Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 64 (7.12.1928)
- Date
- 1928-12-07
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 64 ^mmämmmmmmm lllllllll i STRENG n»3 SELCHWAREN-FABRIK Wl«n, XX., KIost«rn*tibur&«r«tralle «0 unter besonderer Aufsicht des Oberhauptes der polnischen Gemeinde Wiens, Sr. Ehrwürden des Rabbiners M. Mayersohn fvi3K»"f jnmis1??? ytod ao-raon puan 5p nw nrwn nrm BW HO I^IB mjH T3N ,N^V>tT lTMTHÜ TKD Täglich frische und eist klassige bpexial-Erzeugnisse feinster Wurstu. Selchwaren.Prövinzversand WILHELM PBTYAN, SlUHWAStN-FABRIK Wien, XX., Klosterneuburgetttrifle M Telephon A-43-1-S9 mmmmmmm w Eine gruselige Geschichte. Hakenkreuz-Phantasien. .Die döutsch-böHrnischen Hakenkrfcüzier haben wieder eino Gelegenheit, das Ri tu a l mord märchen aufmwnrmen. Ihr Organ „Der völkische Beobachte r" bringt einen Artikel: „A u s den G eh ei m n i's s e n eines Jud e nf ri ed h o Fes", in welchem über Funde auf dem alten-Präger JudonfriedhoE berichtet wird: „In einer unterird.isch.en Kammer seien eine Anzahl Skelette gefunden worden, in deren Schädel Nügel von 20 bis "30 cm Länge steckten, das völkische Organ knüpft hieran die Bemerkung, daß die Präger Juden seinerzeit eine eigene Jurisdiktion hatten, so duß es sich bei den Skeletten ohne Frage um solche durch jüdischen Urteilsspruch nach jüdischer Methode hingerichteten Verbrecher handelt." Das Blatt laßt durchblicken, daß es sich hier um arme christliehe Opfer jüdischer Grausamkeit und jüdischen Blutdurstes handeln könnte. Die Prager „Selbstwehr" schreibt dazu: „Das klingt recht schauerlieh, spricht aber nur für eine besonders entwickelte Phantasie ,des Schreibers jenes Artikels, denn die Tatsachen bieten absolut keine Grundlage, auf der die oben erwähnteu Behauptungen festgelegt wären. Die Skelette wurden bei Errichtung eines Neubaues beim jüdischen Friedhof aufgefunden, aber nicht . in einer unterirdischen Kammer, sondern in einem Zustande, aus dein einwandfrei hervorgeht, d.a& es sich um ein Grab handelt. Eine über den Skeletten gelagerte Kalkschicht spricht daftir^ daß die Leichen zur Zeit einer Epidemie beigesetzt wurden, denn diese -Kalkseliidite wurde seit dem 14. Jahrhundert in der Prager .Gegend zum Zwecke der Desinfektion verwendet- Die Nägel sind Sargnägel, und sind nicht in die" Knochen eingetrieben worden, denn sie lagen bei der Ausgrabung", verstreut zwischen den Skeletten. Die ursprüngliche Annahme, die später durch Prof. J\fotiegka von der; tschechischen Universität widerlegt wurde, daß es sich um Reste einer Egge handelt, beweist schon, daß die Länge nicht 30 Zentimeter betragen könnte, denn die Höhe einer Egge dürfte 10 Zentimeter nicht weit überschreiten. Was die jüdische Hinrichtungsmethode anbelangt, so gab es zwar in Böhmen eine eigene jüdische Jurisdiktion, aber diese erstreckte sich niemals auf leibliche Strafen. Die einzigen Länder, wo dies der Fall war, sind Spanien und Polen, und auch dort wurden niemals irgend welche Folterungen an den Delinquenten vorgenommen." " Denket an den Winter! und decket euren Kahlenbeciarf schon jetzt bei der bestfenorhmierten Firma Julius Haber, Wien, Iii., Taborstraße 9. (Siehe auch Inserat, Seite 12.) _•_ E nicht nur für den Juden, sondern auch für den Nichtjuden. Und die Geschichte dieser Charaikahh'chier im Laufe der vielen Jahrhunderte ist auch ein viel verratender Teil der Gesamtgeschichte -des Judentums. Ich. kenne Aufzeichnungen aus dem Ghetto des Mittelalters, aus denen hervorgeht, daß die'Juden, so oft Chanukah kaw, sjch if reuten, im eigenen Ghetto, in der eigenen Judenstadt, leben und ihr Licht ins Fenster stellen <za können, da sie, als sie noch außerhalb des Ghettos wohnten, «ar oft Angst hatten, sich durch die Chanukahlichter bei den gehässigen christlichen Mitbürgern zu verraten. An den Chanukähähenden war das jüdische Ghetto illuminiert. Es war eine große, leuchtende Kundgebung,. ein flammendes Bekenntnis zum Judentum und zur .jüdischen Solidarität. In Rom war es eine Zeitlang gefährlich, das Chanukahiest durch sicht/bare Beleuchtung geräuschvoll zu begehen., Auch sonst wurden die Lichter als etwas Rebellisches angesehen, als eine Drohung, daß das Judentum noch immer auf ein neues Wunder, aber auch auf die Wiede'rersfehiuug eines MakfrabäergesQhlechtes rechnet. , . .. '.'. ' ',' Zur,.'Zeit des Weltkrieges, wardie Entzündunig der Chanukahlichter genau nach der Vorschrift und das Ausstellen der brennenden Oharwkahkerzen oder Menorahlichter ans Fenster, besonders in Rußland und . Galizien und auch in anderen .kriegfiihrenden Staaten« mit Lebensgefahr verbunden. 'Gehässige Kriegsgschäftfhuibef; Haben diesen Anlaß da'zu benutzt, die Juden als, Spione des Feindes hinzustellen, die mit Llcljtsighaleft arbeiten. Man Ware erstaunt und erschüttert, erführe, mau auf Grund wirklich authentischer Dolomiente, wie groß die Zahl der Juden ist, die während des Krieges in Rußland, Gailizien, Rumänien und wahrscheinlich auch In anderen Ländern Ostfcnd Mitteleuropas wegen des Chabwkahlichtes als Sfttwe hingerichtet wurden , . . J. Kr. Die Alten Herren. —y. In einer großen Versammlung der Wiener jüdischnationalen Studentenschaft ist kürzlich ein genauer Bericht übef die Vorgänge erstattet worden, die sich gelegentlich der Republikfeier an der Universität zugetragen haben. Die vom Rektor zu der Feier geladenen Vertreter der jüdischen Studentenschaft wurden von Hakenkreuzrowdies angefallen, beschimpft, mißhandelt und aus dem Gebäude gedrängt. Einzelne Professoren solidarisierten sich öffentlich, sozusagen offiziell mit diesem Bruch der Gastfreundschaft; eine Genugtuung ist nicht erfolgt. Das alles ist der jüdischen Bevölkerung Wiens bekannt geworden; trotzdem aber nahm nur die S t udentenschaft, die nicht als Studentenschaft, sondern als jüdische Gruppe beleidigt worden war, Stellung zu der Affäre. Nicht die Judenschaft hielt Versammlungen ab, sondern n u r die Studentenschaft, und selbst zu dieser einer Versammlung kamen nur die Studenten. Die offizielle Repräsentanz des Wiener Judentums war abwesend. Vor allem aber fehlten die Alten Herren der jüdischstudentischen Organisationen. Kohle*Hüttenko OBERS CHLBSISCH. A IITIID fl f IT BNQLISCH UND f&PI l FIKHU I westph'alisch Qualitätssorten — Billigst BÄSCH, IV. ''m*«w U-46-403 Argentin eorslr. 22 TOiepn. y.^.aaj Rabattsekäion de» KBRIEM-BCftfEMETH Indem man dies konstatiert, schlägt man eines der ernstesten Kapitel der Zeit auf. Diejenigen Personen, die mit der Studentenschaft auf engste verbunden sind, zeigen ein. erstaunliches Desinteressement in einer Frage, die-ihnen gar sehr am Herzen liegen müßte. Die Versammlung, von der die Rede ist, war nicht die erste ihrer Art; alle Alten Herren von heute, sind oft genug Augenzeugen und auch Objekte ähnlicher Vorfälle gewesen. Aber seit Jahren schon bemerkt man, so oft die Studentenschaft protestiert, die Übergröße Anzahl .derjenigen, die nicht d a si rxd.. Es, is t .mehr als sicher, daß. dieser Mangel auch den aris<^en';)JitiDlenfres^ern,. .den ':.Äl-ten Herren der"' anderen ^it^ 'jbekannt"isLden ' Drahtziehern des 'wejße/'ffcgf&Äsi* die sich dadurchzu Immer weiterer1 Ausdehnung'; ihrer Praxis ermuntert fühlen. Alle., antijü^j?^^^^^!^^^^ werden von solchen Alten Herren,'« Vor!' ¥rofessöreri; Anwälten, Aerzten, Technikern geleitet.; Auf.; der jüdischen Seite fehlt das ^.^ng^icjit.rii'nd^sp ist die Entwicklung an den Hqchschulep immer . weiter gediehen, vom einfachen; Pöätulat d|s\ tyai^n e r u $; c 1 a u s u: s bis zur illegalen -PräKis,1 Vöjrl <P r u g e 1 ri bis' zur IVtißhandl u ng eingeladener;Gäste. Es ist keine kleinliche, geringfügigerA^ü'ßertfn^ antisemitischer Roheit, sondern - ein ' wohrüberlegtes Programm'' der Einschüchterung undder. Abschnürung der lernfreudigen jüdischen, Jugend yon der wissenschaftlichen Ausbildung. ..... J.. . . Daß es so. weit ausgreift,, ist zu einem sehr großen Teil die Schuf d (Jer.iüdisehen Inte 1lektue 11 en, der Alten 'Herren, die sich zu ihrer eigenen Vergangenheit gar nicht mehr beHennen, sich nicht öffentlich zu ihr.er Studentensch a f t stellen und. im Alltag ihres Berufes die primitive Pflicht ihrer" ^ugeliörigkeit vergessen. Nach tau senden zahlen diese, jüdischen Alten Herren in Wien allein. Sie wären, zusammen geschlossen, eine sehr bedeutende Summe politischer und wirtschaftlicher Kraft, eine Vereinigung, über die keine Regierung und keirje Stelle'im Staate hinwegzusehen den Mut hätte. Sie wären ein Zentralpunkt jüdischen Willens, stark genug, qm jeder Anrnaßung Reich zu wcpdcii llllllllllllllllllllllllllllllllllHIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII ist heutzutage leichter als früher. Das Je'zte Geheimnis des Erfolges der. Milliardäre, der sicherste Wegweiser zu Reichtum, Macht unefi Ansehen ist die Energie Dazu bedarf es stfthlerner Nerven einer widerstandsfähigen und w derstandskräftigen Konstitution und ein«-r kampffreudigen Ausdauer. Wer von Kindheit auf Franzbranntwein mit Menthol gebraucht, stählt seine Nerven, rnacht die Kon» stitulion w defetandstabJg, kraftvoll um schafft eine kämpf freudige Ausdauer Nehmen Sie nur Plana I Wertlose Nachahmungen weisen Sie: entschieden zurück OTEt C0NTINENTA1 mm WIEN, II., PRATERSt RASSE 7 (neben Schwedenbrücke' 200 Zimmer, modernst eingerichtet Erstklassige Küche Mäßige Preise antisemitischer Frechheit wirksam entgegenzutreten und das Recht nicht bloß der Studenten, sondern der jüdischen Gemeinschaft zu schützen. Sie wären noch viel mehr als dies. Eine Vereinigung der bewußt jüdischen Intellektuellen könnte den zionistischen Notwendigkeiten neue Quellen aufschließen und mit gleichartigen Vereinigungen in der ganzen Welt eine machtvolle Organisation des nationalen Willens bilden, an der der einzelne und die Gesamtheit eine kräftige Stütze" findet. Es ist notwendig, von dieser Frage öffentlich zu sprechen, da die Sache der jüdischen Studenten, die für ein jüdisches Recht kämpfen, fast verwaist scheint. In dieser Studentenschaft muß Verbitterung und Zorn sich zeigen, wenn sie sieht, daß sie verlassen ist. Es ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, wo dem Mangel abgeholfen werden muß. Wo soll der junge Mensch, der für sein Judentum leidet, Hilfe und Stütze suchen, wenn nicht bei denen, die ihm naturgemäß nahestehen? Die wirtschaftliche Notlage des jüdischen Studenten wird durch die Vexaüoneit und Schikanen der antisemitischen Lehrer und Hörer bis zur Unerträglichkeit verschärft. Dauert dieser Zustand an, dann darf man sich über Erscheinungen wie Abfall und politische Radikalisierung nicht wundern. Die Alten Herren müssen ihre Pflicht tun. Sie haben schon allzulange sich in ihren Traditionen gesonnt. Des Geistes Schöpfungen zerstieben nicht, Sie sind unsterblicher Natur, und geben .;. Vielfältig wirkend uns ein hcll'res. Licjit. Die Huber-Liköre, sie sollen leben!: Numerus clausus-Propaganda in der Tschechoslowakei Eine Verwahrung' von 700 tschechischen Juristen. Aus Prag meldet die J. T. A.: Die von etwa 700 Delegierten besuchte Tagung des 'Verbandes' 'ddr tschechpslowakisphen Juristen sümmte der folgenden llesolution zu:.?;... .r .,; ,v; ,; . i.Der neue; Aussdiuß des Verbandes tschechoslowakischer Juristen verpflichtet sich, mit allen Mitteln gegen die Einführung des Numerus clausus a|s gegen eine konkrete Gefahr für die tschechoslowakischen Hoch- und Mittelschulen zu kämpfen. Er wird gegen all e F o r m e n kämpfen, in denen der Numerus clausus zutage tritt, gegen jeden Rassen- oder nationalen Numerus clausus wie gegen die Einführung des wirtschaftlichen Numerus clausus. Die neue Leitung will in einer Reihe öffentlicher Diskussiopsabende beweisen, daß die Forderung nach Einführung eines Numerus clausus; in der Tschechoslowakei geheim und offen von einer Reihe fachlicher und politischer studentischer Organisationen, Verband der Techniker, Verband der Mediziner, Verband faschistischer Studenten : aufgestellt worden ist." Neue Faktoren* Von Dr. Fritz Löwenstein, Jerusalem. Als das jüdische Volk vor nunmehr fast fünfzig Jahren an die Verwirklichung seiner jahrhundertealte« Palästlnawtinsahe ging, fand es neben allen ungeheuren Schwierigkeiten dieses Werkes einen glücklichen Umstand vor, auf den viel zu wenig 'hingewiesen worden ist. Wie leicht wäre es möglich gewesen, daß der Zionismus bei seinem Beginn e-r'kannt hätte, daß Palästina., nicht niehr zu haben sein werde. Palästina hätte ein stark bevölkertes, hochentwickeltes Land sein können, das eine neue Einwanderung weder hätte vertragen können, noch gar notwendig gehabt hätte. Es war ein w e Ith ist o tisch e r. Z u.f al 1, daß dem nicht so war, daß . vieflmehr Palästina, in früheren Zeiten -einmal von drei bis vier Millionen Renschen bewohnt, utn diese Zeit nur etwa-ejne halbe Mi-lHön &i<nwohner zählte, .und also, wenn, nicht als ein leeres Land, so doch als' ein g a n z - 4 ü hü. be v ölker te s, halb le eres Und sich ' darbot.' Die Bevölkerung saß sehen Jahrhunderte in Palästina, ohne aüctfi rnir im geringsten das Land vorwärts gebracht zu haben. Das Land bot Platz für Millionen von Neueinwanderern, iilid es bedurfte solcher Neueinwanderer, um zu höheren Stufen wirtschaftlicher und geistiger Entwicklung zu gelangen. Das Volk ohne Land und das Land ohne Volk: in dieser Formulierung liegt eine gewises Uebertrefbung, aber.im. Kern, war es .richtig. ... Noch ein anderer Gliickszufäll schien. wt& w begünstigen. Der Beginn der zionistischen Bewegung fällt in die Epoche des Imperialist.ijs, in die Zeit, wo das inte r ri.a t fo n i\ e Kapital »fle Länder de* Welt erschloß, wo jedes Land, das auch nur' halbwvgs dem