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Die neue Welt · 1928-11-23 · Heft 62 (23.11.1928) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 62 (23.11.1928)
Date
1928-11-23
Page
– (sequence 8)
Language
German
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scheu Gemeinwesens, Diese Meinen Bethäuser, diese einfachen Lehrstätten, diese winzigen (hebräischen Sprachvereine, sind doch die wirklichen Kulturzentren, in welchen noch auf irgend eine Weise jüdisches Leben gelebt wird. Diese von uns vernachlässigten und mit kleinen Subventionen abgespeisten Gruppen, die auf irgend eine Weise im Judentum noch fest verankert sind, sind doch schließlich und endlich die einzigen Zellen, in welchen noch jüdisches Leben gewebt und gesponnen wird. Das Wiener Ostjudcntum ist vielleicht die größte geistige Aktivpost in nnserer Gemeinde; es ist die geistige und religiöse Quelle, ans welcher die Gemeinde noch genährt wird. Es ist tragisch, feststellen zu müssen, daß wir aus eigenem nichts mehr produzieren und hervorbringen können. Wir sind in geistiger Beziehung auf den Import angewiesen. Aus eigenem Schaffen können wir unseren Bedarf nicht decken. Es ist ein geistiges Armutszeugnis für unsere Gemeinde, eine passive G e i s * e s b i 1 a n z bedenklichster Art, daß wir unsere Funktionäre,*Rabbiner, Schächter, Kastoren, Lehrer, Maschgichim usw. aus jenen Ländern herholen müssen, wo noch jüdisches Leben gelebt wird und jüdische Lehre vorhanden ist. Bestenfalls haben wir - die Rolle einer verarbeitenden Industrie, die geistigen Rohstoffe beziehen wir aus dem Osten. Kohle und Erz können in einem von der Natur benachteiligten Lande nicht aus dem Boden gestampft werden, geistige Produktion kann hingegen überall, wo menschliches Gehirn, menschlicher Drang und menschliches Wolfen vorhanden sind, .gefördert werden. 1. Viktor Bauminger, Kaufm., VIL, Kirchengasse 44. 2. Dr. Mendel Rosenberg, Rechtsanwalt, I., Sonnenfelsgasse 13. 3. Norbert Sabarsky, Direktor, XX., Brigittenauerlände 46. / 4. Jakob Retter, Kaufmann, II., Afrikanergasse 14. Einige Richtig- und Feststellungen. Samstag, den 10. d., hat dde erste Wählerversammlung der sogenannten „Unpolitischen Liste" im Hotel Kontinental stattgefunden. Diese Wählerversammlung hat sich dadurch ausgezeichnet, daß bei ihr, im Gegensatz zu allen anderen Wahlversammlungen, bezahlte Berufssehläger, mit Schlagringen versehen, angestellt wurden. Diese Berufssehläger haben jüdische Wähler, die sich harmlose Zwischenrufe gestatteten, blutig...geschlagen und zum Teil auch schwer verletzt. Bei dieser Wählerversammlung hat Herr. j'akob März,-bisheriger Kultusvorsteher von Seiten des Misrachi und "auch noch jetzt Mitglied des zionistischen Klubs in der Kultusgemeinde, die ominöse Erklärung abgegeben, daß er als miVachistischer Mandatargegen den Eintritt der mis- / rachistiischen Mandatare in den' zionistischen Klub war und zu »diesem Eintritt gezwungen worden wäre. Dieser Erklärung des Herrn März gegenüber soll von mir wie durch mehrere lebende Zeugen und durch Protokolle klar nachweisbar festgestellt werden, daß umgekehrt gerade Herr März es war, der den Antrag gestellt hat und sogar stürmisch darauf gedrängt hat, daß die Mandatare des Misrächi sogar'bedingungslos dem zionistischen Klub beitreten .sollen, während die" Leitung des'Misrachi darauf bestand, da£f der Beitritt unter der Bedingung erfolge, daß die zionistischen Mandatare in sämtlichen Fragen, die mit dem Religiösen irgendetwas zu tun haben, Initiative und Entscheidung den Misrachimandataren überlassen und diese in diesen Belangen tatkräftigst unterstützen sollen. Der Wahrheit gemäß soll zugleich konstatiert werden, daß die zionistischen Mandatare während der ganzen vier Jahre dieser Verpflichtung loyal und treu nachgekommen sind. Was die lächerliche Behauptung des Herrn März betrifft, daß er in der Kultusgemeinde nichts ausrichten konnte, weil ihm die Verbindung mit den Zionisten daran gehindert <hätte, so Eine pmbre fiaröetstrifaitö wfn^ iforeft die ExotoHfe« mag der materiellen Kräfte behoben, eine passive Geistesbilanz durch ein systematisches und organisches Erziehungswerk. Meine sehr Verehrter!! Ich will den VeraäHwörtlichen Faktoren unserer Gemeinde gegenüber gerecht und objektiv sein und auch dasjenige hervorheben, was in echt jüdischem Sinne als positiv und wertvoll zu bezeichnen ist. Unsere Gemeinde hat es sich zur Pflicht gemacht, aus den Ge« meindemitteln alljä-hnlich einen namhaften Betrag für den Pal äs tin a-Auf bau zu bestimmen, und hat diesen Betrag stets mit Einhelligkeit votiert. - Nur dadurch hat unsere Gemeinde ihren Zusammenhang mit den Klal- Jisroel irgendwie hergestellt und Ihre Zugehörigkeit zum großen lebendigen Volkskörper dokumentiert. Das ist ein geistiges und religiöses Aiktivum..Geihört doch der Wiederaufbau des jüdischen Landes zu den vornehmsten Pflichten der jüdischen Religion. Palästina-Arbeit ist ein religiöses G ebo t er s t e r 0 rd nu n g. Und alle jüdischen Gelehrten, in den verschiedensten Schriften aller Jahrhunderte, sind sich darüber einig, daß jüdische Gemeinden verpflichtet. sind, aus ihren Gemeindeniitteln Beträge für Palästina auszuwerfen. Es wird sogar einhellig kodifiziert, daß nötigenfalls die jüdischen Gemeinden berechtigt und verpflichtet sind, eine Zwangssteuer für Palästina einziheben. Palästina-Tätigkeit gehört übrigens zu der vornehmsten Tradition der maßgebenden Wiener Juden. Samuel 0 p p e n h e i m e r hat dSe Chaluzim seiner Liste des „Misrachi". 5. Samson Leenmann, Ansichtskartenhändler, II., Rueppgasse 17. 6. Saiomon Welnreb, Kaufmann, IL, Hollandstr. 12. 7. Dr. Mayer Horowitz, Arzt, IL, Sterneckplatz 3. 8. Mendel Leib, Schirmmacher, VI., Mariahüferstr. 9. kann diese Behauptung jeden, der die Fähigkeiten des Herrn März und die wahren Gründe seiner mangelhaften Leistung'kennt, nur erheitern. Uebrigens behauptete Herr März stets und behauptet es noch heute, daß er ein alter Zionist sei. Nicht der schönste Vogel ist es, der sein eigenes Nest'beschmutzt. . . . . Was die Ausführungen des Herrn Hornstein, der sich als Wortführer der Organisation „Hitachduth Jereim" ausgibt, betrifft, sei festzusetzen^ daß gerade Herr Hornstein es war, der. als. Bedingung seines Beitritts zu der. Misrachilaste gestellt hat, daß nur Herr Viktor Bauminger Listenführer dieser Liste sein darf und^daß Herr Dr .Leo Landau, der — nach Aussagen und Angaben des, „Hitachduth Jereim" öffentlich ein unreligiöses Leben führt — auf der Liste, die von „Hitachduth Jereim'' unterstützt werden soll, an keiner Stelle figurieren darf. Daß nun derselb* Herr Hornstein, der Wortführer des orthodoxen Verbandes „Hitachduth Jereim", jetzt für eine nicht religiöse Liste, deren 'Listenführer der von ihm entschieden abgelehnte Dr. Landau ist, in Wort ntnd Schrift eintritt, ist charektenstisch für ihn, nicht, aber für die Organisation und seihst' für die Ausschußmitglieder der „Hitachduth Jereim", die logischer- und gerechterweise tatsächlich die vom religiösen Standpunkt absolut einwandfreie und rem religiöse Kandidaten enthaltende Liste, wie die „Religiöse Liste Misrach", tatsächlich .unterstützen wollen und werden. - Was nun Charakterfestigkeit und religiöse und sonstige Zuverlässigkeit dieser „Unpolitischen Liste" und deren Kandidaten betrifft, soll genügen, auf folgende Fakten hinzuweisen:.Herr Dr. Landau hat dem Misrachi und dem Unterzeichneten .gegenüber wiederholt und auch jetzt -nach Aufstellung seiner persönlichen Liste die Erklärung abgegeben, daß er am Falle seiner Wahl keinesfalls dem Unionklub beitreten werde, da er, nach seinen Angaben, falls er der Union beitreten wollte, ein gesichtertes Mandat auf der Unionliste haben könnte, und daß er als alter Zionist nur dem zionistischen Klub beitreten könnte, was Zeit fei großuagfeef Welse «efSrderi and die große Aflfct der Kabbalisten unter Führung von Rabbi Juda Chassid und Rabbi Chaim Mal ach aus eigener Tasche finanziert Samson Wert heim er und sein Sohn Simon W o i f haben nicht nur selbst gewaltige Mittel für Palästina bereitgestellt, sondern auch die Judengemeinden Deutschlands zur werktätigen Mitarbeit aufgerufen. Die Familie Werthe im er hat schließlich dde erste dauernde Stiftung für Palästina errichtet. Und es wird Sie in diesem Zusammenhang vielleicht interessieren, zu erfahren, daß in dieser Stiftungsurkunde vom Jahre 1808 Kaisen Franz I. die Juden nicht als Israeliten, sondern als jüdische Nation bezeichnete. Meine sehr Verehrten! Nicht eine bestimmte politische Einstellung war die Grundlage meiner Auseinandersetzung mit der Gemeindetätigkeit oder Untätigkjit. Jüdische Religion, jüdische Erziehung und jüdisches Land sind für mich als Misrachisten kein Gegenstand irgend eines Politikums. Ich habe zu Ihnen gesprochen als einer, der zu dieser großen e i n h ei 113 ch e n u n d untren»-, baren Gemeinde mit allen Fasern seines Herzens steht und den der geistige Tiefstand dieser Gemeinde in Unruhe versetzt. Und wie der große Dichter vor seinem. Tode die letzten Worte ausrief: Mehr Licht! Mehr Licht!, so stehe ich heute vor Ihnen am V o r a b en d d e r ge i s t i,g e n. Agonie des Wiener Judentums und rufe.Ihnen: vom Herzen zu, bittend und flehend, mahnend und warnend: Mehr Judentum! Mehr Judentum! 9. Dr. Siegfried Knopfmacher, Arzt, IT., Untere Augartenstraße 4. 10. David Infeld, Lederhändler, IL, Franzensbrückenstraße 19. 11. Gerson Eisner, Kaufmann, II., Zirkusgasse 15. 12. Markus Abramowicz, Fruchsäfteerzeuger, IL, Kleine Pfarrgasse 7. er aus rein taktischen Gründen momentan nicht schriftlich bestätigen könnte. Demgegenüber erklärte Herr Böfserat Glück (,£>ie Wahrheit, Nr. 45, Seite 8), von dem nicht an- '. zunehmen ist, daß er eine Unwahrheit behaupten würde,1 wörtlich: „Allerdings behaupten diese Herren (der „polnischen Schul"), daß sie durchaus nicht die Absicht'haben; gegen uns (gegen die „Union") zu kämpfen, sondern näch"; der Wahlmit uns .(mit der „Union") zusammenarbeite wollen." Diese krassen Widersprüche' bezeichnen genug das wahre Gesicht jener Gesellschaft von Mahdatensu'chern, '•' die im Namen der polnischen Juden aufzutreten--vorgeben. Und Herr Börserat Glück dürfte recht behalten, wenn er behauptet: „Wie dem auch:ferner sein mag, jedenfalls? handelt es sich'hier, umeinen ganz unzuverlässigen ." Partner, auf welchen man sich in keiner Weise -wird, stützen können." Es ist interessant und betrübend zugleich, zuzusehen und anzuhören, wie die areligiöse Union sich ein paar reli- . giöse Schiffchu'ijuden und die sogenannte unpolitische und , nicht religiöse Liste sich wieder paar religiöse Juden von der „Hitachduth Jereim" herausgesucht haben, um deh^ wirklich religiösen Kultusgemeindewählern, die die große Wiener Judengemeinde wdrklioh jüdisch und' wirklich religiös gestaltet haben möchten, einfach Sand in'.die Augen zu streuen. Denen gegenüber hat der Mlsrach'i die einzig ehrliche, aufrichtige und wirklich religiöse' Liste präsentiert, eine Liste, deren sämtliche Kandidaten sowohl in ihrer Weltanschauung als aüch in ihrem praktischen Leben strengst religiös und ehrlich national sind, die. nicht von der Sehnsucht nach Mandaten, sondern von einer religiösnationalen Idee inspiriert, sämtliche tüchtige, tatkräftige und energische Männer sind, die die Interessen der reiigiösnationalen Massen mit der Kraft der Ueberzeugung, der Ge-. sinnungstreue und der vollsten Verantwortlichkeit in der Kultusstuibe vertreten werden. Ichbin unerschütterlich überzeugt, daß ein jeder redlich denkende und ehrlich ,. meinende religiöse und retfgiös-nationale Jude auf keine Augenauswischerei eingehen und am 2.' Dezember für die Misrachiliste stimmen werde. M. Groß. Juden! wählet ( ■ . die Liste Misrachi!

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