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Die neue Welt · 1928-12-14 · Heft 65 (14.12.1928) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 65 (14.12.1928)
Date
1928-12-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Hr. 65 EHE NEUE WELT Seite 5 Auch lie müssen unser OLSOPHON habenI I Unsere Spezialabteilung in § I GR AMOL A-u COLUMBIAi §§ Apparaten sowie unsere re i ch e Auswahl in §§ I Künstler-und Tanzplatten | p bietet jedermann besondere Vorteile fj | Bequeme Teilzahlungen! 1 1 Wien, I.BellariasfraßeNr.12 I § Telephon B-39-5-70/71 | leitung und in der Generalversammlung wurde festgesetzt, daß der Namen des Verbandes nunmehr lautet: „Verband demokratischer Z i o n i s t e n in Oesterreich (angeschlossen dem Wcltvcrbandc radikaler Zionisten). Dem Verbände gehört auch die „Vereinigung demokratischer Zionistinnen" und die „Vereinigung der Zionistisch-demokratischen Jugend" an. Wir bringen an anderer Stelle das Programm des Verbandes. Zu den Kultuswahlen. Massenversammlung der radikalen Zionisteit. Für den vergangenen Sonntag hatte der Verband radikaler Zionismen eine Versammlung einberufen, in welcher der jüdischen Wählerschaft Rechenschaft über die Haltung der radikalen Zionisten bei der'Wahl gegeben wurde. Es gab einen förmlichen Massenandrang. Mit Spannung folgte das PuiMi'ktim den Ausführungen der Herren Dr. L. Plaschkes, Dr. I. Wald man« und Oberbaurat R. Stricker. Die Referenten wiesen nach, daß lediglich die von den radikalen Zionisten befolgte Politik die -zionistische Organisation zum Kampfe gegen die Assimilation und damit zum Erfdlge geführt hatte. Der scharfe Protest der •Radikalen gegen ein weiteres Paktieren mit der volksfremdßn .und reaktionären „Union", welcher in der MandatsniederlcgtMig der Kultusvorsteher Dr. Plaschkes und Stricker im Vorjahre seinen stärksten Ausdruck fand, brachte, die Zionistische Organisation zur Bestinnung auf sich selbst, je.tzt fordern die radikalen Zionisten Garantien dafür, dai3 die zionistischen Mandatare rückhaltHos für das Programm, insbesondere für das al Igeln eine Wahlrecht, eintreten werden. In diesem Sinne werden sie voli und ganz an der Arbeit der Zionistischen Organisation tefllnohiineu und in erster Reihe kämpfen, wenn es gilt, die Ku'ltusgemc.indc zur V o;1 ik s g c m e i n d e auszugestalten'. Der Beifall, mit welchem die Erklärungen der Referenten entgegengenommen wurde, bewies, daß ehrliche und. energische jüdische V o 1 'k s p o 1 i t i k auch in Wien, zum Siege des nationalen Gedankens führen wird. Ach, diese Ostjuden, sie sind gar nicht zti ergründen! Als unser Freund pensioniert wurde, da knüpfte er an, wo er vor etwa fünfzig Jahren unterbrochen hatte. Der Sabbath gehörte der Lehre, Bibel und Talmud ersetzten das profane Studium an diesem Tage. Wie eij^ •Jttbelruf klang es'mir eines Sabbathtages entgegen: „Ich; verstehe wieder ein Blatt Gemarah zu lernen." ,; Da war es mir doppelt schwer, mein Manuskript vorzulesen, denn das Kapitel hieß: „Differenzen zwischen Ost- und Wes'tjuden." Ich las langsam und bedächtig hielt inne, wenn eine Stelle kam, die ihm vielleicht Aergernis bereiten konnte. Er saß mit geschlossenen Augentj und lange, nachdem ich geendet hatte, erlösten mich die Worte: „Da ist gar nichts dagegen einzuwenden." So wurde dieser Freund und Berater mein Lehrer^ denn in ihm lebte der wertvollste Pädagoge, den ich je kennen lernte. Seine Rede war bedächtig, sein Wort vorsichtig, seine Darstellung lebendig, sein Urteil tief-« schürfend. Und er saß ohne Lehrauftrag in Wien, dessen,' Universität verdorrt. Er mußte der Welt und dem Leben viel verzeihen, er, der gegen vier Vorurteile zu, kämpfen hatte. Das stählte ihn vielfach, spannte aber die Feder zu scharf so daß sie in seinem sebzigsten Lebensjahre ganz plötzlich versagte... An seinem Sarge trauerten unter anderen der Präsident der Republik, Dr. Michael Hainisch, diese unvergeßliche Zjerde österreichischen Bürgertums, und der Bürger*1 meister Seitz, Oberhaupt der Stadt Wien. * Wenn einem armseligen Ostjuden ein Vergehen gegen die Sicherheit; des Eigentums nachgewiesen wird, dann wirft man ihn jedem Juden nach, der jenseits der un« sichtbaren Ostgrenze geboren ist. Sie alle müssen an der Schande tragen. Wenn aber aus Tarnow ein Reis entsprießt w»e Leon Kellner, eine feine Blüte kuKiverter, Menschlichkeit, dann wird die Abkunft verschwiegen» Darum nenne ich diese mit meinem Herzblut beschwerten« Zeilen: Leon KelUer, der Qstjude. Programme, Auskünfte und Fahrkarten durch Reisebureau COOK (in Verbindung mit der Int. Wagons-Lits-Ges ) ien, I., Stephansplatz 2 Die antijüdische Welle in Rußland. Die Pogromtaten der Jung-Kommunisten. Die J. T. A. meldet aus Moskau : Die Moskauer Presse bringt täglich Nachrichten über neue antisemitische Ausschreitungen in verschiedenen Gegenden. Aus Orsch'a meldet „Rabotechaja Gazeta", daß dort eine i m Klub der Jung-Kommunisten beschäftigte alte jüdische Frau von einigen antisemitisch eingestellten Klubmitgliedern verfolgt und mißhandelt wird. In Dnepro- Potrowsk hat ein an der Ortsschule beschäftigtes Lehrer-Ehepaar eine hemmungslose antisemitische Hetze in der Schule und unter der Ortsbevölkerung betrieben. Beide, Mann und Frau, wurden ihrer Stellen enthoben. In Dncpro-Petrowsk wurden drei Studenten, Kaluschin, Gibin und Schat, zu je sechs Monaten Gefängnis verurteilt, weil sie Juden a u f den Straßen überfallen haben. Im Bezirk Schlüsselburg bei Leningrad haben in einer Fabrik vier Werkmeister die jüdischen Arbeiterinnen in schwerster Weise mißhandelt. Sie sind mit vier Mitschuldigen dem ,Gericht übergeben worden. Der Prozeß wird für sie vermutlich sehr ernste Folgen haben, da die Anklage nicht nur auf Mißhandlung, sondern auch -auf. „Erregung nationaler Zwietracht und Schädigung des Ansehens der Diktatur des Proletariats" lautet. In der Leningrader Fabrik „Peter Alexejew" wurde der jüdische Arbeiter' Schulman von antisemitischen Arbeitern mißhandelt. Eine Untersuchung ist im Gange. Das kommunistische Kreiskomitee in Woronesch hat eine Kommission zur Untersuchung der antisemitischen Untaten eines Teiles der Studentenschaft gegen die jüdischen Kollegen,; die.. u, a. auch . den jüdischen Studenten M e i s I zum Selbstmord getrieben haben* CENTRAL-KINO ll.Taborstraße 8 Tel.42-3-41 um! Zi (Gutmann contra Apfelbaum) : i' Eine Jargon-Komödie nach dem Lustspiel von Alexander C a r r mit Alexander Carr, Mary Alden, Baby Peggy Beginn: An Werktagen um 6, ^.ß und 9 Uhr An Samstagen, Sonn- und Feiertagen ab Va5 Uhr [ODl •eingesetzt. Aluf Grund des bisherigen Standes der .Untersuchung hat die Sektion der Medizinstudenten den Studenten des fünften Kursus, Piatnitzki, aus der Sektion ausgeschlossen und der Universitätsleitung vorgeschlagen, Piatnitzki aus der Universität Woronesch zu entfernen mitJdem Vermerk, daß er an keiner anderen Universität Rußlands aufgenommen werden dürfe, Piatnitzki und sein Helfershelfer, der Student Timofejow, wurden in Haft genommen. Die Untersuchung hat ferner ergeben, daß V die antisemitischen Professoren Hwe';'Kampagne gegen jüdische Studenten in aller Oeffentli'chfeeit geführt haben. Besonders verfolgt wurden die jüdischen Studenten, die trotz ausgezeichneter Kenntnisse: bei den: Ejcamen durchfielen. " Wie die Zeitungen melden, werden jetzt überall in Weißrußland im Zusammenhang mit der Affäre B/arscjvay antisemitische Nester aufgedeckt. Man» erfährt, daß . auch jüdische landwirtschaftliche Produktivgenossenschaften schwer unter Antisemitismus zu leiden haben, im ■Kreis Hornel haben antisemitische Banden jüdische 'Bauern mit Steinen beworfen und ■einen jüdischen Knaben mit Oel Ubergossen, , In den Feldern der jüdischen landwirtschartlichsn Kollektiven wurde viel Frevel begangen und die Ernte geschädigt. Eine Gruppe antisemitischer Feldfrevler wnrde vom Volksgericht zu zwei Monaten Gefängnis yerwrtejjti das Kreisgericht hob aber dieses Urteil auf, -In Minsk wurde der Arbeiter in der Lederfabrik.„Bolichewik", Gontscharik, ein gewesener polnischer Gendarm, der einen jüdischen Arbeitsgenossen mit kochendem Leim Übergossen und lebensgefährlich verletzt hat, verhaftet. In einer Fabrik in Samara haben drei Mitglieder, der jungkommunistischen Partei eine Vcrfolgungskampagne gegen einen jüdischen Arbeitsgenossen geführt. Die jüidfischen Arbeiter in einer Fabrik in Trozk haben eben* (falls unter Verfolgungen zu leiden. In Bobruisk hat eine jüdische Pflegerin des Ambulatoriums des Krankenhauses Selbstmord verübt, weil pic seitens des leitenden Arztes des Ambulatoriums starken Verfolgungen ausgesetzt war. Ukrainische Bauern gegen jüdische Kolonisten. Die jiddisch-kommunistische Zeitung „Stern" meldet aus dem Rayon Pokrowsk, daß die jüdischen Kolonisten in diesem Rayon von den ukrainischen Bauern schwer terrorisiert werden. In den Kolonien Ka- Ünin und Uspenska drangen ukrainische Bauern mitten! aim Tage in die Häuser der jüdischen Kolonisten ein •und plünderten das gesamte lebendige und tote Inventar. Die lokalen Behörden ergriffen keinerlei Maßnahmen gegen die Hetzer und Uebeltäter. Die Geschädigten wandten sich an die lokale Milizbehörde uml Hilfe, doch wurde diesem Ersuchen keinerlei Aufmerksamkeit geschenkt. Erst als die Tatsache zur Kenntnis des! Kreiskomitees gelangte, wurde eine gründliche Untersuchung eingeleitet, die zur Folge hatte, daßl der Rayonsvorsitzende Lemeschko und der Chef der Rayonsmiliz Tkatschenko von ihren Posten entfernt wurden. Die Zeitung beschuldigt die lokalen kommunistischem Organisationen der Gleichgültigkeit gegenüber den Erscheinungen des Antisemitismus!und meint, wenn nicht diesen Erscheinungen mit den nötigen Mitteln entgegengewirkt wird, so werden die Beziehungen zwischen den jüdischen Kolonisten und den ukrainischen Bauern sich radikal verschärfen. Bernhard Baron 78 Jahre alt, 70 Millionen für Wohlfahrtszweck«. Aus London, 6. d., wird berichtet: Herr Bernhard Baron, .der berühmte jüdische Philanthrop, feierte ■-am 5. Dezember den 78. Geburtstag. Er schenkte — wie alljährlich an seinem Geburtstage — jedem der 3000 Angestellten der Firma Carreras Limited, deren In-. haber er ist, einen Wochenlobn. An seinem 78. Geburtstag machte der Bernhard-Baron-Wöblfaihrtstrust für Hospitäler und Asyle für Waisen und verkrüppeite Kinder seine ersten Zuwendungen an etwa 200 Institutionen in der Gesamthöbe von 36.000 Pifund. Für diesen Trust, dessen Vorsitzender der Marquis v. Reading ist, hat Herr Baron bekanntlich 575.000 Pfund gestiftet. Bis .heute hat Herr Baron für Wohlfahrtszwecke rund 2 Millionen Pfund gestiftet, davon einen gewissen Teil ifür speziell jüdische Wöhlfahrtszweckc. Außerdem spendete er größere Summen für Palästina- Zwecke ('Hebräische Universität mnd Keren Hajessod). Große Keren Haiessod-Spende eines Pariser Bankiers. Aus Paris meldet die J. T. A.: Ein ungenannt sein wollender Pariser Bankier spendete 100.000 Franken für den Keren Hajessod. An unsere Leser! Wir bringen hlerrtit zur Kenntns, daß das bekannte Musikhaus Excelsior. Wien, I., Adlergasse 5 und IL, Kleine Pfarrgasse 28, sein reichhaltiges Lager in jüdischen und hebräischen Schallplatten durch die neuesten original amerikanischen Aufnahmen kantoraler und jüdischer Gesänge ergänzt hat. Zu Propagandazwecken wird eine große Serie von Schallplatten an diejenigen Leser unseres Blattes, die sich auf diese Ankündigung berufen, zu bedeutend ermäßigten Preisen abgegeben. Modellhüte Finy Glücklich Modernisierungen aller Art WIEN, IV., BLECHTURMGASSE Nr. 8 Telephon U-43-9-19

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