Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 64 (7.12.1928)
- Date
- 1928-12-07
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 64 I.. Adlcrgasse 5 Tel. R-23-4-90 llM «I. Pfarrg. 28 Tel. A-41-6-24 Richard Herzog Sprechapparate all« I Jüdische und heürflische Schallplatten 1 H sowie alle modernsten Tanz-und Gesangsschlager §§ in reichster Auswahl auf Lagerl p Auch Teilzahlungen! Provinzversand! und Beth-Zur waren noch Siege von heldenmütigen Bauernhaufen, die späteren Kriege aber Leistungen von wohlorganisierten Heeren. Die Juden, die gegen ihren Willen ein Binnenvolk geworden waren, eröffneten sich den Zugang zum Mittelländischen Meere. Fürst Schhneon und sein Enkel König Alexander Jahnäus eroberten die gesamte Küste von Rapha nahe' bei Aegypten bis nördlich zum Karmel. Rapha, Gaza, Anthedon, Asdob, Jabneh," Dora wurden dem so sehr eine hellenische Stadt gewesen war, daß das vorher eine hellenische Stadt gewesen war, da Sich dort der griechische Mythos von Perseus und Ändromeda lokalisiert hatte,. wurde, zum erstenmal in der Geschichte Palästinas eine jüdische Stadt. Die Araber wurden von Palästina ferngehalten, Moabiter und Ammoniter, die alten Erbfeinde, unterworfen, die stammverwandten Idumäer dem jüdischen Volkstum einverleibt. Auch in der Beschränkung zeigten sie ihre 'staatsmännische Klugheit; die in Galiläa und Transjordanien als Minorität zerstreut lebenden Juden führten die Makkabäer ins Stammland zurück, da diese Provinzen damals militärisch nicht zu halten waren. Klar ist daraus zu erkennen: die Makkabäer wollten die Diaspora nicht, sie wollten das im Stammlande masiserte Judentum, sie wollten den Judenstaat. Wollten sie den Judenstaat als orientalisches Ländchen oder ahnten sie etwas von größeren Ausblicken und^ weiteren Zielen? Ist es zu kühn, zu behaupten, daß "sie" dein Judehstaat die europäische Orientierung zu 'fceben:'wünschten,-' als sie, Bindungen mit den orientalischen Staaten Syrien und A*egypten ablehnend, die Freundschaft mit den Spartanern' und dem aufstrebenden Staate der Römer Süchten? Ahnten sie etwas von dem Wunsche der heutigen Juden, sich vom Orient loszulösen und Europäer in Palästina zu sein? Ihre Tragik war es, daß sie diesem Gedanken nicht konsequent folgten und ihm 'untreu wurden,, als. sie sich Rom und Europa entgegenstellten. Allzu deutlich ■ zeigte sich, daß der Geist der Geschichte dem römischen Reich in seiner kontmentumfassenden Größe die Herrschaft der irdischen Welt übertragen wollte. Dieser* Fehler inihrer späteren - äußeren Politik erklärt sich aus innerpolitischen Ursachen. Ihre Bestrebungen, ihre Ziele und ihr Schaffen wären letzten Endes nicht volkstümlich. Es gelang ihnen nicht, die breiten Schichten des Volkes, über die die Peruschim, die pharisäischen S^riftgelehrten, Macht hatten, zu gewinnen. Diese wollten nicht den weltlichen Staat der Makkabäer, sondern betrachteten die abgesonderte, weltliche Macht als etwas Ueberflüssiges, ja Schädliches. Den Schriftgelehrten genügte ihre systematische Kdnservierungsmethode des Volkes als Träger der Religion. Soweit ihr Reich von dieser Welt war, wünschten sie an dessen Spitze keinen König, sondern das Oberhaupt der Schriftgelehrten. Vor dem Forum'der Geschichte sind -beide gerechtfertigt, die Makkabäer und ihre Antipoden, die Schriftgelehrten. Die Makkabäer, als Familie früh gealtert und dekadent geworden, ungebrochen aber die im Glauben starken und im Volkstum wurzelnden Pharisäer. Die Makkabäer gingen an Rom zugrunde, die Schriftgelehrten siegten, als Rom Jerusalem eroberte. Jabneh, die neue Statte pharisäischer Schriftgelehrsamkeit, hat letzten Endes die Makkabäer besiegt und Rom überlebt. Wenn auch das spätere Judentum sich ihrer nicht erinnern wollte und das Wunder der Lichter an Stelle des größeren Wunders ihrer auch von der göttlichen Vorsehung begünstigten Taten setzte, so darf und muß die Jetztzeit und die Zukunft ihnen gerecht werden. War auch ihr titanisches Ringen scheinbar ohne dauernden Erfolg, sind sie auch heroisch unterlegen, so gebühren ihnen, den Königen in einem Volke, das Könige nicht liebte, unsere Achtung, Sympathie und Liebe. Auch von ihnen kann gesagt werden: „Ihr Andenken zum Segen!" und noch eines: „Das Beste, was wir von der Geschichte haben, ist der Enthusiasmus, den sie erregt." Großer zionistischer Erfolg bei den Wiener Kultuswählen. Die Herrscaft der Assimilation gebrochen. Bei den Wiener Kultuswahfen am 2. Dezember hat sich ein entscheidender Umschwung vollzogen. Die Organisation des Assimilationsjudentums, die „Union", welche Jahrzehnte hindurch die Wiener Judengemeinde beherrschte, hat nicht mehr die Majorität in der Gemeindeverwaltung. Ihre Herrschaft ist gebrochen. Der Vorstand ist nunmehr so zusammengesetzt: 18 Unionisten, 11 allgemeine Zionisten, 5 werktätige Juden (darunter 2 Poale-Zionisten), 1 Misrachist und 1 Vertreter der unpolitischen Liste. Die Entscheidung wurde durch die Zionisten herbeigeführt, welche in einem mit Schwung und größter Hingabe geführten Kampfe der erbeingesessenen Assimilation die Herrschaft über die große Judengemeinde aus der Hand gewunden hat. Von altem Kampfgeiste wieder beseelt, hat die Wiener zionistische Organisation unter schweren Bedingungen einen mächtigen Gegner, dem die weitestreichenden gesellschaftlichen Beziehungen und. große Mittel zur Verfügung stehen, zu Falle gebracht. Dafür gebührt ihr volles Lob. Es muß aber auch festgehalten werden, wem das Verdienst gebührt, die Wiener Organisation Wieder auf den Weg Kampfes und des Sieges gebracht zu haben. Dieses Verdienst gebührt dem Verbände der radikalen Zionisten. Nachdem sich der jahrelang geführte Versuch,, die „Union" auf friedliche Weise vom Standpunkte der unjüdischeri, volksfremden,, starren Reaktion aibzubringen, als vergeblich erwiesen hatte, erhoben die Vertreter der radikalen Zionisten im Kultus vorstand und in der Organisation die Forderung', die Koalition mit der „Union" zu lösen und den Kampf aufzunehmen. Sie stießen auf Wider- Stand. Die radikalen Vertreter in der Kulttisgemeinde, Plas&fa'k.eä und Stricker, legten zum Zeichen des Protestes gegen eine weitere Koalitionspolitik, welche für die. Organisation verhängnisvoll geworden wäre, ihre Mandate n?ieder und der radikale Verband setzte mit einer öffentlichen und internen Agitation für den selbständigen Kämpf der Zionisten um die Judengemeinde ein. Die Aktion war Von Erfolg begleitet. Unter dem Eindrucke dieser Aktion beschloß die Zionistische Organisation, allein in den Kampf zu gehen und s i e g t e. Der Ausgang der Wahl hat bewiesen, daß der eingeschlagene Weg der rechte ist, der einzige, auf welchem der errungene Sieg festgehalten und ausgebaut werden kann, jedes Abweichen, von diesem Wege, jeder Rückfall in fruchtlose Koalition mit der Assimilation um kleiner Vorteile willen,- müßte zerstörend wirken und die Zionistische Organisation des hart erkämpften Vertrauens der Wiener Juden berauben. Im Wahlkampf hat die „Union" bewiesen, daß sie nichts gelernt,, nichts an ihrer reaktionären, d i r e k t volksfeindlichen Einstellung geändert hat, Sie hat mit demagogischen Mitteln gegen das allgemeine Wahlrecht gekämpft,' mit V e r- PIIIHIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII^ TUCHHAUS DNZ WIEN,!. Erflgasse 4 und Kramergasse 11 Tel eph o n U 25-2-57 Import Original englischer und schottischer Herren- und Damenstoffe sowie irischer Donegals und Thornpioofs SpettUlle Heiden- und namennt off-Abteilung Wien I Brandstätte 4 / Telephon U-26.006 j 1 o g e n h e i t das Bestreben der Zionisten, dem jüdischen Bürger in Oesterreich sein Recht zu sichern, als „Vaterlandsverrat" und „Preisgabe der Gleichberechtigung" denunziert, das Streben nach jüdischer Erziehung der- Jugend als „reaktionär" verschrien, sie hat bewiesen, daß aufrechtes, nationales Judentum mit dieser ,,Union" nichts gemein haben kann. In der Wahl hat es sich gezeigt, daß die Bevölkerung diese Politik satt hat. Hätte die Wiener Judengemeinde das allgemeine Wahlrecht, wären nicht hunderttausend volljährige Juden und jüdinnen des Wahlrechtes beraubt, dann wäre diese Gemeinde heute in Händen der national gesinnten Judenschaft und auf dem Wege zur V o 1 k s g e m e i n d e. Darum kann es nur Kampf gegen die Vertreter der Assimilation in der Judengemeinde geben. Noch ist die Vertretung der „Union" stark genug, um die Arbeit in der Gemeinde zu behindern. Wenn sie es tun wird, wenn sie sich weiterhin sträuben wird, dem Volke das Tor der Gemeinde zu öffnen, das allgemeine Wahlrecht allen jüdischen Männern und Frauen zu gewähren, den Kampf für das jüdische Recht zu führen und die jüdische Jugend ihrem Volke zu erhalten, dann Kampf und Appell an die erwachte jüdische Wählerschaft. - -,f - ■V^^V'4^v'': Zionistisches Landeskoniitee für Oesterreich. Anläßlich unseres glänzenden Wahlerfolges findet Samstag, den 8. Dezember 1928, 7 Uhr abends, im Hotel Continental, II., Taborstraße 4, ein statt, bei dem die neugewählten Mandatare über unsere Aufgaben in der Kulttisgemeinde sprechen werden. Redner: Dr. Desider -Friedman n, Kultusvorsteher, Dr. Josef Löwenherz, Kultusvorsteher, Dr. Leo Goldhammer, Kultusvorsteher, . Präsident der Zionistischen Landesorganisation für Oesterreidh, Dr. Jakob Ehrlich, Kultusvorsteher, Dn Isidor K1 a b e r, Kultusvorsteher, Moses Rath, Kultusvorsteher. Juden, erscheinet zahlreich! Eine Kundgebung an die Zionisten. An die zionistische Wählerschaft ist die folgende Kundgebung gerichtet worden: Zionisten! Die Wahlkampagne hat uns einen großen Erfolg gebracht. Es ist uns ein Bedürfnis, auf diesem Wege allen Gesinnungsgenossen und Genossinnen, die durch ihre Mitarbeit uns zu diesem glänzenden Wahlerfolg verholten haben, unseren innigsten Dank auszusprechen. Vom Geiste unserer großen nationalen Idee beherrscht, gingen unsere Wählermassen zur Wahlurne. Pen Tausenden der jüdischen Kultuswähler und -Wählerinnen, die ihre Stimmen auf unsere Liste abgegeben haben und den Beweis erbrachten, daß sie den Wunsch hegen, die Kultusgemeinde in eine jüdische Volksgemeinde umzugestalten, gebührt vor allem unser Dank. Die jüdischen Wähler und Wählerinnen können daher überzeugt sein, daß unsere gewählten rrlandatare mit hingebung und vollster Verantwortung sowie im innigen Einvernehmen mit der Wählersdiaft in der Kultusgemeinde auf der Wacht für unsere Volksinteressen stehen werden. Unser Dank gebührt auch unseren Jugendgruppen, akademischen Verbindungen und Vereinen, sowie unseren braven Frauen, die uns seit Wodien mit unermüdlichem Eifer und wahrer zionistischer Begeiste-