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Die neue Welt · 1928-11-09 · Heft 60 (9.11.1928) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 60 (9.11.1928)
Date
1928-11-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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r Seite 6 Dffi NEUE WEL1 Nr. 60 TEL. 632-310 EIN GRIFF-EIN BETT. SCHLAFE PATENT t DIREKT BEIM EAMUQErt - S0U0 «. BlUIG. [JosefKoblitz «Sohn TAPEZlERERMEtsrER VII.SIEBENSTERNG.12 Wie die magyarischen Antisemiten arbeiten. Graf Klebeisberg verhöhnt seine Assimilantenjuden. — Wie die Jüdischen Studenten im Ausland verfolgt werden. Im Hauptorgan der ungarischen Rassenschützler, „N e m z e t i - U j s a g", veröffentlichte der ungarische Ur.terrichtsminister Graf Klebelsberg vor wenigen Tagen eine Rechtfertigung, warum er die Aufnahme von vierzehn judischen Studenten, welche die Maturitätsprüfung mit Auszeichnung bestanden haben, in die Universität gefordert und damit den Groll und die Ausschreitungen; der antisemitischen Studenten verursacht hat. Dieses Selbst" bekenntnis des ungarischen Unterrichts ministers ist so wichtig und wertvoll, daß die gesamte jüdische Presse diesen Artikel durch Abdruck der öffentlichen Meinung1 der ganzen Welt vermitteln sollte. Graf Klebelsberg behandelt zunächst di-e Frage, worin das Hindernis für den Fortbestand des Numerus clausus zu suchen sei und er kommt zu dem Schluß,, daß „die große Macht des ausländischen Judentums" -in fast unüberwindliches Hindernis für den Fortbestand dieses Gesetzes bedeute. Ich weiß, setzt Graf Klebelsberg dann fort, daß das Judentum eine große internationale Solidarität darstellt, ich weiß daß das Judentum der Welt unabhängig davon, ob die vaterländische Judenschaft im Ausland Klage führt oder nicht, im Interesse des ungarischen Judentums sich rühren wird. Schließlich waren doch hunderte der durch den Numerus clausus ins Ausland' verdrängten jüdischen jungen Leute in den ausländischen Städten, das auswärtige Judentum hat sie vor sich gesehen und sie unterstützt. Ich habe nun vorausgesehen^ daß einerseits das vaterländische Judentum sich mit dieser Institution niemals wird abfinden können, andererseits aber das ausländische Judentum die hiesigen Juden in ihrem Kampf unterstützen wird und wegen der Einführung und Aufrechterhaltung des Gesetzes gegen Rumpfungarn feindlich vongehen wird,. Da die Po-, sition des Judentums sowohl in der Weltpresse ab auch in der Finanzwelt eine riesig große ist, habe ich vorausgesehen, daß es schwer fallen werde, die Sympathie! der öffentlichen Meinung der Welt in jenem Maße herbeizuführen, wie wir sie in unserer schwierigen internatio"» nalen Situation brauchen. Die große Sorge des ungarischen Ministers wat es nun, auf welche Weise die ungünstige Wirkung zu paralysieren wäre, welche die hunderte jüdischen Studenten später, wenn sie im Besitz ihrer ausländischen Diplome sein werden, ausüben würden, und der kluge, vorsorgliche Kultus- und Unterrichtsminister verrät jetzt sein Geheimnis, indem er schreibt: „Dann rief ich in verschiedenen, Universitätsstädten des Landes das,Collegium Hungaricum ins Leben, wofür ich unbegreiflicherweise gerade von christlicher Seite angegriffen wurde. Jeder weiß, daß das Judentum, welches sich hauptsächlich auf wirtschaftlichem Gebiet betätigt, infolge dieser seiner Beschäftigung mehr, verdient als der auf seine Besoldung angewiesene christliche Beamte. Ueberdies wurde nach Einführung des Numerus clausus die internationale jüdische Opferwilligkeit mobilisiert, zu Hunderten zogen die jüdischen Jünglinge an die auswärtigen Hochschulen, während die Kinder des christlichen Mittelstandes zu Hause sitzen blieben. Was wäre nun die Folge gewesen, wenn ich die ungarischen' Kollegien im Ausland nicht geschaffen hätte? Die jüdischen jungen! Leute hätten zu Hunderten, späier sogar zu Tausenden, ihre Ausbildung än den großen Universitäten des Westens erlangt. Sie haften Sprachen erlernt und einen weiteren Horizont bekommen, während die christliche Jugend ohne Kenntnis der fremden Sprachen in den dem ungarischen Horizont entsprechenden engen Kreis aufgewachsen wäre. Wir können doch nicht darüber hinwegsehen, daß — um nur von der höheren Beamtenschaft zu sprechen —, der General, der Kurialrichter, der Vizegespan,' der Ministerialrat und der Finanzdirektor mit ihren'heutigen Gehältern nicht in der Lage sind, die Kosten der Ausbildung ihrer; erwachsenen Kinder im Ausland zu tragen. Wie ungleich wäre nun der Wettkampf zwischen der jüdischen und der christlichen Jugend gewesen! Der Numerus clausus hätte, wie eine Flinte, die nach hinten losgeht, eher Schaden angerichtet als Nutzen gebracht!" Das sind die wichtigsten Teile des lehrreichen ministeriellen Bekenntnisses. Die ungarischen regierungstreuen Assimilantenjuden sind mit Recht über den Hohn bestürzt, mit welchem sie vom Unterrichtsminister behandelt werden. (Sauer-Scbüler) von einer längeren Balkantournee § 1 zurückgekehlt § | nimmt die UnUrrieht•tätlgkelt wieder auf | 1 Adresse in der Expedition I In ihrem Organ weisen sie jammernd auf die Selbst* erniedrig ung hin, mit welcher sie im Jahre 1925 in einer großen, feierlichen Versammlung in Gegenwart des Unterrichtsministers, den Antrag des jüdischen Abgeordneten Paul Sandor, die Einmischung des ausländischen Judentums in den Kampf gegen den Numerus clausus mit aller Entschiedenheit zurückzuweisen, bejubelt hatten. Ist das der Lohn für unsere patriotische Selbstentäußerung? Haben wir es deshalb auch abgelehnt, uns der im Trianoner Vertrag ztigesicherleti Minderheitsrechte zu bedienen, weil wir Trianon nicht anerkennen, um jetzt vom Unterrichtsminister verhöhnt zu werden i Aber andererseits' steht der Zynismus des ungarischen Unterrichtsministers, mit welchem er in seinem Leibblait erzählt, auf welche Weise er seinen Kampf gegen das Judentum bisher geführt hat und auch weiterhin zu führen gedenkt, wohl beispiellos da. Man bedenke: Der Numerus clausus treibt die jüdische Jugend an' die ausländischen Hochschulen. Hungernd und frierend, unter schwersten Mühsalen ringt so ein jüdischer Student sich um das' Diplom und die Anerkennung im Ausland. Der rassen* schützlerische Haß verfolgt ihn auch im Exil. Die ungarsche Regierung errichtet in den Universir tätsstädten des Auslandes ungarische Konvikte, in welche Juden nicht aufgenommen werden. Aus den Steuergeldern, die von den von den ungarischen Hoch*" schulen verjagten Juden und ihren Angehörigen entrichtet werden, schafft Klebelsberg ungarische Kollegien, in welche Juden nicht einmal nach dem Numerus clausus aufgenommen werden. Mit antisemitischem Sa lismus werden auf solche Weise die Juden gezwungen, selbst im Ausland zu betteln und daheim für die Ausbildung der eigenen, Henker, die ihnen später als vom Rassenhaß erfüllte Konkurrenten in den Weg treten sollen, erhöhte Steuern zu leisten. Jetzt sieht man deutlich, was das Judentum] von Ungarn zu erwarten hat. Das Selbstbekenntnis dea* ungarischen Unterrichtsmihisters wird den großen jüdischen Rechtsschutzorganisationen wohl den Weg weisen, den sie zu gehen haben. Wflde Emigration aus Rußland. Die jüdischen Auswandererhilfsgesellschaften machen in den letzten Wochen die betrübliche Erfahrung, daß eine wilde Auswanderung von Juden aus Rußland, Platz gegriffen hat, welche höchstwahrscheinlich zu Massen" strandungeq von jüdischen/' Emigranten in den verschiedenen europäischen Hafenstädten führen wird. Die Situation zeigt, wie eine Aussendung der „Ica" berichtet, große Äehnlichkeit mit der Situation in Polen vor zehn Jahren. Um nur aus Rußland herauszukommen, flüchten zahlreiche jüdische Familien oder einzelne Juden ohne ausreichende Dokumente und ohne Vira über die Grenze und werden, wie die polnischen jüdischen Auswanderer, zum größten Teil Opfer gewissenloser Auswanderungsagenten. Viele werden nach Urugay, Mexiko und anderen exotischen Ländern gelockt, sehr oft am' Wege im Stich gelassen, und selbst jene, welche in die bezeichneten Länder gelangen, machen dort die Erfahrung, daß sie dem Hunger preisgegeben sind. Die „Ica(< warnt daher eindringlichst vor dieser wilden Emigration und erklärt, außerstande zu sein, für solche Gestrandete irgend etwas zu tun. Die Araber protestieren neuerlich gegen das jüdische Nationalheim. — Die zionistische Gruppe Dr. Bergmann und Dr. Ruppln und die Bolschewiken helfen ihnen. J e r u s a 1 e m, 2. November. (J. T. A.) Die arabische' Exekutive Palästinas hat aus Anlaß des 2. November, des 11. Jahrestages der Balfour-Deklaration, eine Proklamation veröffentlicht, in der die Araber daran erinnert werden, daß der 2. November für sie ein t r a u e r t a g ist. Doch wird die Forderung, die Läden geschlossen zu halten, wie dies im vorigen Jahre geschehen war, nicht wiederholt. — Die neuerliche Erklärung der Araber, den Aufbau des jüdischen Nationalheimes unter allen Umständen zu bekämpfen, erweist die Schädlichkeit der von der zionistischen Gruppe Dr. Ruppin-Dr. Bergmann mit Duldung seitens der zionistischen Organisa ion betriebenen Agitation für Errichtung eines palästinensischen Parlamentes mit einer siebzigprozenti gen arabischen Majorität. * Uebrigens haben die Araber und Dr. Bergmann und seine Gruppe willige Helfer in den palästinensischen Bolschewiken gefunden. DieJ. T. A. meldet weilen Jerusalem, 2. November. Aus An'aß des auf den. 2. November fallenden Jahrestages der Verkühl digung der Balfour-Deklaration veröffentlichen die jüdischen Kommunisten Palästinas eine Proklamation, in der die Bevölkerung aufgefordert wird, die britische M a c h t zu stürzen. In einer zwei" ten Proklamation bezeichnen die Kommunisten den j üdischen Anspruch auf die Klagemauer als 9t 44 inli. Riffiard Herzog WIEN liÄSna Telephon 73-4-90 Sprechapnarate jeder Art, sowie sämtliche Jüdischen und habrälschen Schallplatten in reichster Auswahl stets auf Lager PROVINZVBRSAND PROVINZVERSAND) einen Raubanspruch. Araber und Juden werden aufgefordert, sich gegen die imperialistische britische Herrschaft zusammenzuschließen und für eine demokratische Regierung in Palästina zu kämpfen. Es bedeutet wohl den Gipfelpunkt der Unverfrorenheit, wenn Moskau seine bezahlten Emissäre in Palästina für ein demokratisches Parlament demonstrieren läßt. Um dem Zionismus und England zu schaden, geht Moskau auch mit dem demokratischen Teufel. Beirut gegen Haifa. — Die französische Regieruns verlangt, daß die Mündung der Mosul-Petroleumröhren an einem libanesisch-syrischen Punkte angelegt werde. Jerusalem, 2. November. (J. T. A.) Der Präsident Oer Handel ka*nmer Beirus, OmarDaouk, erh'elf vom französischen Außenministerium die Mitteilung, daß die französische Regierung alle Anstrengungen macht, daß als Endpunkt der Röhrenlefoung für das' Mosul-Petroleum ein Punkt an der libanesisch-syrischen Küste gewählt werde. Im Zusammenhang mit dieser Mitteilung hat nun die Deputiertenkammer des Libanonstaa'es einmütig eine Resolution gefaßt, in der erklärt wird, daß die Anlegung der Mündung der Mosut-Röhrert in Palästina (Haifa-Hafen) bedeuten werde, daß die französischen Manda sterritorien von der Beteiligung; an der Ausbeutung der Oelkotizession ausgeschlossen bleiben; dies würde der Ruin des Hafens von Beirut sein. Die Handelskammer fordert die französische Regierung auf, darauf zu bestehen, daß die Mündung der Röhretileitung im Libanon angelegt werde. Zuckerfabrik in Palästina. Rotterdam (J. T. A.). Der bekannte Industrielle und Zionist J. Naiditsch führt gegenwärtig Verhandlungen mit holländischen Industriellen wegen der Begründung einer großen Zuckerfabrik in Palästina, die holländisches Zuckerrohr verarbeiten soll. Die Verhandlungen, schreiten gut vorwärts. Eine neue Sabbat-Verordnung des Stadtrates von Tel-Awiw. Jerusalem, 4. November. (J. T. A.) Der Stadtrai von Tel-Awiw hat eine Verordnung angenommen, wonach •die Beobachtung des Sabbat und der jüdischen Feiertage für die Juden verpflichtend sei, den nichtjüdischen Einwohnern aber frei bleibt. Die orthodoxen Stadtratmitglieder waren für eine rigorosere Verordnung, drangen aber gegen die Majorität der Linksparteien nicht durch. Musa Kasim Pascha organisiert die all-inoslemitische Konferenz. Jerusalem, 31. Oktober. (J. T. A.) In arabischen Kreisen herrscht große Bewegung im Zusammenhang mit der am 1. November beginnenden all-moslemitischen Konferenz, in der über die Frage der Klagemauer verhandelt werden soll. Die Konferenz wurde auf den Vortag des Jahrestages der Balfour- Deklaration gesetzt; demgemäß werden Kundgebungen im Zusammenhang mit der Balfour-Deklaration erwartet. An der Spitze des Organisationskomitees/ der Konferenz steht der Präsident der arabischen Exekutive Musa Kasim Pascha. Man erwartet das Eintreffen von Delegierten aus Syrien, Transjordanien, Irak und Aegypten. .**' Doppelfeler der JerusaÜemer Universität. Jerusalem. (J. T. A.) Am 31. Oktober beging1 die Jerusalemer Universität die doppelte Feier der Eröffnung des neuen Semesters und^ der Einweihung des W a 11 e n b e r g - H a u s e s, das unter anderem! das Einstein-Institut birgt. Der Kanzler der Universität, Dr. J. L. Magnes hielt die Festrede, in der er zunächst die neuen Dozenten Professor Roth, Dr. Dizendruck und Professor F e k e t e begrüßte und mitteilte, daß sich für das neue Semester 106 Studenten immatrikuliert haben und daß die Aufnahmen fortdauern. Während des Sommersemesters, teilte er weiter mit, haben fünf arabische; Studenten im chemischen Laboratorium gearbeitet. Das orientalische Institut sei in der Entwicklung und Ver,J größerung begriffen. Ein Dozent für die Wissenschaft des Moslem wird berufen. Auf den Namen des früheren Oberkommissärs Lord Plumer wird ein Stipendium für Studenten des arabischen Instituts errichtet. Es sprachen! noch Oberstaatsanwalt B e n t w i c h, Professor F e k e t e und M. M. Ussischkin, die die großen mathematischen! Leistungen der Juden hervorhoben und insbesondere auf Professor Einstein hinwiesen, der dem mathematischr physikalischen Institut der Universität den Namen gibt Ein Aufruf des Rabbiners Sonnenfeld. Aus Jerusalem wird uns berichtet: Rabbiner1 Chaim Sonnenfeld und das Beth Din der askenasischen Gemeinde von Jerusalem haben zur Zeit, alsvOberrabbineii Kuk zum Zeichen des Protestes gegen die antisemitischen Ueberfälle an der Klagemauer einen allgemeinen Fasttag proklamierte, in den Straßen Jerusalems eine Kundmachung affichieren lassen, in weicher sie erklären, daß sie mix\ M 4tf>y '/<

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