei fordert Vergleiche zwischen der Haltung des gegenwärtigen Regimes und des alten Regimes gegenüber dieser von den Juden als heilig verehrten Kultstätte heraus. In den Archiven von Jerusalem, findet sich eine Anzahl von Dokumenteni darüber, daß man an den höchsten Stellen in Konstaiitinopel selbst in den Zeiten der ärgsten Volksbedrückung einen hohen Respekt vor dieser jüdischen heiligen Stätte empfunden hat, und es kam wiederholt vor, daß man am Hof, wenn der Sultan persönlich oder sein Reich sich in schwerer Bedrängnis befand, an die Juden von Palästina die befehlsmäßige Bitte ergehen ließ, an der Klagemauer von Jerusalem Qcbete für das Wohl des Herrschers Vod des Reiches zu veranstalten. Ein solcher offizieller Gottesdienst wurde, wie aus den Archivakten hervorgeht, Im Jahre 1869 an der Klagemauer abgehalten. In dem kaiserlichen Befehl an den Pascha von Jerusalem, den Kadi uüd Mufti hieß es, es sollen „die Juden, soferne sie ottomanische Untertanen sind, an der Westmauer einen besonderen Gottesdienst abhalten, an welchem insonderheit die Jugend des Hauses Israel, Schüler aller Schulen und Talmud-Thora-Lehrhäuser mit ihren Lehrern und Eltern inbrünstige Gebete vor dem Allmächtigen verrichten". Es ist auch eine Beschreibung dieses besonderen Jüdisches aus historischen Ausstellung in Stanislau. Vor kurzeni wurde in Stanislau eine historische Ausstellung eröffnet, durch welche äußerst wertvolle aufschlußreiche Dokumente der alten Geschichte Polens dem Publikum zugänglich gemacht wurden. Dank dem Schriftsteller und Forscher Rüben Fahn ist es gelungen, in diesem Saal in einer bescheidenen Ecke auch eine ganz respektable Sammlung jüdischer Objekte aufzustellen. Da fällt zunächst ein Vorhang aus sehn gut erhaltenem grünen Samt mit künstvollen Goldstickereien in herrlichen Motiven aus dem Jahre 1796 auf. Man bekommt einen Thoraschmuck aus Silber, fein ziseliert mit den eingravierten zehn Geboten, zwei silberne Thorakronen, ein Meisterwerk alter jüdischer Goldschmiede" kunst, zu sehen, das die Verwunderung der Besucher erweckt. Ein Thorakleid mit herrlichen Goldstickereien, mit orientalischen Motiven, erweckt das Interesse der Frauen. Kunstkenner finden ein alles großes Waschbecken für die Kohaiiien mit wunderschönen Figuren und feiner Plastik als das herrlichste Stück der Ausstellung. Ein uraltes Gebetbuch mit Handschrift auf Pergament, ein kleines Bibelbuch aus dem 18. Jahrhundert, eine Gemeindesammelbüchsc, ein Protokollbuch einer jüdischen Gemeinde, das über 200 Jahre alt ist, und noch andere wertvolle jüdische Antiquitäten lassen diese quantitativ wohl bescheidene, aber qualitativ sehr hochstehende jüdische Abteilung der Ausstellung neben den übrigen Sektionen ihren Platz in Ehren einnehmen. Das neue Volksgymnasium in Tel-Awiw. Als ein bezeichnendes Symptom für die geistige und kulturelle Entwicklung der, jüdischen Stadt Tel-Awiw, kann das vor kurzem eröffnete hebräische V o l k s g y mnasium' angesehen werden. Aus diesem Anlasse befaßt sich „Haaretz" mit der Frage: Wie entstehen Mittelschulen und sonstige Lehranstalten in Palästina? Es gab eine Zeit, schreibt das Blatt, da es genügte, wenn von irgend einem Ort in der Diaspora, auf ein Briefkuvert einfach geschrieben wurde: „Gymnasium Palästina" und der Brief kam richtig und sicher an die Adresse; denn in jener Zeit gab es in ganz Palästina nur ein Gymnasium, und zwar H e r z 1 i a h in Tel-Awiw. Dieses Gymnasium bildete dazumal den Mittelpunkt des kulturellen und öffentlichen Lebens im Lande. Viele jüdische Bewohner von Palästina ließen sich der Sicherheit wegen ihre Briefe an dieses Gymnasium adressieren. Heute stehen die Dinge schon ganz anders. Heute gibt es bereits fünf Gymnasien in Palästina, außer J sender mit der postalischen Bemerkung zurückgestellt: „Adressat unbekannt". Wie entsteht nuriiso ein neuss Gymnasium in Palästina? Zehn, zwölf diplomierte jüdische Mittelschullehrer verschiedener Fächer kommen irgendwo zusammen und schließen Miteinander einen Bund. Sie wählen unter sich, einen Leiter, mitunter auch umgekehrt: ein Leiter sucht sich die Lehrer zusammen. Es wird ein minimales Lehrhonorar und ein minimales Schulgeld festgesetzt, dann wird die Verlautbarung über die Eröffnung des neuen Gymnasiums und die Aufforderung zum Eintritt der Schüler verlautbart und das Gymnasium wird „zu guter Stunde" eröffnet. Ob auch alle Behelfe und Utensilien beisammen sind? Da muß man sich eben auf die Zukunft und auf den Genius des Landes verlassen und „mit der Zeit" wird alles da sein. So begann auch das Volksgymnasium seine Tätigkeit. Ein alter Mathematiker, der früher an der weißrussischen Universität Professor für Mathematik war und während 40 Jahre als Direktor eines Staatsgymnasiums wirkte, David Slepian, kam vor einigen Jahren nach Palästina und ließ sich zunächst in Moschabah nieder. Bald reifte in ihm der Gedanke: Warum sollen sich die Söhne der jüdischen Bauern in Judäa bis in das ferngelegen« Tel- Awiw schleppen, um das Gymnasium besuchen zu können? Könnten sie sich doch ein eigenes Gymnasium schaffen! Und das Gymnasium Binjamina in Rischon le Zion wurde gegründet und besteht bereits seit vier Jahren. Dieses Gymnasium wird auch von Schülern aus Rehoboth, Ness-Ziona und Beer Jakob besucht, die wie echte junge Batrern täglich frühmorgens auf ihren Eseln und Maultieren zur Schule kommen. So zieht ein Gymnasium das andere nach sich. Vor etwa einem Jahre gründete derselbe Greis in Tel-Awiw ein zweites Gymnasium, das den Unterricht in den Abendstunden hält, dessen Ziel nach den Versicherungen des Prospektes ist, „auch den Kindern minderbemittelter Eltern die Möglichkeit zu geben, ihre Studien fortzusetzen und sich für den Eintritt in die höheren Lehranstalten im Lande und im Auslande vorzubereiten". Aber der Prospekt versprach auch: „Schüler, die sich in ihrem Studium auszeichnen, sind vom Schulgeld befreit". Das1 Schulgeld beträgt zehn palästinensische Pfund im,"Jahre! Infolge der „gegenwärtigen Lage" werden etwa 70 Prozent der Schüler mit Freiplätzen, oder bedeutenden Ermäßigungen am Schulgeld bedacht. Sollte es sich aber ergeben, daß, Gott behüte, alle 128 Schüler, die gegenwärtig das Gymnasium besuchen, sich in ihrem Fortgang auszeichnen, so werden sie eben alle vom Schulgeld befreit werden und die Lehrer werden sie unentgeltlich unterrichten. Der guten Sache wegen. Dieser Mittelschultypus ist der erste seiner Art int Lande. Es ist ein Gymnasium mit Abendunterricht, »ach amerikanischem Muster. Die meisten der Schüler sind am