Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 59 (2.11.1928)
- Date
- 1928-11-02
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 59 OTEL CONTINENTAL WIEN, Iii., PRÄTERSt KASSE 7 {neben Schwedenbrücke 200 Zimmer, modernst eingerichtet Erstklassige Küche Mäßige Preise Jude s o sprechen soll." ür. Hugo Ber«maiin ruft den Zionismus tax einer „Din Thora". Aber die Sprache dieser Herren x&t erklärlich. Da sie die Hofffiiung au!f eine j üdi s c h e M a |o f it ä t abgegeben haben, dürfen sie so sprechen. 'Wer innerlich auf ein j ü d i s c h es P a 1 ä s t i n a 'Verzichtet ha/t, für den ist garkein- Grund' vorhanden, gegbn das arabische parlamentarisohe- Rogiinnc chiizu treten. Wozrfi warten? Ein seistiges Zentrum ist Palästwra im" gewissen Sinne schon heute uiifd dagegen haben ja die Araber nichts einzuwenden. Verzichtet man auf eine jüdische Majorität, dann kann man mit den Arabern sofort Frieden schließen und gemei-nsani; mit ihnen Hoc h d a; s Parlamc n 1! rufen. Anders gestaltet sich die Frage 'für diejenigen, welche eine jüdische Mehrheit in Palästina als eine unerläßliche Vorbedingung für die Erfüllung des Zionismus ansehen. .Für sie ist ein von der heutigen Bevölkerung Palästinas güb'iidetes, 'also zu 70 Prozent arabisches Parlament eine unübersehbare Gefahr, welche mit allen Mitteln abgewendet werden muß. Es ist ganz gleichgültig,' ofodfc Ftmkitronen des Parlaments ■%cs>chrä'ti'k't sind oder nicht. Gerade aus tiefster demokratischer Uebcrzeuigung heraus muß man ein Parlament ablehnen, welches mit vollständiger Machtvollkommenheit ausgestattet ist. Machrvollkpntmenheit ei/ncs arabischen Parlaments bedeutet aber Annullierung des Mandates und ist der Grabstein des Zionismus. Ein Parlament ohne Macht ist ein Betrug, an welchem vir Juden Jcein Teil haben wollen. Die Geschichte des Parlamentarismus, ist voll solcher Beispiele. In den Achtzigerjahren des vorigen Jahrhunderts wollte, Rußland das parlamentarische System .einf ühren,, allerdings mit der Einschränkuing, daß; die .Abgeordneten nur ein Thema behandeln dürfen, nämlich. „Wie fedkärnpft. mau die Trunksucht m Rußland': Wallen• wir auch ein solches „Anriaj'koh:>lparknment" in Palästiiina schaffen? Nein. •Es erfüllt einen Zionisten mit 'besonderer Freude, "Werth et hört, daß gerade'in diesem schworen Augenblick •ein Mann, wie unser Freund W e-d g w o od, der englische Arbeiterführer, die gartze- Situation 'richtig einschätzt, und mit tiefer Depression, wenn er hört, daß es führende Zionisten gi'bt, die so antiztonistisch handln. Der Kampf muß jedoch äusigeiföchteh AVerdeh. Die Organisation ist vor die EntscheMwn.g gestellt. Vor a-Hern aber muß die Exeku-, tive das Wort nehmen. Sie ikann und danf nicht in diesem Kample ratlos und" tatenlos' dastehen. Denn den gegenwärtigen- Zustand dulden, heißt' schwerste Vefantwonitin« auf sich, laden. Amtlicher Antisemitismus in Jugoslawien. Unter der Judenheit Jugoslawiens : herrscht große Empörung über den vor kurzem ergangenen und jetzt erst bekannt gewordenen Geheimerlaß des Armeeflieger kommandos, in welchem-vorgeschrieben wird, daß jüdische Soldaten nicht als Fliegereleven aufgenommen werden dürfen, daß Juden von der Mtlitaraviatjk über haupt ausgeschlossen bleiben und daß Fliegeroffiziere, die: Jüdinnen heiraten, entlassen werden «ollen. Der Verband der j ü d i s c h e n 0 e m e i n de n K r oatiens hielt eine Protestversammlupg ab, in der die Regierung aufgefordert wurde, diese Verordnung des Armeefliegerkommandos als im Widerspruch zur Konstitution; stehend zu annullieren. Zum Tode Professor Aulards. Ein Freund des jüdischen Volkes gestorben. Der Bestattung des in Paris vor einigen Tagen im Alter von 79 Jahren verstorbenen Professors an der j Sortonne Alfons Aulard, Präsidenten der Internationalem ] Liga für Menschenrechte und der Internationalen Union der Völkerbundligen, wohnten Vertreter fast aller französischen und jüdischen Organisationen bei. Professor Aulard,einer der bedeutendsten Historiker des französischen Revolution, ist jederzeit für das Recht der Juden eingetreten und hat niemals gezögert, gegen ein den Juden zugefügtes Unrecht das Gewicht seiner Persönlichkeit und der durch ihn vertretenen Organisationen in die Wagschale zu werfen. Bekannt ist auch seine positive Stellungnahme in der Frage des Aufbaues des j ü-" dischen Nationalheims in Palästina. Noch unverwischt ist der Eindruck, den die Aussage des hochangesehenen greisen Gelehrten vor den Pariser Geschworenen Im Prozeß gegen Schalora Schwarzbart, der den Ataman Petlfrira erschossen ' hat, auf alle gemacht hat. Prof. Aulard schilderte in bewegten Worten die vergeblichen Versuche, die die Liga für Menschenrechte und human gesinnte Persönlichkeiten zur Zeit der ukrainischen Pogrome unternommen nahen, um das Gewissen der Staatsmänner aufzurütteln und sie zu einem Einschreiten gegen die barbarischen Taten zu veranlassen* . ., Juden in den französischen Generalräten. Im ersten Gang der Neuwahlen in die G ene rairät c Frankreichs wurden die folgenden jüdischen Deputierten gewählt: Senator L. Klotz (Somme), Deputierter Mandel (Gironde), Dep, J. U h r y (Oise), U11 m e (Haute Marne), Moses Leva (Haute Marne), D r e y f u ß, Bürgermeister von Carpentras (Vaucluse), Dt. A ms eile (Marne), Dr. AbouJker (Algier), M. Lisbonne (Oran). — Baron Maurice de Rothschild unterlag in Oran gegen den antisemitischen Deputierten Dr. Melle. Hämorrhoiden sind heilbar 3 \\ wenn Sie ltä!IIial8!|-SallB Dltfl HpICH verwenden \ \ Kerne Schmerzen! Keine Blutungen! aathaus-Appthek«, Wien. I., RatnauifftraBe3 <\ in allen Apotheken erhältlich > Unter der Knute des Bolschewismus. Die deklassierten jüdischen Massen in Rußland. — Die Juden aue ihren Wohnungen geworfen. —* An den Bettelstab gebracht. Aus Moskau meldet die J. T. A.: Der 'bekannte jüdische Publizist B, SI u t z k y erhebt in dem Hauptorgän der jüdischen Sektionen der kommuritetischen Partei, der- Moskauer jüdischen Tageszeitung „Emess", schwere Beschuldigungen gegen die Behörden in verschiedenen Teilen Sowjetrußlands, denen vorgeworfen wird, daß sie die Gesetze der Sowjetunion in der schimpflichsten Weise umbiegen, bezw. mißbrauchen und ein grausames Regime gegen die deklassierten jüdischen Massen führen. Diese Massen ehemaliger wohlhabender Käufleute tind Gewerbetreibender wunden allmählich in einen Zustand grauenvollster Verelendung gebracht; jede Möglichkeit, sich irgendwie ihren Lebensunterhalt zu verdienen, wurde ihnen 'unterbunden. In. den Großstädten wie in den Kleinstädten hat sich die Zahl der jüdischen Annen, die auf Unterstützung angewiesen sind, in ungeahnter Weise vermehrt. Shifrzky zitiert . ein ukrainisches Gesetz, /Wonach, jede- Familie, deren Oberhaupt bis -Julj 1927 'mit Handel sich abgegeben/hat," kein Recht'auf eine zwängsbewirtsdhaftete Wohnung hat. Das hieße also, daß die Wohnuugszwangswirtschaft allen früheren ■"'" :' " ■ ■" '" ' '■ •■ iltt lür Ihre Zilie! allein für Huen Mund I iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii Hie fflll Mplnlilenr|i||l6, jiiiitesef, ZaMlircle Kaufleuteh' nicht' mehr zugute kommt und diese ihre Wohnungen, die sie seit einer unzähligen Reihe von jähren bewohnen, räumen und Sich Wohnungen, die nicht der Zwangswirtschaft unterliegen", neu kaufen müssen. Das' Gesetz verursachte Ungeheure Panik. Es müßte dahin abgeändert werden, daß nur jene auf eine zwangsbewirtscluaftete Wohnung keinen Anspruch haben, die noch lieute dem kaufmannsstand angehören und mindestens 30DÖ f?ubel jährlich verdienen. Die ausführenden Organe kehrten sich nicht nach dieser verbessernden Vorschrift und vertrieben rücksichtslos unzählige frühere jüdische Kaufmannsfamilien aus ihren alten . Wohnungen, obwohl die Familienoberhäupter längst nicht inehr Kaufleuto sind, sondern als Handwerker und Heimarbeiter sich Mir Brot verdienen odaivarbeitislpssind. Ich kann aus eigener Wahrnehm-img bezeugen,, schreibt Siuteky, . daß z. D. in Kiew sich die Austreibungen jüdischer Familien aus (hren Wohnungen zu einer wahren Orgie der Grausamkeit ausgewachsen haben. Ausnahmslos sind Juden Opfer dieses Grauens. Die Wohntjngsikommissipnen . beiigen wiiilkürHch die Gesetze nun und säen Entsetzen in die Herfen der jüdischen Bevölkerung. Viele hunderte jüdische Familien wurden durch diese Austreibungen V o l l k offnen ruiniert. Zahlreiche Juden, die ndeji nicht fünf Jahre dem Arbeiter-Stande angehören,; sind als Nich tar b eit e r klassifiziert und .aus ihren Wohnamgen vertrieben worden. Die Entscheiduttgön der Gerichte, sind noch nj[ül|t gefallen, aber , die, inzwischen aus ihren Wohntingeh vertriebenen Faini" lien sind a n d e n, B e 11 e I s t a b gebracht worden. :: \ Zehn Jahre ^Jewsekzia". Die, Jewse'kzia"" (jüdisch^ Sektion der koihttjupistischen/Partei) begeht dieser Tage, die Feier ihres zehnjährigen Be*tehens.»,'ZieV '4er „jje\v8ekfift^;.ist es ajr •NEUERÖFFNETE. REIC|1HALT}OE MQPBRNJß Pf LEIHBIBLIOTHEK PER. BÜCHERSTUBE flt RATH t WIEN, IL. TABORSVRASSI Nr, 2Q« TEL.; R-43.1-58. AlytE NEUeRSCHElNUNOE^! REICHE AUSWAHL IN N1PHHIKA UNP JUPAIKA! MONATSGEBUHR NUR S 3- KEINE BAND GEBÜHR! TAöÜCHER UMTAUSCHT geblich, den Komrhunismus unter deti jüdischen Massen in den Ländern der Sowjetunion zu verbreiten. Ihre Presseorgane sind die Tageszeitungen „Emess" in Moskau, „Stern" in Charkow, „Oktiabr" in Minsk und andere periodische Schriften. Führer der Jewsekzia sind Mereschin, Litwakow, Dimantstein, Tschemeriski u. a. m. Die Jewsekzia ist das stärkste Instrument zur physischen und geistigen Vern.chtung des russischen Judentums geworden. Der feine, trinkt die rauhe Luft der Berge, Der andere, gern •der Brise Hauch am Meer, Doch nebenbei trinkt jeder noch am liebsten* Ein Glas von Hufoefs 'köstlichem Likör. Die sibirische Pest. Abwanderung der jüdischen Siedler aus Bir-Bidschan. Die jüdischen Kolonisten in B \ r - B i d s c h a n im fernen Osten haben vor kurzem in Chabarowsk eine Konferenz abgehalten, in der schwere Beschuldigungen gegen die Unparteiische 'Gesellschaft für jüdische Kolonisation „Ozet" erhoben worden waren. Die Verwaltung, so wurde erzählt, funktioniert schlecht, es hätten etwa SO Prozent der neuen Siedler Bir-Bidschan wieder verlassen. „Ozet" hatte einen Tagestohn von 5 Rubel für Arbeiten in den Wäldern und in den Reisplantagen in Aussieht gestellt, statt dessen verdient ein Arbeiter 75 Kopeken, zuweilen 50 oder 60 Kopeken. Der von „Ozet" gestellte Apparat erwies sich als unzureichend* Man bekam .Boden zjugjetejlt, aber . weder totes, uoeb lebendes Inventar. Das Pferdeniaterial wurde, vernachlässigt. Die Neu- Ankömmlinge mußten eine Zeitlang in Eisenbahnwagen wohnenv , . .,' ... . _ ' Diesen Klagen trat in der. Vci'sammlung derk Bevollmächtigte von „Özct" in Bir-Bidschan, Robinson, entgegen und' warnte vor Uebertreibungen.» Er gab aber zu, daß Fehler gemacht worden sind und daß die Pioniere nicht genug zum Leben verdienen. Die katastrophale Ueberschwemmung dieses Sommers und die sibirische Pest, haben. die Arbeit gestört und viele Pläne zurichte gemacht. Gewisse Febjer in der Verwaltung seien gemacht worden. Der Verwalter Öaskin, der der brutälen Behandlung der Siedler bezichtigt worden war, ist von seinem Posten entfernt, worden. Die Moskauer Zentrale von „Ozet" hat beschlossen, eine UutersuchungskommissioD zur Prüfung der von den Bir-Bidschan-Siedlern vorgebrachten Klagen einzusetzen. Die Korumission wird sich aus A. Sudarsky, Mitglied des Ozet-Präsidiums in der Ukraine, aus einem Mitglied der Fern-Qst-Koinzet und einem Vertreter der Siedler selbst zusammensetzen. Theodor Reinach gestorben. Aus . P $ r i s wird; telegraphiert: Der Historiker und Archäologe Theodor R ein ach ist gestorben. Theodor Reipach war einer des Brüdertrios, das in verschiedenen- Berufszweigen zu hohem.Ansehen gelangt ist. Josef Reinach, vor mehreren Jahren gestorben, War Sekretär Ganr bettas, Deputierter und. politischer Schriftsteller. Salompn Reinach, der überlebende Bruder, ist der bekannte verdienstliche Archäologe und Konservator des Museums in Saint'Cjerinajn bei Paris. Theodor Reinach, der nunmehr Verstorbene, w*r von Haus aus Advokat, bat sich aber vielfach literarisch betätigt. Erschienen sind aus seiner Fecjer eine französische Uebersetzung des „Hamlet" von Shakespeare, ein Werfe über „Legale nicht eingeschriebene Hypotheken'Veine „Q e s c h i c (i t e d e r I s r a e! i t e n s e f t ihrer Zerstrctiung", eine „Sarninlung griechischer juridischer Inschriften", eine Uebersetzung der „Athenfsciien Republik" von Aristoteles und der Werke von Josephus jplavius, scjwie r^och zahlreiche andere Bacher. Theodor Reinach Hat: eih Älter von 68 Jahren erreicht. Er ist zeitlebens ein Verfechter der vollkommenen Assimilation gewesen. Sein Werk über die jüdische Geschichte enthaltschwere Herabsetzungen der jüdischen Religion und ist deshalb wie aueft wegen der sonstigen gefärbten Darstellung von der gesamten jüdischen Kritik abgelehnt werden. Sir John Chancellor Ritter des Ordens SL John von Jerusalem. Der Herzog viöli Connaugbt, Qroßprior des Ordens St. John von Jerusalem) überreichte in London dem neuen Oberkommissär für Palästina, Sir John C h an Cello r, die insigniea eine« Ritter« die$e« Ordens,