Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 65 (14.12.1928)
- Date
- 1928-12-14
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. m DIE NEUE WELT Seite T Eine Sehenswürdigkeit Wiens RAD ^^jjjj^p^ Schade darum. Jammerschade. Demi es ist trotz aller Absonderlichen und Unzulänglichkeiten eine herrlich schöne, klangvolle Sprache, es ist das Kastilische, wie es zur Zeit des Kolumbus gesprochen wurde; es ist die Sprache Calderons und Cervantes, ein Schatz von unermeßlichem kulturellen Wert. Und man spricht es hier viel reiner und richtiger als etwa das Jiddisch der russischen und polnischen Juden. Die Unzulänglichkeiten sind in der Hauptsache darauf zurückzuführen, daß die Spaniolen seit dem Exodus mit der spanischen Heimat keinerlei Beziehungen mehr hatten und daß man so unvernünftig war, von den lateinischen Lettern abzurücken und das Spaniolischc mit einem dem hebräischen Alphabet ziemlich nahestehenden eigenen Buchstabensystem ohne Vokalzeichen zu schreiben. Die Folge war, daß sehr viele Ausdrücke und Wörter fehlen, die man durch hebräische, slawische und türkische Synonima ersetzt, und daß es eine gesetzmüßige Orthographie überhaupt nicht gibt. Im übrigen aber ist das Idiom noch so korrekt, das jeder spaniolischc Jude die kastilische Bibelübersetzung und sogar eine leichtere Erzählung von Cervantes ganz gut versteht, besonders wenn sich der Vorleser die Mühe nimmt, sich in der Aussprache an die hier üblichen Modulationen und Intonationen zu halten. Nebst der religiösen Frömmigkeit von früher, den altehrwürdigcn Traditionen und Gebräuchen Avirft die spaniolischc Judenheit nunmehr auch seine herrliche jüdisch-kastilische Mundart freiwillig und mutwillig ist Täuschung. Unsere hebräische Nationalsprache wird daß an ihre Stelle das Hebräische tritt? Nein, das ist Täuschung. Unsere hebräische Nationalsprache wird in den Orientländern das Spaniolischc als Verkehrs¬ und Umgangssprache nicht ersetzen, sondern die Sprache des einzelnen Landes wird an ihre Stelle treten, ein babylonisches Gewirr von anderen. Landessprachen wird die Erbschaft antreten, das spaniolischc Element wird auch sprachlich atomisiert werden. Dem Hebräischen steht das jüdisch-kastilische Idiom nicht entgegen, aber als ein überaus wertvolles Bindemittel, als Kulturfaktor ersten Ranges sollten wir diese Sprache wie einen teueren jüdischen Schatz, wie ein beiliges Vermächtnis hüten und bewahren. Aber wir Spaniolen stecken schon so tief im Auflösungsprozeß drin, daß an eine Einsicht und Umkehr kaum mehr zu denken ist. Bald wird es im Südosten nur noch kleine Grüppchen von serbischen, bulgarischen, griechischen und türkischen Juden geben, aber die schöne spaniolischc Ganzheit als Nachkommenschaft der edlen spanisch-jüdischen Märtyrer wird von der Bildfläche .verschwinden. Hungersnot anter den Juden Bessarablens. Ans Kischinew, 6. d. M.} wird gemeldet: In einer hier stattgefundenen Versammlung jüdischer Sozialfürsorger gab der Redakteur der Tageszeitung „Unser Zeit", S. Rosenthal, Bericht über seine Reise durch das Hungergelbiet Südlbessaralbieiis. Zehn Städte dieses Kreises leiden große Not. In Akerman mit 5000 jüdischen Seelen sind tausend Seelen auf öffentliche Unterstützung angewiesen. In Volontirowke und in Boiramtsche waren die jüdischen Landwirte nicht in der Lage, ihre Felder m besäen, ihr Vieh geht wegen Futtermangel altaähllich zmtgrunde. In den jüdischen Schulen von Tatargunar, Soirota und Arzig kam es vor, daß Kinder während des Unterrichtes infolge Entkräf.tung durch Hunger in Ohnmacht fielen. Von den 350 jüdischen.Familien der Stadt Reni mußten 100 Familien auswandern. Der Bericht Rosenthals machte einen erschütternden Eindruck. Es wurde betSchäossen, ein Hilfskomitee für die Httngernden zu gründen.; Ein Jüdischer Minister in Australien. Das Parlament in New Victoria hat Herrn H. 'idohen zum Minister für Unterricht und Volksbildung ernannt. Herr H, Cohen ist der erste Jüdische Minister in Australien. iiniiiiiniiiiiiniiiiiiniiiiiiiiiiiiiniiiiiiH Verband demokratischer Zfonfsten 1 Mittwoch, den 20. Dezember 1928 um Va 9 Uhr Ü abends im Cafe" Produktenbörse (Klubsaal) 1 II., Taborstraße 10 j§ Versammlung 1 Gegenstand: ü Die Geschichte der englischen I Arbeiterpartei §§ Referent: Dr. N, Samontky g Freie Aussprache Gaste willkommen i §| ^IIIIIIIIIIiilllllllllllllllllllllllllllllllllillllllllllllllllH Aus Palästina. Defizit int palästinensischen Verwaltungsbudget. Das Budget der Palästina-Regierung für die ersten neun Monate des Jahres 1928 weist ein Defizit von 673.463 Pfund a.uf. Hauptsächlich ist das Defizit durch die im September getilgten Anleihe- und andere Schulden in Höhe von 579.299 Pfund verursacht worden. Im ersten Halbjahr 192S, wo die Einnahmen 1,167.070 Pfund, die Ausgaben 1,313.609 Pfund ausmachten, betrug das Defizit im ganzen 146.619 Pfund. Ein- und Auswanderung. Im September d. J. wanderten in Palästina 282 Personen, unter ihnen 176 Juden, ein; 234 Personen, unter Ihnen 133 Juden, wanderten aus. Jüdische Jugend an den Hoch- und Mittelschulen der Tschechoslowakei. Nach einer Statistik des tschechischen Kultusministeriums besuchten die Hoch- und Mittelschulen der Tschechoslowakei im vergangenen Jahre 18.063 Juden (3984 die Hochschulen, 14.079 die Mittel-, Fach- und Gewerbeschulen). Es gab neun Anstalten mit hebräischer Unterrichtssprache und vier jüdische theologische Anstalten mit insgesamt 332 Schülern. Die Landwirtschaftsschitlcn besuchten 826, die Handelsschulen 2304, die Gewerbe- und Fachschulen 3509 Juden. 1 Max Horn und Frau und Sigmund Plaschkes und Frau zeigen an, daß die Vermählung ihrer Kinder Lizzi und Fritz Sonntag, den 16. Dezember 1928, um Vs3 Uhr nachmittags im Tempel, VI., Schmalzhofgasse stattfindet. Ins Kloster entführt. Der Vater erkennt die Tochter und erzwingt ihre Heimkehr. Aus Lombcrg wird uns geschrieben: Vor ungefähr einem Jahre berichtete die „Neue Welt" über das sensationelle Verschwinden des 14jährigen jüdischen Mädchens Fanny Promis, von dem es hieß, daß es von dem Dienstmädchen seiner Eitern in ein K'lostcr entführt worden sei. Die, Affäre hatte seinerzeit das größte Aufsehen hervorgerufen und es hatte für eine Zeitlang den Anschein, daß es den verzweifelten Anstrengungen der Bitern gelingen würde, das (vermißte Kind wieder zu finden. Die von den Lembenger Behörden nach allen Richtungen ■gepflogenen Erhebungen:^^ veriiefeh^ jedoch resultatlos. , Dem Vater des Mädchens waren damals von private* Seite Mitteilungen zugekommen; denen zufolge das Kind im Fenster eines Leinberger griechisch-katholischen Klosters gesehen und erkannt worden sei. Auch der Vater..sah das Mädchen einmal dort, aber er erhielt trotz seiner Bitten keinen Einlaß in das Kloster. In seiner Verzweiflung wandte er sich damals an Erzbisehof S z c z e p t y c k i, der ihm gestattete, unter polizeilicher Assistenz das Kloster z« durchsuchen. Als Promis aber in das Kloster kam, war das Kind verschwunden. Das Dienstmädchen Marya Wotinco wurde in Untersuchuugshait genommen, mußte aber mangels an Beweisen wieder auf (freien Fuß gesetzt werden. Der verzweifelte Vater nahm aiber mit Bestimmtheit an, daß sich das Kind noch in irgend einem der vielen Lcruberger Klöster befinden (müsse, und verwendete die ganze Zeit über jede freie Miuute dazu, um .die Umigeluing der Klöster zu überwachen. Vor einigen Tagen nun hatte Promis ganz bestimmte Nach^chten darüber erhalten, daß das Kind im Kloster der Barmherzigen Schwestern gehailten werde, und er hielt sich deswegen tagelang in der Nähe dieses Klosters auif. .Samstag, den 1. d. gegen 5 Uhr nachmittags erlebten die Passanten in der Ulica Legionow vor dem Gebäude der städtischen Sparkasse einen ungewöhnlichen Vorfall. Eine Nonne ging in Begleitung eines jungen Mädchens quer über die Straße, als plötzlich aus der Menschenmenge sich ein alter Jude löste, auf die beiden zusprang und mit dem Schrei „Fancya" sich dem Mädchen in die Arme warf. Die Nonne, die sich in Begleitung des Mädchens befand, suchte es mit aller Anstrengung aus der Umarmung des Mannes zu befreien, indem sie ihm drohend zurief, sie werde die Polizei rufen. Der Alte erwiderte: „Rufen Sie nur die Polizei, dies Mädchen ist mein Kind, das man mir vor einem Jahre geraubt hat!" Die Nonne suchte dem Alten klarzumachen, er Was und wo kaufe Uh zu Weihnachten? Gegen zweijährige T«il2ahlungsfriet bekommen Sie Linoleum, Teppich«, Vorhin«.«, Bettgarnrhiren, Steppdecken, Schaf- und BaumwoildecKen Wcißware aller Art und sonstige Bedarfsartikel „LINEUM" Leo Apfel ' XX., WallensteiititraBe 49 Bei Anruf A-46-8-82 kommt Vertieter ins Haus PROVINZVfiRSAND! PROVINZ VERSAND I WWWWW^ müsse sich in einem Irrtum befinden, denn das Kind sei niemals eine Jüdin gewesen. v Eine riesige Menschenmenge hatte sich um die Gruppe angesammelt und bald erschien auch die Polizei. Alle drei Personen wurden auf die Wachstube geführt, wo es sich beim Verhör herausstellte, daß das junge Mädchen tatsächlich mit der entführten Fanny Promis identisch sei. Die Polizei stellte auch fest, daß das seinerzeit verhaftete D i e n s t m ä d c h e n tatsächlich die Schuld an der Entfühnin« trage, und vcranlaßtc die neuerliche Verhaftung desselben. Am Abend erschien bei den Behörden Advokat Dr. Rosenkranz in Begleitung des Senators Dr. Schreiber und verlangte auf Grund des Paragraphen 145 des bürgerlichen Gesetzbuches die Rückgabe des entführten Kindes an die Eltern. Die Behörden haben v dieser Intervention stattgegeben und das Mädchen befindet sich seit Sonntag vormittags wieder bei seiner Familie. Frauen und Kinder amerikanischer Einwanderer. Die Verbesserung des Inimigrationsgesetzes. Wie seinerzeit berichtet wurde, hat der amerikanische Kongreß im Mai dieses Jahres ein Amendement zum Einwanderungsgesetz vom Jafyre 1924 ^beschlossen, durch welches den in Amerika bereits befindlichen Einwanderern die Möglichkeit geboten wird, ihre noch im Ausland befindlichen Frauen und Kinder, beziehungsweise Eltern nach. Amerika zu bringen. Begreiflicherweise haben gleich nach Fassung dieses Beschlusses Hunderte von Einwanderern in Amerika die Schritte eingeleitet, um ihre nächsten Familienmitglieder 'hinüberzubringen und. die auf solche Weise viele Jahre hindurch zerrissenen Bande wieder herzustellen. Die amerikanische Bureatikratie ist nicht um vieles besser und arbeitet nicht rascher als die europäische, hnd so wurden diese sehnsüchtig herbeigewünschten Familienvereinigungeri verschleppt, die Gesuchsteller wurden, überflüssigen Vexationen ausgesetzt, so daß dieser als Segen gedachte Beschluß sich für viele noch als Fluch erwiesen hat. Nunmehr wird uns aus New York geschrieben, daß es dem Washingtoner Repräsentanten. der jüdischen Einwanderungshilfsgesellschaft Hias nach langwierigen Verhandlungen mit dem Einwancierungsdepartement gelungen ist, eine Vereinfachung des Verfahrens und demnach eine raschere Erledigung der in Betracht kommenden Gesuche 211 erwirken. Die Hauptschwierigkeit für die Erlangung einer solchen außerhalb der Quote stehenden Einwanderiingseriaubnis toestand darin, daß die in Betracht kommenden Kinder, beziehungsweise Ehefrauen, nicht imstande waren, von der 'betreffenden amerikanischen Paßstelle des A'uswanderungslandes den offiziellen Nachweis zu erhalten, daß ihr Vater oder Gatte seinerzeit auf. legalem Wege nach Amerika ausgewandert ist. Die amerikanischen Konsulate in Europa verweigern: solche Atteste an Privatpersonen. Ein solches Attest ist jedoch für die Einwanderung auf Grund des oben erwähnten Amendements unerläßlich. Nach dem neuen Abkommen zwischen Hias und dem Emwanderungsamt in Amerika wurden die amerikanischen Einwanderungsämter in den einzelnen Landungshäfen beauftragt, den eingewanderten Personen, welche auf Grund des verbesserten Gesetzes ihre Kinder, 'beziehungsweise Gattin außerhalb der Quote herüberbringen wollen, ausaufolgen. Hiemit ist den in Betracht kommenden jüdischen Einwanderern der Weg zur raschesten Vereinigung mit ihren in Europa zurückgelassenen nächsten Familienmitgliedern geebnet. E Teppiche, Vorhänge, Decken, Möbelstoffe, Linoleum, Messing- und Eiseimiöbei finden Sie in allergrößter Auswahl im Teppichhaus S. Schein A.-G., Wien, I., Bauernmarkt Nr. 10-12-14, Zweigniederlassung VII., Mariahilfer-« straße 90 (Ecke Zieglergasse), Linz: Landstraße 68. ' |WIMPASSING Schneeschuh bietet Schütz Vor Regen, Schnee und Straljenschmutz t