Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 66 (21.12.1928)
- Date
- 1928-12-21
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2711613-2711630-2711681--0878-2714053- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Settel DIE NEUE WELT Ife 66 & ,J&^WBHNACimG WHENKE ^war\ ,>^HN?l Vt«WT«M6. It i «wM(r««i5tm schriftlich auf einem Irrtum urki fts dürfte sieh um einen Geburtsschein handem. , Nach dieser kaltschnäuzige« Antwort des Ministers wird sich wohl in der Verweigerung <ter Beschäftigung jüdischer Arbeit nichts ändern. * Dte VerMMnisse in den neuen Jttdlteftefl Gtmehrteräten in Ostgallzlen. Senator Dr. Dawid Schreiber wendete sich in Aftern Schreiben an das Kultusministerium, in welchem er die Beziehungen der Behörden zu den neugewähltcn jüdischen Gemeiiideräten darlegt. Ein größer TeH der Be- 2irkshäUptleute bekundet die Tendenz, die Konstituierung der neu gewählten Kultusfäte nicht zuzulassen, damit in den Orten, in denen die Jüdisch-Nationalen die Mehrheit erlangt haben, die Gewählten ihre Aemter nicht antreten können. So wird angeführt, daß zum Beispiel In Z o l k i c w, wo die Jüdisch-Nationalen gesiegt haben, der Präsident der alten Verwaltung sich erlaubt hat, das Wahlergebnis zu fälschen und der politischen Behörde mitzuteilen, daß die Jüdisch-Nationalen um ei« Mandat weniger erhielten, als es Tatsache war. Auf die Beschwerde der Jüdisch- Nationalen hat die Aufsichtsbehörde (Wojewodschaft) der Bezirkshauptmannschart aufgetragen, diesen Fehler richtigzustellen. Der Bezirkshauptmann hat jedoch diesen Auftrag solange nicht ausgeführt und den neugewählten Rat zur Konstituierung nicht einberufen lassen, bis die Wähl zufolge von Protesten annulliert wurde. Auch in Rudki haben die Jüdisch-Natiönalen bei den Wählen in den Kultusra't die Mehrheit erlängt. In der konstituifcrenden Sitzung wurde zum Präsidenten ein Vertreter der Jüdisch-nationalen Liste gewählt. Der Bezirkshauptmartn hat jedoch dessen Wahl nicht bestätigt mit der Begründung, daß die Einladungen der Mitglieder der Ver-. waltung als rekommandierte Briefe auszuschicken, sind.' Die Verwaltung der jüdischen Gemeinde;liielt daher eine zweite Sitzung ab, in der .dieselbe Person: z.utn.. Präsidenten gewählt wurde. Diese . Wahl soll wiederum annulliert werden, aus irgend einem anderen Grunde; In P r z e w o rs k -besteht,- die -Verwaltung der jüdischen , Gemeinde aus zwei orthodoxen Gruppen, die sich bekämpfen, und aus einem Jüdisch-Natiönalen. Eine "orthodoxe Gruppe vereinigte sich mit den Jüdisch-Nationalen, daher konnte die Konstituierung vorgenommen werden. Der gewählte Präsident wurde vom" Bezirkshauptmann nicht bestätigt und der orthodoxen Gruppe wurde bedeutet, daß es nicht richtig war, sich mit einem Zionfcten zu verbinden. Eine Anzahl solcher und ähnlicher Fälle könnte angeführt werden.,- In derselben Angelegenheit wandte sich, auch Abg. Dr. Reich an den Minister. Diese 'beiden Parlamentarier, intervenierten zusammen mit Abg. Dr. Heinrich Roste a ri n wegen Abstellung dieser Mißbräuohe. Otozwar die östgalizischen jüdischen Abgeordneten die unbedingt regierungsfreundliche Gruppe Ith jüdischen Parlärrientsklub bilden, -ist es fraglich, ob ihre Intervention Erfolg haben wird. •; . . Aueh. in. einer ganzen Reihe anderer jüdischer Gemeinden, wie z. B. in Rawa-Rüskä, in PrzemysI, gelang es, durch „Hinüberziehen" einzeiner jüdisch-nätiönäler Vertreter die zionistische Mehrheit zu einer Minderheit herabzudrücken. Die alten Machthaber halfen slöh manchmal mit Geld, oft stand ihnen, wie in PrzemysI, der Drück der Behörde bei. In S am bor wurde der seinerzeitige, unter Leitung des Zionlsten Dr. Fischöl Rottensreich stehende Kultusrat aufgelöst und durch einen Regierungskommissär er-, setzt Bei den Neuwahlen .hatten die Ziöhiäten wiederum Erfolg. . Um den Regterungskommissär an der Mächt wi erhalten, hat der Bezirksbauptraann den neugewähtteh Kultusrat noch vor seiner KonstHuieruni aufgelöst. All dies beweist, daß die politischen Behörden die alten Machthaber gern in der Verwaltung der jüdischen Gemeinde belassen sehen möchten. Den Bemühungen des aufrechten Judentums, der Korruption in den jüdischen Gemeiridestuben ein Ende c% bereiten, steNt sich die Behörde in den Weg. Das jiddische und das hebräische Vo|ks6chtiiwe*en in Polen. Laut dem selben veröffentlichten statistischen Jfcnrbucfi über das Schulwesen in Polen existierten im Schuljahr 1927-28 auf dem Territorium der polnischen Republik 18 polnisch-jüdisch« Elementarschulen mit 3068 und 9 polnisch-hebräische Elementarschulen mit 734 Schulkindern>' Diese Schulkategorien haben. einen Fortschritt von nur 1 Prozent aufzuweisen. Die Anzahl der Volksschulen mit jüdischer Unterrichtssprache betrug im Schuljahr 1927-28 169, die Schükrzah! 18.641. Die Stebgerung gegenüber 1926-27 betrug 29 Prozent. 1927-28 existierten 89 Schulen (20.060 Schüler) mit hebräischer Unterrichtssprache; Steigerung: 3 Prozent. W27-28 existierten ferner 32 jiddisch-hebräische .-Völksschulen mit 825 Schülern gegen 2 Schulen mit 216 Schülern im vorangegangenen Schuljahr. Insgesamt betrug die Zahl der Schüler aller genannten VolkSschulkategoricn 42.323 gegen 36.864 im vorangegangenen Schuljahr; die Steigerung beträgt 40.7 Prozent. Hierin sind die Elementarschulen mit polnischer Unterrichtssprache, in denen der religiöse Unterrieht in *iebfäischer und jiddischer Sprach» erteilt wird, nicht eingerechnet. Louis Marshall 72 Jahre alt. Herr Lotlis Marshall, der Führer des amerikanischen Judentums und Präsident des Antierican Jewish Coromittee, beging am 14. Dezember seinen 72. Geburtstag. Louis Marshall wurde in Syrakus im Staate New York am 14. Dezember 1856 als Kind eingewanderter jüdischer Eltern geboren. Er ist einer der führenden Rechtsanwälte und Staatsrechte Amerikas und arbeitete bisher an allen konstitutionellen Aktionen der Vereinigten Staaten mit. Bei der Friedenskonferenz in Versailles vertrat Marshall als der Repräsentant der amerikanischen Judenheit die Interessen der jüdischen Minderheiten und fungierte als der Vorsitzende des Komitees der jüdischen Delegationen auf der Friedenskonferenz. Er war Präsident des American Jewish Reliöf Committce, welches in Gemeinschaft mit anderen^ im Joint Distribution Committee vereinigten Organisationen mehr als 65 Millionen Dollar für die jüdischen Kriegsopfer in -Osteuropa aufgebracht hat. In den 'letzten Jahren trat er als der Führer der amerikanischen Nichtzionisten hervor und verhandelte als solcher mit dem Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation Professor Dr. Chaim Weidmann über die Schaffung der erweiterten Jewish Agency. Die jüdischen Volksbanken in Litauen. Das litauische Finanzministerium hat eine Verordnung herausgegeben, wonach in den jüdischen Volksbanken die gesamte Buch- und Geschäftsführung i n 1 itauischer Sprache zu erfolgen haben. Aus technischen Gründen ist diese Verordnung undurchführbar wodurch die 82 jüdischen Volksbanken Litauens in eines kritische Lage gelangten und vor der Gefahr stehen, behördlich geschlossen zu werden. Der Finanzminister hat eine 'ihm Von den Volksbankerj eingereichte Petitton, in der die Bitte um Milderung der Verordnung ausgesprochen war, zurückgewiesen. ■ ' LERNET FREMDE SPRACHEN Berllt± School, Wien, I. Graben 13 ... ... . .. ./Prospakt T auf Wunsch . ',, . „AN AVI" Dauerbrand-Ofen .D. Anavi, vorm. H. Heim, Baden Gräfte Sparsamkeit Solide Konstruktion Ueberau *u haben! Fäbriksnle*»erlage: Ludwig Iteisiittr, I.« ScfcoNtnilitfl 33 **** Ein Bruder von pefcez.Smolenskl gestorben. In Wien starb im Alter vorr<!>2 Jahren Leo Sniolenski, einstiger Mitredakteur der Häsikälah-Zeitschrift „Haschachar'N ein Brüder des Dichters und Haskalah- Vorkämpfers Perez Simolenski. ' Jüdische Einwanderung in Uruguay. Die New Yorker jüdische Efnwanderüngsschiffsgesellschaft f-jias macht die folgenden Angaben über die jüdische Einwanderung in Uruguay während eines Monates: In Montevideo sind 147 jüdische Einwanderer aus dreizehn verschiedenen Ländern angekommen. Es stammten aus Rußland 57, aus Polen 20, aus Litauen ip, aus der Türkei 29, aus Palästina 13, aus Rumänien 5, aus Belgien 2, aus Argentinien 3, aus Deutschland 4, aus Danzig 1> aus Ungarn 1, aus Jugoslawien 2 und aus China 1. Unter, ihnen waren 110 Männer, 28 Frauen und 9 Kinder. Von den Mäpnern waren 62 verheiratet und 48 unverheiratet, von den Frauen waren 22 verheiratet und .6 ledig. Unter den Einwanderern befanden sich zwei, die über 70 Jähre alt waren. .57 von den Eijnyandercrn hatten ein gutes Fach gelernt, während 81 ohne bestimmtes Fach waren. Numerus-clausus-Propaganda in Berlin. Nach einer Mitteilung des Berliner deutschvölkischen „Deutschen Tagblattes" hat die „Allgemeine deutsche Studentenschaft" der Berliner Universität einen Antrag angenommen, in dem die Einführung des Numerus clausus für fremd s.tämm ige Studenten gefordert wird. Zur Begründung des Antrages wird gesagt, daß die Zahl der Fremdstämmigen an den deutschen Hochschulen ungeheuer angewachsen sei. Schändung einer Synagoge in Bessarabien. In L e o v a (Bessarabjeu) ist die Synagoge von bisher unerkannt gebliebeneu Tätern demoliert worden. Die Thorarollen wurden zerrissen und beschmutzt. Der Innenminister ordnete eine strenge Untersuchung an und bedeutete den Behörden von Leova, daß er sie für dieses Vorkommnis verantwortlich machen werde, da es unmöglich ist, daß in einer sö kleinen Stadt sich solche Ereignisse abspielen, ohne daß man auf die Spur der Täter kommt. Es war Sache der Behörden 5n Leova, heißt c» in dem Beseheid des Innenministeriums, wenn nicht die Devastierung zu verhindern, so doch die Urheber f e s t z ttstelien. Gesamtverband jüdischer Hochschüler Oesterreichs Judäa". Am 15. und 16. d. M. fand der Delegiertentag statt, bei dem der bisherige Präses, Dr. Eduard. P a c h tmann. einen ausführlichen Rechenschaftsbericht hielt. Gewählt wurden zum Präses abs.jur. David Bukspann, zum Vizepräses abs. med. Siegmund Schargel, außerdem Ing. Dr. Jakob Mandelkern, Isak Mann, Bergstei-n, Weiler und Zimmermann. Die Juden in Venezuela« Von Eduard Weinfeld, Caracas. Venezuela ist das erste Land, in dem ich die Juden als ein Volk betrachten sah, als eine geschlossene Kolonie, wie so viele andere hier. Diese vorurteilslos* Differenzierung war mir trotzdem nicht sehr sympathisch, weil die Bevölkerung und die Gesellschaft (zwei siemlioh getrennte Klassen in Venezuela), die Juden den Türken und Syrern assimiliert, die sich hauptsächlich als Hausierer beschäftigen. Man kennt uns bloß als ein Volk des Handels. Man weiß kaum, daß wir ein Volk sind, zwar nicht „wie alle anderen", aber ein Volk, das sich am wissenschaftlichen, ästhetischen und moralischen Schaffen der Welt 'lebhaft beteiligt. Allerdings kennt man hier als Juden gewöhnlich 'bloß die. Sapharditn, die in diesemLandc der Vorstellung der Venezolaner zum Teil entsprechen. Die hiesigen Sephardim setzen sich .aus ägyptischen, syrischen, marokkanischen und spanischen Juden zusammen. Ihr gesellschaftliches Leben ist von der übrigen Bevölkerung mehr oder weniger getrennt. Der sephardische Jude betrachtet sich als seiner Umgebung überlegen. Er bekennt sich stets als Jude, wenn man ihn nach seiner Nationalität fragt, im Gegensatz zu dorn hiesigen europäischen Juden, den man, wenn er als solcher erkannt wird, verachtet. Ein Venezolaner findet es für äußerst niedrig Und feige, sein Volk zu verleugnen. „Dasist, wie sich seiner Bitern zu söhämen", (bemerk te mir einer. Die Sephardim haben hier den großen TextMhawdel in Händen und besitzen die reichsten Unternehmungen des Landes. Es gibt Familien besonders von Ouracao eingewanderten holländisoh-sephardischcn Juden, die 'bereits in der Geschichte, des Landes eine Rolle spielen. Unlängst wurde hier in der bedeutendsten Zeitung des Landes der Stammbaum einer jüdischen Familie veröffentlicht. Vom Judentum im europäischen Begriff und den nationalen zionistischen Strömungen im Judentum wissen die Sephardim sehr wenig. Auch das religiöse Leben ist ,auif ein tiefes Niveau gesunken und Moß einzweimal im Jahr,, wenn sich die Gemeinde zum Gebet versammelt, fühlt man den einheitlichen und unruhigen Rhythmus, der im Leben dieser alten Rasse pulsiert. Manche von diesen Juden unterscheiden sich durch nichts von der hiesigen Bevölkerung, aber , im allgemeinen sieht man den Kopf eines Beduinenscheiks von Lilien unter einem .Talith oder die gewohnten europäischen Typen des fetten Börsenjuden oder des jungen Idealfeten. Diesen Sephardim ist jeder Jude aus Westeuropa oder dem Mittelgebie*- ei« Landsmann „ipaisauo" und als solcher ikann man des freundlichsten Empfanges sicher sein. Man schüttelt sich gegenseitig die Hände, wie alte Bekannte, sobald man sich ate Juden erkennt, So schlummert manchmal das alte jüdische Gefühl der Zusammengehörigkeit und es braucht bloß eines Funkens, einer glühenden Idee, um all diese zersireuten Kräfte in einen großen. WMen z>u verwandem. Doch das große Losungswort scheint noch nicht gefunden zu sein., Als ich dem hiesigen Rabbiner vom Zionismus sprach, klagte er mir: „So hartköpfige Juden, wie hier, habe ich nirgends gesehen; sie haben bloß für Geld Interesse. Ich habe alles mögliche versucht, damit man eine Synagoge baut. Ich habe meine DSenste als Vosbeter gratis offeriert, mein Vater die seinen ate Schoohet, •aber es ist nichts zu machen." Die sephandischen Juden sind Jner meistens Selfmademen, großenteils intelligent, aber umgebildet. Im Leben der „Sociedat", der Gesellschaft, die sich aus den Reichen und Mitgliedern der alten Familien zusammensetzt und Farbige, Türken, Syrier und Juden sehr ungern airfitimmt, spielen die Juden keine große RoUe, arber sie haben ihre eigene Sociedat, die vwHeieht. nicht minder intolerant ist. Die leise Awtapö^We, die die 'hwssge Gese$se\ha#t den Juden gegenüber in ihrer Abwesenheit zu-r Steh»« trägt," ist vielleicht ungerechtfertigt, weil die kllngemden hebräischen Namen der Sepfhardim bei alten philarrtbropirechen Werken und öffentlichen Stütangen an erster Stelle stehen. Das große Asyl für Leprakremke wwde von einem bedeutenden jüdischen Arzt gegründet, dem das York w4e üblich nicht einmal die Anerkennung aoHt. Emen Antisemitismus hn europäischen Sinne g*bt es m Venezuela nicht. Der Jude ist weniger an*ipa4W&sdi als der Deutsche, der Tner der einzige Verfechter de6 Antisemitismus ist. Bs ist tbfloß eine Weine" gesefi®eha#t«che In*rige zu verspüren, die auch nicht attsscWieWch gegen Juden gerichtet ist und übrigens henohterfech htoter dem Rücken geübt wird. Viele Juden bemerken es überhaupt nicht und bestreiten es sogar. Man kennt hier noch oioht das Phänomen der Revolte gegen den jüdischen Geist des allgemeinen Fortschrittes. Welches Volle hat fBr Mensohheitskieale so viel gekämpft wie die Juden«? Welches Volk hat mehr Märtyrer für Wahrheit und Webe gestellt, als die Jwfen, «tes Votk der Doi-O«iijo*e»?