Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 61 (16.11.1928)
- Date
- 1928-11-16
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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DIE NEUE WELT Kr. «t Aufruf! Da schon lange in Kreisen der jüdischen Studentenschaft der Wunsch nach einer Zusammenfassung der sich zum jüdischen Volk bekennenden Akademiker i n n en iaut wurde, um der auf dem Boden der Wiener Hochschulen schleichenden Assimilation, welcher Art auch immer, enfgegenarbeiten zu können, geht nun unser Verband daran, die Gründung solch einer organisatorischen Vereinigung jüdischer Studentinnen in die Wege zu leiten. Die zionistische Studentenschaft ladet daher die jüdischen Studentinnen der Wiener Hochschulen zu der am Donnerstag, den 22. November im Saale der Rede- und Lesehalle, 9. Bez., Türkenstraße 9, um 8 Uhr abends stattfindenden Gr ündungsve r Sammlung ein. Jüdische Kolleginnen! Der neu ins Leben zu rufende Verband soll der nationalen und sozialen Erziehung, der Vervollkommnung jüdischen Wissens dienen! Einleitender Vortrag: Frau Anitta M ü 11 e r - C o 'h c n „Die jüdische Student <i n"; Frau Dr. H. Rappaport „Die Bede utnng eines Verbandes jüdischer Studentinnen." ' {*! Die Zion. akad. Verbindungen .u. Vereine Oesterreichs. ''. . ' Mitteilung. Das Zionistische Zentralwahlkomitee teilt mit: In der „Wahrheit" Nr. 45 vom 9. November wird dje Zuschrift eines Herrn Josef Beer, Großhändler, veröffentlicht, in der er dagegen Protest erhebt, daß sein Name in-dem Aufruf des Zionistischen Zentralwahlkomitees enthalten ist. Demgegenüber stellt das Zionistische Zentralwahlkomitee fest, daß der im Autrut unterfertigte Josef Beer, Kaufmann, mit dem Herrn des gleichen Namens, wonnhaft X., Favoritenstraße 107, identisch ist. Letztgwaannter hat seine schriftliche Zustimmung zur Veröffentlichung seines Namens in unserem Aufrufe gegeben. Theater und Kunst. Jüdische Künstlersplele, II., Pratcrstraße 34.' Das Gastspiel der beliebten Vera Kaniewska und Paul Breitmann wird fortgesetzt. Freitag: „D;i e d r ei Kai es"; Sonntag um 10 Uhr Nachtvorstellung: „Das süße Mädel"; Montag: „Die rumänische Chass.ene": Dienstag: „P a I a s c Ii k a"; Mittwoch: „Der a m e r i k aner C Imsen"; Donnerstag einmaliges Auftreten des Regisseurs und Schauspielers Herrn Na tan von der Wilnacr. Truppe in Schalom Alcichc'ms „Schwer zu sein ein Ji d". Wocheosplelplan des Jüdischen Künstlerkabaretts (11, Pratcrstraße 60)': Freitag, den 16. November die Erstaufführung von „0.,p f c r der Liebe", Lebensbild in drei Akten von Z. Libin, Musik von Scb. Sekunde. Samstag, Sonntag und Montag wird die Novität wiederholt. Dienstag, den 20. November: „Masel T o w". Mittwoch, den. 21. November: „Die B r i 11 a n t e n d a m e". Donnerstag, den 22.; November: „Zurück zu Gott" („Der große Mensch"). Jüdische Buhne (Rolandbühne, II., Praterstr. 25). Das Programm für die kommende Woche lautet: Freitag, den 16. bis Sonntag, den 18. November: „Dus zehnte Gebot" (Loi Sochmojel), Komödie in vier Akten von Goldfaden; mit L. Glücksmann und A- M e I z e r. Mpntagj den 19. November: „Gabriel", Lebensbild in, vier Akten von Latainer. Dienstag, den 20. November: „Das ' Zi ge un e r m ä d 1." Komödie in drei Akten von Schorr, mit L. G lue k s m a n n in der Hauptrolle. Mittwoch, .den ,21. November: „Surych und Burych", Komödie in vier Akten von Latainer. Donnerstag, den 2& November: „Chüsen Kaie", Komödie in vier Akten von. Schorr. Beginn-täglich 8 Uhr. Volkstümliche Preise von 1 bis 4 Schilling. Ein jüdischer Kinder-Kalender. Unter der Leitung einer starken Persönlichkeit, des Schriftstellers und Gelehrten Dr. Emil Bernhard Cohn, gibt der Jüdische Verlag,» Berlin, einen Kinderkalende:r fü,r,das Jahr 5 6 8 9 (1928-29) heraus, den ersten Jahrgang; ein Beginn und ein Beginnen also, dem ein kritisches Auge nur weh tun könnte. In einen Rahmen für Kinder hereinzupressen, was Unterhaltung, Anregung, Belehrung für Herz, Sinn und >. Auge und dabei jüdisch sein soll, kann auf den ersten Wurf nicht gelingen,, zjm-. mal wenn der Herausgeber sich in bezug auf die Altersstufen des Kindes keine Grenzen gezogen hat. Dadurch; mußte notwendigerweise etwas Zustandekommen, das zwischen Buch und Journal, zwischen Schule und Leben schwankt und — verwirrt. Zum Wertvollen des Kalenders .gehört das Bestreben, das Biblisch-Geschichtliche in mythischer Vergangenheit zu belassen und das „Nationale" in kindlich-heiterer Manier der Seele des jugendlichen Lesers «nahezubringen: ausgezeichnet die textjich-bildliche Darstellung de^s Kalendariums. Wertvolle Beiträge lieferten die Illustratoren Nina Brod^ky, Nachman Acharya, Ernst Rössner, Georg Peysack. „Jorrii mit dem Sack", ein Chanukkastück, ist spielbar. Arno N ade Is Klaviersätze des „Moaus zur" und des „Schir Hatnaalaus" sind Musterbeispiele klarster musikalischer Diktion. Ein Anfang, noch befangen im Thema „J u g e ri d schritte n", mehr die Oberfläche streitend als in die Tiefe gehend, bestrebt, Spiegelbild einer wegtlich-europäisch-israelit{schen Humanität zu sein, aber schon den Ansatz zu dem Jüdischen tragend, das die heue jüdische Jugend mit ihren starken Impulsen fordert! " ■ <;■ -. ■ o. r. Henry Bergson — Nobelpreisträger. Der Nobelpreis für Literatur über das Jahr 1927 wurde den? in Paris wirkenden Philosophen und Schriftsteller Henry Bergson zuerkannt. Bergson entstammt einer golnjsc'h - j ü d i s c h e n Familie, die um die Mitte des vorigen Jahrhunderts in Frankreich eingewandert ist Obwohl. seine Vorselungen am College de franceSensation machten, brauchte er dennoch zwei Jahrzehnte, um sich bei seihen philosohisohen Fachkoilegen durchzusetzen, bis zu dem Augenblick, da er als Frankreichs bedeutendster Kopf' anerkannt wird. Der heute 69jährige Philosoph verfaßte „5' c h ö p i e r i s c h e E n t w i c k 1 u n g", „E i n f ü hruhfi in die Metaphysik'1, „Seelische Energie", „Gedachtnis und Materie' u. a. Während er;auf der einen Seite die engen Grenzen einer materialistisch-mechanistischen Weltanschauung zertrümmerte, führte er auf der anderen Seite die Wege bis ins weite Reich der Metaphysik,: auf diese Weise die ganze reiche Welt des jüdischen Geistes umspannend. Sein Einfluß auf das gegenwärtige Frankreich ist ungeheuer. Neues vorn Schalom Asch« Von Schalom Asch ist soeben im Verlag „Kulturliga" (Warschau) ein neues vieraktiges .; Drama „Kohl e" erschienen. Es spielt m den Kohlengruben von Arizona. Lion Feuchtwangers Roman „Jud Süß" erscheint soeben in. jiddischer Sprache im Warschauer Verlag „Bücher für Alle"; Uebersetzungen jüdischer Dichter. Eine Reihe jüdischer Dichter, darunter. Mend.ele M.Q.c.her S.t.or.ijn, ist soeben in ungarischer Sprache im Verlag Menorah-Konyvkiado, Budapest, erschienen. — Die Mailänder Zeitschrift „II Convegno" veröffentlicht mehrere Novellen des großen Prager Dichters Franz Kafka in italienischer Uebersetzung. Vereinsnachrichlen. Zionistische Bezirkssektion Landstraße (Jiid. Tischgesellschaft Landstraße), III., Löwengasse 36 (Cafe Lovrana). Ergebnis der Wahlen in den Ausschuß: Dr. Emil S c h m i t z, Obmann, Simon Gaspard, Kassier, Dr. Josef S i I b i k e r, Schriftführer. Jeden Dienstag, halb 9 Uhr abends Vorträge,' im Anschluß geselliges Beisammensein. Zionistische Bezlrksörgatilsation Brlglttcnau. Freitag, den 16. d. M„ Talmndvortrag des Herrn Isak S c h ö n f e 1 d. Sonntag, den 18. d. M., Abschicdsfeier für den Dichter D. S. S 11 b c r b u s c h. Mitwirkend Herr Samuel Schwager, Brainin und andere. Dienstag, den 20. d. M., Vortrag des Herrn Adolf Böhm: Die jetzige Situation im Aufbau Erez Israels. Alle Veranstaltungen beginnen punkt halb 8 Uhr abends im Heime, XX., JügerstraGc 30. Entree frei, auch für Nichtmitglicder. Hebräischkurse: Die Sektion eröffnet demnächst das I. Semester für hebräische Sprache und Grammatik für Erwachsene, welche im Althebräischen bewandert sind. II. Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene. Einschreibungen allabendlich zwischen 7 und 9 Uhr in der Sektion, XX., Jägerstra3c 30. Zionistische Jugendorganisation Brlglttcnau, Wien, XX., JägcrstraGe 30. Bei der am Donnerstag, den 8. d. M., stattgefundenen Generalversammlung wurden gewählt: Theodor Silbcrbnsch, Obmann, Moses K1 a h r, Schriftführer, Klara Schmelzer, Kassierin, Lotte Dachs. Fritz Jäger, Ferdinand N e u m a n n. — Sonntag, den 18. d. M.. t Uhr mittags, findet eine Herbstwanderung in den Wiencrwald statt. Gäste willkommen. Verband der Zionlstcn-Revisionlsten. Donnerstag, den 15. d. M.. findet im Cafe Arkaden, I., Universitätsstraße, um 8 Uhr abends ein Vortrag über „D i e III. Weltkonfcrenz der Zionisten- Revisionistcn" statt. Referent: M. A. T e n n e n b 1 a 11. Erscheinen Pflicht. Revisionistische Studenten. Donnerstag, den 15. d. M., findet um 7 Uhr abends im Cafe Arkaden eine Vorbesprechung zum revisionistischen Studententreffen statt. Referenten: F r ä n k e l Josef (Ivria), Hecht Josef (Makkabäa) und Dr. M. Kiwe (Unitas). Verein zionistischer Hochschüler „Theodor Herzt". Samstag, den 17. November, 8 Uhr abends, fm Heim, IX., Glasergassc 4, Vortrag des A. H. Dr. Groß: „Der Expertenbericht". Akademische Gäste willkommen. . Jüd. Volksbibllothek „Zion", II., Kl. Mohrengasse 3. Die Seminare für Talmud und Tan ach finden Jeden Dienstag um halb 8 Uhr abends statt. Seminarleiter Dr. A. Birnbaum. Neuanmeldungcn werden noch bis zum 27. November 1928 entgegengenommen. Jugendverein „Erez Israel'', Wien, IL, Zirkusgasse 33, veranstaltet Sonntag, den 18. November d. J., präzise 7 Uhr abends, im Vereinsheim: I. Literarischer Abend (Percz-Abend) unter Mitwirkung bester Kunstkräftc. Gäste herzlich willkommen!! Verein „Beth-Jizchak" errichtet!m Heim, XVI., Stöberplatz 5, Hebräischkurse für Kinder. Anmeldungen' werden': dortselbst entgegengenommen. — Der Jugendbund *;,G o r d o n i a" ' hat seihe Tätigkeit auf den XVI. und XVII. Bezirk ausgedehnt. An jedem Mittwoch finden die Zusammenkünfte seiner Mitglieder im Heime des ' Vereines.. ,.B e t h J i z c h o k" statt, zu denen die jüdischen Jugendlichen dieser Bezirke eingeladen werden. In der Generalversammlung;wurden gewählt: ( Herr Markus Adler, Präsident. Israel B e n o v i c z; und Josef Sonnenblura, Vizepräsidenten, Salonion Morgenstern, Kassier, Israel Piper, Schriftführer. Vorstandsmitglieder: Adolf Aptovitzcr, Isak Blumenfeld, Leo Friedmann, Heinrich Hordner, Leib Kwerbaum, David Lipper, Wolf Lindenbaum, Adolf Morgenstern, Simon Penner, Psachje Silberroth, Schaje Wechsler, Heinrich Zipper, Ginsberg, Karpol, Ordover, Spitzer, Sittsamer, Lichtschein und Klughaupt. Bukowinaer Staatenlos« and Heimatlose, werden vom Bukowinaer Zentralverband aufgefordert, ' in den Sprechstunden Dienstag von 6 bis 7 Uhr abends im Sekretariat, I., ElisabethstraBe 9, I. Stock, 10. Telephon R-45-8-34, zu erscheinen zwecks Aufnahme ihrer Personaldaten für den Weltverb'and S t a a t e n 1 o s'e r i n Genf. . Jüdisches Konzert Unter dem Präsidium des Prof. Max Graf hat sich*, ein „Verein zuf Fördemni jüdischer Musik" gebildet. Dieser Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, die musikalischen Schöpfungen heute bereits sehr angesehener, bewußt jüdischer Musiker vor der jüdischen Oeffentlichkeit vorzuführen.'Zu den führenden Männern dieses Vereines gehören Prof. Dimitrovsky und Herr S k utschewski. Die Wiener „Bnai Brith" offenbaren großes Interesse für die Sache und haben bereits zweimal im internen Kreise1 Propagandaabende dieses Vereines veranstaltet, die auf die Teilnehmer großen Eindruck gemacht haben. Aach steht die Reaktivierung des „J ti d t s c h c n Gesangvereines" bevor! dessen künstlerische Leitung Herrn Professor Dimitrowsky übergeben werden wird. Der KcrenKajemeth und die „W IZ O" in Oesterreich haben es nun übernommen, durch den „Verein zur Förderung jüdischer Musik" einen jüdischen m ü s i k a- 1 i s c h e n A b e n d' zn ^veranstalten. Es werden V o 1 k s l i e d e r b e a r b e i t n n g e n von . Engel, Schitomirsky und Grosz, Kunstlieder von Milner, Krein, . Engel und Achron sowie Musikstücke von Achron Skueschewsky, Ernest Bloch und Krein gegeben. Die Veranstaltung findet Samstag, den 15. Dezember, präzise 8 Uhr abends, im „Neuen Saal" der Hofburg statt. Kartenvorverkauf im Kcren Kajcmeth, Wien, I., Kärntnerstraße. 28, Tel. R-27-85—86, bei den Mitgliedern der „WIZO" und in der Buchhandlung M. Rath, IL, Taborstraße 20 a, Tel. R-43-I-58. Spiel erfreut des Kindes Herz. Das bekannte Leopoldstädter Warenhaus Brüder Schiff mann, 2. Rez., Taborstraße 48, eröffnet am Mittmoch den 13. d„ seine große Spielwarenabteilung. Die Allerneuesten Spielwaren $ür Kinder aller Altersstufen werden in reichster Auswahl vorhanden sein und zu E i nfü h r u n g s p r e i s e ri verkauft. Wer seinem Kinde eine wirkliche große Freude machen will, benutze diese Gelegenheit. Den praktischen Bedarf an Beikleidungsgegenständen für die rauhe Jahreszeit decken Sie jetzt schon zu Okkasionspreisen bei Schiff mann. 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Was gehört in jeden Familien-, sebrein?. Ein Klassenlos der „Ol tickst eile Stein"! DIE MUTTER Roman von Schalom Asch. Copyright by Dr. Präger-Pressedienst, Wäen. (29. Fortsetzung.) Es dauerte nicht lange, da standen auf dem Tisch Likör, Aufschnitt, Sardinen, ein Hering. In der Köche stand die Mutter und buk aus feinem Oel die Krapfen. Ein feiner Duft zog ins Zimmer. Sascha hatte seine Geige geholt und spielte jüdische und nichfcjüdische Schlager. Freier las seine Gedichte, die niemand verstand. Berl sang zusammen mit dem Umionbeaimten Volkslieder und die übrigen, machten den Chor dazu. Dann sangen Berl und der Unionbeamte Couplets aus den jüdischen Operetten, Perl als Liebhaber tmd der Unionbeamte als Primadonna. Mit von Freude und vom Herd geröteten Wangen trug die M'utter die dampfenden fetten Krapfen auf... Als man spät am Abend heimging, riß sich -Freier darum, Dwojre nach Hanse zu begleiten; 'die übrigen woMten mitgehen, doch er rief: „Ihr geht ins Kaffeehaus, ich vkomme nach" — damit nahm er Dwojre omd führte sie durch eine Seitengasse nach Hause. „N<un?" — fragt Freier plötzlich. „Was?" — fragt Dwojre. fEine Zeitlang gehen beide schweigend weiter. „Sie verstehen auch mein Gedicht nicht?/* — bricht Freier .plötzlich das Schweigen. „Nein, ich verstehe es nicht, aber es gefällt mir" — erwiderte Dwojre. „Das ist gut, das ist gut" — Freier freut sich wie ein Kind — „warum gefällt es Ihnen?" „Ich weiß nicht, warum es mir gefäMt, doch es hat isieh gut angehört" — sagt Dwojre. „Gut, sehr gut" — erwidert Freier freudig — „Sie sind der beste Kritiker. Sie haben, mehr Verständnis für Poesie als alle Kritiker!" — schreit er enthusiastisch. — „Nicht verstanden, aber gut anzuhören, das ist gut gesaigt. Etwas verstehen — Sie verstehen?! — kann man nur einmal, hat man's verstanden, dann basta. Aber hört sich etwas gut an, dann kann man es immer hören wie Musik. Poesie braucht man nicht zn verstehen, Poesie muß sich nur gut-anhören." .-Dwojre sah; ihn ..unter ihrem kleinen, turbanartigen Seidenhut lange an und lächelte. „Warum lachen Sie? Ich meine es ernst,';, Sie haben mit einem Wort 'die Poesie besser charakterisiert als alle Kritiker" — Freier ließ sich in seiner r^geisteriung, nicht irre machen., . ,r , ■■ ' V- Dwojre blickte ihn weiter lächelnd an. .... „Warum lachen Sie?" „Ich lache >nicht, doch Sie sind 'komisch." „Komisch? Ich bin komisch?"; „Nein, ich meine nur..." — wieder lacht Dwojre' Freier an. „Wissen Sie, ich habe nur für Sie das Gedicht vorgelesen, nur für Sie, sonst für niemanden" — sagt Freier ernst. „Für mich?" — Dwojre ist verwundert — „Wie ikann das sein? Sie haben mich doch gar nicht gekannt?" „Das tut 'mchits, man muß einen Menschen, nicht ikennen; ich habe Sie nur angesehen, da habe ich sofort gewußt, daß Sie das Gedicht verstehen werden, daß Sie mich verstehen werden, ohne mich z-u'' verstehen, wie Sie sich ausgedrückt haben." Öwojre sah ihn ernst an. „Wirklich?" „Ja, in Ihrem Blick lag soviel Offenheit,'daß;ich es gleich wußte.4' Wieder sah Dwojre Freier-lächelnd an. „Warum Jachen Sie wieder? Ich meine es ernst und Sie lachen." „Ich lache nicht,, doch Sie reden so-'komisch. Ich habe noch nie einen erwachsenen Menschen' so reden gehört." /„Wie rede ich denn?" — fragt Freier und-sieht ihr tief in die Augen. „Wie ein Kind" —- antwortet Dwojre; sie erschrikt über das Wort und kaschiert die Furcht' mit einem hellen Lachen. X. Begegnung. Eines Morgens, als Dwojre vpra. Hause .wie. gewöhnlich zu der Arbeit gehen wollte, da trat isie — Freier. Er ging vor dem Hanse auf und, ab, 'die Zigarette im Mund, trotz der drückenden} Hitze den Kragen aufgestellt „Was tun Sie hier.?" , < „Ich erwarte Sie." „Mich?" „Ja, ich wiM Sie von der Arbeit "tfegfotseo, kommen Sie, fahren wir hinaus!** ,Jetzt hinaus? Spazieren? Am ihelKcbten Tag, am frühen Morgen?" „Wann denn, vielleicht um l/fitternaeirt? Der 'Eag dairnpft. Gehen wir! So wahr ach tefce, es wird schön werden." Dwojre war in Verlegenheit; so etwas wfcrüm noch nie eingefallen und .wäre ihr auch nie ta dcqi