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Die neue Welt · 1928-12-14 · Heft 65 (14.12.1928) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 65 (14.12.1928)
Date
1928-12-14
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 DIE NEUE WELT tf*. < SIEGH. KORNMEHL GROSSFLEISCHHAUCREI Zentrale IX., Berggasse 19, Telephon 17-3-99 u. 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten ^Abtellungei^fU^ unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der!sr. Kultusgemeinde Wien Autozusteilung kostanlo» IX., Berggasse 13/ XVIII., Währingarstr. 9? Die jüdische Gemeinde von Washington. Die Zahl der Juden in Washington ist nicht besonders groß. Sie wird auf rund 15.000 Seelen geschätzt. Dennoch besteht außer der Synagoge ein jüdisches „Zentrum", eine Institution, die für alle Bedürfnisse des jüdischen gesellschaftlichen Lebens der Juden von Washington in einem Maße sorgt, daß diese Anstalt nicht nur den jüdischen Gerneinden anderer amerikanischer Städte, sondern auch nichtjüdischen Gemeinden als Muster dient. Das.Gebäude der ,.Jewish Community Centres" bildet eine Sehenswürdigikeit von Washington. Vor kurzem nun haben die Washingtoner Juden ein jüdisches Greisenasyl eröffnet, das gleichfalls den modernsten Anforderungen an eine Heimstätte alter Menschen gerecht wird. Diese Anstalten werden nicht nur durch Beiträge der Juden, in Washington selbst, sondern auch von Spenden der Jüdischen Kongreßleute, Senatoren, Politiker undsonst im öffentlichen jüdischen Leben .stehenden Personen unterstützt und gefördert, welche häufig nach Washington kommen, um gewisse amtliche Angelegenheiten durchzuführen. Sonderbarerweise besitzen, die Washingtoner Juden bisher kein eigenes jüdisches Hospital. Daran ist," so paradox es klingen mag, die Rücksichtnahme auf das Washingtoner Milieu schuld. Ein jüdisches Hospital in Washington muß eine al'lererstklassige und wissenschaftlich höchststehende Anstalt werden, ein Ziel, das begreiflicherweise ungeheure Geldmittel erfordert Doch konnte vor kurzem erst bekanntgegeben werden, daß die finanziellen Voraussetzungen für die Errichtung eines jüdischen Hospitals hi der Residenzstadt des „Weißen Hauses" schon in 'kurzer Zeit geschaffen sein werden. Die Juden in China. Die ersten Kolonisten. Ob der erste Jude tnicht früher als 100'Jahre v. Chr. oder 200 Jahre n. Ohr. nach China gekommen ist? Sicher ist jedenfalls, daß seit mehr als 1800 Jahren Juden in Gh-hia gewesen sind. Zuallererst 'kam der Jude wahrscheinlich von Antioehia längs Zentralasien über die beschwerlichen Karawanenwege, aus Aegypten Baumwolle 'bringend und mit Glas, Papier, feinen Stoffen zurückkehrend. Solche Handelsreisen dauerten ungefähr vier Jahre. Es ist daher leicht verständlich, daß die damaligen jüdischen Reisenden sich oft in verschiedenen Städten längs ihres Weges niederließen: in Kotan, Samarkand, Jarkand, Kaschgar, Sianfu, Kaifeng, und später in Peking, Harakau, Ningpo und Kanton. Die Juden unterhielten zweifellos mit den Juden des westlichen Asien und des südöstlichen Europa, d. i. mit dem Hauptstrom der jüdischen Zivilisation, Kontakt. Aber die mongolischen Kriege des Dschingis^Khan, seiner Söhne und Enkel machten die Handelswege unsicher, mit Ausnahme der kurzen Friedensepochen. Diese Situation veranlaßte dje jüdischen Handelsleute aus dem westlichen Asien, längeren Aufenthalt dort, wo sie sich gerade befanden, zu nehmen, so daß sich jüdische Kolonien zunächst in den Haupthandelsstädten bilden. Das Zentrum des jüdischen Lebens in China war Kaifeng am Gelben Strom, die gegenwärtige Hauptstadt der Provinz Honan, die einer gewaltigen Uebersohwemmung zum Opfer fiel, wobei bloß die Grundpfeiler der jüdischen Synagoge erhalten blieben. Allmählich verschwanden diese jüdischen Kolonien, teilweise durch Kriegsverwüstung, teilweise infolge Mangels an jüdischem Zuzug. In Kansu und Sin.kjang 'hingegen blieben die Juden 'bis auf den heutigen Tag ein lebendiger Faktor. Vor dem Weltkrieg trieben diese Juden Hauptsächlich Handel im russischen Tunkestan und von liier weiter nach Sibirien. Der Krieg zwang sie weiter nach Südost ins Innere Chinas, also auf denselben Handelsweg, den ihre Vorfahren gegangen waren, von Turkestan nach Sianfu, von Sianfu nach Kaifeng, von Kaifeng nach Shanghai. Diese Juden des nordwestlichen China zeigen dieselben Merkmale wie die anderen Chinesen dieses Gebietes. Selbst ihre Bärte sind von jener eigentlichen Kupferbietes. Selbst ihre Bärte sind von jener eigentümlichen KuTtfertfarhe, die für die Moslems von Kansu charakteristisch ist. "Itttt STRENG ntPD Täglich frisch ges Machtet«* Rmd~ und Kalbfleisch wie auch Ma^tgeflUgel zu billigsten Tagespreisen Nur bei Roth, XX. Karl Nalaslstrasae Nr. 3 Auf Wunsch Zustellung ins Haus Der Roman des David Levy. Eine interessante Figur ist, wie George E. Solkolsky. der ki Shanghai wohnende Korrespondent mehrerer Wellblätter, erzählt, unter den turkestanischen Juden ein Mann namens Wong, das heißt Fürst. Diesen Namen nahmen nach der Behauptung Wongs die Leviten an, als sie sich in China niederließen. Sein hebräischer Name war David Levy. Er konnte mandarinisch, tunkestanisch und ein wenig russisch sprechen, hebräisch lesen. Er war 70 Jahre alt, sah ■aber aus wie ein Mann von vierzig: er sagte, daß man in diesem Teil der Welt sehr lange lebe, hauptsächlich durch den Genuß von Ziegenmilch. In Shanghai vollbrachte er die unglaubliche Leistung, in drei Monaten mehr als ein vulgäres Englisch zu erlernen. Zeitweise war er als Hilfs-Tempcldiener in der Obel Rabel-Synagogc tätig. Später war er Wollhändlcr und wurde schließlich von der Gesellschaft ■zur Rettung; chinesischer Juden ins Innere Chinas gesandt, welche Aufgabe er zu Ende führte und verschwand. Wenn er nicht gestorben ist und auch nicht von Soldaten getötet wurde — et* war immer im Kriegsgebiet —, befindet er sich irgendwo in Honan, Shensi oder Kansu mit der Nordwestarmec des Marschalls Heng Yinlisiang. Denn David Levy war ein erstaunlich vielseitiger Mann, der in allen Dingen seinen Mann stellen und Geschäfte machen konnte, solange es ihm gefiel. Er erzählte uns, daß er 10.000 Dollar in chinesischer Währung zur Errichtung einer Synagoge und einer hebräischen Schule in Kashgar übernommen habe und daß sein vornehmer Spender General Ma-Fu-hsiang sei, ein Militär von großer Bedeutung, dessen Vater Jude gewesen sein soll, die Mutter hingegen moslcmitisch. Die „Bagdader Juden" sind Zionisten. Jüngeren Datums ist die Einwanderung der Juden von Mesopotamien, die nach China in Verfolgung ihrer Geschäfte gekommen waren und in Hongkong und Shanghai ein außerordentlich blühendes Gemeinwesen errichteten. Tarler's Eins muß jedem sein bekannt, Barbasol-Rasiercreme wird's genannt ÜBERALL ERHÄLTLICH. Diese sogenannten „Bagdader Juden" kamen von Bombay, Calcutta und Singapore nach China. Die meisten von Unten waren bei den Sassoons beschäftigt, welche die größten Importeure in Indien und China geworden waren. Zur Zeit, I da der Opiumhandel erlaubt war, nahmen die Juden au ihm mit gutem Erfolg Anteil. Nach dem Verbot des Opiumhandels wendeten sie sich dem Boden- und Realitätenmarkt zu und nahmen lebhaiten Anteil am Wechsler .geschält in Gold und Silber. Die „Bagdader Juden" gehören der streng religiösen orthodoxen Richtung an, selbst die jüngere Generation hält ^die traditionellen Sitten, in den Städten, wo man kaum einen Antisemitismus kennt, tragen ihre Gemeinschaften den Charakter des Orientalisch-Jüdischen. Ihre Führer nehmen regen Anteil an den städtischen Verwaltungen und-spenden freiwillig für allgemeine.und.jüdische Fonds. Sie sind fast Edelklinge /SUw*p~ macht Rtcsiefen sunt Vergnügen. ^einzige tehte \ sehtve- J ähehe j Weltmarke { ausnahmslos Zionisten. In China, wo die Eigentümlichkeit J der Exterritorialität besteht, ist die. Staatsbürgerschaft eine! Sache von außerordentlicher Bedeutung; denn der Fremde, \ der keinen von einer Vertragsmacht ausgestellten Paß he- ) sitzt, das ist von einem Staat, der exterritoriale Privilegien! /ki-Zocken | und Fäustlinge, Wiener Spezlalmarke! | In allen Sportgeschafften erhältlich I fiiuiuHuuv.iiuuiuuuuuuuiniunniMiHiiinsiMiMMHtiiniiuuiHiiHiiiiHuiiiniMiHniMHniMiwnniiiinMMHimHnutMF. trachteten, nicht sehr freundlich aufgenommen. Vor 25 Jahren organisierten die angesehenen askenasischen Juden eine Synagogalgemeindc. Zwischen dem russisch-japanischen Krieg und dem Weltkrieg wuchs die askenasische Gemeinde ansehnlich durch Aufnahme von Juden aus U. S. A., Frankreich, Großbritannien und anderen westeuropäischen Ländern, die die jüdische Kultur des Westens mitbrachten. Kaum hatten aber die Kommunisten die Kontrolle über Sibirien erlangt, als eine große Gruppe europäischer Juden sich in Shanghai und Tientsin ansiedelte. Die meisten von ihnen, Kaüfleute aus Sibirien, waren vor der bolschewikischen Verfolgung geflüchtet, einige waren im Besitz eines kleinen Kapitals, die meisten aber völlig mittellos. Die jüdische Gemeinde organisierte zahlreiche Hiifsgesellschaften, um ihnen die dauernde Ansiedltuig zu ermöglichen. Innerhalb zehn Jahren nahm die Intensität des Lebens in diesen Städten gewaltig zu. Es entstanden Basare und Kontore, eine lebhafte Handels- und Industrietätigkeit setzte ein, die im allgemeinen prosperierte. Auch das Kulturnivcau hob sich; Wohlfahrtsvcreiue, Gesellschaften zur Förderung der jüdischen Literatur und des jüdischen Theaters, zionistische Klubs und ähnliche kulturelle und philanthropische Institutionen wurden geschafien, wodurch eine Art Einfügung in das Weltjudentum erzielt wurde. Der größte Teil der russischen Juden besitzt bis jetzt noch keine einwandfreie Staatsbürgerschaft und lebt in China kraft einer Attfentihaltsbewilligung. Man schätzt die Zahl der in Shanghai und Charbin wohnenden auf 7000, aller in China wohnenden Juden auf rund 25.000 Seelen, die ökonomisch und sozial im Aufstieg begriffen sind. Das Land ohne Antisemitismus. Als Kwo Tai-chi aktiver Außenminister der nationalistischen Regierung war, übergab er einem zionistischen Meeting in Shanghai eine Adresse, in der er sagte, daß China den Vorzug habe, in der ganzen Weit vielleicht das einzige Land zu sein, wo der Jude als solcher nicht verfolgt wurde, weder vom Volk noch von der Regierung. Das ist eine wahre Behauptung. Die Ankunft aber jüdischer und nichtjüdischer Flüchtlinge aus Rußland trug nach China den alten antisemitischen Schlagworterummel.; Die weißgardistischen Emigranten waren voll Haß gegen die Juden, alles mögliche unternehmend, um den jüdischen Flüchtlingen zu schaden, was ihnen in den meisten Fällen gelang, da diese unglücklicherweise russische Staatsbürger waren und, so oft es anging, als Kommunisten hingestellt wurden. Man befürchtete eine Zeitlang, daß die Chinesen von dieser antijüdischen Propaganda angesteckt' würden. Aber dem chinesischen Geist fliegt Feindschaft gegen Fremde fern, es sei denn zu ökonomischen und politischen Zwecken, weshalb die Attacke der antisemitischen Russen fehlschlug. So bat sich auch in diesem Teil der Welt ein Stück jüdischer Zivilisation festgesetzt. besitzt, ist den Unigelcgenheiten des chinesischen Gesetzes j ausgesetzt, Die „Bagdader Juden", unter britischer Flagge in Indien geboren, sind britische Untertanen, andere wieder, von Arabien und Mesopotamien kommend, vor dem Krieg türkische Untertanen, stehen gegenwärtig unter französischem Schutz. Einer von ihnen berief sich jüngst auf •ein neues spanisches Gesetz, um Untertan des Königs von Spanien zu werden, mit der Motivierung, daß seine Ahnen in Spanien vor der Judenvertreibnng 1492 gelebt haben. Die „Bagdader Juden" haben zwei Synagogen errichtet, von denen die eine ein architektonisches Kunstwerk ist. In beiden Fällen wurden die Synagogen von wohlhabenden Leuten gespendet, die Qbel Rabel-Syn^goge von den Sassoons, die Betih-Aharon-Synagoge von Salamon Hardoon, einem der reichsten Männer Chinas. . Eine weitere Einwanderung fand während des russisch-japanischen Krieges statt, indem eine kleine Zahl von Juden aus Charbin und sibirischen Städten nach Shanghai und Tientsin kam. Viele von ihnen waren russische' und polnische Juden, darunter auch manche von jenem Typ, der ursprünglich aus Rumänien kommt, der aber überall' in der Levante und in Nordafrika zu finden ist. Nicht wenige dieser Einwanderer richteten verrufene Vergnüg-ungslokale in jenen Städten ein, wo sich Abenteurer und Kriegsgewinner herumtrieben. Sie eröffneten Bars und Lasterhöllen längs einer Bucht, die Yangkingpang heißt und so übel beleumundet war, daß für die Chinesen der Begriff Yangkingpang mit Laster und Verbrechen gleichbedeutend ist. Später machten sich solide Juden, und rwar polnischer und russischer Herlkunft, in Shanghai ansässig, aber wurden von den sephardischen Bagdader Juden, die ihnen vorgefcewroen waren und sich als sozial höher stehend bc-. Eine SpezialVersicherung der Selbständigen. Errichtung einer Krankenkasse für Kaufleute. Ein großes und interessantes Werk der Sozialversicherung wird eben in Oesterreich geschaffen: Die ob« ligatorische Krankenversicherung der Kaufleute. Das] Gremium der Wiener Kaufmannschaft ist die erste Unternehmerkörperschaft der Erde, die an . die Verwirk-. lichumg dieses Problems schreitet, das in der Tat durch!. die Entwicklung der modernen Medizin und die ständige* Verteuerung der ärztlichen Behandlung sowie der not-: wendigen Heilbehelfe und Kuren — auch für den jüdischen Kaufmann — zu einer Notwendigkeit geworden! ist. Sind doch die wirtschaftlichen Verhältnisse gerade^ in Oesterreich in den letzten Jahren so triste. geworden, daß der mittlere und kleine Kaufmann gar nicht mehr in der Lage ist, die hohen Kosten, die heutzutage Opera-, tionen und Kuren erfordern, aufzubieten, so daß er vielfach schlechter daran ist als ein Angestellter oder Arbeiter, der sich auf Grund der Zugehörigkeit zu einer großen! Krankenversicherungsanstalt den notwendigen Heilmethoden und Kuren unterziehen kann. Das Projekt des Gremiums der Kaufmannschaft ist NKHMAtCHINEN 4Mm $20. FAHRRÄDER 1929 monatlich ohne Angabe! lX.UechtenstehutroBetir.27 Tel. A 16-3.64 und A 16.S-6S iu. Wicdner Hauptstraße Mr.8 PICK SPORT* I Tel. A 30.0-36 UND TOURISTEN ARTIKEL

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