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Die neue Welt · 1928-12-14 · Heft 65 (14.12.1928) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 65 (14.12.1928)
Date
1928-12-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seflfe A DIE NEUE AVELf Nr. 65 Verband der demokratischen Zionisten in Oeitjerr^eh. Programm. Das Ziel des Zionismus. Der Zionismus erstrebt die Wiederauirichtung des judischen Volkes, das nationale Selbstbestlmmungsrecht für die Juden. Nach zweitausendjähri-ger, politischer, sozia^erj religiöser und 'kultureller Entrechtung und Bedrückung soll das jüdische Volk wieder dähin gelangen, seür Leben frei gestalten und sein Schick* sal selbst bestimmen zu dürfen, wie alle anderen freien Völker. Die wichtigste, unerläßliche Bedingung für die Erreichung dieses Zieles ist die Schaffung eines unabhängigen, nur dem Willen des jüdischen Volkes und den Satzungen der Vereinigung aller Kulturnatlonen (Völkerbund) unterstellten Gemeinwesens auf jüdisch-historischem Boden, des Judcnstaates in Palästlna. Dieses Gemeinwesen soll die größtmögliche Zahl von Juden aufnehmen, ihnen freie, normale, politische, wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung ermöglichen und dem Gesamtjudentum als Bollwerk jüdischen Rechtes und jüdischer Kultur dienen. Der Weg des Zionismus. Der Zionismus fordert Freiheit und Gerechtigkeit für das jüdische Volk. Er fordert nachts', was andere Völker oder Gemeinschaften in ihren Rechten beeinträchtigt oder bedroht. Nicht fremde und nicht eigene Gewalt, nicht politisches oder diplomatisches Ränkespiel, nicht das Ausspieleu fremder Mächte' gegeneinander können die Mittel sein, um das angestrebte Ziel zu erreichen. Der Weg des Zionismus ist gerade und seine Mittel sind: ■Erziehung der iü d i s c Ii c n M e u s c h e n z u rr) nationalen Bewußtsein u n d E r w e c k u n g des Wi'dicns zur , nation a 1 c n Freiheit d m j ü d i s c h e n V o i k e. . Auif kJ ä r u n«sa r b eit •unler den Kulturv.ö l'k e r n, u m s i e zur Anerkennung des Rechtes der jüdischen Nation auf v öl. 1 ige Gleichb ct e c Ii t ig uIig u nd freies Laiid zu bringen. Besiedlung Palästinas und Er schlieft u.ng der Kräfte dieses L..andes in ehrlicher, friedlicher Arbeit zum Zwecke der Bildung einer ) üd'rf s c h,e n Ma.jo-rität unter voller Wahrung d e r n a i i o n a 1 e.n, p pH t i s c h n \ und Wahrung der nationalen, po 1 i t i s c h e n u n d woiner des Landes. '. ' Der Träger des Zionismus. ■ Träger - des-' Zionismus ist die- Z i orn i s •H>-s,-c*ii e ■ 0 r g a n i s a t i o n. Sie ist die demokratische Zusammenfassung aller Juden, welche sich der jüdischen Nation zugehörig fühlen, sich zu ihr bekennen und bereit sind, ihre Kräfte in den Dienst der zionistischen. Freiheitsbewegung zu stellen. Bis zur Erreichung des Endzieles ist die Zionistische Organisation das Vollzugsorgan des j üdis.chen Volkswillens. Ihr obliegen alle Arbeiten im Interesse der Anerkennung und des Schutzes der Rechte des jüdischen Volkes, seiner nationalen..Erziehung und des Aufbaues des nationalen Gemeinwesens in Palästina. Daraus ergeben sich für die Zionistische Organisation als Hauptaufgaben: ' .- :. •.; >. Die Arbeit innerhalb . des Judentümer Erweckung und Pflege "des' jüdischen'.Ztisahimcngehörtgkeitsgefühies. Erziehungder 'Jugend im' nationalen Geiste; und ihre Durchdringung' mit hebräischer' Spräche und jüdischer Kultur. Unablässiger Kampf gegen diejenigen assimilatorischen Bestrebungen, welche den jüdischen Stolz, das jüdische SolidarltStsgetühl und die Liebe zum Judentum untergraben, welche das Judentum geschwächt mid der Verachtung preisgegeben haben und zur Selbstverachtung fahren. Organisierung der Juden in ihren Wohnländern zum Zwecke der Anerkennung und des Schutzes ihrer staatsbürgerlichen und nationalen" Rechte und Anteilnahme an allen Bestrebungen zur Hebung' der 'sozialen und wirtschaftlichen Lage der Juden. Erziehung zur Opferbereitschaft für das nationale Aufbauwerk in Palästina und zur persönlichen Anteilnahme an dem Aufbau. Die Arbelt außerhalb des Judentumes. Sie umfaßt alle. Maßnahmen,, welche dazu dienen, bei den Kulturvölkern und ihren. Regieriwigen und Repräsentanten, insbesondere aber bei den dm Völkerbünde vereinigten Nationen .freundliches Verständnis für die zionistische Freiheitsbewegung zu wecken, zu erhalten und zur werktätigen Hilfsbereitschaft zu steigern. Der Hauptstützpuii'kt der zionistischen Forderungen ist heute die B a lf o u r-D e k 1 a r a t i on in. der Form, in welcher sie in den Friedensverträgen und im Mandate des Völkerbundes festgelegt ist.. Öle Zionistische Organisation muß unermüdlich darüber, wachen und bei den maßgebenden Stellen tnvabläßig dahin . wirken,, daß die im Mandat festgelegten Rechte, des . jüdischen Volkes, insbesondere aber die Rechte des jüdischen Palästina, nicht, durch irgend weiche Handlungen der , Palästinaregierun«... - oder andere Faktoren gekürzt werderu.Sie muß das Verständnis für den weltpolitischen Charakter des Zionismus zum Durchbruch-.bringen. Die Lösung, der Judenfrage ist keine rpininnere .Angelegenheit-des -jüdischen Volkes. Die abnormalen ■ Bedingungen, unter denen das jüdische Volk gezwuiiigen. lebt, Krufen Störungen hervor, welche das Interessc^.d.er ganzen Kultur- Reisstärke „REMY" die anerkannte Qualitätsmaike und Weizenstärke „Tüll Anglais" bei Wiener Handelsgesellschaft m.b.H.,Terra', Wien IV., Prinz Eugan»StraBa 10./ To3. gj-43-0-S5 Serie menschheit treffen. Die .Lösung der Judenfrage im zionistischen Sinne bereichert die Kulturwelt um einen wertvollen Faktor und trägt in hervorragendem Maße dazu bei, den Frieden zwischen Europa und Asien zu befestigen. Von diesen Feststellungen' ausgehend, muß die Zionistische Organisation trachten, die Balfour-Deklaration dahin zu erweitern und zu vertiefen, daß es Pflicht der im, Völkerbünde vertretenen Nationen Ist, dem Aufbau des jüdischen Palästina aktive Mithilfe angedelhen zu lassen. Der Aufbau In Palästina. Der Aufbau des jüdischen Gemeinwesens in-Palästina erfolgt unter Verantwortung der Zionistischen! Organisation. Sie muß die für diesen Aufbau tauglichen Menschen und die für die Regelung des Aufbaues" notwendigen Mittel beschaffen. Sie kann sich aber nicht auf die Erfüllung dieser Aufgaben beschränken. Bis zum Zeitpunkte, in welchem das jüdische Palästina seine politische, soziale und wirtschaftliche Entwicklung selbst zu formen vermag^ muß die Zionistische Organisation bestrebt sein, den Gang der Dinge in Palästina zu regeln und zu beeinflussen. Sie muß alles fernhalten, was das junge Gemeinwesen in seiner Entwicklung zu stören vermag, sie muß alles fördern, was seiner gcsiunden Entwicklung dient. Sie muß vor allein dafür Sorge tragen, daß der Aufbau vor äußeren Anfeindungen geschützt werde und im Sinne sozialer Gerechtigkeit und der Voranstellung jüdischer Selbstarbelt erfolge. Beitrittserklärungen sind an das Verbandsbüro, Wien, IX., Universitätsstraße Nr. 6-8 oder an die „Neue Welt" zu richten. Mitgliederaufnahme findet auch bei allen Veranstaltungen und Versammlungen des Verbandes statt. LEB N E T FREMDES F*RÄ C H E N .7 . : .,:-.>...:.-••.•;;.in Wen <■<?■:.: -•; •-.,?••, BerSstz Schoo!, Wien,J. Graben 13 ■ . Prospekt 7'auf Wünscht' - ' ' ' { Verband demokratischer Zionisten in Oesterreich. (Angeschlossen dem Weltverbande radikaler Zionisten.) .'In der am 5. Dezember' abgehaltenen au ßer-; ordentlichen Generalversammlung , hat der . „Verband" der radikalen Zionisten in Oesterreich" bc- I •ychlqsse^,/-s.eineX;Namen zu ändern. Maßgebend für diesen j 'Be:schitiß wdr der'^ üi^stoid/daß die Bezeichnung' „radij kal" die Bestrebungen des Verbandes nicht hinreichend j charakterisiert. Nach längerer Debatte in der Verbands- V E 1* B A N D .,&rE, M Q K R A TISC HER Z I O NISTE N MIIIIIIIIIIIIIIIIIII!III!!!I!!I!!!I!!I|II!IIIIIIIU Samstag, 15. Dsiemheri um: Uhr abends im Caf 6 N ep tun- (Klublokal), Wieiij XX., Gaußpläjz 11 :? 'iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiini'iw GEGSNSffAND: Die Kultuswahl — Was wollen die demokratischen Zionisten? REFERENTEN! s Cberbaurat Robert Strickor, Dr. I. Waldmann Gäste willkommen I es müßten sich viele, viele Dutzende meiden, die mit dem Losungswort: „Wir sind aus Czernowitz!" seine Zeit in Ausbruch nahmen. Hatte er so des Tages über für die Gegenwart gearbeitet, diente die Nacht der Zukunft. Kein Rasten, kein Zurück, fast gar keine Rühepause» Kaum ist der Krieg vorbei, rafft er die letzten Groschen zusammen, fährt nach' London, wo es ihm als-ersten gelingt, die zerstörten Brücken zur englischen Autorenwelt wieder aufzurichten, und wo er wiederum Hand in Hand mit Frau Anna alfe Shakespeare-Drucke auf ihre innere Wahrheit prüft. ' .< : *. ..;. ■ ... Das Reich ist zerfallen, Czernowitz rumänisch, da beruft ihn Dr. Renner ins Bundespräsklium,. wo .er englische Dokumente übersetzt, Briefe konzipiert und bei englischen und amerikanischen Besuchen neben dem Bundeskanzler als Dolmetshc sitzt. Selbst Dr. Hainisch'* der die englische Sprachebeherrscht, wollte diesen feinen Sprachenkenner nicht missen. , Und an. einigen Abenden. lehrte er, um sich ein. bißchen zu erholen, auf dem Ludo-Hartmahn-Platz strebsamen Arbeitern und Angestellten die englische Weltsprache, und er dozierte auch an,der Technik zweima'i in der Woche als einfacher Lektor, ohne dem Senat anzugehören.; ' * ... ' Nun wollen wir ein, wenig aufatmen. Hat denn einer von uns allen einen Begriff vou der Arbeit, die hinter all dem steckt, was wir hier aufgezählt haben? Von der aufgewendeten Energie, von der zähen Geistesarbeit, von dem profunden Wjssen, das jede. einzelne dieser Arbeiten beanspruchte? Mich hatte das Kriegsschicksal nach. Bern geführt, wo ich als Helfer amerikanischer und österreichisch-ungarischer Diplomaten vermittelnd tätig war. Als ich 19?4 nach Wien zurückkam, leuchteten seine Augen, da ich ihm vieles erzählen konnte, was ich so nebstbei auch für . Juden als solche anregen konnte. Seine jüngste Tochter, Frau Dr. Benjamin, hatte in Bern in Anwesenheit» Oer Mutter einen* Raaben das Leben',geschenkt. (Seinu] ältere Tochter Frau Dr/ I?aula\ Arnold, auch eine bekannte Upbersetzerin. und , Lehrerin des Engjischeri,. ist in Wien tätig.) So hatte er durch seine Familie hian-' ches von meiner Arbeit erfahren.■•.«Und doch-war-« seine erste Frage: Was haben Sie geschrieben?: Denn er .schmälte» mitmir, daß ich, im Verdruß über jüdische Rücksichtslosigkeit innerhalb , und außerhalb des eigenen Lagers die Lust an künstlerischer Gestaltung, verloren hatte. Als ich aber Plan und Skizzen zu; meinem Buche: „Die .Kunst als Jude zu leben" vor ihm ausbreitete, da ließ er. rriieh nicht mehr los. Ich mußte, erzählen, vorlesen, erklären» so daß unsere Gedanken zusammenströmten wie einstl in alten Zefiteu, da Herzl .uns hielt und einte: Da waren die kostbaren alten Shakespeare-Drucke vergessen es folgten Ermunterung, Anregung, karges Lob, vorsichtiger Tadel, ünd bald war Leon Kellner das wissenschaftliche Gewissen ftieines; Werkes. Ich mußte drei- bis viermal ändern, umbauen, neu aufstellen,; Quellen. sucheni aber, alles aus,eigenem. Seine Bemerkungen waren karg im Wort, manchmal mit einein versteckten Sinn, zum Betspiel: „Das ist zu wenig" oder. .wenn ich eine Behauptung aufstellte, eine neue Theorie geschrieben hatte-.-: „Das müssen Sie beweisen." Oder .beim Weggehen: „Sie, York-Stehier, das möcht ich mir überlegen.*' Dann saß ich einige ivionate in den Bibliotheken, kam" wieder, bis es hieß:. „Dagegen ist nichts einzuwenden." tr. war mir sehr überlegen; auch weil er sich viel alter gebärdete — volle drei Monate. Sein siebzigster Geburtstag wäre um Ostern gefeiert worden. Nur einmal wußte er mir kein Material, und zwar für den, Abschnitt: ChristliQhe, Judenfreunde. Da half Hofrat S. Frankfurter aus, der^ ehemalige Direktor der,Universitätsbibliothek. ... .; Eine kleine Familienrunde hielt uns alten ^rejinde, die wir uns bei Theodor Herzl kennen gelernt hatten, zusammen. Unser erquicklichstes CJespräch lief um Viktor, Kellners einzigen Sohn, der in Berijamina ihi Etnek Israel angesiedelt ist, als Bau er, wie Vater und Mutter stolz sagten, Und da er das einzige Kind von uns ajlen ist, das unsere Ideen praktisch' verwirklicht, w es selbstverständlich, daß wir mit ihm lebten und durch Vater und Mutter alles von ihm wußten. Denn bis zum letzten Augenblick - war das die einzige wahrhaft befriedigende Errungenschaft in diesem reichen Leben Kellners, dieses! ■Mannes, ' der ' wortlos den Zionismus liebte und lebte. Viktor war als" einer der "ersten aus russischer Gefangenschaft geflüchtet, blieb aber nur wenige Wochen daheim, eilte nach Palästina, den geheiligten Bod:n zu begrüßen, für dessen Bearbeitung er an deutschen Fachschulen gründlich vorgebildet wurde. Er kam als Knecht izum Bürgermeister von Chederah und .wurde später in jene erlesene öruppe aufgenommen, welche die Pica zur Besie'deluhg von Benjamina auswählte. Viktor heiratete! eine Bauernrna^d, Tochter eines deutschen Kaufmaiines, im selben «Geist erzogen wie ihr Mann. Sie ist. seihe Arbeitsgenössn, die^ ihm zwei Knaben gebar, so schön und drall, wie" eben die Kinder in. Palästina nun einmal sind. Gelobt sei der Herr! , , Und nun wuchsen auf Leon Kellners Schreibtisch Getreide und Blumen, Gemüse und Bäume; zwe,i Reisen« nach Palästina wandelten ihn zum agrarischen Fachmann Ujm, der mit dem, Präsdenten der österreichischen Re-i publik fachgemäß, über den, landwirtschaftlichen Aufbau Palastiras. diskutieren , konnte. Wir wußten, wieviel Milch jede Kuh gab, ob Regen zur rechten Zeit; fiel, wie die Gerste gedeihen wird^ warum Viktor-keinen Weizen taut, wohl aber Jasmin für die Parfümerieeijzeugung,- wir waren dabei, als der Sumpf am Krokodilfluß von Juden ausgetrocknet wurde, wobei Viktor mit tätig war, und zitterten, als er anfing, Wassert für eine Orangerie zu graben. Als er,bei vier Meter Tiefe bereits. Grundwasser, erreicht hatte, waren wir alle erregt* als häute er Diamanten, gefunden.. Kellner sehnte sich von ganzer. Seele, das Gold der Orangen im Garten seinesl Sohnes aufleuchten zu sehen. In drei Jahren wird die Sonne Palästinas dieses Wunder vollbracht habeu. .Wer wird ahnen, daß die Forschungsarbeit am größten Dramatiker der Welt dazu beitrug, das Wasser zu erbohren für die Tränkung der Orangen auf jüdischem Boden?

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