Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 60 (9.11.1928)
- Date
- 1928-11-09
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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« Nr. 60 DIE NEUE WELT Säte 5 BVKUSkAiCfil£2u ola chen yil PI liln Ewain Tscnechlen Preisen ETTFEDERN WIEN, II ROBERT SALT ER felep Oft R-47-7-61 Nur Qualttltswar«. Elg. E nkaofssietla <n BrOnn, Zamaenlek» 5 , T ADOAS1R AS SB 48 Auch Provlnsversand gm ••RMnmi Zosia Schorr Markus Doll-Steinberg Otynia Wien Verlobte Otynia, Oktober 1928 Die Konflikte in Palästina. Die Londoner Regierung deckt die antisemitischen Beamten. — Die Beschlüsse des jüdischen iNationalrates. — Die Gemeindeautonomie von Tcl-Awiw. Von Dr. Fritz Löwenstein, Jerusalem. Als wir am Schlüsse unserer Ausführungen in Nr. 58 der „Neuen Welt" es für unsere Pflicht hielten, der Befürchtung Ausdruck zu geben, daß die Forderungen des Jischuw auf Entfernung ant-i zionistischer Beamter aus Palästina und auf endgültige Lösung der Klagcmaucrangelegenheit nicht durchdringen würden, hatten wir es nicht für möglich gehalten, daß die Regierung nicht nur den Juden keine Satisfaktion geben, sondern sie noch weiter provozieren würde. War schon die Beförderung des schuldigen P o I i z e i o i f i z i c r s Du ff geradezu eine Ohrfeige, so steht man völlig fassungslos vor der Tatsache, daß mit Erlaubnis der Regierung die Araber auf der Klageiuauer bauen dürfen, daß sie neue Steinschichten auf die alten, historischen legati. Es hätte selbstverständlich sein sollen, daß eine solche Verschaudclung einer Stätte von ungewöhnlicher historischer Bedeutung von der Regierung nicht gestattet werden würde. Hat doch ein konservatives englisches Blatt wie der „Ofaservc r" erklärt, was die Araber jetzt an der Klagcmauer täten, sei ähnlich, als wenn man auf der Westminsterabtei .in London ein Kino errichten würde. Daß die Regierung die Baucrlaubnis aber jetzt inmitten der Erregung über die Klagemaiierangelegenlieit gewährte, daß sie damit offenbar demonstrativ das alleinige Recht der Araber ■auf dieses jüdische Heiligtum dokumentieren wollte, übertrifft auch die schlimmsten Erwartungen. Auch wei gewohnt ist, seine Worte vorsichtig zu wägen, wird hier schwer um das Wort „Provokation" herumkommen, wobei nur die Frage ist, ob man den Jischuw zu Gewalttätigkeiten provozieren will, um ihn ins Unrecht zu setzen, oder ob man bei den Arabern das Gefühl verstärken möchte, sie könnten sich heuer alles erlauben, um so arabische Uebergriffe zu provozieren und dann als Retter in deT Not zu erscheinen, bleibt sich ziemlich gleich. Ais Hohn muß es erscheinen, daß die Regierung am Yersöhiiungstag die nur für diesen einen Tag bestimmte Aufstellung der Scheidewand als Verletzung des Status quo erklärte, den Neubau der Araber hingegen als mit der Erhaltung des Status quo vereinbar anzusehen scheint. Das Urteil über das Verhalten der Regierung dürfte iür uns feststehen, auch wennwenigstens in einem Punkt die Regierung schließlich nachgegeben hat, indem sie auf ihre Förderung verzichtete, die bisher zur Beleuchtung' an der Klagemauer aufgehängten ,rL u x I a m p e n" herabzuuchmen. Die entschiedene Weigerung der Vertreter des Jischuw, dieser Forderung nachzukommen, scheint doch einen gewissen Eindruck gemacht zu haben. Was wir inzwischen aus London gehört haben, wo der Koloniaimitiister Amery den Ghefsekretär Luke ebenso gedeckt hat, wie dieser vorher Keith Roach, läßt die Angelegenheit in einem noch viel bedenklicheren Licht erscheinen. Seitdem die Engländer in Palästina sind, hat man auf die Beschwerden über antizionistisches Verhalten palästinensischer Beamter erwidert, daß ein derartiges Verhalten nicht im Sinne der Londoner Zentrale liege. Man hat es anfangs geglaubt, man glaaibte zu verstehen, daß die Regierung erst einen Stab höherer Beamter .heranbilden müsse, die den •Intentionen der Politik des jüdischen Nationalheims entsprechen-würden. Aber von Jahr zu Jahr mehren sich die Fälle grober Verstöße gegen Sinn und Geist der Balfour-Erklärung, ohne daß von London auch nur in einem einzigen Falle etwas dagegen unternommen worden sei. Merkwürdig, daß die wirklichen ehrlichen Freunde unserer Sache wie Clayton und Deeds das Land verlassen mußten, ebenso korrekte Verwaltungsbeamte wie PI um er, der freilich auch nicht mehr als eben korrekt . war; während die wirklichen Gegner des Zionismus unter der Beamtenschaft vielfach seit der Be- setzung bis zum heutigen Tage an ihren Posten verblieben oder sogar befördert worden sind. Dasgilt vom jetzigen Zivilsekretär und stellvertretenden High Commissioner Luke, von seinem Stellvertreter Mills, vom Gouverneur von Jerusalem Keith Ro'ach und — last not least — von Richmond, der, nachdem er als der eigentlich Schuldige an den Maipogrpmen galt, für kurze Zeit abberufen wurde und uns nunmehr als Leiter der archäologischen Abteilung der Regierung zurückgegeben wurde. Man betonte bei seiner Rückkehr,' daß. er einen völlig unpolitischen Posten erha'te. Man sieht, wie viel darauf zu geben war; denn in sein Ressort fällt die Sorge für die historischen Denkmäler des Landes, und ohne seine Erlaubnis war die Verschande* lung der Klagenjauer sicherlich unmöglich.. Inzwischen hat der WaadLeu m i (Natioiiairat) sich in zwei Sitzungen mit der Lage beschäftigt und hat Beschlüsse angenommen, in denen er die g c s a m t e S c h u! d mit Recht der Regierung auferlegt, während gegenüber den Arabern eine Aufklärungsarbeit geleistet werden soll, die ihnen die Bedeutung der Klagemauer für die Juden vor Augen iühren soll. Die Beschlüsse fordern weiterhin, daß die Regierung der gefährlichen Hetze ein Ende mache, die heute in den arabischen Zeitungen gegen die Juden geführt wird, die angeblich die Omar-Moschee erobern wollen. Die Beschlüsse waren das Ergebnis sehr langer Diskussionen, bei denen sich zwei politische Konzeptionen dokumentierten. Die eine, deren typischer Vertreter Jabotin s k y war, hält jede Verständigung mit den Arabern iür unmöglich und will den ganzen Schwerpunkt der Arbeit nach London verlege u. Diese „englische" Orientierung steht in Gegensatz zu einer anderen, die in den Beschlüssen des Waad Leumi sich durchgesetzt hat. Sic wurde vor allem von Ben Gurion vertreten. Er bestreitet entschieden, daß die Vorgänge an der Klagemauer einen jüdisch-arabischen Zusammenstoß bedeuteten, sieht die ganze Schuld bei den englischen Regicrungsbeaniten und hält es für möglich, über die Köpfe der an der Hetze persönlich interessierten arabischen Effcndis zum arabischen Volke zu sprechen und durch eine vernünftige Auf- Die Wahl einer Kamera erleichtert in selbstloser Weise der neue *tMqiUkMto* Kamera-Katalog Kostenfrei durch die Schering-Kahlbaum A. <ä. Rapr. in W en. 6. Bezirk, Web asse 2 a. Eine Reihe anderer Bestimmungen, die für Tel-Awiw charakteristisch, in anderen palästinensischen Städten dagegen unbekannt sind, wie Frauen Wahlrecht und Proportionalwahlrecht, sind unverändert geblieben. Es muß hinzugefügt werden, daß der Gouverneur einen Gesetzentwurf vor mehr als einem halben Jahre der Iriah zugesandt, von ihr aber keine Antwort erhalten hat- Die ganze Maßnahme bedeutet, wenn nicht eine völlige Aufhebung, so doch eine sehr wesentliche Einschränkung der Autonomie von Tel-Awiw. Das Verhalten Campbclls hat in der ohnedies erregten gegenwärtigen Atmosphäre neue Erregung geschaffen und heftige Proteste hervorgerufen. Wir schließen uns diesen Protesten durchaus an, die, im Zusammenhang mit der Klagcmaucrangclcgenheit betrachtet, als ein Teil der gegenwärtigen Offensive des britischen Beamtentums gegen den jüdischen Jischuw erscheint. Aber wir geben zu, daß es Tel- Awiw, der Regierung recht leicht gemacht hat, eine Handhabe zu finden. Es darf nicht geleugnet werden, daß die Verhandlungen der Iriah von Tel-Awiw seit Jahren vom größten Teil des Jischuw ohne Parteiunterschiede mit äußersten Unlustgcfühlen verfolgt werden. Während Tel-Awiw aufs Schwerste unter den Nachg«w»»«o»9»o»»g»»»»»g«»»e»»»»»6»»iBa««pe>^ PFE kaufen Sie im Gummiwarcnhau** „Alpha", nur Wien, I., Adlergasse 8 kläruug dort die Basis für" eine Verständigung zu finden. Ben Gurion grenzte sich übrigens bei diesen Darlegungen zugleich' entschieden vom Brith Haschalom (Gruppe Doktor Ritppin, Dr. Bergmann) ab, dessen Methoden er ablehne, weil sie unter Verzicht auf einen Teil d e s zionistischen Gedankens. Versöhnungspolitik treiben wollen, während Ben Gurion glaubt, daß nur der hundertprozentige Zionist, der den ganzen Zionismus, verwirklicht sehen will, Berechtigung und Aussicht hat, auf der Gegenseite Gehör zu finden. * Mag man nun der englischen oder der arabischen Orientierung zuneigen, so wird doch das eine außer allem \ Zweifel sein, daß nämlich die Juden an den Vorgängen an der Klagemauer absolut unschuldig sind. Es ist nicht ganz ebenso 'leicht, dies von den jüngsten Vorgängen In T c 1 - A w i w zu sagen. . .;; Der Gouverneur von Jaffa, Campbell, hat der Gemeinde Tel-Awiw ein Gesetz über die Wahlen zu den städtischen Körperschaften gegeben, durch das die Zahl der Mitglieder der Iriah (des Gemeinderates) von 41 auf 15 herabgesetzt wird, aktives und passives .; Wahlrecht von einem, nicht übermäßig hohen Zensus abhängig gemacht wird und die Aufsicht über die Wahl ' einer vom Gouverneur einzusetzenden Kommission tibertragen wird. ' :ti ■, Reich zu werden ist heutzutage leichter als früher. Das letzt© Geheimnis des Erfolges der Milliardäre, der sicherste Wegweiser zu Reichtum» Macht und Ansehen ist die Energie Dazu bedarf es stählerner Nerven "einer wider« standsfähigen und w derstandskräftigen Konstitution und einer kampffreudigen Ausdauer, Wer von Kindheit auf DIANA Franzbranntwein mit Menthol gebtaucht, stählt seine Nerven, macht die Konstitution w der»tandstähig. kraftvoll uni schafft eine kampffreudige Ausdauer Nehmen Sie nur Plana! Werllose Nachahmungen weisen Sie entschieden zurück Ueberau erhältlich! Wirkungen der Krise leidet, während die Stadt schwer verschuldet ist und ihre finanzielle Gebarung der Regierungskontrolle unterstellt wurde, machen die Verhandlungen der Iriah nicht den Eindruck, als wenn hier die Interessen der Stadt Tel-Awiw wahrgenommen werden, sondern den Eindruck eines Parlaments mit politischen Parteien, wo jede lokale Frage auch von geringster Bedeutung mit dem ganzen Aufgebot großer politischer Debatten erledigt und vielfach nicht erledigt wird. Die unglückselige Tatsache, daß es keine richtige Mehrheit in der Iriah gibt, sondern der Bürgerblock nur'um eine Stimme Stärker ist als die Arbeiterpartei, macht alle Abstimmungen zu Zufallsabstimmungen. Ein Ueberfall junger Revisionisten auf eine jüdisch sprechende Versammlung linker Poale Zion — eine skandalöse Angelegenheit, die hoffentlich vor' Gericht ihre Sühne' " finden wird '-— gab Anlaß zu einer bis 2 Uhr nachts währenden Sitzung der Iriah, die doch in Wahrheit nicht das Mindeste in der Sache zu tun hatte und die um dieser Angelegenheit willen brennende Fragen, wie zum Beispiel gerade die Stellungnahme zum Wahlgesetz des Gouverneurs oder die Beratung über die Maßnahmen zur schleunigen Eröffnung der Schulen von Tel-Awiw, zurückstellte. Die Verkleinerung der Mitgliederzahl des Gemeinderates, übrigens ine alte Forderung der Arbeiterpartei, ist deshalb an und für sich eine nur zu begrüßende Maßnahme, einfach weil 15 Menschen weniger reden werden als 41 und weil überdies ein paar Splitterparteien ausfallen > werden. Traurig, daß Tel-Awiw nicht die Energie gefunden hat, selbst im eigenen Hause Ordnung zu machen und daß es des Einschreitens des Gouverneurs bedurfte. Ein Protest der Frankfurter Zionisten. Das Parteiorgan der deutschen Zionisten „Jüdische Rundschau" vertritt seit jeher den Standpunkt jener Gruppen im Zionismus, welche den Abbau des Judenstaatsgedanfcens wünschen und au»Stelle des souveränen jüdischnationalen Gemeinwesens einen binationalen Staat erstreben. Konsequenterweise tritt die „Rundschau" jetzt für die Gruppe Dr. Ruppin-Dr. Bergmann (Palästina) ein, welche die Errichtung eines palästinensischen Parlamentes unit arabischer Majorität fordert. Diese Haltung der „Jüdischen Rundschau" hat innerhalb der zionistischen Kreise Deutschlands Widerstand hervorgerufen. Die Frankfurter zionistische Leitung übermittelt uns nachstehenden Beschluß: „Der Vorstand der Frankfurter Zionistischen Vereinigung ist der Ansicht, daß die Haltung der „Jüdischen Rundschau" in der Frage der Errichtung eines palästinensischen Parlamentes mit den augeu« blicklichen Interessen der zionistischen Politik nicht vereinbar ist,"