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Die neue Welt · 1928-11-16 · Heft 61 (16.11.1928) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 61 (16.11.1928)
Date
1928-11-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
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ffe. 61 DIE NEUE WELT nische Senat durch Annahme des zioitistinischen Projektes die gefährliche Wühlarbeit Irnsings und seines Kreises zunichte machte. Es ist notwendig, der jüdischen Welt und den Zionisten die großen, entscheidenden Dienste in Erinnerung zu bringen, welche der heute abseits stehende, von der offiziellen zionistischen Meinung ignorierte, Oberrichter Brandeis der Sache des Judentums und dem Zionismus geleistet hat. Er hat sich im gefährlichsten Augenblick als wahrhafter Führer er*- wiesen. Der verurteilte Rabbiner Frenkel nicht begnadigt. Die Logik eines polnischen Ministers. Die Jüdische Telegraphen-Agentur (J. T. A.) dementiert die Nachricht von der Begnadigung des Rabbiners! Frenkel. Es wurde nämlich wiederholt gemeldet, daß der zum Militärdienst — übrigensunberechtigter weise — eingezogene Hilfsrabbiner Frenkel, der vom Militärgericht wegen der W e i g e r u n g, s i c h B a r t und Schläfenlocken abschneiden zu lassen, zu einer längeren Gefängnisstrafe verurteilt worden war, vom Staatspräsidenten Professor Moscicki begnadigt wurde. Jedesmal ergab sich, daß diese Mitteilung falsch war. Nun hat der Verteidiger Rabbi Frenkels, Advokat Doktor Templer, vom Vizekriegsminister Konastewsky eine briefliche Verstttändigung erhalten, daß das Kriegsmini)- sHerium in der Tat die Absicht hatte, dem Staatspräsidenten die Begnadigung Frenkels vorzuschlagen, daß aber infolge einer inzwischen geschehenen ausländischen; Intervention (seitens amerikanischer Rabbiner) von einem solchen Schritt abgesehen worden war. :!•• Ein gelungener Mensch, dieser Herr Minister Konastewsky. Man war bereit, ein Unrecht gutzumachen und einen Menschen freigehen zu lassen. Weil aber andere Menschen so frech waren, dieses Unrecht als solches' zu erkennen und gegen dieses Unrecht Vorstellungen: zu erheben, muß das Unrecht bestehen bleiben, und' ein harmloser, frommer Mensch in den Kerker wandern.' Um die Autorität des polnischen Staates1, zu schützen!. Wenn seine Minister kein besseres) Mittel kennen, um das Ansehen Polens zu erhalten, dann: wird es bald um dieses Ansehen recht schlecht bestellt? sein! Antisemitische Geschichtsfalscfaung. Friedrich II. und Moses Mendelssohn. — Richtigstellung von GeschichisfMischungen. Berlin. (J. T. A.) In seinem Buche „Vernichtung der Freimaurerei" behaupte Ludendorff, daß die Freimauerei in Deutschland um 1750 von England aus mit stark jüdischer Verwurzelung verpflanzt wurde und in Veerbindung mit führenden Juden, wie Moses; Mendel s s o h n, stand. „Daß es schon damals rein jüdische Logen in Deutschland gab, steht geschichtlich fest." Gegenüber dieser durch nichts gestützten Ludendorf fschert Behauptung weist der Nestor der deutschen Publizisten Dr. J. Levy darauf hin, daß in Wirklichkeit die Freimaurerloge in Hamburg von England aus am 6. Dezember mmmmmmmmmmmmmmmmma^nmmma^mmmamamBmmmmnm Der Beth-Hamidrasch brennt! Eine Erzählung aus Sowjetrußland von M. Herz. Und also beschlossen die jüdischen Arbeiter, den alten Beth-Hämidrasch zu konfiszieren und in einen Klub untziHwandeln. . Die Nachricht traf die Juden des Städtchens wie ehi Blitzschlag. „Was heißt das, den alten'BetfwHamidrasch, der seit Generationen in Heiligkeit geläutert ist, der Gotteslästerung anheimzugeben? Der alte Beth-tHamidilasch, dem Feuer und Schwert .nichts anhaben konnten, der den schwersten Prüfungen 'ausgesetzt war, der alte Beth-Hamidrasch, der wie ein lebendiger Zeuge von Großvätern und Enkeln bis zum jüngsten Sproß zu erzählen weiß, soll durch die Hände der Eigenen vertilgt werden?" So suchten Juden Erleuchtung, Gattes Zelt vom Untergang zu retten. Juden wehklagten und brachten wehklagend den Fall vor die höhere Instanz — es half nichts. Die jüdischen Arbeiter zeigten auf, daß es ein Verbrechen sei, ein Gebäude leer stehen zu lassen, also ohne jeden Nutzen. Kaum daß man zur Not zehn Juden zu einem Minjam zusammenbringt, indes der „Komjung" (kommunistische Jugendorganisation) wegen Mangel an Lokalitäten darniederliegt, das jüdische Proletariat keine Räume hat zur Durchführung seiner sozialen Arbeit. Es sei also Sünde, das Projekt zu stören, ihnen nütze es, den anderen bringe es keinen Schaden. Der endgültige Entscheid war kurz: Beth-Hamidrasch ist zu konfiszieren, da er keine Existenzberechtigung hat, und der jüdischen Arbeiterschaft zu übergeben. Juden taten ihr Letztes, fasteten, sagten TiUlim, aber vergeblich. Jotnim norojim rückten heran, Tage, da selbst Fische im Wasser zittern, und da werden Juden nicht einmal ein Plätzchen haben, um ihr Herz vor dem Herrn der Weiten auszuschütten. N«c :ver«aqioie3teii sie sich beim Row im Hause, ÜBER „HOHE BRÜCKE¬ FÜHRT DER WEG ZUM GLÜCKE llllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll 1737 konstituiert wurde; ihr Mitglied wurde der preußische Kronprinz, nachmals König Friedrich II., in der Nacht vom 14. bis 15. August 1738. Damals war Moses Mendelssohn, der Dessauer Jude, 10 Jahre alt, um 1750 etwas über 20 Jahre. Erich Schmidt bemerkt in seiner „Gl/** schichte Lessings", daß Friedrich, der so viel zur Verwurzelung der Freimaurerei in Deutschland getan hat* die Juden nur als Steuerzahler duldete und schröpfte. Jeder Jude mußte bei der Heirat für 300 Taler Porzellan aus der königl. Manufaktur kaufen. Juden wurden wie Vieh verzollt. Sie durften nur zu einem bestimmten Tor in Berlin einziehen. Sie unterlagen den mannigfachsten Erpressungen und Bedrückungen. Moses Mendelssohn war ein begeisterter Vorkämpfer des Deutschtums. Aber da er nicht geborener Preuße war, konnte er nach dem Judenreglement von 1750 nur unter dem Schutz eines ansässigen Juden im Lande bleiben. Sein Schutzjude war der Fabrikant Bernhard, als dessen Diener er eingetragen war. Der Marquis d'Argens, Friedrichs philosophischer Gesellschafter, setzte es bei Mendelssohn, der sich inzwischen verheiratet hatte, durch, ein Gesuch um das „Privileg" an den König zu richten, mit der Bitte; um den Schutz für sich und seine Nachkommen. Diese Bittschrift wurde dem König von d'Argens persönlich überreicht und befürwortet, im April 1763, und — blieb unerhört. Erst am 26. Oktober 1763 wurde auf eine neuerliche Intervention von d'Argens das Privileg Mendelssohn persönlich bewilligt, der Nachkommenschaft aber verweigert. Im Februar 1771 wählte die Akademie der Wissenschaft Mendelssohn zu ihrem Mitglied. Friedrich bestätigte die Ernennung n i c h t und schrieb unwirsch der Akademie, sie solle eine neue Liste einreichen. Als auch Kohle*Hflttenkoks OBERSCHLESISCH. ENGLISCH UND WESTPHKLISCH Qualitätssorten — Billigst BÄSCH, IV. U-46-403 Argentlnferstr. 22 Teiepn. ^4^.28? Rabaltsektion des KEREN-KAJEMETH hielten Besprechungen ab, suchten Rat,, erwogen hin und erwogen her, aber sie konnten nichts finden * « . So warteten Juden auf ein Wunder, irgend etwas wird geschehen — der alte Beth-Hamidrasch, der Zeuge war jüdischer Not, von Austreibungen und Abschlachtungen, der alles gesehen und mitgemacht hatte, wird auch diese Heimsuchung überdauern. Juden warteten auü ein Wunder, hatten Vertrauen. Auf dem Hof des Beth-Hamidrasch wurden Gruppen von Arbeitern sichtbar, maßen, zählten, rechneten, um die Umwandlung in einen Klub tadellos durchzuführen. Für alle stand es bereits fest, daß ein Wunder diesmal nicht geschehen werde. Ein Tag noch — und Hammer umd Eisen werden sich in den alten Leib des Beth- Hamidrasch, in sein Fleisch und Blut hineinbohren, aus ihm Stücke herausbrechen, und sein Seufzen und Stöhnen wird niemand hören. Gesperrt sind die Tore des Himmels . . . Jede Minute ist kostbar, in jeder Sekunde kann es geschehen, es wird zu spät sein. Und da wurde der schreckliche Gedanke geboren.' Beim alten ehrwürdigen Oberhaupt taten sich Juden zum letztenmal zusammen, wußten sehr wohl, daß alle Wege und Stege versperrt seien, aber wie ein Ertrinkender sogar nach der Schärfe des Messers greift,, klammerten sieh Juden noch an den Faden eines Vielleicht, vielleicht. Und beim alten Row im Hause heckte man dies aus: Ret) Elia, der Schammes, das stumme Lamm, Reb Elia, der immer stumm war wie ein Fisch — bei diesem Schatten entzündete sich das Blut in den Adern, das Gesicht übergoß sich mit wilder Wut und in furchtbarem Gebrüll stieß er hervor: „Den Beth-Hamidrasch „verbrennen!" „Anzünden! Soll er lieber verbrennen als in ihre Hände fallen", fingen Juden diesen bösen Gedanken auf. Auf einmal ging ihnen der Atem aus, man erschrak vor der entsetzlichen Absicht. Es würde still, aller Blicke waren zum a'lten Row gewendet. Was wird der Rabbi sagen? KAUFT KLASSENLOSE BEI OER GLUCKSTE LLE STEIN WIENH'WIPPLINGERSTRASSE 21 * AN DER -HOHEN BRÜCKE* auf dieser Mendelssohns Name stand, strich Friedrich ihn aus. Niemals war Mendelssohn Freimaurer; auch andere Juden waren es nicht; denn die Logen^ vollends die preußischen, waren ihnen verschlossen. Fri,- dericus nahm seine Grafen und Prinzen und sogar seinen Kammerdiener auf, aber ganz gewiß keinen Juden, und Moses Mendelssohn so wenig in die Loge, wie in die Akademie. Und dennoch behauptete Ludendorff, das Geheimnis der Freimaurerei sei überall der Jude, sie züchfje „künstliche Juden'1', stemple ihre Mitglieder zu „künstlichen Juden" ab, habe nur ein Ziel, die jüdische Weltherrschaft. Und er behauptet, zu gewissenhaft zu sein, „um auch nur eine einzige Behauptung aufzustellen, die nicht durch sichere Quellenschriften belegt ist". Wem der große Wurf gelungen, Eines Freundes Freund zu sein, Wer ein holdes Weib errungen, Schenke Huber-Likör ein. Zwei Dreyfus-Verteidiger gestorben. Paris. Hier starb im 82. Lebensjahre General P e rc i n, der zur Zeit der Dreyfus-Affäre als 'Kabinettschef des damaligen Kriegsmiuisters Andrere eine viel bemerkte Rolle spielte. Er war einer der eifrigsten Vorkämpfer f.ür die Unschuld Dreyfus' und hatte deshalb . mehrere schwere Duelle mit nationalistischen Offizieren auszufechten. — Henri M 0 r n a r d, früherer Präsident der Anwaltskammer und Beisitzer am Kassationsgericht, ist gestorben. Er betätigte sich unter anderem als Verteidig er von Alfred Dreyfus in den beiden vor dem 'Kassationsgericht geführten Revisionsprozessen. Juden in den französischen Generalräten. Paris. In dem ersten Wablgang der Neuwahlen in die Generalräte Frankreichs wurden die' folgenden jüdischen Deputierten gewählt: Senator L. 'K1 o t z (Somme), Deputierter Mandel (Gironde), Deputierter J. Uhry (Oise), Ullme (Hte. Marne), Moses Levi (Hte.. Marne), | Dreyfus, Bürgermeister von Carpentras (Vaucluse), Dr. Amselle (Marne), Dr. AbouLke r (Algier), M. Lisbonne (Oran). — Baron Maurice de Rothschild unterlag in Oran gegen den antisemitischen Deputierten Dr. M e 1.1 e. Der Rabbi schwieg. Da wollte man aus seinen Augen die Antwort lesen. Aber des Rabbi Gesicht war mit sieben Siegeln versiegelt.. Ohne Leben, ohne Bewegung, erstarrt waren des Rabbi Augen. Eine Träne nur aufdes Rabbi Gesicht verriet, daß er Anteil nehme. « - Man sprach nicht mehr. Gesondert, einer nach dem anderen, stahlen sie sich .wie Schuldige, Sündige aus des Rabibi Zimmer hinaus. Draußen war es herbstlich. Lose Fetzen von Finster-, nis flatterten durch das Städtchen, hüllten es in Trauer, verwitwete Gäßchen wateten im Kot, klagten jämmerlich und still, und stießen vor Verzweiflung zusammen, verwaiste Häuschen rückten schutzsuchend, näher aneinander, wie ein Greis, von Alter und Schwachheit geduckt,: stand der alte Beth-Hamidrasch, wie ein trener Großvater seine Hände hinausstreokend, -bereit, alles Böse und Schlechte abzuwehren. Plötelich fuchtelte eine blutrote Hand du-rch die Luft und eine rote Wunde wölbte sich über dem Städtchen, immer offener vom Winde getragen, immer breiter trml tiefer geöffnet. „Der Betfh-Hamidrasch brennt!" „Der Beth-iHamidrasch brennt", lirfen durch das Städtchen wilde irre Stimmen. Blutrote Feuersäulen verknäu-lten sich über dem Beth-tHamidiasch. Wie eine erschrockene Vogelschar Kef das ganze Städtchen über Feld und Gaß. Väter suchten in Todesangst ihre Kinder, kleine Würmer; alles (bebte und zitterte, wie eine erschrockene Schafherde flüchtend (Rettung sachte. Nur der alte Rabbi verfor seine Haltung nicht. „Um Himmels willen, um Himmels willen, die Thorarollen, die Thorarollen kommen um!" Reb Elia, der Scbanwnes, stürzte sich in Jdte Rewr-, wölken. 1;Am nächsten Morgen haben Jaden Reb Elia tmd die umgekommene« Thwarotten z*r ewigen Rute--gcMUtd

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