Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 64 (7.12.1928)
- Date
- 1928-12-07
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 64 DIE NEUE WELT Sefte 3 Weihnachtsokkasion: Schwarze Atlas-Pumps, handgenäht von S 15.50 Lackpumps „ „ S 22.50 Schlangeniederschuhe .......... „ S 40,— SS »!%#«ä»ä<? If ZD direkt In dar Fabrik VII., Kaiserstraße im Stock : rung bei der Vorbereitung der Wahlkampagne geholfen! haben. Indem wir allen unseren Mitarbeitern nodimals danken, verleihen wir der Hoffnung Ausdruck, daß unsere zielbewußt geführte Wahlkampagne nicht nur zur Verbreitung unserer Idee, sondern auch zur Stärkung unserer Organisation beigetragen hat. Zionistisches 'Klub der Zionistischen Mandatare Zentralwahlkomitee in der Kultusgemeinde Zum Gedenken an Oberrabbiner Dr. Chajes. Grabsteinlegung und Gedächtnisfeier. Montag, den 3. Dezember, fand auf dem Wiener Zentralfriedhof die feierliche Grabsteinlegung für Oberrabbiner Dr. Chajes statt Der Gedenkstein nach dem Entwurf von Prof. Oskar Strnad ausgearbeitet, stellt ein Prisma dar, zu welchem drei Stufen führen, deren lunterste in deutscher Schrift und Sprache die Inschrift Professor Doktor Hirsch Perez Chajes, Oberrabbiner der Kultusgemeinde Wien" trägt. Die Schrift auf dem mattgeschliffenen Dalmatinerstein ist durchwegs graviert lund geschwärzt. In der Mitte des Gedenksteines befindet sich eine mächtige kreisrunde Messingplatte, die in hebräischer Schrift Namen und Titel des Verblichenen trägt. Oberhalb der Messingplatte stehen zwei Zeilen in hebräischer Sprache, unterhalb derselben beginnt die eigentliche hebräische Inschrift, die sich über die zwei anschließenden Stufenplatten auf deren Vorderansicht fortsetzt. Die Inschrift selbst hat das Leben und Wirken des Verblichenen zum Inhalt. Auf der linken Seite des Kernstückes sind in deutscher Sprache jene Worte angeführt, die Prof. Chajes gelegentlich seines ersten unoniziellen Vortrages im Sitzungssaal des Kultusvorstandes vor seinem seinerzeitigen Amtsantritt gesprochen hat. Sie lauten: „Jeder Schlag meines Herzens — jeder Teil meiner Kraft — jede Frucht meines Geistes — jeder Tag meines Lebens — soll und wird dem — Wohle des Judentums — dem Gedeihen unserer — Gemeinschaft voll und — ganz gewidmet sein." Die rechte Schmalseite trägt diesen Text in hebräischer Sprache. Bei der Feier, zu der sich außer den Angehörigen des Verstorbenen das Präsidium und die Vorstandsmitglieder der Kultusgemeinde eingefunden hatten, hielt Rabbiner Dr. Feuchtwang die Gedenkrede, in welcher er zum Ausdruck brachte, was der Verblichene im Leben gedacht, gewollt und geleistet hat. Den Schluß der Feier bildete ein von Oberkantor M a t y a s geleiteter Chorgesang. * Im Sofiensaal versammelten sich Freunde und Verehrer des Verblichenen, um seiner zu gedenken. Nach einer kurzen Begrüßung durch den Präsidenten der zionistischen Landesorga'nisation Dr. Go 1 dhammer, schuf Rab'b. Dr. Feuchtwang in einer großangelegten Rede in hebräischer Sprache ein Bild vom menschlichen lund geistigen Habitus des verstorbenen Oberrabbiners, der groß als Mensch, groß als Gelehrter und groß als Wohltäter war und sich von seiner Umgebung weit herausgehoben habe. Nach der bekannten Bibelrezitatorin Margarete Bach, die Jesaias mächtige Balladenprosa (VI. Kapitel „Die Berufung des Jesaia" und XI. Kapitel •„Die Zeit des Messias") ausdrucksvoll wie immer gestaltete, sprach Dr. Nahum G o 1 d m a n n (Berlin). Er (stellte Prof. Chajes als eine Gestalt dar, die immer, seltener im Judentum werde, eine Gestalt, die die höchsten menschlichen Eigenschaften des Geistes und des Herzens in sich vereine. Den verstorbenen Oberrabbiner verglich er mit Theodor Herzl, in dem Sinne, daß die Tat wichtiger sei, als alles Wissen. In Prof. Chajes habe sich wieder einmal die Totalität des Wesens, die allein zum Führertum bestimmt ist, offenbart, er bilde einen Markstein in der Geschichte des Judentums. — Es war eine Würdige Gedenkfeier für den unvergeßlichen Toten. Rothstock in der Kampffront, Ein Pogromplakat5 des Mörders. Eine merkwürdige politisch-literarische Neuigkeit hat Wien aufzuweisen: ein großes, rotes Plakat, auf dem Otto R o t h s t o c k, der Mörder des Schriftstellers Bcttauer, zum Kampf gegen die Juden aufreizt. Es ist nicht so sehr der Inhalt seines Aufrufes, der auffällt, als vielmehr die Tatsache, daß dieses Plakat affichiert werden konnte und daß es auf den Anschlagctafeln der Gemeinde Wien angebracht werden durfte. Der Mörder, der sich vor Gericht irrsinnig stellte und behauptete, als Nachfolger Christi dessen Werk fortzusetzen, war längere Zeit auf dem Steinhof interniert und wurde dann als geheilt entlassen. Er hat nunmehr der Ocifentlichkeit das folgende m sagen: Volk von Wien! Nach eineinhalbjährigem Rungen um mein persönliches Dasein ist es mir wieder möglich geworden, im Kampf gegen die Todfeinde des deutschen |IIIIIIIIIIIIIIIIIIII!I!IIIIIIIIIIII!IIIIIIIIIIII!IIII!IIIH Ü Keine Qual §jj H bei der Wahl n SS Dein i iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii § I iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii i kaufe im EE i iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii i Metrophon ifi =§ vv I iHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiH | 1 Wien» I., Graben 20 ■55 Kataloge u. Prospekte gratis u. franko EE "Volkes tatkräftig, mifeuhelfen,. Mit Schmerz hätte Ich seit meiner Entlassung aus der Haft wegen der Beseitigung einer Eiterbeule untätig zusehen 'müssen, wie das Volk von volksfremden Führern unter werktätiger Mithilfe entarteter Volksgenossen immer mehr zur Verzweiflung getrieben und von regierenden Schwächlingen einem schrecklichen Ende entgegengef ührt wird. Um nun die Aufklärung über die Urschulden und Ursachen, den Urgrund unseres erbärmlichen, jämmerlichen Daseins ins Volk zu tragen, mnß sich jeder, wie ich es nun wieder tun werde, in die vorderste Kampffront stellen. Die Totengräber des deutschen Volkes haben nun ein Jahrzehnt ungestört arbeiten können. In univcrantwortllicher Weise wurden Schichten und Stände gegeneinander ausgespielt, wurde von sogenannten Volksvertretern Klasse gegen Klasse genetzt, eine Herrschaftsweise der Demokratie, die noch kommende Geschlechter verfluchen wird. Aus diesem Chaos der Meinungen und der Parteien, aus diesem Höllen« (kcsscl von Verrat, Demagogie, regt sich für die irregeleiteten Massen eine erlösende Weltanschauung, die Idee des Nationalismus empor. Nicht mehr aufreibender selbstmörderischer Kampf des Volkes untereinander, sondern Kamplf nach außen, für Weltgeltung, für Boden und Reformen, für Freiheit und Brot. Auf der einen Seite .lud« mit seinen Trabanten und ein „Volk", das sich gegenseitig im Bruderkrieg bis aufs Messer bekämpft Auf der anderen Seite das Hakenkreuz des Nationallismus, dessen Verkünder Söhne des eigenen Volkes stad, mit seiner augertblicWlich kleinen, aber entschlossenen Kämpferschar. Ziel der Juden angeblich Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, in Wahrheit Knechtschaft und Bruderkampf, Herrschaft des Geldsackes und Terror, damit die Volksausbeutung und Volks- Verblödung keine Unterbrechung erleidet. Ziel der Hakenkreuzler nationale und sozM« Revolution, Ende der Fremdherrschaft und. Ende der Bankherrschaft. Ein Reich, ein Staat für deutsche Bürger, ein Gemeinwesen, in dem nur der lebensbereohtigt ist, der arbeitet. Volk von Wien, wählel Der Kampf beginnt. Otto R o t h s t o c k.** Was da geschrieben steht, bekommt seinen (besonderen Sinn dadurch, daß Rothstock bereits einmal in der vordersten Kampffront stand und die Wiederholung ankündigt. Wir nefornen an, daß auch der Staatsanwalt diese Ankündigung rechtzeitig verstehen ward. Im übrigen ist es nicht so unwichtig, au fragen, woher dieser Mörder das Geld für seine Plakate erhält. Es gibt offenbar eine Körper-, schaft, die derartige Attentate auf den Frieden besoldet und der kein Attentäter m schnwiteig ist, um sich seiner zu bedienen. VERBAND RAD I K ALER ZIONISTEN Sonntag, am 9. Dezember um 8 Uhr abends im Zentral kell er, Wien, II., Taborstraße 8 a GEGENSTAND: Unsere Stellung zur Kultuswahl — Für das allgemeine Wahlrecht — Begeh die Assimilation REFERENTEN: Oberbaurat Robert Stricker, Dr. L Plaschkes, Dr. f. Waldmann Das Volksfest Chanukah. Oliamukah wird seit vielen Jahrhunderten in der jüdischen Familie in allen Ländern, in denen Juden wohnen, als ein Volksfest angesehen und begangen, das die Zusammengehörigkeit des jüdischen Volkes in den einzelnen Angehörigen des Judentums wachrufen und erhalten soll. Die Art der Begehung des Festes ist nur in Einzelheiten in den verschiedenen Wohnländern der Juden und in den verschiedenen Jahrhunderten anders gestaltet. Im Wesen der Auffassung dieses Festes ist es bei allen Juden gleich. Vom volkgesundheitlichen Standpunkt aus betrachtet, kann man jedoch an der Hand der einzelnen Ghamukahgebräuche die verschiedenartige geschichtliche Entwicklung der einzelnen- Schichten des jüdischen Volkes genau verfolgen. Die liturgische Erinnereung an die Entstehung des Chamikahfestes hebt .in einem kurzen gebetartigen Bericht vier 'Momente hervor: den judeniresserischen, „bösen Titus", die Herrschaft der Hasmonäer, den siegreichen Kampf der jüdischen Minderheit gegen die überwältigende Mehrheit des Feindes und zum Schluß das Gnaden wunder mit dem Oeikrüglein im geschändeten und wieder geheiligten Tempel. Man kann ruhg sagen, daß die spätere geistige und kulturelle Entwicklung im Judentum gleichfalls je nach der Auffassung, welche der drei Ursachen des Vhanukahifestes für die Erhaltung des jüdischen Volkes am wichtigsten sei, eine genau erkennbare Schichtung im Judentum hervorgerufen hat. Ueberau hatte das Chanukahfest in der jüdischen Familie einen gemeinsamen Zug, und zwar die passive Solidarität gegenüber dem gemeinsamen Volksfeind, dem zu allen Zelten vorhandenen „Titus den Bösen". Dort, wo, wie bei den spanioliscben Juden, Chanukahspiele veranstaltet wurden, schlössen diese immer mit der lehrreichen Nutzanwendung, daß jeder Jude daran denken müsse, daß er ein Teil eines Volkes sei, gegen dessen Existenz Titus und seine Nachfolger unausgesetzt anstürmen. Nicht so einmütig war von jeher die Auiiassuug von den Hasroonäenn und den Hohepriestern, die gleichfalls in der 'liturgischen Notiz hervorgehoben werden. Schon hier wird der gewaltige Unterschied fühlbar, der sich in der Begehung des Festes im Laufe der Jahrhunderte kundgegeben hat. «Man kann feststellen, daß die Stellungnahme zu der Schuld und Sühne, den Vorzügen und Nachteilen des Hasmonäergeschlechtes und der Hohepriester eine sich immer mehr und mehr vertiefende, grundsätzliche Spaltung des Judentums in rechts- und linksstehende Gruppen, in kulturell am Alten festhaltende und in an einen national sich entwickelnden Fortschritt .des jüdischen Volkes glaubende Schichten zum Inhalt 'hat. Im hebräischen und jüdischen Schrifttum finden sich ja auch Hinweise und Andeutungen, die diese Meinung bestätigen. Der Kampf um die Rettung des Heiligtums und damit der nationalen Selbständigkeit spielt in der Chanukahliteratur der verschiedenen Jahrhunderte eine geradezu volkserhaltende Rolle. Man darf hierbei nicht übersehen, daß besonders im Mittelalter, als die Juden im Ghetto leben und physisch degenieren mußten, die führenden Juden ja zumeist als Gelehrte und vielgereiste Handelsmänner bei den zeitgenössischen Herrschern und zumeist auch Bedrückern des Judentums immer wieder durch die Lobpreisung der Makkabäer den Nachweis erbringen wollten, daß das Judentum, wenn es frei ist, auch physische Helden hervorbringen kann, nicht nur geistige Helden und Ueberzeugungsmärtyrer. Es gibt eine sehr interessante, ziemlich reiche Literatur hierüber, die mehr hinaus, außerhalb des Ghettos, als nach innen gesprochen und geschrieben wurde. Je näher wir in der -Geschichte der Emanzipations-. epoche kommen, eine desto größere Rolle in der Apologetik und der Emanzipationspropaganda spielt die Geschichte des Kampfes des Makkabäer. Sie ist wiederholt nicht nur episch, sondern auch in Dramen behandelt worden. In der Art der Begehung des Ohanuikahfestes rückt das Makkabäer fest an Stelle des rein religiösen Festes immer mehr in die vordere Reihe. Und da ergab sich die interessante Erscheinung, daß mit dem Anwachsen der jüdischnationalen Bewegung innerhalb des Judentums gerade an die Verherrlichung des Makkaibäcrtums durch die der Assimilation huldigenden Emanizapationskämpfer an-, geknüpft wurde, und daß dann später die Assimilanten vom Gedanken eines Makkabäertums immer mehr abrückten und sich auf das Wunder mit dem Oeikrüglein zurückzogen, während die junge Generation in der Heidengeschichte der Makkabäer den moralischen, geistigen und auch seelischen Rückhalt für ihr künftiges Kämpfen und Wünschen fand. Während früher das Chanukahfest in die vier Wände des jüdischen Hauses, in die Umzäuinungsmauer des Ghettos, gedrängt wurde und es früher niemals öffentliche Chanukahfeiern gegeben hat, ist in den letzten 50 Jahren das Fest als Teligiös-nationales Fest sozusagen salonfähig geworden, mit dem man sich auch „vor den übrigen Völkern" zeigen durfte. Als äußeres sichtbares Symbol des Festes dienen bekanntlich die Chanukahlichter entsprechend der Legende vom Wunder mit dem Oeikrüglein, in welchem nur Oel für einen Tag vorhanden war und dann doch sieben Tage lang das ewige Licht im wiedergeheiligten Tempel zu speisen vermochte. Auch dieses Licht und die Art, wie es entzündet und verwendet werden soll, hat einen tiefen religiös-nationalen Sinn. Es ist ein Festeslicht, das nach der Tradition auf dem Fensterbrett weite sichtbar ent-! zündet und brennen gelassen werden mraß. Weithin sichfibaT