Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 63 (30.11.1928)
- Date
- 1928-11-30
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2711613-2711630-2711678--0836-2714008- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 63 DIE NEUE WELT „Alpha", nur Wien, I., Adlergasse Nr. S nach Deutschland gekommenen Juden Weizmann erzählt, daß die russischen Juden „Unflat und Unrat'' sind, welcher sich über das unglückliche Deutschland ergossen hat? Hat er ihm eine Vorlesung über die Zweckmäßigkeit der Taufe von Jödenkindern gehalten? Hat sich daraufhin Chaim Weizmann vor der Heiligkeit der Wassermannscheu Gesetze verbeugt und ehrfürchtig-herzlich die Hand Jakob Wassermanns gedrückt? Es wird s<hon ein bißchen anders gewesen sein. Robert Stricker. Als „Gral Zeppelin" über dem Ozean war, War alles da, was für den Gaumen rar, Nur eines fehlte noch, Dr. Eckener lacht: „Huher-Likör?" — hab' ich mitgebracht. Das Rendezvous der Taufkaiididaten. Oder: Rettet eure Seelen! Gibt es noch so etwas wie Animiermädchen, könnte ein' Zeitgenosse fragen, der so viel von der Freiheit der Geschlechter, von der Berufswahl der Frau und von der Informiertheit selbst der jüngsten und verstocktesten Provinzler gelesen hat. Ja, es gibt so etwas, wenn auch der Erfolg nicht groß ist. Es gibt ein Animiermädchen, sogar eines, das durch das gedruckte Wort der Presse animiert. Zwischen zwei Lek Ionen suchenden Lehrkräften war in einer Wiener Tageszeitung Sonntag den 25. November ein Animierinscrat zu lesen, das also lautete: ReHgfonsübertritt bereitet vor kath. Piiester. Anfragen unter „Währing Nr. 49029" an das Ank.-Bur. d. Bf. 49029—7 )■ War's vielleicht die „Arbeiter-Zeitung"? Per ist Religion Privatsache, wenn sie auch letzthin die A^öglichkeit einer Brücke zwischen Religion und Sozialismus nicht ad absurdum führen wollte. Aber ihr Chefredakteur hat ja Gott aus dem Strafgesetzbuch in den rjiramel versetzt und der Austritt ist ihr bekanntlich lieber ajs. jeder XJebertritt) Die „Dötz" etwa? Das geht von, Wegen des Rassestandpunktes nicht. Oder — nach der geographischen Lage „Währing" zu schließen — gar die ,,Wiener Neuesten Nachrichten"? Keineswegs. Hierin geht der Großdeutsche mit dem christlich-germanischen Ideal der Hakenkreuzler konform, die ja nach einer gewigsen Zeit keine jüdischen Friedhöfe mehr zu bestKlein hätten. Also? Raten Sie? Wer weiß? Ich will ||jre Geduld, Ihren Scharfsinn nicht länger auf die Probe stellen. Es i^ar das jüdisch-deutsche Weltblatt „Neue* Freie Presse". Der katholische Priester, dem sein Missionsdrang über alles geht, weiß auch Bescheid in d^r irdischen Welt. Er weiß, von wo er sich seine tjißbertrittskandidaten holen soll. Er weiß, wer die dicken ^nzeigenrubriken der Sonntage dort liest. Er kennt seine Pappenh imer, will ra^en Israeliten. Und doch, glauben wir Wird er nicht viel Erfolg haben. Denn man trägt, wie des qfteren bereits ausgeführt, heuer viel jüdisch. Jüdisch sein, oder, genauer gesagt, mit dem Judentum kokettieren» ist heuer: modern. Den Beweis hiefür Hefern die „Uniohisfen" und die „Werktätigen", die plötzlich — es soll VAS nicht schaden keine andere Aufgabe kennen, als djs Kiiltussitube erobern, um das „gefährdete Judentum" zu retten. Später werden sie vielleicht vom Offert des katholischen Priesters aus Währing Gebrauch machen. or. Vor den Wahlen in der tschecho- / slowakischen Republik. Die polnisch-zionistische Einheitsliste. i Aus Prag, wird uns geschrieben: Die bevorstehenden Wahlen in die Landes- und Bezirksvertretungen nehmen , alles , Interesse der Oeffentlichkeit gefangen. Diel Wahlen finden am 2. Dezember statt. Das Hauptgewicht der jüdischen Agitation liegt einerseits in Karpathorußländ, wo gemeinsam mit Poale-Zion vorgegangen wird, anderseits abejr in Mähren. Hier wird nämliteh ein sehr wich4 tiger Versucji unternommen, d e r f ü r d i e k o m m e n d e ti Pa r Ia m enfs wahle n von allergrößter Bedeutung ist: Die Zionismen stellten mit dem Polnischen' Volksverband eine Einheitsliste auf, die von dem' Polen Dr. Wolf aus Mährisch-Ostrau geführt wird. An zhveiter Stelle figuriert ein Zionist, Dr. S o n n e n f e I d aus Brünn. Die Polen verfügen, wie bekannt, über ein Mandat im Abgeordnetenhaus, das4 so ist einmal die{ tschechoslowakische Wa'lgeometrie, auch den Juden später einmal die Vertretung im Parlament verschaffen könnte. Deswegen ist es wichtig, daß sich die mährischen Juden der ungeheueren Wichtigkeit der Landeswahlen bewußt werden und für die Einheitsliste eintreten, damit sich das Bündnis bis zu den nächsten Parlamentswahlen erhält. Seite 5 Aus dem schwärzesten Judentum Bannfluch gegen eine Zeitung. Die tschichischen Blätter melden aus Munkacevo (Munkacs): Der orthodoxe Rabbiner Spira, welcher vor einigen Jahren seinen Konkurrenten, den Wunderrabbi von Belc, mitsamt seinen Anhängern mit dem großen Cherem (Bannfluch) belegt ha^, ist nunmehr zur Abwechslung mit seinem heiligen Schwergeschütz gegen eine Zeitung aufgefahren. Er hat das in Munkacs erscheinende „Jüdische Volksblatt", ferner dessen Chefredakteur Sauber und alle Abonnenten und Leser in den Bann ge'an, weil das Blatt judenfeindliche Lehren verkündet. Als judenfeindlich bezeichnet er nämlich den Umstand, daß das Blatt für den Beizer Rabbi und gegen Herrn Spira schreibt. Der Bann schreibt unter and :rem ver daß mai c'en Ve.fl.ich en nich Spei e und Tränk, nicht Rettung aus Lebensgefahr gewähren darf, und noch so schöne Dinge,, Mail sieht, daß es im Judentumnoch Winkel gibt, die gründlich auszuräumen wären. Der Schutz der jüdischen Minderheitsrechte. Anschluß der russisch-jüdischen Emigranten an das Pariser Komitee. Aus Paris wird uns geschrieben: Auf Initiative der bekannten Financiers Dobry und Naiditsch und des ehemaligen Petersburger Advokaten M. Goldstein, fanden hier am 10. und 17. November zwei intime Versammlungen statt, in denen die Lage der jüdischen Minderheiten von Ost- und Südosteuropa und die Frage der Beteiligung der russisch-jüdischen Emigration an diesem Rechtskampf behandelt wurde. Es fanden sich etwa 60, meist führende Persönlichkeiten aller Gruppen und Richtungen ein. Herr M. Goldstein verwies darauf, daß seit, der Züricher Konferenz vom Jahre 1927 eine interterritoriale Repräsen'aMon der jüdischen Minderheiten geschaffen worden sei, die weiter ausgebaut CENTRAL II.Ta&orstraße 8 Tel. a-$*4i AB H£UT£ UR- U ALLEIN AUFFÜHRUNG Der große Fox-Jubiläumsfilm, das Meisterwerk des Regisseurs FAANX BOSUAQE in den Hauptrollen! JANIST GAYNOR und CHARLES FAS ELL Beg nn: An We«klagen um 6 V28 und 9 Uhr An Samstagen. Sonn- und Feiertagen ab Va5 Uhr werden müsse. Die russisch-jüdische Emigration könne gegenüber dieser Tatsache nicht gleichgültig bleiben. . Als Referent der beiden Abende gab Herr L. M o t z k i n ein eingehendes Bild der Arbeiten vor der Friedenskonferenz, vor dem Völkerbund, vor den internationalen Organisationen und auf dem Wege zahlreicher Interventionen bei einer Reihe von Regierungen. Der im Jahre 1919 in großzügiger Weise eingeleitete Rechtskampf des Komitees der jüdischen Delegationen sei sowohl in den Ländern selbst als im internationalen Leben ausgelachten worden, wo die jüdische interterritoriale Vertrettung mitgearbeitet und gewisse Resultate erzielt ha. Das Judentum von Ost- und Süflosteuropa stehe vor dem entscheidenden Problem, ob es als nationaleMinderh e i t sich proklamiert und im internationalen Leben einen gemeinsamen Weg mit anderen Minderheiten gehen wjji, soweit es sich um Verteidigung der Rechle auf der Grundlage des bestehenden Staates und um kulturell-- Koiiie*Hütlenküks OBERS HICSISCH. ANTHRACITK» Qualitätssorten - Billigst BÄSCH, IV. Talaah Argentln eritr. 22 Toleph. Um4um Raballsektion des ICEBEN.KAJEMETH Auch Sie müssen unser OLSOPHON haben! PR EIS | $ 100.- l auf 6 Monatsi aten ■ s Monatlich S 18.50 Unsere Spezialabteilung in GRAMOLA-u.coLUMBiA- Apparaten sowie unsere reiche Auswahl in Künstler- und Tanzpflatten bietet jedermann besondere Vorteile Bequeme Teilzahlungen l Wien, I. Bellariasfraße Nr. 12 Telephon B-39-5-70/71 Sil! » nationale Entwicklungsmöglichkeit handelt. Gerade wegen dieses schweren Problems und im Hinblick auf die Schwäche des Judentums müsse eine wenigstens für ge? wisse Teile der Aktionen gee in igte Front der jüdischen Rechtsschutzorganisationen und damit eine möglichst umfassende jüdische Vertretung geschaffen werden. Die Diskussion war außerordentlich lebhaft. Ins? besondere wehrte sich Advokat, S 1 i o s b e r g dagegen, daß die Judenheiten von Ost- und Südosteuropa als nationale Minderheiten ihre Rechte vertreten, da er ein Gegner des Prinzips eines solchen Rechtsschutzes sei; Gegen die Ausführungen Sliosbergs wandten sich die Herren Naiditsch, Jefroykin, Kr ein in und Goldstein sehr scharf, hindern sie die Dringlichkeit der Mitarbeit der russisch-jüdischen Emigrätion an den internationalen Rechtsschutzkämpfen begründeten. Schließlich wurde der Antrag Haiditsch wegeii Schaffung eines Komitees innerhalb der russisch-jüdischen Emigration in Paris zur Mitarbeit mit dem Rat zum Schütz der jüdischen Minderheiten (Komitee der jüdischen Delegationen) gegen die einzige Stämme des Herrn SHosberg einmütig angenommen, nachdem sein Antrag wegen Bildung eines russisch-jüdischen Komitees zum Kampf gegen den Antisemitismus als unzweckmäßig abgelehnt worden war. Bei dem Vorsitzenden der Versammlungen, M. Goldstein, waren Begrüßungsschreiben von Professor S. Dubnow, Abgeordneten Grünbaum (Warschau); Abgeordneten Reich (Lemberg), Dr. Robinson (Kowno), Dr. M a r g u 1 i e s (Leitmeritz) eingelaufen, , in denen auf die Wichtigkeit des zu begründenden Pariser Komitees hingewiesen wurde. Die Versammelten nahmen von den Schreiben der bekannten jüdischen Rechtskämpfer mit großer Befriedigung Kenntnis und drückten insbesondere ihre Genugtuung darüber aus, daß auch der Veteran der jüdischen Geschichtsforschung, der von allen so hoch geachtete Dubnow, ein sehr eindringliches Mahnwort zugeschickt hatte. Sie wählten sodann ein fünfgliedriges Präsidium, bestehend aus den Herren Dobry, Goldstein, Gurewitsch, Kreinin und Naiditsch, das sich durch weitere fünf Mitglieder ergänzen und das Komitee schon in den nächsten Tagen in Aktion setzen solli Der jüdische Besitz in Palästina vergrößerte Erwerbung des Nationalfonds an der Haifa-Bnchl Aus Jerusalem, 20. November, meldet die J. T. A.: Die Verwaltung des Jüdischen Nationalfonds; (Keren Kajemeth le-Jisrael) hat heute Kaufverträge über den Erwerb von 22.000 Dunam Boden an der Haifa-Bucht tn der Nähe des Tales von A c c o abgeschlossen. Durch diese Erwerbungen erhöht sich der Bodenbesitz des Jüdischen Natioralfonds längs der Haifa-Bucht zwischen Haifa und Acco auf insgesamt 33.000 Duham. Auf diese Weise hat der Nä ionalfonds für immerwährende Zeiten, einen Bodenbesitz in dem wertvollsten und zukunftsreichsten Gebiet Palästinas gesichert. Denket an den Winter! und decket euren Kohlenbedarf schon jetzt bei der bestrenommierten Firma Julius Haber. Wien, II„ Taborstraße 9. (Siehe auch Inserat, Seite 12.) E ZEIT: SAMSTAG DEN 8. DEZEMBER, 4 UHR NACHMITTAGS REGIEBEIT^AG 30 GR. KINDER, KOMMT ZUR CHANUKAH-FEIER MIM DER VEREINIGUNG DEMOKRATISCHER ZIONISTINNEN1 IIIIII ORT: GOLDENER SAAL DES CAC E SILLER.WIEN lM SCHWEDtNPLATZ REGIEBEITRAG 30 GR.