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Die neue Welt · 1928-12-07 · Heft 64 (7.12.1928) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 64 (7.12.1928)
Date
1928-12-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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RNUI *» tfr. 64 güwwmii I tu DIE NEUE WELT Seite 5 CHANUKAH eignen sich BON BON S¬ GESCHENKE Kapital eine ausreichende Verzinsung zu versprechen schien, zum Tummelplatz der konkurrierenden imperialistischen Mächte wurde. Palästina blieb völlig außerhalb dieser Entwicklung. In nächster Nähe Palästinas entstanden große Eisenbahnbauten, die Bagdad- und die Hedscbasbabn; aber in Palästina selbst begnügte man sich damit, zwei kleine Zweiglinien zu bauen, die wirtschaftlich für das Land nur sehr wenig bedeuteten. Und in der Tat, so wurde oft genug in zionistischen Kreisen ausgeführt, hat Palästina ja nichts, was das internationale Kapital anzulocken vermagfl Soweit wir wissen, hat es keine Kahle, kein Gold, Silber oder Bisen, kein Petroleum oder sonstige wertvolle Produkte. Hätte es dies, so wäre es längst die Kolonie oder wenigstens die Einflußsphäre einer Großmacht geworden, und dann, dann bleibt der Zionismus ©In Traum. So sahen wir Palästina: ein Land, abseits von der großen Wirtschaft liehen Entwicklung der Welt, schwach bevölkert von einer wirtschaftlich und kulturell zurückgebliebenen Bevölkerung, ein Land, das nur die Juden entwickeln können, ohne die Gefahr einer Konkurrenz. Und so durften wir uns sägen, daß, wenn unser Werk auch ungeheuer schwer Ist, wir demgegenüber auch keine Eile zu .haben brauchen, da auch zehn Jahre später wir die einzigen sein werden, denen an diesem Lande etwas liegt. Bestehen diese Voraussetzungen noch zurecht? In den fünfzig Ja»hren jüdischer Arbeit in Palästina hat sich die Zahl der Juden von etwa 15.000 auf 160.000 vermehrt. Die Juden haben in Landwirtschaft und Industrie, in Bchul- und Satiitäts-wesen unbestrittene große Leistungen aufzuweisen. Aber unsere Monopolstellung besteht, wie ins scheint, nicht mehr in demselben Maße wie frühes Gewiß, auch heute ist Palästina ein 'halb leeres Land. Auch Seilte sind die Araber noch weit davon entfernt, die Entwicklung des Landes selbst in die Hand nehmen zu tonnen. Aber es ist nicht alles, wie es früher war. Wir sprechen in diesem Zusammenhange nicht von politischen Vorgängen, nicht von der Gegnerschaft der Araber gegen inser Volk, sondern wir fragen uns ausschließlich, ob die Araber sich entwickelt haben, ob sie heute «ehr als vor fünfzig Jahren zu einem wesentlichen wirtschaftlichen Faktor äes Landes geworden sind ode.r zu werden im Begriff stehen. Da ist zunächst eine Tatsache su konstatieren: Während in den letzten Jahrhunderten anscheinend die Zahl der Araber Palästinas konstant geblieben ist, da der sehr starken natürlichen Vermehrung;ine ungeheure Säuglingssterblichkeit gegenüberstand, zeigt diese Säuglingssterblichkeit in der Nachkriegszeit eine deutlich absteigende Kurve, während die natürliche Ver- •nehru.ng noch dieselbe ist wie früher und Geburtenbeschränkung noch unbekannt zu sein scheint. Der üeberschuß der Geburten über die Sterbefälle beträgt bei den Arabern Palästinas zirka 15.000 jährlich, während er bei den Juden 3000 beträgt, das heißt, daß eine jährliche jüdische Einwanderung von 12.000 Menschen erforderlich ist, damit sich unser zahlenmäßiges Verhältnis gegenüber den Arabern ' nicht zu unseren Ungunsten verschiebt, •und nur, was \ über die 12.000 an Neueinwanderern in das Land kommt, verbessert unsere Position. Der Analphabetismus der Araber geht in schnellem Tempo zurück; hat doch die Regierung seit dem Kriege mehr als 300 Schulen geschaffen, du'e nur von' Arabern besucht werden. In der Landwirtschaft Ijaben die Araber viel gelernt und im übrigen vieles immer gew.ußt und verstanden, was wir erst im Laufe unserer palästinensischen Erfahrungen zu lernen hatten. Trotz aller jüdischen Bemühungen auf dem Gebiete des Orangenbau es werden Ende 1928 von 70.000 mit Orangen bepflanzten Dunatn nur 30.000 in jüdischem Besitz sein. Ziffern über die Vermehrung des Viehbestandes in Palästina zeigen, daß auch dort die arabischen Fortschritte m Mein© zwei Brüder, junge, schöne Menschen, Provinzkaufleute, jeder separat mit gutem größerem Geschäfte, makellose Charaktere, sehr tüchtig, suchen Frauen mit nur eben* solchen Eigenschaften. Mitgift nach Uebereinkommen. Briefe erbeten un'er -Auseesorgt" ad Adm. d. Bl. mit den jüdischen konkurrieren können. Im Handel bemerkten wir die eigenartige Tatsache, daß die Juden überall auf der Welt den Handel zu ihrer Domäne m machen verstehen, während ihnen das in Palästina nicht gelingt und die Araber in so wichtigen Zweigen des palästinensischen Handels wie dem Orangenhandel und den mit Touristik, Schiffahrtsagenturen, Transport zusammenhängenden Gewerben durchaus den Vorrang vor den Juden innehaben. Nehmen wir als weiteren Faktor in Betracht, daß der Araber sich als Arbeiter In der Industrie, bei der Eisenbahn, im Baugewerbe durchaus bewährt, so werden diese Momente ausreichen, um unseren Eindruck zu Illustrieren, daß die Araber heute zu einem wichtigen Faktor in der Entwicklung des Landes geworden sind Sie kennen heute die modernen Methoden der Arbeit, und wenn in diesen Wochen die Gründung einer arabischen Agrarbank in Jerusalem gemeldet wurde, so mag man daran zweifeln, ob diesaterste Versuch praktische Resultate haben wird, aber auch bei uns pflegt jader erste Versuch fehlzuschlagen. Die Araber konsolidieren ihre Position von Jahr zu Jahr und erschweren uns dadurch die Erreichung unseres Zieles. Die nächsten Jahre werden in Palästina im Zeichen einiger großer Unternehmungen stehen, die das wirtschaftliche Bild des Landes vom Grund aus zu verändern bestimmt sind. Ein großer Teil dieser Unternehmungen wird an Haifa anknüpfen: dort wird ein Haien gebaut winden, dorthin werden, so gu: wie s'che'r die Pctroleumleitungen aus Mossur münden, und von dort wird die Bahnverbindung nach Bagdad ausgehen, deren erster Teil bis Deraa ja bereits gebaut ist. Diese ganzen Unternehmungen tragen keinen national-jüdischen Charakter. Es ist noch nicht sicher, wie weit beim Hafenbau jüdische Arbeiter beschäftigt sein werden, inwieweit die Materialien zunj Bau von Juden geliefert werden können: aber es ist so gut wie sicher, daß eine englische Firma den Hafen bauen wird und daß hier zum ersten Male in Palästina eine große Unternehmung durchgeführt werden wird, die eine Unternehmung des internationalen Kapitals ist. Schon heute macht sich das Interesse der großen P etr oleum g es ellschaften -an Haifa bemerkbar. Wie verlautet, werden die großen englischen Petroleumgesellschaften Royal Dutch und Anglo Persian Company sowie die zum Konzern der amerikanischen Standard Oii Company gehörige Va c u u m OH Gesellschaft in Haifa Lager- ENTRAL-KINO?!I.Tabors«raßa8 :: Tel.«2-3*41 ™ UR- UHD ALLEINAUFFUHRUNG Des großen Erfolges wegen 3. Woche prolongiert I DerEnge! der Straße in den Hauptrollen t JANET GAYNOR und CHARLES F AR ELL ' Beginn: An Wcktagen um 6, '/s8 und 9 Uhr An Samstagen. Sonn- und Feiertagen ab Va5 Uhr häuser und Petroleumraffiherien bauen. Er. ist bekinnt, in wie hohem Maße die internationale Politik der Nachkriegszeit Petroleumpolitik ist. Es senem1-, daß nun auch Palästina, obwohl hier bisher kein Petroleum gefunden wurde, in die Interessensphäre der großen konkurrierenden ■ Petroleumg.ssellschaften eingetragen ist. Daß diese Gesellschaften bei der Durchführung ihrer Arbeiten sich der billigsten Arbeitskräfte bedienen weiden, daß also nicht nur die Juden, sondern sogar die palästinensischen Araber gegenüber den Bewohnern des Haman zurückstehen werden, ist dabei nur ein Moment, wsnn auch ein wichtiges. Wesentlicher ist die grundsätzliche Tatsache, daß Palästina endgüitig aufgehört hat, ein entlegenes Land zu sein, mit dem wir machen können, was wir wollen, und <teß wir in Zukunft damit rechnen müssen, daß ,das internationale große Kapital in Palästina eine Rolle spielen wird. Für die Entwicklung des Landes mag dies ein Segen sein, ob aber auch für die Entwicklung des jüdischen lila/tioftalheirns? Hinzu kommt, daß wahrscheinlich auch die Ausbeutung der Schätze des To t e n Meeres, wohl die größte in Palästina mögliche industrielle Unternehmung, voraussichtlich nur unter starker Beteiligung und Kontrolle des internationalen Kapitalsin Angriff genommen werden kann. Es ist klar, daß es nicht in unserer Hand Hegt, die neuen Faktoren, die sich in Palästina bemerkbar in machen beginnen, auszuschalten, selbst wenn wir djes wollten. Für . uns können diese neuen Tatsachen nur eines bedeuten, die erneute Erkenntnis, daß die größere oder geringere Geschwindigkeit, mit der wjF unser Werk durchführen können, von entscheidender Bedeutung für Gelingen q'tJ.er Mißlingen ist. Wir müssen dafür sorgen, daß jeder nichtjüdische Faktor, der in Palästina arbeiten will, mit dem starken jüdischen Jischuw als einer Tatsache Auch Sie müssen unser OLSOPHON habenI PREIS S 100.- * Bequeme Teil- I Unsere Spezialabteilung in GR AMOL A-U.COLU M Bl A- Apparaten sowie unsere reiche Auswahl in Künstler» und Tanzplaften bietet jedermann besondere Vorteile Bequeme Teilzahlungen! Wien. I. Bellariasfraße Nr. 12 Telephon B-39-5-70/71 rechnen muß. Eine Stagnation, wie sie in den letzten Jahren in unserem Werke herrschte, kann verhängnisvoll für unsere Zukunft werden. Die Klagemauer. Bericht der Mandatskommission an den Völkerbundsrat. Obwohl der Bericht der Mandatskommission an den, Völkerbundsrat über die Klajemauerpetitionen als streng" vertraulich behandelt wird und erst bei Gelegenheit der Tagung des Völkerbundsra':es im März 1929 hätte veröffentlicht werden sollen, sind doch seine Ausführungen, bekannt geworden. Der Bericht trägt den Vermerk:, „Ver*- traulich" und ist vom 9. November d. J. datiert. Er besagt: „Die Ständige A^andatskommission hat die vom 12. Oktober datierte Eingabe der Zionistischen Organisation beireffend die a~n 24. September 1928 stattgefundenen Vorfälle an der Kla^emauer in Jerusalem zur Kenntnis genommen, ebenso die Bemerkungen der königlich englischen Regierung zu einer vom 12. Oktober 1928 datierten Denkschrift der 'Zionistischen Organisation. , Die Kommission hat die verschiedenen Rechts¬ und Tateachenfragen, die in den oben angeführten Schriftstücken berührt werden, sorgfältig untersucht. Sie freut sich, festzustellen, daß zwischen der Da "Stellung der Klageführer einerseits und der verantwortlichen Verwaüungsbehörde andererseits kein wesentlicher Unterschied besteht. Obwohl diese Vorfalle in den Schriftstü:ken al w ichend bel a idelt werden, und der Nachdruck in beiden auf andere Punkte gelegt wird, sind beide Darstellungen so klär und vollständig, daß für den gewissenhaften Leser kein Zweifel darüber bestehen bleibt, was sich, tatsächlich ereignet bat. Auch darüber scheint zwischen den K'ajeführern'und den Behörden vollständige Uebereinstimmung zu , herrschen, auf welche Art es a'lein möglich wäre, den jetzigen Uebelständen abzuhelfen, die ebenso schmerzlich sind für die, die sich in ihren heiligsten religiösen Gefühlen tödlich verletzt fühlen, wie sie für die Behörden peinlich' und unhaltbar sind, die für die Aufrechterhaltung der Ordnung und die Beobachtung einer strengen und unparteiischen Gorech igleeit inmitten der widersprechenden Ansprü.he der »i a'i i^rerdsn Religions- und Rassengruppen. in Palästina die Verantwortung tragen. Die Abhilfe kann — wie es die Zionistische Organisation in einer ähnlichen, wenn auch nicht so kritischen Lage im Jahre 1926 bereits anerkannt hat und im ' Schlußabsatz der vorliegenden Eingabe wieder feststellt, wie es ferner der Vertreter der Mandatarmacht wiederholt betont hat — nur durch eine Einigung zwischen der jüdischen und der moslemitischen Gemeinde erzielt werden. Die Mandatskommfcsion wird alles warm begrüßen, was geeignet ist, eine solche Einigung herbeizuführen, Reisstärke „REMY" die anerkannte Qualitätsmaike und Weizenstärke „Tüll Anglais" bei Wiener Handelsgesellschaft m. b. H., Wien ■ <#., Prinz Eugen-Straße 10 / Tel. U-43-0-9S Serie 1 |««am CIa \*amm IkMAM 4FaI%I4Y Eln ordentliches Bett Auch aus ihrem schlechten mache W155611 #169 W99 inni3H itSllIlä ich Ihnen ein gutes. Lassen Sie sich von mir beraten. BetfWarenhailS BERTHOLD SAMEK, Wien, VIIL, Lerchenfelderstraße Nr. 33, Telephon A-20-2-7* ligena Werkstätte. Individuelle Bedienung. Keine Filialer

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