Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 63 (30.11.1928)
- Date
- 1928-11-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 DIE NEUE WELT Nr. 65 TEL. 632310 EIN GRIFF-EIN BETT, SCHLAFE PATENT OlfttKT BEIM ERZEUGER - $0110 ». BlLllO JosefKoblitz *Sohni TAPEZIERERMEISTER VII.SIEBEN5rEKNG.12' Niihsia Nummer 6. Dezember CHANUKA.H-NUMMER iimii-w Zionismus, Nationalismus und Judentum. Von Upton Sinclair (New York). Als vor einigen Jahren Upton Sinclair, der große sozialistische Schriftsteller Amerikas, der Romanautor, dessen Werke in 26 Sprachen erschienen sind, Aeußerungen über die Rolle der Juden in der Geschichte der Zivilisation machte, wurden ihm unfreundliche Tendenzen unterlegt, zumal seine Ansichten über die Entwicklungsmöglichkeiten des amerikanischen Judentums nicht gerade optimistisch lauteten. Man mißdeutete damals seine Erklärungen, indem man sie als antisemitisch ausgab. Nun gelangen Aeußerungen Upton Sinclairs in die Oeffentltchkelt, die ein wesentlich anderes Eild von seiner Einstellung zu Juden und Judentum ergeben. Nachdem Sinclair zunächst die Berechtigung des Antisemitismus und jedes Rassevorurteiles zurückweist, legt er seine Ueberzeugung betreffs des Zionismus und Palästinas dahin nieder, daß er es als Pflicht jedes Juden betrachtet, seine ganze Energie für die Errichtung eines dauernden Heimatlandes aufzuwenden. „Paläsiiha« Ist meiner Ansicht nach das beste Land In der Welt, in dem Juden sich niederlassen, das sie kultivieren und Ihr eigsn nennen können. Ich war intimer ein böosequsnter Anhänger des Nationalgedankens ohne Rücksicht auf Rasse und Farbe. Nationalismus führt zum Internationalismus. Man Ist ungerecht,, wenn man sagt, daß der Nationallsmus eine geringfüg'ge Ange,eg3nbeit in den großen Weltbewegungen sei. fr war das nie und wird es nie sein, leb war Immer daran Interessiert, daß der Zionismus den Juden als erstrebenswert erscheine. Kein anderes Volk ist mehr unterdrückt worden als sie. Obwohl ich .nicht allzuviel von den die amerikanische zionistische. Bewegung leitenden Prinzipien weiß, hoffe ich. daß der Tag bald kommen wird, da der Jude mit dem Finger zum Heiligen Land hin wird zeigen tnd sagen können: Dort;ist meine Heimat! Das jüdische Volk, das einen großartigen Akt im Drama der Welt geschrieben hat, würde als unabhängige Nation ein einzigartiges. Schauspiel bieten, schon aus dem '.Grunde, weil die Juden gezeigt haben, daß sie nicht nur ihr Eigenes bewahren, sondern auch die anderen Völker in Wissenschaft and Kunst hinter sich lassen." Als einen Mann, der Ungerechtigkeiten und Vorurteile nicht übersehen kann, beunruhigen ihn die Symptome von Antisemitismus in den Vereinigten S ta a t?e n: „Die Judenverfolgungen existieren in erschreckendem Maße. Sie nehmen in Amerika genau so überhand wie in Europa. Sie sind zutage getreten In den höheren Lehranstalten beider Kontinente. Rumä nien zum Beispiel bat sich zu den Juden barbarisch benommen, leb kann nur sagen, daß ich hoffe, Amerika werde nie dein Beispiel dieses Landes folgen, die Zelt allein scheint hier Abhilfe schaffen zu wollen. (Wir verwehen auf den kürzlich erfolgten Regierungswechsel in Rumänien. Anm. d. Red.) Debatten und Propagandabestrebungsn werden diesen Zustand eher verewigan als beenden" , Ueber das Wesen des Judentums äußert sich Upton Sinclair dahin, daß der Anteil-der Juden an der abendländischen Zivilisation bedeutend sei. „Vor allem haben die Juden der Welt das Hill: | MOSES RATH'S 1 1 fFATH AM ENI! | jj Lehrbuch der hebräischen Spräche j| 3' für Schul- und Selbsiunleificht mit ES §§j Schlüssel und WöMei Verzeichnis. ES H Einführung in die Li eratur. Hl §S Moses Raih's ..SFAi'H AMEhU" S5 ist vort der gesaiwen Tag s- und S5- Fachpresse sowie von allen Pä- =s dagogen und Fachleuten als die \ ||j 5g einzige praktische Methode ss =s zur voHsiändigen Erlernung der ES 'ES hebiäischeo bprache, ..in. Won und SJ «s Schrift aucn ohne Lelner =s ES aneikannt worde>■ 53 55 Preis eines gut ausgesiaite'en j? 6' ss 55 bundenen, 400 Seiten $'»rken 5S H! Exemplais inklusive ^clnüssei nur fs g S 3.60 §H ||§ Zu bestellen bei §§ I M. Rath Verlag, Wien | Ü M, Bezirk, Tafjor&tresse Hr, 809 =| Christentum und den Sozialismus gegeben. Das Christentum befriedigt die gegenwärtige Generation, während der Sozialismus die Zukunft für sich hat. Die Bemühungen des Antisemitismus, dies durch einen Kniff wegzuleugnen, müssen fehlschlagen. Das ist eine bewiesene, nüchterne Tatsact$ ebenso wie die, daß die Juden gsnau so wie die anderen Völker Ihre Fehler und Vorzuge besitzen." Eezüglicb der großen jüdischen Schriftsteller, die den jüdischen Geist verkörpern, stellt er Israel Za ngw i 11 sehr hoch, „Israel Zangwill war ein großer Schriftsteller, der nicht genügend eingeschätzt wurde, ein großer Menschenfreund und wundervoller Geist." Von sensationellem Interesse ist Sinclairs Ansicht, daß die Präsidentschaft eines Juden in Amerika nicht unmöglich se» und daß es übrigens ein gutes Ding wäre, einen Juden im Weißen Haus zu haben. Damit will Sinclair wohl sagen, daß der amerikanische Antisemitismus noch nicht tiefe Wurzeln geschlagen habe und seine Aussichten nicht übertrieben werden dürfen. Dauerbrand-Qfen D. Anavl, Vorm. H. Heim Baden Größte Sparsamkeit Sof de Konstruktion Uaberall zu haben! Pabriksnieder'age- Ludwig Reisner, Scnoftenrl~ci 33 tt (I Ind. Ridiard Herzog WIEN &%r-j^B&.M Telephon 73-4-0O Sprechap->arate teder Art, «ow'e sä nti'che JttdlfChen und hebräischen Schallplatteen reichster Auswahl stets auf Läget PROVINZVEFSAND PROVINZVBRSANO Die Juden in Rumänien. Ein Wahlabkommen zwischen Zionisten n|d Zaranisten. Die J. T..A. meldet aus Bukarest: Ein Wahiabkommen zwischen der Regierungspartei (Natfonalzaranisten) und den Zionisten in Siebenbürgen und in der Bukowina ist bereits offiziell geschlossen worden. Auf Grund dieses Abkommens erhalten die transsylvanlschen Zionisten vier Mandate (Dr. Joseph Fischer, Dr. M a r t o n und Dr. Nobel für dne Kammer und Dr. Fischer für den Senat). Die Bukowinaer Zionisten erhalten zwei Mandate (Dr. Mayer Ebner und Dr. Kinsbrunner). Die Frage eines Wahlabkommens zwischen der Regierung und der Union der Juden Altrwnäniens bleibt noch offen. Bs scheint jedoch, daß diese Meldung den Tatsachen nicht ganz entspricht. Ein Czernowitzer Telegramm vom 23. d. M.. besagt, daß die Regierung den Pukowinaer Juden nur ein Senatsmandat angeboten und hiefür Dr. Mayer Ebner vorgeschlagen hat. Amnestie für zehntausende Juden. In rumänischen Regierungskrisen verlautet, daß der Ministerrat am 1. Dezember ein Dekret wegen Amnesti» für politische Verbrechen sowie alle Kriegszeltverbrechen erlassen wird. 20.000 schwebende Prozesse sollen niedergeschlagen werden. Der größte Teil dieser Prozesse betrifft Juden, die bekanntlich wegen angeblicher Paßvergehen (viele tausende Juden werden noch immer als „Ausländer" und „Staatemlcse" behandelt) und als ..Deserteure" 1 (alle im Kriege vermißten jüdischen Soldat e n, mögen sie auf den Schlachtfeldern gefallen oder in Gefangenschaft geraten sein, werden als Deserteure behandelt) besonders verfolgt wurden. 9BH Die Friedhofsschäuduugen in Deutschland, Umgestürzte Grabsteine in der Nähe Berlins. Aus Berlin, 23.,, November, \Vird gemeldet: In der Nacht zum Donnerstag ist der jüdische Friedhof in , Köpenick von unbekannten^ Tätern auf bestialische Weise geschändet worden.' ' ' Der-Friedhof umfaßt etwa 70 bis 80 Gräber and liegt1 in ^.v'nmttte)]&arer:r^.;^tJ!^l^f 'des israelitischen - Waisenhauses, inmitten einer Laubenkolonie., Der Friedhof wird von dem Verwalter <Jes Mädchenheims, B i r k h o 1 z, betreut. Birkhol* hatte a"m Mittwoch nachmittags den Friedhof besucht und die > Gräber in Ordnung, gefunden. Als er Donnerstag nachmittags gegen 4 Uhr auf dem Friedhof erschien, sah er zu seinem Entsetzen, daß in einer Reihe vier Graber geschändet waren. Die Täter haben mit roher Gewalt einen großen Grabstein des Kaufmanns Marcus aus Friedrichshagen umgestürzt, während sie bei der Schändung der Kindergräber offenbar mit Beilen und Hämmern vorgegangen sind. Der rechte Teil der Platte eines der geschändeten Kindergräber würde wenige Meter davon Im Erdboden gefunden, Der Berliner Polizeipräsident wurde sofort von dem zuständigen Revier in Kenntnis gesetzt. Auf seine Veranlassung wurden, obwohl die Ermittlungen in der Dunkelheit außerordentlich erschwert waren, noch in der Nacht Feststellungen e'ngeleilet. Wie die Kriminalbeamten feststellen, ist außer c*em Grabe des Kaufmanns Marciiis das Grab eines Kindes namens Sußmann aus Friedrichshagen und das Grab eines Kindes namens Samter aus Posen geschändet, worden; Das dritte Kindergrab konnte in der Dunkelheit nicht festgestellt werden. Die intellektuellen Urheber. In der „C. V.-Zeitung'*, die eine Umfrage über die Gräbschändungen vornimmt, schreibt der bekannte Ge- ^iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiK H i Verband radikaler Zionisten | Mittwoch, den 5. Dezember 1928 um 7,9 Uhr 5 abends im s Caf6 Produktenbörse (Klubsaal) | II., Taborstraße 10 £ YllllllUlIIIHinillllllllllllHIIIIIIIIIIIIIIIUIIIllMIIIIIIIIIIIlllllirr Ca!6 Produktenbörse, TaborstraQe. Der Verband radikaler Zionisten bat seinen Sitz in das Cafe" Produktenbörse verlegt. Das Kaffeehaus, im Prachtbau der Börse gelegen. Ist lüftig und schön eingerichtet und wird allen Zionisten bestens empfohlen. lehrte Adolf von H arn ack: „Daß Ihre Zeitung alles, versucht, um den empörenden Grabschändungen ujid Beleidigungen en'gejen zu wirken, i.t s.Jbstyerstär.dliche P-licht; aber Von einer Unterstützung dieser Aktionen durch die Männer, an welche sich- Ihr Schreiben richtet, verspreche ich mir nichts; "denn die verführten Jug^icHclteiJ Verbrecher hören deren Stimmen nicht und die intellektuellen Urheber wollen sie nicht hären. Ich weiß daher gegen diese G e m e i n h e i t e n u n d; Verbrechen meinerseits kein anderes Hilfsmittel, als sie als solche und als Kulturschande zu bezeichnen; aber was wird das helfen? Aufspüren der Üebeltäter und strenge Bestrafung sind die einzigen Gegenmittel, und bessere Erziehung der Jugendlichen." Auch In Westfalen. Das Hamburger „Israelitische Familieriblattf teilt mit: Auf dem jüdischen Fredhof zu Borgentreich in Westfalen, wo eine jüdische Gemeinde nicht mehr existiert, sind drei Grabsteine umgeworfen und zum Teil arg beschädigt worden. Von den Tätern fehlt bis jetzt jede Spur. Der Antisemitismus in Neue krasse Fälle von Judenverfolgung. Aus Moskau meldet die J. T. A.: Die Snvie<pre«s wies in den letzten Tagen auf eine neue Serie kns-sester antisemitischer Ausschreitungen in den verschied jnsten Teilen der Sowjetunion hin. Besonders eingehend wird der eine Fall behandelt, der in vielen Punkten dem berüchtigten „Fall Kaufmann" gleicht (bekanntlich wurde der alte Jude Moses Kaufmann, Moskau, von seinen christlichen Hausnachbarn lange Zeit hindurch systematisch gefoltert). Das von der „Wetschernija Moskwa" berichtete Vorkommnis bettrifft die jüdische Familie Kowanowski, die lange Zeit hindurch von den antisemitisch v.erhe't'zten Nachbarn terrorisiert , und mißhandelt wurde. Am 20, Oktober wurden Kowanowski und seine Frau ypn den Nach* PNeu eröffnet!! niren io '■nvD1? "W3 Selchwaren Restaurant Elsen & Co., VII. Neubaugasse 15 lelephon B«30»9«M Die alte führende 3f(trJ<e