Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 59 (2.11.1928)
- Date
- 1928-11-02
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 59 Ä DIE NEUE WELT Seite 5 Koh!e*Hüttenkoks OBERS-HLESI8CM. ÄNTH R ACIT msrPHXLiscH Qualitätssorten - Billigst BÄSCH, IV. t*i.«i. U-46-403 Argentini«rstr. 32 Teiepn. 11.41.237 Rabattsektfon das KEREN-KAJEMETH Die Bilanz der ungarischen Pogromwelle.; {Von unserem Budapester Korrespondenten.) . Wenn nichts dazwischen kommt, werden die Vorlesungen an den Budapester Hochschulen und nachher wohl auch an den Provin/uiiiversitäfcn wieder aufgenommen werden. Es hängt bloß davon ab, ob die Rektoren und Professoren die Garantie für den ruhigen Verlauf des Semesters und auch dafür übernehmen werden, daß die jüdischen Hörer trehl durch Ohrfeigen und Einhalten der . Köpfe darüber belehrt werden, daß sie nicht lernen dürfen. Diese Garantie müssen, wie gesagt, die Professoren leisten, denn die Regierung hat sich ohnmächtig gezeigt, eine solche Sichcrstellung an die jüdischen Hörer zu geben. In den verschiedenen politischen Kreisen spricht man weniger davon, wie es in Zukunft an der Universität aussehen soll, als darüber, aus welchen Motiven dieser revoiutioftsmäßige- Ucberfall aus der Aula der Hochschule auf: die Straßen von Budapest und den anderen Universitätsstädten, plötzlich erfolgt ist. Man weiß nicht recht, ob es als eine Antwort auf den Entschluß Gömbös' in. die Regierung einzutreten, und damit, gewissermaßen die . Bürgschaft dafür,.daß. sein rassenschützlerischer Anhang im Zaume gehalten wird, zu übernehmen, gewertet werden soll, oder war es eine Antwort an den Unterrichts- ■minister, der. sich soweit verstiegen hatte, 14 jüdische Hörer, und Hörerinnen, die mit Auszeichnung maturiert hatfen, deu Hochschulen aufzuoktroyieren. .• .. Eür die Juden.sind allerdings alle diese Reflexionen, wertlos. Sie .ha'.:eu nunmehr die: .Bilanz aus der noch nicht ganz überwundenen Krise, 1 in welcher sie s;5ck in den letzten Tagen befanden, zu .; ziehen, und* diese ist' wahrhaft traurig genug. Die Juden haben eine" 's'ehAvere 'Niederlage erlitten. Die Lernfreiheit der' Juden wurde durch diesen Kampf nicht nur nicht gestärkt, sondern'" eher noch geschwächt. Die Regierung ist .jetzt in der Lage, für lange Zeit hinaus, darauf hinzuweisen, dal! jeder Versuch, den Numerus clausus zugunsten der Juden zu inlerprelieren, das Land, an den Rand der Revolution bringe. In der Bevölkerung wird jetzt mit verdoppeltem Eifer antijüdischc Pjopagauda gemacht indem darauf ve/wiejen wird,- daß gerade .jetzt, da die Regierung die wirtschaftlichen Probleme erörtern wolle, die Juden mit ihrer, e i g c u.e n S a. c ji e h e r v o r g e treten seien und da * L ah d. w i-e d e r' i n Unruhe versetzt hätten. Als. eine schwere, durchaus jüdische Niederlage muß' der unglaubliche Fah des Abgeordneten Bela Fabian . gewertet' werden. Fabian ist ein jüdischer Advokat. Ein sehr'-temperamentvoller Debatter, ein verhältnnmäß'g noch junger Draufgänger. Nach dem Tode Wilhelm Vaszouyis entstand in den Reihen der wenigen demokratischen Abgeordneten ein mitunter unlauterer .Wettkampf um die Führerschaft dieser Gruppe, die trotz ihrer Ziffer,-: mäßigen Kleinheit' immerhin durch ihre oppositionelle1 Tätigkeit, und' Urierschröckenheit im parlamentarischen Leben Ungarns eine bedeutende Rolle gespielt hat. Fabian war in den letzten Monaten wohl der Lauteste unten den. Oppositionellen, und es war kein Geheimnis, daß der eigentliche. Führer der Demokraten Karl Rassay undsein Anhang es nicht gerne sehen, daß der sog.enannte jüdische Flügel in dein demokratischen! Klub: Fabian, Eugen Gal u. a., auf eigene Faust politische Extratouren unternehmen, die dem Klub wiederholt Schwierigkeiten bereiteten. Die jüdische^ Mitglieder de? demokratischen Klubs waren der Meinung, daß sie die Pflicht hätten, die Regierung, unter welcher das Judentum in; Ungarn so schwer verfolgt und rechtlich mißhandelt wurde,, mit allen Mitteln zu Falle zu bringen, und daß hierbei die jüdischen Fragen nicht ausgeschaltet werden dürfen. Demgegenüber war gewissermaßen der christliche Flügel im demokratischen Klub, dem sich auch der jüdische Abgeordnete Paul Sandor angeschlossen hat, der Meinung, daß die Regierung durch Aufrollung jüdischer Angelegenheiten niclu gestürzt, sondern eher g ekräftigt werden müßte. Als Fabian gegen den Staats,- sekretär des Innern S z t r a n y a v s k i die schwere Anklage erhob, daß er die Schuldigen an dein Csongrader Bomben* attentai (im Dezember 1923) gegen eine jüdische Veranstaltung, obgleich sie ihm schon seit zwei Jahren durch ein Memorandum bekannt gewesen seien, ohne Untersuchung frei herumlaufen lasse, wurde Fabian im eigenen Partei' organ fallen gelassen. Es wurde ihm zur Last gelegt» daß er. entgegen der von der demokratischen Partei festgelegten Taktik, der Regierung durch Aufrollung „unpopulärer" Angelegenheiten direkt Hilfe geleistet habe- So mußte der kleine Draufgänger beigeben. Als Rechtsanwalt hätte er übrigens wissen müssen, daß man sich nicht immer begnügen dürfe, wahre Anklagen zu erheben, sondern sich auch vergewissern muß, ob die Anklage bis zum letzten I-Tüpfelchen bestehen kann, und die Gewährsmänner, die das Material für die Klage hinterbrachten, nicht im entscheidenden Augenblick umfallen würden, fabian ist auf der Strecke geblieben und mußte Abbitte leisten, obwohl der Innenminister seine Anklage bestätigt hatte. Das Katastrophale an der Sache ist, daß Fabian nicht als demokratischer Politiker, sondern als sogenannter jüdischer Politiker gefallen ist, zu einer Zeit, in welcher der große Kampf um den Numerus clausus geführt werden sollte. Daß hiebei auch persönliche Eitelkeit im eigenen politischen Lager mitgespielt, hat, daß man den kleinen Fabian nicht hat aufkommen lassen wollen, daß er weder Herrn Karl Rassay, der vor Jahren von der äußerstrechten Reaktion, zu diesem linken Flügel der ungarischen Politik herübergeschwenkt ist, noch dem cxtremassimilatorischen Juden Paul S a n d o r, der sich als jüdischer Aristokrat dünkt, behagte, das macht diese unerquickliche Affäre nur noch unappetitlicher. Es bleibt nur die traurige Tatsache, daß die Bettden-Regierung jetzt stärker als je die jüdischen Fordertingen vernachlässigen kann. Zu dieser Bilanz gehört auch die Feststellung, daß die Regierung sich schon stark genug fühlt, den Hauptanführcr der ganzen Pogromaktion, Bela K 0 11 a r i ts, de« /die Polizei verhaftet hatte, auf freien Fuß zu setzen. Das ist derselbe Kollarits, der in den letzten Jahren alle Studentenkrawalle vorbereitet und führt, der bei allen Uebcrfällen dabei war und bei frischer Tat ertappt wurde, es ist derselbe, der die nächtlichen Ucberfallstrupps gegen jüdische Passanten kommandiert. Er wurde freigesprochen. Hingegen wurden in Budapest und in der Provinz einige Dutzend Juden, die sich nicht wider- ■MMWIIII—a—MC Zu «loschen Preisen! w.e in Tschechien | Nur Qualitätsware. Elg. Einkaufs- 1 stollo Brünn, Zamoenlckä 5 ■ ROBERT SALYER, WIEN, II. TABOBST^ASSE 48 1 Tolep:-.on R-47-7-61 Auch Provinzversand I spruchslos von den grünen. „Lausbuben;die Köpfe einschlagen lassen wollten, zu schweren Geldbußen oder Freiheitsstrafen verurteilt. - Eüne; Mahnung Gral Klebelsbergs an die Rassen-., schijtzöroijssoreri. Aus Budapest, 28. Oktober, meldet die J. T. A.: Kiiul'Usinittistcr Graf Kl cb e Isb e>r g hat die vier rassensclu'itzlerischen Professoren, Karl B a l a s, Anton H e kl e r, Ludwig . M cfli e-l y und Tibor .Ver eb e«ly, zu sich geladen und sie .ersticht, auf die rassenschützlerischc Studentenschaft beschwichtigend einzuwirken. Die Professoren erklärten, die Studenten hätten auf keinerlei .Unterstützung von ihrer Seite zu rechnen, sie wollen im Gegenteil alles auibioten, tun die Gemüter restlos zu.be-- s.ehwicih'tigen. Minister Szitovszky über die Csongrader Affäre, * Minister des Innern Dr. Bela v. Szitovszky veröSfe'ntlicht in? „Pester Lloyd" einen längeren Artikel!, in welchem er uachzu weisen versucht, daß die Untersuchung •in der Sache der Csongrader Judenmörder ihren ordentlichen Gang gehe und die Regierung in dieser Beziehung ein gutes Gewissen feabe. Er gibt dem Wunsche Ausdruck, daß man dein guten Rur des Landes im Auslände nicht dureb » n b c g r ii n d e t c V e r d ä c h t i gu n g Abbruch itiiii möge, denn ein solcher ■ Fall kann dem Vaterlaindc mehr als sogar das bedauerliche Bombenattentat schaden. Weil er den Boden erst seit 48 Jahren besitzt. Das ungarische Bodenreguiierungsgericht setzt, wie unsr ans Budapest berichtet wird, seine Aktion zur Verldräugung der Juden vom ungarischen Bodenbesitz -mit äußerster Rücksichtslosigkeit fort. Ein Urteil, das dieses* Gericht erst vor kurzem gegen einen Juden gefällt hat, erregt selbst in diesem an antisemitischen Willkürlichkeiten durch sein Renommee, seine riesige Wirkung mit Menthol sämtliche ausländischen Erzeugnisse und Hausmittel. An Nervosität und Kopfschmerzen Leidende wenden nur eine Massage an, um sich zu ethischen und ihre ermüdende Tagesaibeit fortsetzen zu können Nehmen Sie nur Diana! Wortlose Nschahmiingen weisen Sie surtick I Ueberau erhaltlich! ^dt^it, V&i&tdbt&pt. Uftes»* den gummilosen Krampfader-Strumpf? 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Begründet wird dieses Gewalturteil damit, daß der Vater Mandels diesen Bode« nicht, wie das Gesetz lautet, vor 50 Jahren, sondern bloß vor 48 Jahren im Jahre 1880 erworben hat, daß fernen die Vorfahren Siegmund Mandels durch mehrere Generationen Volksschullehrcr waren und sich daher nicht ausschließlich mit Landwirtschaft befaßten. Da der Sachverständige den Wert des Grundstückes nach Ansicht des Gerichtshofes zu hoch eingeschätzt hat, wurde beschlossen, zur Drückung des Preises einen eigenen Schätz-. meister r ichtcr zu entsenden. Man kann sich denken, mit welchem Pappenstiel der Jude aus seinem 48jährigeivi Besitz hinausgeworfen werden soll. Die Klagt emauer. Der Fast- und Trauertag. Wiie .(berichtet, wurde der auif den 22. Oiktober vom Qberrabbiner Kuk aus Anlaß der Ereignisse an der westlichen Tempclitnaiuer proklamierte Fasttag vom der Judenheit Palästinas eingehalten. Viele Tausende Juden, auch Frauen und Kinder, fasteten. In den Synagogen und an der Kiag ein au er wurden Trauerpsafone gelesen., In seiner Proklamation appellierte Oberrabbhier Ku>k an die Juden in der ganizen Welt, sowie an alle zäväi-!', sierten Nationen, laut ihre Stimme gegen die an der Klageqraiier vorgekommenen Frcvelfcaten zu erhöben. ' Er forr derte Großbritannien und den Völlfkenbuwd auf, das an den Juden geübte schwere Unrecht wieder giitizuinaclien. Ein Appell an die Araber. Der J ii d i s c h c N a t i o n a 1 r a t Palästinas hat be-. schlössen, eine. Proklamation an die Araber zut veröffent-<i iiichen umd darin sowie in mündlich eil Verhand-. j lu ngern mit. arabischen Vertretern zu erklären., daß,j wenn auch die westliche Teimpelmauer als jüdischer1 Besitz betrachtet wird, dies keineswegs eine Vei>- tetoung einer tnoskinitisöhen heiligen Stätte bedeutet. Der Waad Leiumi beschloß ferner, an .die Re-, gieriing Palästinas die Aufforderung,»zu richten, gegen\ die antii'üidische VerhetzungstätSgikeit gewisser; Kreise winksame Mittel zu ergreifen, da die Regierung für?' alle Konsequenzen jetzt lind in Zuikunift verantwortlich ge-; unacht werden muß. Der Waad Lou-mi bescliäoß, die Frage der Bntsen-.i düng einer Abordnung nach den auswärtigen Ländern erst1' nach der Tagung der Maudatekoinumission, in der die Frageder westlichen Teimpelmauer zur Verhandlung steht, mJ behandeln. Ein Minarett auf der Klagemauer? ki Jerusalem verlautet, daß das ldeine Gebäude, welches die, Mostlemlten in den letzten Tagen osai der K'lagennauer errichtet haben, als Basis iür ©in kleines Minarett dienen soll. Ferner heißt es, die Moslemiten beabsichtigen, den Zugang zur Ktlagetnauer durch ein Eisengitter und Tor zu versperren und den Juden nur zu gewissen Stunden den Zutritt zur Mauer zwecks Andacht zu gestatten. Konferenz des Obersten moslemltischen Rates. Der Oberste Rat der Moslemiten hat eine Konferenz von Delegierten ganz Palästinas einberuifen,, in welcher das Problem der Klagemauerbehandelt wenden soll. Man sieht dem Ausgang dieser Konferemz mit großem Interesse entgegen und ist insbesondere' gespannt daraatf,' wie die Kreise des moslemitlschen Rates auf den Apipeüde« Waad Leitmi reagieren werden.