Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 62 (23.11.1928)
- Date
- 1928-11-23
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2711613-2711630-2711677--0828-2713999- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 10 JfE NEUE WEL T Nr, 62! Verband der Ziontsten Revisionisten. i Montae den 26. ds., um 9 Uhr abends, im Klubsaale des Cafe „Atlashof" t Vorfrag: Paul Haller über „Unser Verhältnis | zur zionistischen Organisation" ^llllt]llllllllirl','lu"illllini!iiinulliiiiiiiini:nnniiiniininniiNiiiiiHHnniMMiiMiiiiiMiHHnnMnniiN»MnMiMiiiiiniir: cs g e I a >n g ihnen erst mit Hilfe der Gummik n ü 11 e 1 die Zuschauer zurückzudrängen. Nach Schluß des Spieles ereigneten sich ähnliche Szenen. Die Altmaiinsdorfer ergriffen die Flucht. Die Hadc.oah-Kabine, in der sich die Altmannsdorfer umkleideten, wurde stark beschädigt. Die Kleiderhaken wurden herausgerissen und auch sonst Schaden angerichtet. Der Fußball verband wird sich mit diesen Vorfällen in seiner nächsten Sitzung befassen. Die Hakoah stellte gegen Altmannsdorf folgende Mannschaft: Oppenheim; Stroß, FcJdmanit; Fried, Löwinger, PoMaik; Schweinburger, Posaner, Stern, Heß, Katz. Die Tore erzielten Heß, Stern und Feldmann (Elfmeterstoß). Die Haikoah-Reservc siegte gegen Altmannsdorf- Reserve 3:2. Torschützen: Birnbaum, Wortmarm und Mondschein. Raufereien auf Sportplätzen Schwere Ausschreitungen nach dem Hockeyinatch Blau- Weiß—Wr. Stockballklub. Vergangenen Sonntag fand vormittags auf dem Hockeyplatz der Hakoa.h das Entscheidungsspiel zwischen Blau-Weiß und Wr. S t o c k b a Ukiu'h um die Meisterschaft der zweiten Klasse (Hockey) statt. Die jüdische Mannschaft siegte sicher 2 :0 und errang dadurch dde Erstklassigst. Das hatte die sogenannten Sportsleute in große Erregung versetzt. Diese entlud sich, als sie über den HakoaJi-FußbaMplatz zu ihrem Autoomnibus gelangen wollten.. Der Halkoan-Piatz 'hat zwar einen separierten Ausgang, aber dieser hätte fiür die Spieler einen Umweg von edjier Minute (I) bedeutet. So wählten sie die Richtung über das Fußballfeld. Da inzwischen aber schon die Vorbereitungen zu dem Match Hakoah—Altmannsdorf begonnen hatten und die Drehkreuze bereits aufgestellt waren, verweigerte der dort postierte Ordner Rudolf Kailwach den Stockklub-iLeuten den Durchgang. Dies nahmen aber diese - zum Anlaß, um gegen den Ordner tätlich vorzugehen. Einer von ahnen zerschlug e i/n e n Sessel auf dem Kopf Kall wachs, der blutüberströmt z u s a m m e n b r a c h. Nicht besser erging es dem zweiten Ordner Fleischmann, der m i t d e n H o c k e y s c h 1 ä g e r n von den Rowdies bearbeitet wurde. Fleischmann blieb bewußtlos liegen. Ein zerbrochener Stock, stark mit Blut bespritzt, wurde dann auf dem Tatort sefunden. Nach dieser Heldentat machten sich die Strolche rasch aus dem Staub und fuhren mit ihrem Autobus davon. Der Klubdiener der Hakoah, J u n g m a n n, nahm mit einem Auto die Verfolgung auf. In der Ausstellungsstraße gelang es endlich, den fliehenden Autoomnibus stellig zu machen. Mit Hilfe mehrerer Wachleute wurde die ganze Gesellschaft auf das Praterkommissariat gebracht, wo sie durch mehrere Stunden verhört wurde. Als der Haupttäter wurde der Spieler Kammerer ermittelt. Der S. C. Blau-Weiß hat gerichtliche Schritte unternommen und außerdem beim Hockeyverband die Anzeige erstattet. Hasmonea und Meriorah aus dem Cup ausgeschieden. Auch die jüdischen Amateurvereine bekommen den Antisemitismus, der in dem sogenannten „unpolitischen Fußbajlverband" herrscht, zu fühlen. Hechawer wurde ohne jeden Grund aus dem Verband ausgeschlossen und dem Meister M a kik aibi sein Titel abgesprochen. In der Meisterschaft treffen die jüdischen Vereine oft auf Schiedsrichter, die von ihrer antisemitischen Gesinnung 'kein Hehl machen. Durch Mitwirkung so eines Schiedsrichters — dieser „Sportsmawn" heißt W a l t e r — wurde Hasmonea aus dem Cup verdrängt. Hasmonea unterlag gegen Toskana 1 :3 und hätte bei einer objektiven Leitung den Kampf sewinnen müssen. Eine grobe Unsportldchikeit leistete sich auch der S..C. Toskana, der die jüdische Mannschaft um 8 Uhr früh auf den Schwarz-Weiß-Platz in Hietzing bestellte. , Die jüdischen Spieler, die fast alle in der Leopgld'stadt wohnen, mußten bereits i\m 6 Uhr früh, also noch bei voller Dunkelheit, aufstehen, um rechtzeitig auf .dem Sportplatz einzutreffen. > Der Schiedsrichter pfiff pünktlich um 8 Uhr das Match an, obwohl eine Wartezeit von 20 Minuten vorgeschrieben ist. Hasmonea hat auch diesbezüglich Protest eingelegt. Hasmonea mußte den Kampf mit sieben Mann, darunter einigen Ersatzleuten beginnen. Den einzigen Treffer erzielte Sokal. Aufstellung: H. Markstein; Klarfeld, Wehiwurm; Schiro'k, Placzek, Weltzer; Fromm, Sokal, Neumann, Eisenmayer, Sternbach. . Menorah unterschätzte den S. C. Carnuntum und erlitt eine verdiente 2 : 3-Niederlage. Beide Tore schoß Reißmann. Aufstellung: Friedhaber I; Friedhaber II, Apter; Habeneid, Weitzen, Wichs; Spindler, Reißmann, Deines, Schleifer, Rosmann. Die erfolgreichen Hakoah-Amateure. Die Haikoah-Amateure haben im Herbst fünf Spiele ausgetragen, davon drei Matches gewonnen. Das Torverhältnis lautet 9 :8 für Hakoah. Dde Blau-Weißen schlugen die spielstarken Amateure der Admira, Austria, eine kombinierte Mannschaft der Cricketer und unterlagen gegen B. A. C. Gegen Sportklub kombiniert kämpften die Hakoahner unentschieden. Als ein tüchtiger Sektionsleiter erwies'sich der oftmalige Auswahlspieler K Ii e gl er, der auch aktiv mit gutem Erfolg als Mittelstürmer tätig ist. Nebst Kliegler kommen für die erste Mannschaft folgende Spieler in Betracht: Kohn, Weißmann, Dr. Vogelfänger, Deutsch, Wegner II, Haas, Holzknecht, Birnbaum, Reiß, Lechner, Brandes II und Amster. Die Hakoah-Amateure unterhandeln wegen einer Reise nach Berlin und Koblenz. Die Spiele der Hakoah. Wasserball. Die Hafcoah haf vergangenen Sonntag in einem schönen, spannenden Spiel den W. A. C. 5:4 besiegt und damit auch heuer wieder den Meistertitel erobert. Sie besitzt derzeit 12 Punkte und hat noch gegen E. W. A. 3. K. und Donau zu spielen. Die Tore, gegen W. A. C. 'erzielten R os e nib 1 a 11 (2), Fritz und F1 e sc,h (2). Die Hakoah- Reserve unterlag gegen W. A- C.-Reserve 3 :4. Handball. In Einern Freundschaftsspiel wurde die erste Mannschaft vom erstklassigen S. C. Siemens 6 :1 besiegt. Für die Unterlegenen war Breuer erfolgreich. Die Hakoan-Damen-Reserve unterlag gegen Danu-bUv- Reserve 0:2. Hockey. Hakoah kämpfte in einem Freundschaftsspiel gegen V. f. B. 2:2. Tore für den jüdischen Verein G o 111 i e b und Wengraf. Die Reserven spielten 3:0 für V. f. B. Die Hakoah-Damen siegten in der Meisterschaft gegen V. f. B. 3 :0. Die Tore erzielten S.. L e b e n s c h u ß (2) und F. Lebenschuß. Meisterschaft der jüdischen Amateurvereine. In der zweiten Klasse West unterlag Kadimair gc£ci Hermania 3:5. Für Kadimah wa en Selz er (2J und Hochwald erfolgreich. Aufstellung: Münzer; Stercic, Großmann; Kaplan, Adlerblum, Panzer: Kleiner, Hochwald, Wechter, Sludzfcer, Selzer. Maikkab! siegte in der dritten Klasse Süd gegen den Marg. S. C. 2: 0 (2: 0). Beide Tore erzielte L u t z II. Aufstellung: Zwirn; Fried, Lutz I; Schlesinger, Thiemann, Eisgrau; Torczyner, Lutz IL, Brody, Garfunikel, Grimberg. Jüdischer Sport in Polen. Gegen die antisemitischen Ausschreitungen. Am 16. Dezember findet in Krakau eine große Protestversamimlung der jüdischen Turn- und Sportvereine Polens statt. Zahlreiche jüdische Abgeordnete, darunter der Präsident der Lemberger Hasmonea. Herr H. R osmarin, haben ihre Teilnahme, zugesagt. Die jüdischen Turn- und Sportvereine protestieren gegen die antise- 1 mi tischen Au ss c h r ei tun g en auf jüdischen Sportplätzen (Grodno, Tomaszow, Mozowiecki), gegen die verschiedenen Benachteiligungen und - gegen die E i n tf ü hrung d e s A r i e r pa r ag raph e n in den wichtigsten Sportbehörden. Jn Lemberg findet kommende Woche die ordentliche Generalversammlung des S. C. Hasmonea statt. Der S. C. Hasmonea, der zu den größten "jüdischen Vereinen Polens zählt, hat in der Oberliga schlecht abgeschnitten. Die Blau-Weißen nehmen mit 17 Punkten die vorletzte Stelle ein und haben leeine Aussichten mehr, ihre Position zu verbessern. Bleibt es beim Beschluß, wonach nebst dem aufgelösten T. S. C. zwei weitere Vereine abzusteigen haben, so fällt Hasmonea in die zweite Klasse zurück^ Auf seiner Tournee durch Polen gastierte der jüdische Athlet Z. Proschoffa aus Frankfurt in Lemberg mit sensationellem Erfolg.. Im Ringen besiegte er die besten polnischen Ringer, außerdem zeigte er verschiedene Kraftleisrungen, wie sie der verstorbene Kraftmensch Z. Breitbart in Wien vorgeführt hatte. Bedeutsame jüdische Sportsiege in Palästina. Aus T e 1 - A w i w wird uns berichtet: Die sportliche Entwicklung der jüdischen Vereine in Palästina macht zusehends gute Fortschritte, die sich auch in den> Ergebnissen der Wettspiele mit englischen Militärsportlern ausdrücken. Letztens fand ein Fußballmatch zwischen Makkabi-Tel- Awiw und dem Fußballklub' des englischen Fliegerbataillons statt, in welchem Makkabi mit 4:1 siegte.-Noch eindrucksvoller war der 6:1-Sieg des Fußballklubs Makkabi-Hasmonea in Jerusalem gegen ein englisches Team. Beide Wettspiele hatten ein für palästinensische Verhältnisse überaus großes Publikum angelockt. Die Grazer Hakoah besiegte In der Meisterschaft den Akademischen S. C. überlegen 7 : 3 Die jüdischen Stürmer boten eine vorzügliche Leistung. Makkaba'a (Bratislava) unterlag in der Meisterschaft gegen Rapid 2 : 4. _ E Alle jüdischen und hebräischen Volkslieder und kantoralen Gesänge der hervorragendsten Kantoren auf nebengeräuschlosen ^Schallplatten finden Sie in reichhaltigster Auswahl" im Musikhaus „Excelsior", Inhaber Richard Herzog, Wien, I., Adlergasse 5. und II., Kleine Pfarrgasse 28 (Tel. R-23-4-90). Sprechapparate aller Systeme und modernste Tanzschlager und Opernarien in jeder Preislage auf Lager, ebenso alle modernen Gesangs¬ und Tanzschlager. Für Sprechapparate auf Wunsch auch bequeme Teilzahlung. Provinzversand per Nachnahme. DIE MUTTER Roman von Schalom Asch. Copyright by Dr. Präger-Pressedienst, Wien. (30. Foitsetzung) „Nein," — Dworje lacht — „warum soll ich erschrecken?" „Ich habe gewußt, Sie werden nicht erschrecken. Wie ich Sie zum erstenmal gesehen habe, habe ich daran gedacht, das wird ein »Mitglied' in unserem Verein, der vorläufig aus drei Mitgliedern besteht: meine Wenigkeit, der Bildhauer Buchholz — ach, Sie kennen Buchholz nicht, halt, wissen Sie was? Wir werden ihn gleich holen. Er wohnt in einem Ateflier auf der vierzehnten Street. Wollen Sie? Wir gehen ohnedies dort vorüber." „Später. Jetzit erzählen Sie mir von Ihrem Verein," „Ja, der Dritte, das ist ein Original, ein Schneider, ein gewöhnlicher Schneider, aber ein interessanter Mensch. Sie müssen ihn kennen lernen. Ein Künstler in seinem Fach. Seine Hände sind Gold, doch er hat die Gewohnheit, an den Kleidern die Knöpfe verkehrt anzunähen. Sie meinen vielleicht, daß er das versehentlich tut? O nein, mit voller Absicht. Er sagt, der Mensch müsse seinen Willen heilig halten und ihn bei jeder Gelegenheit zeigen. ,Wenn sie* — sagt er — ,mich Knöpfe annähen heißen und ich will es nicht, aber ich muß es, so nähe ich die Knöpfe verkehrt an, weil ich es so will. Ich leiste ihnen keine Dienste, wie sie es wollen;_ n,ähen muß ich, sonst geben sie mir nichts zu fressen; doch die Knöpfe will ich verkehrt annähen/ Natürlich nimmt man ihn beim Kragen und wirft ihn hinaus. Einer Union will er nicht angehören, er war einmal Anarchist. ,Eine Union' — sagt er — ,ist genau dasselbe wie. eine polizeiliche Erlaubnis zur Prostitution.' So läuft er ein paar Wochen ohne Arbeit umher und hungert, bis er wieder Arbeit bekommt. Und dort geschieht das gleiche. Er näht den Anzug fertig, ein Kunstwerk, aber die Knöpfe sind verkehrt angenäht. Gefällt Ihnen der Schneider?" „Was haben Sie heute, Freier?" „Glaub^'i Sie vielleicht, ich habe den Schneider erfunden? Er existiert wirklich; wenn Sie wollen, stelie ich ihn Ibne^ vor." „Warum sind Sie so' traurig? Was' ist Ihnen passiert?" — fragt Dwojre (mitleidig. „Ich habe meinen Hun'gertag, das ist alles, ■übrigens, daran sind Sie schuld." ' . '. »Ich?" „Ja. Sie halben in mir von neuem einen Traun) erweckt, den ich schon halb vergessen hatte." Dwojre ging schweigend piit gesenktem Kopf neben Freier her. „Sie sind gar nicht neugierig, den Traum kennenzulernen, den Sie in mir erweckt haben?" — fragte Freier. Dwojre schwieg. „Ich habe immer davon geträumt, eines Tages alles stehen und liegen zu lassen, eine Drehorgel zu nehmen und wie die Leiermänner bei uns daheim auf die Wanderschaft 2U gehen, natürlich in lustiger Gesellschaft, mit guten Freunden. Buchholz sollte einer davon sein. Er soll ein Aeffchen an ,der Kette führen, . das auf seiner Schulter; Kunststückchen macht. Ich wüll der Oiberleiermann sein, der das Werkel dreht. Uns hat alber stets eine, schöne Tänzerin gefehlt, der zuliebe sich das Ganze lohnt; ich habe sie immer gesucht und doch nicht.gefunden. Der Traum hat schon begonnen zu zerrinnen und ich hin ruhiger geworden. Da tauchen plötzlich Sie aus dem Dunkel auf und 'beleihen den Traum von neuem. Verstehen Sie jeiizt, was mir heute ist?" Dwojre wurde traurig, nunzelte die kleine Stirn und sprach kein Wort „Warum runzeln Sie so die Stirn?" Dwojre antwortete lange nicht, dann begann sie: „Ich will es Ihnen sagen, Freier. Ihre Reden machen mich traurig." „Warum?" „Weil Sie mir Dinge sagen, Üie nicht mir gelten." „Was heißt das?" „Das, was Sie sagen, geht nicht auf mich. Ihre Worte können jedem Mädchen gelten, das neben Ihnen geht." „Warum macht Sie das so nachdenklich?" „Das weiß ich nicht, alber ich fühle es so." jetzt schwieg Freier; schweigend kamen sie" in die 14. Street. Freier führte E>woire in den finsteren Korridor eines alten Hauses. „Warten Sie hier, ich werde meinen Freund Buchholz holen." i,Nein, Freier, lassen Sie mich lieber zui Arbeit gehen; ich habe mich ohnedies genug verspätet." „Warum? Ich habe geglaubt, Sie seien schon einverstanden, mit uns-m den Park zu gehen." „Früher war ich es, jetzt bereue ich es." „Bereuen ist nicht schön." „Das weiß ich, doch ich kann mir nicht heffen.'* „Und wenn ich Ihnen verspreche, nicht mehr,