Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 59 (2.11.1928)
- Date
- 1928-11-02
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 DIE NEUE WELT Nr. 59 Kenworthys Anfrage. Das Mitglied des Unterhauses, Oberstleutnant Kenworthy gibt bekannt, daß er bei Eröffnung des Unterhauses den Staatssekretär für die Kolonien über die Vorfälle an der Klagemauer interpellieren wird. Die Anfrage Kenworthys wird so lauten: Ist der Regierung bekannt, daß die Moslemiten an der Klagemauer Baukonstruktionen durchführen, und wenn ja, wie kommt es, daß die Pa 1 ä s ti n a - R egi e r u n g diese Arbeiten gestattet hat, wo sie doch kurz Vorher eine von den Juden vor der Klagemauer errichtete leichte Seitenwand gewaltsam entfernen ließ? Wenn die Regierung den Status quo wahren will, wie kommt es dann daß sie den Neubau über der alten Mauer nicht verbietet? Die Moslems an den König von England. Der Oberste Rat der Moslems hat ein Telegramm an Körnig Georg von England gesandt, in welchem er im Namen von Millionen Moslems fai der ganzen Weit gebeten wird, dafür zu sorgen, daß. mit Bezug auf die Klagemauer Gerechtigkeit geübt werde. In dem Telegramm wird daran erinnert, daß die Modems vor 13 Jahrhunderten auch den Ghristen Gerechtigkeit \ widerfahren ließen und daß der Kalif Omar eigens nach Jerusalem kam, um die heiligen Stätten des Christentums zu sichern. Es wird geklagt, daß die Juden in die Besitzverhältnisse der Omar-Moschee eingreifen. Die Moslems, heißt eis zum Schluß, fürchten, daß die Regierung des Status quo in einer Weise interpretieren werde, daß die verbrieften Rechte der Mosiems verletzt werden. Protest des Anglo Palestine Club. Der Anglo Palestine Glaub, dessen Protektor Lord Balfour und dessen Präsident Herr James de Rothschild ist, hat dem Kolonialamt einen nachdrücklichen Protest gegen die Entweihung des jüdischen Geibetes vor der Klagemauer unid gegen die Verschandelumg dieser historisch-religiösen Stätte durch Verbauungen übermittelt. Die Regierung wird aufgefordert, im Uefoereinstimmung mit dem Geiste des Palästina-Mandates das in der ganzen Welt verehrte jüdische Denikmal vor böswilliger Entweihung zu schützen. * Die Resolutionen der österreichischen Zionisten. Wie gemeldet, wurden von der hiesigen Zionistischen Landesorganisation der englischen Regierumg und dem Völkerbund in Genf die Resolutionen der am 15. Oktober stattigetfundenen Protestversammilung in Angelegenheit der letzten Vorfälle bei der Klagemauer übermittelt. Dem Präsidenten der Zionistischen Landesongauisation für Oesterreich, Herrn Dr. Leo G o I d h a m m e r, kam vom Chef der Mandatsabteilumg beim Völkerbund die Mitteilung zu, daß die Resolutionen entsprechend der bestehenden Uebung dem Vorsitzenden der ständigen Mandatskommission übermittelt werden. mit dem Zentralkomitee in Wa r sc h a n, 2. die zionistische Organisation des Wilnaer Kreises mit der Leitung in W i 1 n a, 3. die zionistische Organisation des w e s t* liehen Klein polen und Schlesiens mit einer Verwaltung in K r a k a u, 4. die zionistische Organisation des östlichen K1 e i n p o 1 e n mit einer Exekutive in Lemberg. Es fehlte nicht an Versuchen, diese vier Organisationen zu einer einzigen zusammenzufassen; die Hindernisse waren verschiedener Art. Hauptsächlich waren es die Fragen der Einstellung zur Erweiterung der Jewish Agency und zur Taktik in der inneren Politik. Zahlenmäßig bilden die Zionisten Gaiiziens ungefähr ein Drittel der Gesamtorganisation Polens. Der Widerstand, der aus Ostgalizien kam, hatte seine hauptsächliche Ursache in der Unlust, sich bei Parlamentswahlen und in der parlamentarischen Taktik einer Leitung in Warschau zu unterordnen. Als es endlich zu einer Tagung aller Zionisten Polens kam, die einen zionistischen Oberrat für Polen einsetzte, traten zuerst die Vertreter Ostgaliziens und sodann die Westgalizens aus dem Oberrat aus. Dies stand im Zusammenhange mit dem Abschluß des bekannten Paktes, der Ugoda, zwischen dem jüdisch-parlamentarischen Klub unter Führung des Abgeordneton Dr. Leo Reich und der Regierung G r a b s k i- Skrzynski und dem in der Folge verursachten Rücktritt des Abgeordneten Dr. Reich vom Präsidium des Klubs. Bei den letzten Parlamentswahlen gab es daher keine gemeinsame Leitung der Zionisten Polens. Die Zionisten Kongreßpolens, der Randgebiete und Wilnas standen im Minoritätenblook, die Zionisten Gaiiziens stellten eine eigene regierungsfreundliche Liste auf. Nach den Wahlen fand eine Konferenz der vier Territorialleitungen in Lodz statt, bei der ein neuer Oberrat aus Delegierten dieser vier Körperschaften zusammengesetzt wurde. Auch dieser O Iber rat besitzt keine wie rmme-r geartete Vollzuigsgewalt innerhalb der Zionisten Polens, er ist eher ein Verständigungskomitee der vier besonderen Leitungen. Auch im jüdischen ParlamentsMuib sind die Verhältnisse alles eher deren als konsolidiert. Nach vierwöchigen Brief aus Polen. y &ri unserem Warschauer N. R.-Berlebterstatten Die Vereinheitlichung der Zionistischen Organisation. . Nach zehnjährigem Bestand der Republik Polen •haben es die Zionisten noch zu keiner einheitlichen Organisation gebracht Im Staate bestehen vier voneinander unabhängige Organisationen: , 1. die zionistische Organisation Kongr.eßpo 1 ens und der Rändgebiete Verhandlungen wurde Abgeordneter Grünbaum zum Präsidenten des Klubs gewählt,; lyDie, Abgeordneten aus Ostgalizien anerkennen faktisch diese Führung nicht und fühlen sich durch die Beschlüsse des Klubs im wesentlichen nur dann gebunden, wenn sie ihnen genehm sind. Solche organisatorische Verhältnisse müssen sich sehr ungünstig •auf die Gestaltung des Zionismus in Polen auswirken. Die größte Einheit des Judentums in Europa, ein national und kulturell starkes Ostjudentum, dessen Wurzeln tief in gesundem Volkstum verankert sind, könnte auf allen Gebieten des nationalen Lebens bei schlagfertiger Organisation und bei einheitlicher Führung gut vorwärtskommen, Statt dessen'- eine fortwährende Schwächung, unaufhörliche Reibungen und Differenzen. AUS PALÄSTINA. Die Sanierung des „American Commonwealth". \ Die zionistische Organisation Amerikas hat mit Zustimmung der Zionistischen WeltexeCkutirve Pfandbriefe in Höhe von 500.000 Dollar zur Rettung der American Z»on Commonwealtih ausgegeben. In der gleichen Sitzung wurde eine Protestresolution wegen der Vorfälle an der Kilagamauer in Jerusalem und wegen des yersuchs der Araber, die Klagemtauer zu vertuen, gefaßt.; Die Geschäiftsiführung der American Zion Commonwealth wird seit langem in der amerikanischen Zionistischen Organisation scharf angegriffen. Die Gründung war mit viel Unbedachtsamkeit vorgenommen worden. Wie der Oppositionsführer Berenson mitteilt, belaufen sich die Passiven auf 1,700.000 Dollar, denen Aktiven von nur 400.000 Dollar gegenüberstehen, hierin ist freilich der Bodenbesitz der Gesellschaft im Palästina nicht eingerechnet. Die Sabbatruhe. Die Palästina-Regierung hat ihren Beschluß kundgegeben, die vom Stadtrat von; Tel-Awiw erlassene Ver- Zion.-akad. Verbindungen u. Vereine Montag den 5. November 1. J. um 8 Uhr abends findet'im Heime der „Lese-und Redehalle", IX., Türkenstraße 9, eine Balfour-Feier statt Redner: Oberbaurai Robert Stricker ♦»»♦♦♦»»♦♦♦♦♦♦♦»»♦»<»»♦♦♦>♦*»»♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦•»♦»»»»♦»♦\ Ordnung über strenge Arbeitsruhe an den Saibbattagen nicht zu genehmigen. Zur Begründung gibt die Regierung an, daß die Einführung des Gesetzes Komplikationen zur Folge halben und in der öffentlichen Verwaltung Schwierigkeiten hervorrufen würde. Die Diskussion über die Zwangssaibibatruhe in Palästina hat begonnen, als der Stadtrat von Tel-Awiw dem jüdischen Händler Alt schul er, der am Sabbat seinen Laden offen hielt, eine Geldstrafe zudiktierte. Das Jaföaer Distriiktsgericht hat dann diese Strafe annulliert, woraufhin der Stadtrat von Tel-Awiw an das Oberste Gericht in Jerusalem appellierte, welches den Bescheid des Jaffaer Gerichts bestätigt hat. Der erste jüdische Offizier im Grenzkorps. Aus Jerusalem meldet die J.T.A.: Sergeant Kaspi von der palästinensisch - transjordanischen Grenzschutzmacht hat den Offiziersrang erhalten. Er ist der erste jüdische Offizier dieser Truppe. Als das Korps 1926 begründet wurde, wurden aus der damals aufgelösten palästinensischen Gendarmerie nur 70 Juden mit übernommen, von denen ein einziger Offiziersrang hatte. Die Zurücksetzung, des jüdischen Elementes in dieser Truppe hat bekanntlich zu erregten Protesten der palästinischen Judenheit und des Waad Leumi Anlaß gegeben. Polen kauft die palästinensische Tabakernte auf. Die. polnische Regierung hat dem Syndikat der jüdischen Taibakizüchter in Galiläaein Angelbot gemacht, die gesamten Tafoakvorräte zu sechs Zloty per Kilo zu kaufen. Gleichzeitig hat sie mitgeteilt, sie beabsichtige, die gesamte zukünftige Produktion des Syndikates zu «rweiten. Der polnische Handelsattache Bamsner erhielt von der polnischen Regierung die Mitteilung, daß sie. beschlossen habe, den Import von Wein, Orangen, Bananen und Mandeln aus Palästina freizugeben. J >t «4 Hill. Ridiard Herzog WIEN iTgRStäSanm Telephon 73-4-90 Sprechapnarate jeder Art, sowie sämtliche jüdischen und hebräischen Schallplatten in reichster Auswahl stets auf Lager PROVINZVERSAND PROVINZVERSAND! Alle vier territorialen Leitungen sind für die von Prof. W ei z mann vorgeschlagene Erweiterung der Jewish Agency. Die bedeutendste Persönlichkeit im polnischen Zionismus, Abgeordneter G r ü n b a u m, führt die dieser Konzeption gegnerischen radikalen Zionisten, welche sich in Polen a 1 Harnisch mar (auf der Wacht) nennen. Die Zionisten dieser Einstellung bildeten bisher knapp die Hälfte auf den zionistischen Tagungen Kongreöpolens und der Randgebiete und gewinnen immer mehr an Boden in Galizien. Auch dieser Umstand ist für die Bestrebungen einer Vereinheitlichung der Organisation keine Erleichterung. Scheint es den galizischen Zionisten, insbesondere Dr. Reich, daß sie mit der Politik der Weizmann-freundlichen Richtung in Kongreßpolen, die sich dort et 1 i w n o t (Zeit zu bauen) nennt und unter Leitung von L e w i te steht, die Oberhand über die Grünbaum- Anbänger erlangen können, sind sie für eine Unifizierung; befürchten sie, daß die radikalen Zionisten die 'Mehrheft bekommen hönnten, ziehen sie sich zurück. * Am 21. Oktober hat in Lemberg eine Safte«»« des in Lodz vot einigen Monaten geschaffenen O b e rra'tes stattgefunden, an der Lewite, Dr,. Hindes, Appenszlak, Heft man und A, Z e i*t H n aius Warschau, Abg. Wygodzki aus Wilna, Abg. RosenbiHattt aus Lodz, Du. FeUdbl^m und Doktor Schwarzbart aus Krakau, Abg. Dr. Reich, Senator Dr. Sahr eiible,r, Abg. Dr. Rosmarin, Abg. Dr. Leser und Abg. Eisenstein sowie Dr. Schmor a k und Dr. Leder aus Lemberg teilnahmen. Charakteristisch war die Abwesenheit der Abgeordneten Grün bäum, Hartglas und Dr. Thon. Nach außen hin proklamierte diese Tagung feierlich die U n ifizierun.g der zionistischen Organisationen Polens, Es,wurde beschlossen, im ersten Quartal 1929 eine gesamtpolnische zionistische Konferenz einzuberufen, die den Oberrat als oberste Leitung der Zionisten Polens wählen soll. Ein Wahlstatut für diese Konferenz und ein Entwurf des Statutes der zukünftigen Gesamtorganisation und der Befugnisse der obersten Leitung wurde nicht zustande gebracht. Es ist zu/ befürchten, daß es bei den weiteren Verhandlungen iüber diese Fragen versucht werden wird — es fehlte nicht an solchen Andeutungein —, die Minderheit Gaiiziens vor der Mehrheit der Zionisten des übrigen Polen irgendwie zu sichern. Ein klarer Wille ohne jeden Vorbehalt, eine einheitliche Organisation zu schaffen und den Provinzparfikularismus endlich aufzugeben, war leider nicht deutlich feststellbar. Inzwischen sind die Verhältnisse im jüdischem'Parlamentsikilulb so traurig wie immer, inzwischen verarmt das Judentum tätlich fneihr, inzwischen werden Juden aus dem Rest ihrer wirtschaftlichen Positionen täglich weiter verdrängt. Die Leitungen der Zionisten Polens sprechen von einer Unifizierung des Zionismus, um ihn für neue Taten fähig zu machen. Je mehr sie jedoch vom der Vereinheitlichung sprechen, desto weiter ist es von einer tatsächlichen organischen, ideologischen Einheit des polnischen Zionismus. * Die jüdische Gemeinde in Lemberg. Am 28. Oktober hat der vor einiger Zeit gewählte Kultusrat der jüdischen Gemeinde in Lemberg die Verwaltung gewählt. Bs wurden vier Wahllisten eingebracht: Die Liste Nr. 1 (wirtschaftlicher Block, Prof. AHerhand- Jäger), Liste Nt. 2 (parteilose Orthodoxe) und Liste Nr. 3 (Aguda) waren für die Wahl deT Verwaltung gekoppelt. Die Liste Nr. 4 wurde von den Zionisten (jüdisch-nationaler 1 Verband radikaler Zionisten 1 J Mittwoch, den 7. November 1928 um halb 9 Uhr j as abends findet im Klublokale Cafe Atlashof, Wien, I., 3 3 Aspemplatz, eine S statt s S ü M Gegenstand: ü EE5 » 1 Das soziale Problem in der jj | jüdischen Politik g H Referent; || f| Hans Kandl | —| sg^ H Freie Aussprache s IlllUlJIIIIII«