Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 66 (21.12.1928)
- Date
- 1928-12-21
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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nt.m DIE NEUE WELT Seite 5 Wie die polnische Regierung das Ausland informiert Ein Lügen-Dokunient über die Jadenfrage. Das polnische Auflenministerium sendet, wie dies seitens jede* Regierung geschieht, von Zeit zu Zeit an seine auswärtigen Vertretungen informative Berichte über wichtige Angelegenheiten des Staates. Diese Berichte werden — wenigsten^ geschieht dies in Wien in dieser Weise —svon sämtlichen Departements geprüft und dann noch vom Minister oder dem von ihm bestellten Organ signiert. Ein solcher Bericht nun ist im Budgetausschuß des polnischen Sejm dieser Tage von dem jüdischen Abgeordneten Dr. Rosmarin zur Sprache gebracht worden und er ist interessant genug, daß man sidi audi außerhalb Polens mit ihm beschäftigt. Daß die a n t i j ü d i s c h e Stimmung tief in der polnischen Gesellschaft sitzt, in der guten polnischen Gesellschaft nämlich, ist ja keine Ueberraschung. Aber die Regierung Bartel hat eine Zeitlang den Eindruck der wohlwollenden, wohlverstandenen Unbefangenheit gemacht und der Premier hat nach dem Mai-Umsturz im Parlament sich zu dem Grundsatz bekannt, daß Antisemitismus mit der Funktion der Behörden nicht zu vereinbaren sei. Aber Worte snd ein Ding und Taten ein anderes. Die Praxis entspricht dem Bekenntnis in keiner Weise. Die Behörden betreiben ihren Antisemitismus ruhig weiter und die Regierung... Darüber gibt der Bericht, den Dr. Rosmarin erwähnte, Aufschluß. Den Auslandsstellen wird über den Stand der Judenfrage in Polen das Folgende gesagt: . „Es sind drei Kategorien der Juden zu unterscheiden. Die erste Kategorie, die zahlreichste, sind , die Kommunisten. Die zweite Kategorie der illo-. y a 1 e n Juden, die antistaatlich gesinnt sind, sind; diea Nationalisten, die Zionisten. Die dritte Kate- . corie, die loyalen Bürger, ist eine geringe Schar. Die Juden sind eingeschlossen im Ghetto und die jüdischen Nationalisten sind bestrebt, dieses Ghetto abzusperren und niemand herauszulassen, sowie auch die Juden unter ihren? Einfluß zu halten. In . w i r t s c h a f 11 i c h e r Beziehung sind die Juden Parasiten, und die antipolnische jüdische Propaganda im Auslände führt zum Anwadisen des Antisemitismus, den die Regierung nur un- , ter bedeutenden Schwierigkeiten überwinden knnn, j . wobei sie sehr oft dem Unwillen der polnisdien Gesellschaft gegenübersteht. Weiter heifit es in dem ■ Referat, daß der,Marschall Pilsudski unter den /' Juden sehr populär sei. Als die Maitage (Mninmsturz im Jahre 1926 — Anm. d. Red.) kamen und als ganz Polen z« den Waffen griff, um zusammen mit j dem Marsehall Pilsudski den Sturz der Reaktion I und die Rettung des Staates herbeizuführen, gingen | die Juden, entgegen den demagogischen Aktionen j . der führenden jüdischen Nationalisten ebenfalls auf \ die Gasse und kämpften zusammen mit den Anhiin- "V gern des Marschalls Pilsudski. Die Zionisten sind die''militanten' Nationalisien, die Iceine Gelegenheit; vorbeigehen lassen, Chaos zu schaffen und Kämpfe unter den Polen im Sejm und in der Verwaltung ■ herbeizuführen. Die jüdischen Nationalisten stören dip judcn an der Vereinigung mit Polen. Die Juden manifestieren bei jeder Gelegenheit ihren nationalen Separatismus. Die wirtschaftliche Lage der Juden in Polen ist eine sehr .schlechte und die Hilfe der ausländischen Juden tut " dringend not." Die: Ausführungen des Deputierten Rosmarin zwangen d je Regierung zur sofortigen Stellungnahme: Herr Zaleski ist in Lugano und so mußte Vizemiuister Wysocki antworten. Er sagte, was ein Minister.' in Bolchen Situationen zu sagen pflegt. Ihm sei per Bericht nicht bekannt, er werde Erhebungen veranlassen und den Schuldigen zur Verantwortung ziehen. Das, Resultat dieser Erhebungen ist offiziell, noch nicht bekannt gegeben worden. Was aber ino^^ mitgeteilt wurde, gibt dem Fall, ein, sensationelles Gepräge. Es zeigt sich in der Behandlung einer bedeutsamen Angelegenheit eine Leichtfertigkeit, die nur zu deutlich beweist, wie man mit jüdischen Fragen umspringt. Die Geschichte ist also folgende: Iin Vorjahre hatte das polnische Konsulat in Antwerpen, einer Stadt mit einer starken jüdisch-polnischen Kolonie, vom Außenministerium einen Bericht über die Verhältnisse der Juden in Polen verlangt. Das Ministerium übertrug die Abfassung . des, Berichtes dem Leiter der privaten Agentur „Wip's, der die Regierung mit Informationen über jüdische Angelegenheiten versorgt. Das Elaborat, das er anfertigte, wurde einem Referenten übergeben, der es las und akzeptierte. Er legte es seinem Chef vor, der den Akt, angeblich ohne ihn gelesen zu haben, unterfertigte. Dieses Bulletin ist sodapn an 'sämtliche Auslandsstellen gegangen und es ist, was mit besonderem Nachdruck betont sei, bei den polnisch-litauischen Verhandlungen in Königsberg von den polnischen Pressebeamten als „Material" verteilt worden. Offenbar hat es dort auch-Herr Woldemares gelesen, der sofort die gute Gelegenheit erkannte, in seiner Judenfresserei umzustecken und sich ein wenig auf die philoseraitische Seite zu legen. Er hat ja kürzlich *in Kowno Herr» Sokolow gegenüber einen der berühmten. philozionistischen Akte von sich gegeben und eine hebräische Ansprache vorgelesen. Ein Antisemit ist immer ein gefestigter Charakter. Aber kehren wir wieder nach Warschau zurück. Nicht etwa, um über den inneren Geschäftsgang im dortigen Außenministerium zu sprechen. Er ist ziemlich nebensächlich. Es ist ein Referent da, der den Bericht für korrekt fand und dem diese Angaben aus dem Herzen gesprochen haben. Er ist — und sicherlich nicht nur er, denn die auswärtigen Stellen haben gegen das Dokument nicht aufgemuckt, da dodi sonst die Sache schon früher hätte auffliegen müssen — er ist also wirklich der Meinung, daß die Juden, fast drei Millionen Staatsbürger, nur Parasiten der Wirtschaft sind und sie treiben im Ausland antipolnische Propaganda, die wieder — alles hat seine einfache Erklärung — zur Ursache der anti jüdischen Stimmung der Gesellschaft wird. Und die Regierung kämpft dagegen an, aber leider vergebens. Denn die Mehrheit der Juden ist kommunistisch, der andere größer^ Teil national jüdisch; die loyalen Bürger sind in verschwindend geringer Stärke. Und doch hätten der Referent und die auswärtigen Konsuln sich nur die Wahlstatistik besehen müssen, um zu erfahren, daß diese kommunistische Mehrheit der Juden zwei Abgeordnete, die Zionisten 13 gewählt haben, daß in der Regierungspartei drei Juden und in der sozialdemokratischen zwei Juden sitzen. Das wäre Lüge Nr. 1. Sie hätten die Reden der jüdischnationalen Abgeordneten und ihre Hinweise lesen müssen, daß ein jüdisdier Arbeiter kein Brot finden kann, daß die jüdischen Parasiten für sich und die Bauern Steuer zahlen, daß jüdische Techniker verhungern, daß christliche Organisationen Boykottaufrufe gegen die jüdischen Kaufleutc erlassen, daß der Magistrat von Bromberg eine milde Stiftung für jüdische Arme zurückweist — sie hätten das und noch tausend andere Dinge über die jüdischen Parasiten in einem Lande erfahren müssen, dessen gesamter wirtschaftsfinanzieller Aufbau ohne jüdisdie Arbeit überhaupt nicht denkbar ist. Der Kampf der Regierung gegen die antisemitischen Tendenzen besteht darin, daß sie für Staatsanstellungen den Taufschein verlangt, daß sie die Aufhebung der zaristischlen; Jjanderwerbsverbote in der Grenzzone^ nur für die vPblen vorschlagt, und daß sie gegen den gar nicht verschleierten Numerus clausus an den Universitäten nichts unternimmt. Die Regierung mag der politischen Gefolgschaft der jüdischen Orthodox-Klerikalen und der jüdischen Assimilanten, cjie sie als staatstreu und loyal gelten läßt (solange sie nrav stimmen), gewiß sein, das gibt ihr und ihren Referenten nicht das Recht, diejenigen Juden, die an ihrem jüdischen Volkstum festhalten, dem chauvinistischen Pöbel auszuliefern. Es ist auch wahrheitswidrig und vom Standpunkte der Staatsräson aus herzlich dumm, von einer antipolnischen Propaganda der Juden im Ausland zu sprechen. Für das Judentum außerhalb Polens ergibt sich aus dieser Affäre ein sehr wertvoller Schlußi und zwar der, daß sie den politischen Fragen des J^andes das stärkste Augenmerk zuwenden müssen, und daß sie die Vertretung ihrer Interessen immer nur. volksbewußten Männern anvertrauen müssen.: Ein jüdischnationaler Abgeordneter hat den Streich dadurch pariert, daß er in die Oeffentliehkeit ging. Ein Assimilant hätte das Maul gehalten und es wäre dann von allen Gesandten und Konsuln unter Berufung auf den Amtscharakter des Begriffes der Wip verkündet woren, daß die Juden Parasiten der polnischen Wirtschaft sind. Das erste jüdische Lehrerinnen- Seminar in Ungarn. Aus Miskolcz wird uns geschrieben: Nach langen Verhandlungen hat das Ministerium für Kultus und Unter rjeht endlich die Errichtung eines jüdischen Lehrerinnenseminars durch die orthodoxe Muttergemeinde in Miskolcz und die Eröffnung dieser Anstalt zu Beginn des Schuljahres 1929-1930 genehmigt. Damit erhält die ungarische Judenschaft die erste Anstalt zur Heranbildung von jüdischen Lehrerinnen, deren Notwendigkeit sich schon sehr fühlbar gemacht hat. Die Errichtung der Anstalt wurde auch von der ueologen Landeskanzlei befürwortet. Auch Sie müssen unser OLSOPHON haben f PREIS S 100.- * Bequeme Teilzahlung! j Unsere Spezialabteilung in m 1 GR AMOL A-u COLUMBIA-1 H Apparaten sowie unsere reiche Auswahl in §j | KUnsller- und Tanzplatten | g bietet jedermann besondere Vorteile §§. | Bequeme Teilzahlungen! | 1 Wien, I. Bellariastraße Nr. 12 1 | Telephon B-39-5-70/71 | lllllllllltlllllllllllllllllllllllllllllllH Brief aus Polen. Von unserem Warschauer N.-R.-Berichterstatter. Den jüdischen Arbeitern wird es immer schwerer gemacht, Beschäftigung zu finden. Die Nichtzulassung des jüdischen Arbeiters wird nach und nach zum Grundsatze. Einige Fälle aus der Menge der vorliegenden Nachrichten seien hier mitgeteilt: In die Ae ro p 1 an f a b rik In S i e d 1 c e, die dem Kriegsministerium untersteht, hätte das staatliche Arbeitsvermittlungsamt drei Arbeitslose geschickt, zwei Polen und einen Juden. Aufgenommen wurde nur ein Pole, der zweite hatte nicht die nötige Qualifika* tion. Der jüdische Arbeiter wurde nicht aufgenommen, „weil er Jude ist". So erklärte die Fabriksdirektion in einem an das Arbeitsvermittlungsamt gerichteten Schreiben. Der Aufseher der Eisenbahngebäude in R a d p m benötigte einen Arbeiter. Das staatliche Arbeitsvermitthingsamt schickte einen arbeitslosen Juden, namens Älter Mandel bäu m, nach Radom. Der Aufseher sandte den Juden zurück und füllte die Rubrik „Ursache der Nichts annähme zur Arbeit" aus: „W e g e n mosaischer Konfessio n". Die Vertreter der jüdischen Arbeiter in Lublin wandten sich vor einiger Zeit an die Postdirekt Ion In Lublin wegen Einstellung einiger jüdischer Beamten und Arbeiter. Die Postdirektion antwortete, daß sie gerne, insbesondere jüdische Beamte aufnehmen würde; es bestehe jedoch { eine Verordnung, wonach die Anstellung von Jude» I nicht zulässig ist. Z. A, V. „Bar Kochba" gratuliert seinem A. H, MARKUSBOKSER zur Promotion zum Doktor der Staatswissenachaft Auf eine Anfrage des jüdischen Arbeitsvermittlungsbureaus antwortete das Post- und Telegrapheiiministerium, daß] es nie etwas ähnliches angeordnet habe. Die Postdjrektloh. in Lublin stellte richtig, daß sie siclrnie auf ein eil solchen Erlaß ber'ufen hat. Die Verhandlung des Budgets des Ministeriums 'für öffentliche Arbeiten benübzte Abgeordneter Griinbaum, um das Recht der Juden auf Arbeit zur Sprache zu bringen. Dieses Ministerium, führte Abg. Grünbaum aus, beschäftigt große Massen von Bürgern nicht nur als Beamte, sondern auch als Arbeiter bei verschiedenen öffent-. liehen Arbeiten. Auf Grund von Erfahrungen muß man zur Ueberzeugung gelangen, daß das Ministerium und seine Organe keine Juden beschäftigen, obzwar die Juden sich zur physischen Arbeit drängen. Zur Illustration führte Abg. Grünbaum an, daß die Leitung des Vermessung samtes der Küstenstrecke in Weiherowo sich an^die Geometerschule in Warschau gewendet hat, man möge ihr Absolventen für einige freie Stellen namhaft machen. Unter anderen Bedingungen wurde seitens des Ver-J messungsamtes die Vorlage eittes Taufscheines angeführt. Der jüdische Abgeordnete trat für das Recht der Juden auf Arbeit ein. Als Antwort meinte der Minister für öffentliche Arbeiten, der Sozialdemokrat Mora* c z e w s k i, daß er bei Inspizierung von staatlichen Arbeiten oft zumindest jüdisch aussehende Arbeiter gesehen hat. Ob sie noch Juden oder getauft sind, wisse er nicht. Mit Daten könne er nicht dienen. Die Bedingung eines Taufscheines, seitens des Vermessungsamtes beruh« wabr- Vor kurzem wurde am Fratw-Josefs-Kai eine «■gtische Restenhalle eröffnet. Wir empfehlen den Lesern der „Neuen Welt", ihre Einkäufe in diesem seriösen Geschäfte in ihrem eigensten Interesse zu besorgen.