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Die neue Welt · 1928-11-23 · Heft 62 (23.11.1928) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 62 (23.11.1928)
Date
1928-11-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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ffr. 62 DU NEUE WELT Seite 5 Die Wahl einer Kamera erleichtert in selbsi loser Weise der neue *$MgiUkHtoi> Kamera-Katalog Kostenfrei durch die Repr. In W en. A. G. 6. Bezirk, Webgass« 3 a. nervös-unruhigen Wesensart der mozarteischen Leichtigkeit, Grazie und Schönheit der rhythmischen Linie seiner Werke gegenüberstellen. Uefocrall in Wien, mit Ausnahme des entzückenden Kreises der Beer-Hofmanns und Kellners, die in meinem Sinne jüdisch gesinnt sind und doch ganz und gar Mitteleüropäer, fühlte ich die raffinierte Gezwungenheit und vertuschte Pein einer ■menschlichen Position, die in ihrem Kern schief und fragwürdig ist, wodurch Jch auch ©inen Ton der Gezwungenheit bei Hervortreten solcher Phänomene 'fühlte, die mir an und für wertvoll sind: so beispielsweise gegenüber dem Zionismus eines so glänzenden und stark ambitiösen Literaten wie Felix Saiten, der in den früheren Jahren ein passionierter Jäger und Spontßiann geworden ist, aus Gründen, die ich nicht in Frage steile, und gegenüber dem verblüffend kompletten Ignorieren seines eigenen Judentums und des Judentums der anderen bei Max Reinhardt..." An Jakob Wassermanns Romanen anerkennt Lewisoihn die Größe der Konzeption, stellt aber unwahre und nicht empfundene Partien fest, die nach seiner Meinung auf die Sucht, immer groß zu erscheinen, zurückzuführen sind, wodurch vielfach die Qualität, die Wassertmam besitze, zerstört werde. „Was ist das Geheimnis seiner 'KranTrheit?" Er hat zwei Weine Bücher geschrieben, die in Amerika unbekannt sind, „Mein Weg als Deutscher und Jude" und „Der Literat". Deutscher und Jude! Mit unendlicher Leidenschaft und Mühe versucht er diese Synthese zu (begründen und sie in sich selbst aufzuzeigen. Er proklamiert seinen Caspar Hauser als ein deutsches Buch, nicht als ein Buch über Dinge, deutsch geschrieben von einem, der das Deutschtum liebt und versteht und der deutschen Zivilisation verpflichtet ist durch hundert tiefe* zarte und heilige Bande, sondern als ein Buch, geschaffen vom Geist des deutschen Volkes selbst, in die Welt gesprochen durch ihn als durch des Deutschtums Mund. Eine wahrhaft übertriebene und höchst unnatürliche Sache, eine laute Inanspruchnahme, die auch dann von zweifelhaftem Wert ist, wenn sie erlaubt wäre! .. . Wassermann hat lausende tragische und tief schürfende Worte gesagt, aber nie hat er gesagt: Ich, ein Jude, identifiziere mich mit der deutschen Zivilisation kraft der Sprache, der Liebe und des Lebens, aber ein Jude immerhin gibt euch diese Werke . . . Das hat er nicht gesagt. An Stelle dessen schrieb er den Essay „Der Literat" und identifiziert sich selbst mit der völkischen Unterscheidung von Dichter (schöpferischem Visionär) und Literat, ganz im Sinne der völkischen Professoren, obwohl gerade diese nicht die Wassermannschen grandiosen Argumente zur Verfügung haben, sondern einfach sagen: ein Deutscher kann ein Dichter sein, ein Jude bleibt bestenfalls ein Literat. Ist nichts zu sagen über dies Theorem, dem Wässermann so vergebliche Opfer gebracht hat? Ja. Viel. Zweifellos sind die tiefsten Werke des menschlichen Geistes jene, die spontan Menschen entspringen, welche eins sind mit ihrem Volk. Jesaja konnte kein Grieche sein, P1 a t o n kein Jude, noch konnte „Faust" von einem Engländer, noch das „Verlorene Paradies" von einem Franzosen geschrieben werden." Lewisohn zitiert nun aus Wassermanns Schrift dessen Erklärung, wonach der Jude als Europäer, als Kosmopolit nur Literat sein kann, hingegen der Jude als Orientale, nicht im ethnograpnisohen sondern im mythischen Sinne, schöpferisch sein könnte. Wassermann habe aber diesen Weg nicht gewählt, sondern habe gewählt, ein Deutscher zu sein. So sind ungefähr, schließt Lewisohn diesen Chronikabschnitt, alle diese Wiener Freunde. Die politische Krise in Palästina. Äeine Satisfaktion für die Vorfälle an der Klagemauer. — Kalvarisky biedert sich an und wird von den Arabern zurückgewiesen. — Die Mandatsregierung und die Staatsländereien. Von Dr. Fritz L o e w e'n s t e i n, Jerusalem. klug, die Balfour-Erklärung und somit die legale Grundlage unserer ganzen Arbeit in, P a;l ä s t i n a z u b a g a^;giW-is;i.eir cn...r- .Und "cf hielt ee weiterhin für nötig, in einem Augenblick, wo das jüdische Volk in der ganzen Welt eine Lösung des Problems der Klagemauer verlangt, seinerseits auf eine solche umfassende Lösung zu.verzichten und nur für Toleranz der Araber zu plädieren. Es ist eine typische Haltung, wie sie von bestimmten Kreisen der Organisation seit langem eingenommen wird, eine Haltung, die dadurch charakterisiert wird, daß sie) durch Verzichtleistung auf den,, Grandgedanken des Zionismus, durch Bagatcllisierung unserer Bcweguug : die arabischen Sympathien zu gewinnen versucht. Die Araber haben Kalvarisky geantwortet: Sowohl in der „Djamia", wo sein Artikel erschien, als! auch in dem christlichen „Falestin", den doch die Frage der Oma-Moschee viel weniger interessiert, erschienen Antworten, die mit größter Schärfejeden Versöhnungsh versuch zurückweisen. Mit einer Logik, die leider sehr/ nahe lag, erwidert die „Djamia", daß, wenn wirklich! die Balfour-Erklärung den Juden nicht mehr gäbe, als die Araber ihnen bereits vor dem Kriege konzedieren! wollten, dann die Juden doch auf die BalfourH Erklärung verzichten sollten, um auf diese Weise das Hindernis der jüdisch-arabischen Versöhnung, aus dem Wege zu räumen. Nur nebenbei sei bemerkt, Rationalisierung ist auf jedem Gebiete notwendig. Auch auf dem Gebiete der Körperpflege. Versuchen SJe, einmal das Mittel, welches äußerst wirtschaftlich allen Zwecken der Körperpflege dient. Für Einreibungen (Massagen), als Zusatz zum WaschlBade)wasser, als Mundwaaser, zur Haarpflege bestens bewährt und aligemein beliebt ist DIANA Franzbranntwein mit Menthol Darf in keinem Haushalt fehlen! Ueberau erhältlich! Achten Sie auf die Marke „DIANA" und weisen Sie Nachahmungen energisch surften Wir haben ein paar erregte Tage hinter, uns: Am 1. und 2. November tagte in Jerusalem ein mohammedanischer Kongreß, der zu den „Angriffen der Juden" auf Klagemauer und Omar-Moschee Stellung nehmen sollte. Der Kongreß schloß am Freitag, den 2. November mittags, und da der 2. November der Tag der Balfour-Erklärung ist, überdies am Abend des 2. November der Schabbath anfing, lag die Gefahr nahe, daß die mohammedanischen Massen in der Stimmung der Erregung, in die sie durch ihre Führer hineingehetzt worden sind, an der Klagemauer oder überhaupt im Judenviertel der Altstadt sich Uebergriffe erlauben würden. Erfreulicherweise haben sich diese Befürchtungen nicht bewahrheitet, wobei schwer zu entscheiden ist, ob die arabischen Führer in der Tat keinerlei Angriff beabsichtigt hatten oder ob die Furcht vor der jüdischen Gegenwehr sie abhielt. Man verbreitete in Jerusalem, daß viele Tausende von Chaluzim mit Handgranaten bewaffnet, in der . Altstadt verteilt seien. Jedenfalls haben sich diese nicht vorhandenen Chaluzim ausgezeichnet bewährt. Wenn somit hoffentlich akute Gefahren nicht mehr zu befürchten sind, so muß auf der anderen Seite gesagt werden, daß bisher nichts in der Klagemauerangelegenheit erfolgt ist, was uns auch nur die geringste' Satisfaktion zu geben geeignet wäre. Der Jischuw hat mit großer Befriedigung die Eingabe zur Kenntnis' genommen, die die Palästina-Exekutive an den Völkerbund geschickt hat. Die Eingabe ist würdig und ener-1 gisch abgefaßt. Ueberhaupt wird das Verhalten der Palästina-Exekutive und vor allem das von Colonel K i s c h allgemein gelobt und anerkannt. Leider ist nicht der/ ganze Jischuw geschlossen hinter dieser konsequenten und energischen Haltung der Exekutive. Wir waren in. dieser, Woche Zeugen eines ziemlich beschämenden Dialoges zwischen Herrn Kalvarisky, arabischem Referenten der Palästina-Exekutive und führendem Mitglied des Wand Leumi, und arabischen Zeitungen. Kalvarisky, .der seit vielen Jahrzehnten in Palästina lebt, gehört;• zu. dem wenigen, die Zugang zur arabischen Presse haben und somit zu den Arabern sprechen können. Er hat leider von dieser Möglichkeit keinen besonders guten, Gebrauch .gemacht. Er^ veröffentlichte einen Artikel in der) „Djamia ef Ärabia", dem Organ des Obersten Mohammedanischen Rates. Er bemühte sich in diesem Briefe, den Arabern zu zeigen, daß ihre seit dem Kriege zutage getretene feindselige Haltung gegenüber den Juden in nichts? begründet sei, da die Balfour-Erklärung den Juden nicht mehr ■ Rechte einräume, als ihnen arabische Führer bereits vor dem Kriege zu geben bereit gewesen seien. Er betonte weiterhin, daß die Juden nicht daran dächten* arabische Heiligtümer anzutasten, und daß sie nur freie Religionsübung an der Klagemauer beanspruchten. Kalvarisky hielt es also in der gegenwärtigen Situation für1 Auch Sie müssen unseren OLSOPHON haben! ff/WM! ^fcSP / fr>l« an^sL "w ' *l ■. WJtev i kW PREIS S auf 6 Monatsraten Monatlich' S 18.50 Unsere Spezialabteilung in GRAMOLA-u COLUMBIA- Apparaten sowie unsere reiche Auswahl in Künstler- und Tanzplaften bietet jedermann besondere Vorteile Bequeme Teilzahlungen! Wien, I. Bellariastraße Nr. 12 Telephon B-39-5-70/71 daß beide Zeitungen auch nach Kalvariskys Erklärungen darauf beharren, daß die Juden zunächst die Klagemauer; und dann den ganzen Tempelplatz erobern wollen. Unsl scheint, daß wir in dieser Diskussion recht schlecht abgeschnitten haben und daß wir uns die schroffe Ablehnung hätten schenken, können. Es ist noch nicht bewiesen, dafl die Vertuschungs- und Verzichtspolitik von Kalvarisky und seinen Frennden geeignet ist, uns bei den Arabern Freunde zu gewinnen. Mehr Würde und mehr Zurückhaltung ist nicht nur grundsätzlich geboten, sondern dürfte wahrscheinlich auch eher, zu Resultaten führen. Die Klagcmauerangelegenheit wird ja wohl im Augenblick in Palästina selbst kaum gefördert werden können. Wenn etwas geschehen kann, dann ist es nur in London und Genf. Es wäre in der Tat auch verfehlt, wenn wir heute den Eindruck erwecker -vürden, als ob diese Frage die Kernfrage Paiästina-Aufbaus sei. Die Klagemauerangelegenheit ist eine Frage religiöser Gleichberechtigung und freier Religionsübung und würde nicht anders zu beurteilen sein, wenn wir nicht in diesem Lande unser Nationalheim erbauen wollten. Gerade die Probleme, die aufs engste mit den Aufbaufragen zusammenhängen, sind ja in den letzten Wochen ebenfalls wieder aktuell geworden. Es ist nicht leicht für den Berichterstatter, auszusprechen, daß alle diese Probleme ein gemeinsames Moment aufweisen, nämlich das volle Unverständnis der Mandatsregierung für unsere Ziele! Trotz jahrelangen, Verhandlungen ist auch heute die Frage der Staatsländereien bei Beth Schan weit von, einer uns günstigen Lösung entfernt. Nachdem Herbert Samuel den größten Teil dieser, Böden im Widerspruch zu klaren Mandatsbestimmungen! den Arabern gegeben hatte, nachdem sich herausgestellt hatte, daß die Araber mit den großen, ihnen zugefallenen Bodenstrecken gar nichts anfangen konnten, haben dip Verhandlungen der Londoner Exekutive mit der Regierung nur das eine erreicht, daß diesen Arabe'rn der Verkauf dieser Böden etwas erleichtert wird. Nicht erreicht dagegen wurde bisher, daß der noch üm Regierungsbesitz befindliche andere Teil dieser Böden uns zur Verfügung gestellt wird. Haben wir in dieser Frage.es bisher nicht erreichen können, daß man Herbert Samuels schweres! Unrecht wieder gutmacht, so besteht die große Gefahr, daß beim Bau des Hafens von Haifa den Juden erneut ein schweres Unrecht zugefügt wird; was bisher über die Verhandlungen mit der Palästina- Regierung in dieser Frage verlautet, erweckt die schwersten Befürchtungen und scheint darauf hinauszukommen, daß die Mandatsregierung die vom Unterhaus beschlossene' fair wages-Klausel zu sabotieren beabsichtigt. Nimmt man noch dazu, daß die Regierung von den verlangten tausend Zertifikaten nur 600 bewilligt hat, obwohl bereits' die Zahl von 1000 Zertifikaten weit kleiner ist, als die nach Ansicht der Arbeiterorganisation erforlichen Zertifikate, so vervollständigt sich das unerfreuliche Bild einer Politik der Mandatsregierung, bei der es wirklich schon sehr! schwer ist, die Uebereinstimmung mit Wortlaut und Geist des Mandates herauszufinden. Die schwere Wirtschaft-: liehe Krise ist mehr oder weniger vorbei; wenn nicht alle Zeichen trügen, stehen wir statt dessen in einer p o 1 ir tischen Krise, die nicht nur an und für sich verhängnisvoll ist, sondern uns . überdies daran hindern kann» die bessere wirtschaftliche Lage energisch auszunutzen.

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