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Die neue Welt · 1928-11-16 · Heft 61 (16.11.1928) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 61 (16.11.1928)
Date
1928-11-16
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. « PELZWAREN S GEBRUDER BRAININ l., BonernmiirKt 2o, Tel. U 22-3 59 iL, GlocRcngasse 8, Tel. R 45-4-33 hai sich nur noch In der Kneiplyrik unversehrt erhalten, sein geistiges Bild nur noch in der Karikatur, die ihn fixiert, wie er die Wände einer entspannenden „Kabinetts"- poiifik mit Hakenkreuzen .tapeziert, Jüdische Gräbsteine umlegt oder den Mund zum Kotzen, bezw. zu dessen Vorläuleri dem Borkumlied, Öffnet. Die Wirklichkeit übertrifft die> Karikatur, in einem Lande, das zwar die tragische Ironie eines Kurt Eisner und ■ eines Waiter Rathenau, hervorgebracht hat, dem afo'er vom Gesichtspunkte der dentschvöJkfschen Studentenschaft der jüdisch-sozialistische Gegenpol iehlt. Das gleicht Wien aus. Die -Republiikfeier an der Universität, von den Rektoren aller Hochschulen inszeniert, hätte das Bekenntnis der österreichischen akademischen Wissenschaft zur österreichischen Republik dokumentieren sollen. Eine schöne Geste, mehr als Geste, nachdem nun einmal Deutschland seine Republik, den Geburtstag der Deutschen Republik, nicht unter den Scheffel gestellt hat, und Oesterreich von den rechtesten Großdeutschen bis zu den linksten Sozialisten sich als Bestandteil der großen Mutter Deutschland fühlt. Und doch! Und doch war es, aJs würden plötzlich Rufe ertönen, die gerade keine jubelruife sind und denen man entnehmen kann, daß die Teilnähme gewisser Elemente an der akademischen Repuhlikfeier wehiger als erwünscht sei. Man erschlug, zwar keine gottverfluchte Judensau, wünschte aber wenigstens diese Republik, die Judenrepub'lik, zum Teufel: die Republik* an deren Busen sich die sozialistischen Studenten, die sozialistischen Studenten jüdischer Provenienz drängten. Bs ist natürlich, daß die sozialistisch gesinnte Studentenschaft Wiens einer Staatsform, von deren Ausbau sie sich die Verwirklichung vieler ihrer Ideale verspricht, Reverenz erweist; Und ganz riiehtigerweise wendeten sieh die Völkischen in diesem Falle nicht gegen ihre arischen Rassegenossen, sondern gegen die „Rassefremden", gegen die jüdischen Sozialisten, die sö sehr mit den österreichischen-Sozialdemokraten verflochten' sind, daß niän nicht mehr weiß, ob man es. mit Führern oder Verführten, mit Vor- oder Nachläufern. zu .tun hat.- Man spürt also diese jüdischen Sozialdemokraten ■iri jeder VeVMeidüng aüi, möge sie sich marxistisch oder' liberal oder israelitisch gebärden.-'Gesicht . undr-Geste,., Haltung-uhd Gebaren wird sie' verraten, mögen sie noch so kräftigdie- Internationale singen, mögen sje noch so viele röte Nelken ins Knopfloch tun, um: den Trauerriß zu-verdecken, den sie sich für ihr vermeintlich totes Judentum beizubringen hätten. , Joidenrepublik! Die Ha'kenkreuzler schreien es und begleiten ihre Schreie mit, Stockipnd Knüttelhieben. Die jüdischen Professoren drücken sich, froh, zu keiner Entscheidung aufgerufen zu' werden* während die deutscharischen Herren der Hochschulen mit halb verlegenen, halb verlogenen Erklärungen, piszipHnardröhiungen, väterlichen Mahnungen,'./ihre Vollbarte..'kräuselnd, alles beim alten belassen. So wird immer wieder die Romantik einer entjudeten Jugend vor <ten Kopf geschlagen. Diese Jugend ist so seist- und weltfremd, daß sie nicht weiß, was das letzte Jahrzehnt dem weltgeschichtlichen Judentum gebracht .hat, und sich klettenhaft an eine Bewegung klammert, innerhalb derer sie immer wieder — von innen oder von außen — daran gemahnt wird, daß sie — jüdisch sei. Wo - sind die Zeiten, da an der Universität ein e Attacke gegen j üdiscbe Ehr e mit einer prompten, 1 üc ke n 1 o s-e-n, weil selbstverständlichen Solidarität abgewehrt wurde? Gibt es keine jüdischen Studenten mehr? Der verhältnismäßig kleinen Gruppe nationaljüdischer, zionistischer Studenten ist die Sorge um die Konzentrierung jüdischen Wesens an den Universitäten anheimgegeben und gleichzeitig die Aufgabe, jede neue Altersstufe mit dem Wesen der jüdischen Renaissancebewegung vertraut zu machen, eine ungeheure ethische Verpflichtung, in deren Ausübung sie nicht allein gelassen werden darf. "• -Man darf nicht glauben, daß die gottverfluchte Judensau einedeutsph-österreichische Spezialität ist. An den ungarischen Universitäten weiß man ein Lied davon zu singen; und Schimpf und Schlag treffen-nicht so sehr den Juden an sich, wie den Juden, dem die magyarischen Belange am Herzen liegen. In Zagreb wiederholt sich die Komödie. Bukarest steht nicht zurück, Polen hält Schritt. Sogar in Paris plätschert eine antisemitische Welle gegen — Judenfranzosen. , Es ist immer dasselbe Spiel, dieselbe Aktion, dieselbe Redaktion gegen das Eindringen jüdispher Elemente in fremde Zonen, die gleiche Abwehr, mag sie bis zur Unduldsamkeit, Ungerechtigkeit, Barbarei führen. Das Bekenntnis zum Judentum, zur jüdischen Sache und die Arbeit an der Verwirklichung dieses, Bekenntnisses sind Romantik genug für eine Jugend, die Romantik begehrt. Die jüdische Renaissancehevvegung ist mehr als Romantik, sie ist die romantischeste Wirklichkeit. Ihr dienen die größten { Geister der Gegenwart. Eine amerikanische Revue stellt die genialsten Kräfte unserer Zeit dar. An der Spitze stehen die Juden Albert Einstein, Siegmund Freud* Henry Bergson. Womit gezeigt wird, daß sich diese" göttverfluchten Judensäue sogar auf völkischen Universitäten sehen lassen können, o. r. Zusammenbruch der sowjetistischen Judenkolonisation. Rückwanderer aus Blr-Bldschan zum Schwelgen verpflichtet? Moskau/ 9. November. (J. t. A.j Hier sind Gerüchte verbreitet,„ daß die jüdischen Pioniere, die Bir- Bidschan, weil-sie sich dort nicht verwurzeln konnten, Verlassen mußten, sich Vor der .Rückreise in die frühere Heimat schriftlich verpflichten mußten, nichts über die Lage in Bif-Bidschaii zu erzählen. Ein Reiferes' Gerücht will wissen, daß jene Pioniere, die in Bir-Bidschan verblieben sind, die Reisplantagen verlassen und sich auf eigene Rechnung nach Chabarowsk und andere Orte des Fernen Ostens begeben haben, wo sie sich dem Handwerk, dem Handel usw. widmen. ., y.rt ■ . .. ' Der Plan der jüdischen Kolonisation: in Rußland Wird abgeändert. Moskau, .12. November. (J. TV A.) Im Hinblick auf die sich häufende Kritik gegen den bestehenden offiziellen, für fünf jähre berechnefien Plan der Ansiediung von Juden auf dem Lande hat KÖMZET (Regierungskommission für Landansiedlung von Juden) beschlossen, diesen Plan umzuändern. Der Plan für die Austrocknung der Sumpfgelände iri Weißrußland zwecks Schaffung von neuem Siedlungsland für Juden ist als undurchführbar fallen gelassen worden. Es wurde ein neuer» für fünf Jahre berechneter Plan der Eingliederung der jüdischen Massen in die Produkijionswirtschaf aufgesellv Die Einzelheiten des neuen Planes sind noch nicht bekannt. Sowjetrußland rottet die jüdischen Bauern aus. Man nimmt ihnen jede Kreditmöglichkeit. — Von den jüdischen Hilfsgeldern erhalten sie nichts. Während die russische Regierung bemüht ist, mit Hilfe jüdisch-amerikanii^er Spenden, welche die schwindet hafte Höhe von 30 Millionen Dollar gewiß schon überschritten haben, der-Weit die Bildung j üdis cher Kol.o n i e n auf kommunistischer Basis v o r z u t aus c h e n, geht sie daran, dje Wirklich bestehenden, seit Jahrzehnten, existierenden j.ü.djs c h.-baueri,i chen , Ein,.z e.l wir,ts c h a 11 e,n zu ^inieren. Während - das. „ j ü (I i s c h e; A ufbau werk" frivole Täuschung 'ist, ist leider däs'Ze'r-. störungswerk solide' Tatsache/ Dafür liegt, ein gewiß einwandfreies; Zeugnis v^or.;Die? Moskauer jiddisch-korrimu-' jtiistische: Tageszeitung .„Emess" teilt mit,' daß zahlreiche; jüdische Bauern, die Einzelwirtschaften betreiben, wegen Mangelan landwirtschaftlichen! Inventar, ihre Vffirtschaften nicht entwickeln können und" deswegen vor 'der,Gefahr stehen, ihren Boden zurückgeben zu müssen.. In .der letzten Zeit mehren sich die Fälle, daß jüdischen Bauern der Boden a b g eno m m cn wir d. Dies geschieht sowohl V Dörf ern als auch - iüder ..Unn 'gebung der Städte, Die . Zeitungbringt eine: Statistik ..:a.üs; dem Kreis S c Ii ep'e to w k e.1Dort gibt es ' etvvä; öOO' Irtdividualwirtschaften mit je 1 bis 6 Desjatin Boden.; Fasfl 70 Prozent dieser Wirtschaften fehlt es an jedem Inventar. Von den übrigen 30 Prozent haben etwa ein Drittel hinreichendes Inventar, zwej Drittel existieren davon, daß siesich gegenseitig mit Inventarstücken aushelfen. Solchen Jndividüalwirten wird es sehr schwer gemacht, öffentliche Kredite zur Anschaffung von Inven'ar zu 'erhalten. Andere Kredite aber gibt es nicht, da das private Kreditwesen; in Rußland als „konterrevolutionär" ausgerottet und dasi private Geldgeschäft unter härteste .Stra'en gesetzt wurde. Von den gesammelten jüdischen, Hilfsgeldern erhal'en die jüdischen Bauern nicht eine Kopeke. So zwingt man die Bauern, ihre Felder brach liegen zu lassen, um! KÖRPERLICHE und GEISTIGE FRISCHE sind die kostbarsten Güter des Lebens in der Jugend wie insbesondeie im Alter Bewahren und mehren Sie diese Schätze durch ständige, sorgsame Pflege Ihres Körpers.Das beste, Mittel Für alje Zwecke, der Körperpflege — Einreibungen Packungen iUmschläge), Mundwasser usw. — ist Franzbranntwein mit Menthol Achten Sie genau auf die Marke „Diana", Weisen Sie alle Nachahmungen energisch zurück. — Ein Versuch, übe zeugt Ueberaü erhält liehJ Preis pro Flasche : k'eln mi felg'pg groß S 0.95 "S ä.8Q Ö öTöö' TUCHHAUS I ONZI I WIEN, I. 1 1 Ertlnasse 4 und | I Kramergasse 11 1 § Telfepbon U 25-2-57 | sa . ■ v 55 1 Import Original englischer anä | | schottischer/Herren" «• Damen" | | Stoffe sowie irischer Donegals § I and Thornproofs J 1 DetaHverkauf zu Engro8-Pr©Jee«4 1 32 ." .<s 'H j|||||lllll!lipil!M sie ihnen dann auf Grund des Bodengesetzes vom' 1927 einfach wegzunehmen. .. * . Bemerkenswert ist die Haltung der reichen amerikanischen Jüden, der Herren M ars ha 1, Warburg und Rosenwald, welche solche Dinge nicht sehen, besser? gesagt, nicht sehen wollen. Sie geben viel Geld, nehmen den amerikanischen Juden ungezählte Millionen Dollar? ab und lassen durch ihre Beamten Berichte über angeblich geschaffene herrliche jüdische Kolonien — natürlich! jnit Lichtbildern verbreiten. Daran, daß dieses Geld! den bolschewikischen Macht!:abern bedingungslos ausgeliefert und von diesen in tendenziösen, nutzlosen Experimenten vergeudet , wird, daß die Kolonien elend vegetieren, daß die , wirklich Bedürftigen und. Unterstützungswürdigen, die jüd.is.chen Bauern, leer,ausgehen, davon wissen diese Prachtberichte, welche von j ü d is c h e m und leider auch zionistischen Zeitungen kritik- und ge wiss e n 1 os verbreitet werden, nichts zu erzählen. Die: bolschewikische Judenkolonisation istausi Haß und Abneigung gegen Pa lästina und den, Zionismus geboren. Die Bolschewiken und gewisse jüdischamerikanische Millionäre haben sich.; im H^ssc und in der Abneigung gefunden. Aber Haß Und Abneigung können nicht schaffen, "siei.können" nur zerstören. Zum Tod© des früheren Staatssekretärs Laiising. — Ein Attentat auf den Zionismus. — Die Verdienste des Oberrichters Brarideis. Der in der vorigen Woche verstorbene .„Staatssekretär des Präsidenten Wilson, Robert La.nsi n ^> war ein Gegner des Zionismus.und hatte im Jahre .1919 eine .Aktion unternommen, welche danach angetan.!w?ir,. die Bai f o u r - D e. k l a r a t i o n i u entwerten un d.' .die Mächte von der z ipn istischen Lösung der Pafästinafrage abzubringen. Der Zwischenfall;, der wenig be: kannt ist, verdient, in Ejrinnerung gebracht zu werden.. Im Frühjahr 1919 schlug Lansing den Alliieriteri vor, eine Kommission nach Syrien und Palästina zu entsenden, um die Mandatsfragen zu prüfen. C1 e m e n c c a u und Lloyd George lehnten den Antrag ab. Daraufhin stellte Lansing eine amerikanische Kommission zusammen, welche am 10. Juni in Jaffa landete. Es waren sechs Herren unter Führung von Charles Crane und Henry Churchill K i n g. Sie blieben 40 Tage hf Palästina und Syrien- Ihr Bericht, welcher der im August tagenden Friedenskonferenz in Abwesenheit Wilsons vorgelegt wurde, war der denkbar ungünstigste und endete mit dem Antrage, den Z i ö n i s m u s abzulehnen; Syrien und Palästina zusammenzulegen und das Mandat an Am erika zu verleihen, da die Bevölkerung, weder von . den Juden, noch von den Engländern oder Franzosen etw.as wissen wolle. Der Passus bezüglich Palästinas lautete: „Dazu wäre erforderlich, daß die jüdische Einwanderung definitiv eingeschränkt und daßder Plan, Palästina in ein ausgesprochen jüdisches Gemeinwesen umzuwandeln, aufgegeben , wird." Um die jüdische Losung; unmöglich zu machen, verstieg sich der Bericht zu einer infamen, antisemitischen Verleumdung der Juden. Der Bericht sagt: „Die den Christen heiligsten Stätten, die auch den Mohammedanern heilig sind, sind den Juden nicht nur nicht heilig, sondern ein .Greuel. Ünter diesen Umständen können Christen und Mohammedaner sieji unmöglich damit zufrieden, geben, daß diese Stätten.. in den Händen oder unter der:Obhut Juden bleiben." Für den Fall, als Amerika, die ÜebernaWrhe des Mandates ablehnen sollte, wurde im Berichte empfohlen, England das Mandat zuübertragen und Emir Fei'sal als Oberhaupt des syrisch-arabischen Staates, in welchem Palästina aufzugehen hat, einzusetzen. In Abwesenheit Wilsons übermittelte Lansing diese« gegen den Zionismus gerichteten Bericht, dessen Abschrift er nach Amerika sandte, der Friedenskonferenz. Seihe Absicht, Wilson vom Zionismus abzubringen, mißlang. Es ist vor allem der Arbeit des früheren Präsidenten der amerikanischen Zionisten, Oberrichter B r a n d e i s, 'zu danken, daß Wilson fest blieb und der amerika-

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