Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 64 (7.12.1928)
- Date
- 1928-12-07
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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* Seite 8 DIE NEUE WELT Nr. 64 lfmtin ittftMmminHiMifl SIEGM. KORNMEHL OROSSFLEISCH H AUEABI Zgntrate fX.t Bergg*«np 19. Te'fphnn 17-3-99 o. 16-9 34 L i e I « r a 5 i u He aostalten Abteilungen für «^-Fletsch unter Aursicht des Ehrwürdigrn Kabbinats der lsr Kulfasgemeinde Wien Autozusteilung kostenlos IX. Bergg. 15 ✓ XVIII., */ährlngerstr. 97 ^ffiifnnnnnRttTmtmTiunmiiti iri»nHimnmrmininirmmriiftmmimiinmnmmm waltungsgerichtshof gegen die Rechtsgültigkeit von Gesetzen appellieren kann, sowie durch die öffentliche Verkündung der Gesetzentwürfe vor dem Inkrafttreten, die es ermöglicht, der Regierung Abänderungsvorschläge zu unterbreiten. Der Vortragende schilderte sehr lebendig den gegenwärtigen Zustand des materiellen Rechts in Palästina. Dieser. Rechtszustand ist völlig unorganisch, er weist eine außerordentliche Vielgestaltigkeit auf. So gilt auf dem Gebiete des Familienrechtes das religiöse Recht der im Lande vorhandenen religiösen Bekenntnisse, also für die Juden das Erbrecht, Eherecht und Recht der Unterhaltungspflicht nach dem Talmud. Auf dem Gebiete des eigentlichen Körperrechtes gilt türkisches Recht auf der Basis des türkischen Gesetzbuches „Medsc helle". Auf dem Gebiete des Handelsrechtes gilt französisches Recht, das um die Mitte des 19. Jahrhunderts durch die Einführung des französischen . Handelsgesetzbuches in der Türkei zur Geltung gelangte. Alle diese Rechte sind den modernen wirtschaftlichen Verhältnissen vielfach nicht mehr angepaßt, und die Gesetzgebung des Landes ist daher sehr häufig genötigt, durch neue Gesetze die vorhandenen Lücken auszufüllen. Die Grundlage dieser neuen Gesetzgebung ist in der Hauptsache das englische Recht, Ein besonderes Verdienst um den Erlaß neuer Gesetze, insbesondere auf dem Gebiete des Grundstücksrechtes, hat sich die Zionistische, Organisation erworben, die als die im Palästina-Mandat vorgesehene Jewish Agency die Mandatarmacht in allen Fragen der jüdischen nationalen Heimstätte zu beraten hat. Der Redner ging dann zu einer Schilderung der Gerichtsverfassung über. Die unterste Instanz bilden die Amtsgerichte, von denen es im ganzen Lande 20 gibt. Von den 20 Amtsrichtern sind vier Juden. Die zweite Instanz bilden die vier Lan8gerichte in Jerusalem, Jaffa, Haifa und Nablus, an denen drei jüdische Landrichter tätig sind. Die dritte Instanz ist das Oberlandesgericht in Jerusalem, an dem neben neuen englisdien Richtern ein jüdischer Richter Recht spricht. Er übt gleichzeitig als Oberstes Gericht die Kontrolle über die Gesetzgebung aus. Nach eingehender Darlegung des Prozeßrechtes, des Strafrechtes und der Verhältnisse in der Advokatur Palästinas schloß der Redner mit einigen allgemeinen Bemerkungen über den Geist des in Palästina geltenden Rechtes. Dieser unterscheidet sich durch das Fehlen der juristischen Konstruktion. Jedoch sind mit gesundem Instinkt viele juristische Zweifelsfragen gelöst. Sehr stark macht sich bereits im Rechtsleben Palästinas das jüdische Leben bemerkbar; besonders durch die jüdischen Dozenten an der Rechtsschule für Advokaten hat sich der Einfluß des jüdischen Rechts schon ziemlich stark durchgesetzt. So wird z. B. die neue Regelung des Genossenschaftsrechtes von einer Regierungskommission, die a u sschließlich aus jüdischen Juristen zusammengesetzt ist, vorbereitet. Wenn man rasiert sein will richtig ist Barbasol dazu unbedingt wichtig ÜBER MX ERHÄLTLICH. Aaaums* wie Schalom Alechem ihn sieht. . Obwohl Tolstois Kenntnis der neuen jiddischen und hebräischen Literatur nicht groß wa; hatte er instinktiv Sympathie und Vers-ändnis für den Geist dieser Schöpfungen und fühlte sich namentlich in der jüdischen Literatur aller Sprachen zu jenen Werken Hingezogen, die „Mitleid erweck : e n'm i tdem'vcr f o 1 g t e nV o1 k und der Welt z e i g t e h, d a ß es u nm o r a 1 Ts ch seij die Juden unter s.k la'v i s c h e n B e d i n g u gen z ü halte n". Auch 'a?en ih-n ^moralisierende Tendenzen nahe, weshalb er sich mit Vorliebe jener Werke annahm, die da? jüdische Ghetto in Rußland auf der Basis von: Humani ä'sideen schilderten. . Diese Haltung bewirkte es, daS ihm beispielsweise „Das Städtchen" von Scha'om A s c h gefiel, wegen der Idealisierung des Lebens, das sich auf Moral und Ethik auffallt, während „Gott der Rache" seinen Beifall nicht fand. In den paar tausend Briefen Leo Tolstois finden sich zerstreut - Ansichten und Bemerkungen über jüdische Schrif's'eHer und jüdische Typen der Weltliteratur. ' Von den jiddischen Schriftstellern seiner Zeit ist Schalom Alechem der einzige, der öffentlich eine Meinung über Leo Tolstoi geäußert hat. Scholem Alechem stand mit Tolstoi in einer lebha'ten Korrespondenz, denn er;pflegte sich nicht nur in literarischen FraTen, sondern auch in verschiedenen sozia'en Proriemen an ihn zu wenden, wie Antisemitismus, Pogrom, Siedlungsrayon usw. Im Schalom - Alechem - Archiv, gegenwärtig im Besitz des Schriftstellers J. D. Berkovits, des Schwiegersohnes von Schalom Alechem, befindet sich ein interessanter Brief Tolstois an den VerV>ser des „Towje der Milchmann". Diesen Brief hat Scna'om Alechem im Jahre 1916 dem Pepple Relief New York (HilfsorgamVaMon für die verfolgten russischen Juden) geschenkt, der ihn um 150 Dollar verkauft hat. y Einen öffentlichen Ausdruck der Verehrung für Tolstoi hat Schalom Alechem bereits 1910 in einem Brief an Dr. Ferfer, Redakteur einer russischen Na urheil- und Vegetarierzeitschrift, in welcher übrigens Schalom Alechems Tiergeschichten abgedruckt waHen, gegeben. Doktor Ferfer hat e sich von Scha'om Alechem einen Aufsatz über Tolstoi erbeten und diesen in Form eines Briefes erhalten, der: in der russischen Original fa~süng durch die ganze Presse ^Rußlands .gegangen ist. Der jiddische Text ist im Sch|!<2m-Alechem-Biich (New York). entl al'en. : ',. Schalom Alechem nennt T o 1 s t o i in der Einleitung derf Qg, König von Baran, der Literatur, den Simson, den Helden der Menschheit, und fährt fort: „Jch habe mic1» alle meine Taee zu dieser schei- Cafe Reklame Cateiter: Jakob Gotdffe^ Wien. H.. Praterst'ü6e Nr. 34 anschließend die „Jüdischen Künstlerspiele" / Vorzügliche Getränke und kalte Speisen zu billigen Preisen / Rummy- Spieltische Treffpunkt der jüdischen Gesellschaft änenden, leuchtenden, wärmenden Sonne, die To's':oi 'ließ, hingerissen gefühlt. Ich hatte mir ,feinst tas Wort gegeben, nicht eher zu sterben, ,bis ich nicht in Jasi.a Poljat a sein und Tolstoi;y*sehen ''werdel Mein Streben, Tolstoi sehen zu wollen,t; war keine nichtige Neugierde und SensationsfcuclUunserer Zeit. Mich^ zog; etwas' ganz;j|ld^^k;^^ihm''hin. Ich konnte .mir nicht voretenen;;;daßf^ unseres JahrhüridertV deVgrÖß.eh "Ünrecnt zusehen könne, den schrecklichsten Schändlichkeiten; die!in seinem Lande einigen Mi Ii n n unglü k'kh t~r M n chenseilen, treinen unglücklichen Brüdern, ange'an werden—und daß er nicht hervortrete mit seinem mächtigen Wort,, das von einem Ende der Welt zum andern widerha'le. Ich bin möglicherweise ri:ht tinpar eiisch jenen gegenüber, die mir im Blut näher sind als a d re. Möglicherweise gibt es außer meinen Volksgenossen in diesem Land; nicht wenige Millionen Menschen, die keinen Honig zu lecken haben, es ist aber ein großer Unterschied, unglücklich und unglücklich ist nicht dasselbe. Alle Völker haben jetrand, der für sie einsteht. Mein Volk hat nieiranden und nirgends auf der Welt. Im Gegenteil. Die „Großen" der Weltliteratur sparten nicht mit der Hervörbringung und ewigen Fixierung von weltberühmten Karikaturen, die uns darstellen und von unsern Feinden für jüdische Typen gehalten .werden." Dann rchi'dert Sch iern Alechem denS ak^peareschen Shylock iinH. die jüdischen Tvpcn D>>'-",n-: . die Darstel- 1 ng d:r Jud n seitens russischer Schrif st Her. Diese Gedanken ha en ihn dazu gebracht, Tolstoi zu begegnen, den er den Apostel von Jasna Poljana nennt. „Ich will nicht wei er davon sprechen, daß ich im allgemeinen einer seiner Anhänger war, ein Anhänger seines unerhörten küns lerischen Talentes und ein Anhänger seiner Lehre, und daß ich der Meinung war, seine Lehre sei unsere jüdische Lehre. In vielen, vielen Punkten hat er sich mit unseren jüdischen Weisen und Gerechten begegnet. Sein ewiger Kampf gegen den Bösen, gegen den Sa an, seine Abkehr vom Diesseits, seine Askese, sein Mitleid mit der Kreatur ebenso wie seine Flucht in die Welt und sein Bestreben, sich selber zu entfliehen, sein Tod, ja selbst seine Bes aitung — alles, alles ist jüdisch." „Ich glaubte fest und sicher," schreibt Scfalom Alechem weiter," „daß bei einer persönlichen Berührung es irir leichter gefallen wäre, diesen großen Künstler und Denker davon zu überzeugen, daß in der großen Menge der Millionen Menschen, die alle in ihrer Art unglücklich sind, sich einige Millionen Unglücklichster der Unglücklichsten (Diese Stelle im Original von Schalom Alechem unterstrichen. Anm. d. Red.) befinden, die, jedes Menschenrechts beraubt, auf seine mächtige Stimme wie auf die des Messias warten." Weiter erzählt Schalom Alechem, daß es nicht dazu ' gekommen war, Tolstoi persönlich zu treffen. Aber während des Kischinewer Pogroms habe er a,n Tolstpi einen Brief geschrieben, auf den er eine Amwort bekommen habe. Scha'om Alechem schließt diesen an Red, Dr. Ferfer gerichteten Brief; „Es war mir nicht besehMen, Tolstoi I Festsaal des Architektenvereines, Wien, I. | I Eschenbachgasse 9 § | Montag, 10. Dezember, pünktlich '/,8 Uhr abends | Dr. PRÄGER | erzählt neue jüdische Schwanke | 1 Katen in der uehhandlung Richard Länyl. Wien, r., Klmtnerst aBe 41 II s und In der Buchhandlung R. Löwlt, W en, I., RotenturmstraBe Nr. 22 von 70 Groschen bis 4 Sch'll m persönlich kennen zu lernen. Und das werde ich bis zum letzten Tage meines Erdenwa'lens bedauern. Wahrscheinlich ist es eine Fugung, daß wir uns dort irgendwo, jenseits des Lebens, treffen. Dort, laßt uns hoffen, gibt es k i-ien „An iedlungsrayon" und keinerlei „Judenfrage". Dies ist die einzige ausführliche Charakteristik des Tolstoischen Wesens, die zu Schalom Alechems Zeiten ein jiddischer Schriftsteller gegeben hat, wenn auch die literarisch-jiddi;chen Beziehungen zu Tolstoi viel iriniger waren. Tolstoi wurde vielfach ins Jiddische übersetzt. Der bekannte Kri iker Dr. Eliascheff übersetzte „Kosaken"» Perez Hirschbein eine R ihe kleiner Erzähl ng n. „Auferstehung" und die anderen D amen wurden vielemal übersetzt, „Der lebende Leichnam" dem Repertoire der jiddischen Bühnen einverleibt. In der Reihe der jiddischen Schriften über Leo Tolstoi stehen Dr. Ch. Schidlofskys „Tolstoi, Nietzsche, Marx" und die Arbeiten der russischen Juden Wolinsky, Lew Schestow rede Schwarzrrann und Schochor-Trotzky. Man kann sa;jen, daß in der jüdischen Literatur Tolstoi den wichtigsten Platz der ausländischen Dichtung einnimmt, eine Tatsache, die anläßlich seines hundertsten Geburtstages von neuem ihre Bestätigung gefunden ha1. Eine antisemitische Welle in Rußland. \ . Pogromartige Vorgänge in Bobruisk. — Drangsalierung der jüdischen Studenten der Universität Woronesch. — Selbstmord des Studenten Meisl. „ Aus Moskau meldet die J. T. A.: Die Mitteilung vo- Einzelheiten über die Peinigung der jüdischen AN beiterin Barschay in der Fabrik „Oktiabr" zu Bobruisk, Gouvernement Minsk, hat die öffentliche Meinung in ganz Ruß'and aufgerüttelt. Die kommunistische Presse in Moskau und in der Provin7 widmet der Angelegenheit einen breiten Raum. Das Zentra'organ der Sowjetregierung, „Isyestia"» veröffentlicht -einen Arlikel seines Korrespondenten in Weißrußland, der. gegen die von dem weißrussischen Zentralexeku i komi ee eingesetzte Kommission zur Untersuchung der Angelegenheit B a r s c h a y den Vorwurf erhebt, daß sie versucht habe, , die ganz« Angelegenheit zu vertuschen. In einer Versammlung der in der Fabrik „Oki tiabr" beschäftigten Mitglieder der Jungkommunistenliga forderte die Kommission alle Redner dringend auf, die Sache nicht in die Oeffentlichkeit kommen .zu lassen,! weil Mitglieder der Jungkommunistenliga, in sie verwickelt, sind. Die Untersuchungskommission ersuchte die Minsker Zeitung „Rabotschi" telegraphisch, nichts über den Fall Barschay zu veröffentlichen. „Rabotschi" veröffentlich! . trotzdem einen Bericht. Erst dann kam der! ganze Skandal an die Oeffentlichkeit. Wegen der Beteiligung an der Mißhandlung der Barschay wurden verhaftet: Patschalin, Tuliakow, Gruzdew, Lobkow, Ga7j:wskaja, Grazniensky, Ptschelkin, Karanin, Kozlowsy u. a. m. Die Gerichtsverhandlung gegen die Beschuldigten wird noch im Verlauf des Monals Dezember stattfinden. In Verbindung mit dem Fall Barschay kamen auch andere antisemitische Ausschreitungen in Bobruisk und in verschiedenen Fabriken Weißruß'aids in die OeffentlicWkeit. Die Zeitungen berichten, daß in der Lederfabrik „Bolschewik" in Minsk ein jüdischer Arbeiter von seinen nich'jüdischen Arbeitskollegen mit heißem Kalk Übergossen und schwer verletzt wurde. In Bobruisk zogen; jdie Arbeiter der Ziegelfabrik durch die Straßen, rie-* fen: „Schlagt die Juden und rettet Rußland!" überfielen jüdische Paseanten und Arbeiter und mißhandelten sie schwer. In der Fabrik „Dwina" zu W i t e 1 s k herrscht schon lange ein gefährlicher an.isemitischerGeist. Die in dieser Fabrik beschäftigte Arbeiterin Zirkina wurde systematisch verfolgt und gepeinigt. Als sie sich beim 'Fabriksiaufseher beschwerte, rief dieser den Arbeitern zu: „Macht mit der Jüdin, was ihr wollt!" Die antisemitische Welle, melden die Zeitungen weiter, hat nicht a'lein die Arbeitsstätten, sondern auch Kulturinstitutionen erfaßt. Der jüdische Student der Universität in Woronesch, Meisl, hat Selbstmord Z. A. V. „BAR-KOCHBA" WIEN grat'd ert se nem IL 9. Dipl Kit Zvi Wieselüerfl zur Promotion zum Doktor der Staufs wissen schaffen